Inhaltsverzeichnis
Abbildungen und Tabellen 4
1. Egalisierung und Enthierarchisierung 5
1.1 Geschlechterordnung. 5
1.2 Geschlechterpolitik. 7
2. Geschlechterordnung und -politik in Dänemark 8
2.1 Familienstruktur und Einkommensverteilung. 9
2.2 Der Arbeitsmarkt. 10
2.3 Das System sozialer Sicherung 12
2.4 Politische Partizipation. 16
2.5 Selbstbestimmungsmöglichkeiten der Frau 17
3. Fazit 19
Literaturverzeichnis. 21
3
Abbildungen und Tabellen
Abbildung 1:
Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied 2006……………………….......11
Abbildung 2:
Beschäftigungsquote nach Geschlecht 2006…….…………………….......12
Abbildung 3:
Hochschüler nach Geschlecht 2005……………………………………......13
Abbildung 4:
Teilzeitbeschäftigte nach Geschlecht 2006……………………………......17
Abbildung 5:
Arbeitslosenquoten auf Dauer 2006…………………………………….....18
Tabelle 1:
Rentenvergleich in Dänemark früher und heute……………………….......15
Tabelle 2:
Schwangerschaftsabbruch, gesetzlicher Status nach Indikationen…….......20
Tabelle 3:
Fruchtbarkeitsziffer 2005………………………………………..……........22
4
1. Egalisierung und Enthierarchisierung
1.1 Geschlechterordnung
Egalisierung
Die folgenden Faktoren sind für die sich kontinuierlich egalisierenden Geschlechterordnung Dänemarks entscheidend. Als ersten wichtigen Schritt wird die historische Entwicklung Dänemarks als Agrar- bzw. Handelsstaat und die späte Industrialisierung, sowie der schnelle Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft angeführt.
In einer Agrargesellschaft gibt es keine Einverdienerfamilien und die Geschlechterrollen sind in ländlicheren Gebieten weniger ausgeprägt. Der Haushalt war die Grundordnung der Gesellschaft. Die Frau trägt hier ebenfalls wie der Mann zum Lebensunterhalt bei. Handelsstaaten 1 haben in der Regel liberal bürgerliche Kräfte, was der Egalität dienlich ist. Eine stabile demokratische Entwicklung steht im Kontext des Interesses aller gesellschaftlichen Kräfte. Dies fördert auch ein fortlaufendes hohes Interesse des Staates an der Demokratisierung. Darüber hinaus ist das in verschiedenen Strömungen unterteilte bürgerliche Lager dienlich, welches überwiegend liberal ist und nicht (christlich) konservativ dominiert wie in anderen europäischen Ländern (insbesondere der Süden). Es gab schon früh ein starkes politisches Lager der Arbeiter und Bauern, welches sich später in ein linkes politisches Lager wandelte, welches aus verschiedenen Strömungen besteht, die miteinander koalieren. In einer Sozialdemokratie, die stark auf die Werte Gleichheit und Gerechtigkeit setzt, ist es leichter die Legitimität der Geschlechtergleichheit zu erlangen. Dieser Faktor verstärkt sich, wenn die Sozialdemokratie so stark ist, dass sie Klassenkompromisse zu ihren Gunsten aushandeln kann und es damit geschafft hat die politische Mitte bei der Sozialdemokratie anzusiedeln. Kompromisse sind mit außerparlamentarischen Kräften oder parteiinternen Strömungen wie die Frauenbewegung, leichter möglich, wenn häufig sozialdemokratisch geführte Koalitionsregierungen zustande kommen, die politische Kompromisse von allen Lagern fordern.
Ebenso ist auch der hohe Stellenwert des politischen Konsens und soziale Inklusion ein förderlicher Faktor in Dänemark. Weiterhin ist die internationale politische Neutralität Dänemarks ein förderlicher Faktor. Im Kriegsfall wären Restaurationsphasen zu überstehen, welche die Wirtschaft, aber vor allem die Gesellschaft, aus dem Gleichgewicht bringen
1 Im klassischen Sinne nach Rosecrance, Richard (1987): Der Neue Handelsstaat. Herausforderung für Politik
und Wirtschaft. Campus Verlag, Frankfurt am Main.
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könnten. Darüber hinaus ist die kulturelle und religiöse Homogenität ein egalisierender Faktor. Der Protestantismus ist traditionell liberaler eingestellt als der Katholizismus. Das offene und reformgeübte politische System Dänemarks spricht für sich, ebenso wie die Inklusivität, so dass jede gesellschaftliche Gruppe ihre Interessen geltend machen kann.
Enthierarchisierung
Als ein zentraler Faktor zur Enthierarchisierung der Geschlechterordnung in Dänemark ist die relativ frühe Einführung geschlechtsneutraler sozialer Rechte zu nennen. Dies geschah zum Teil schon bei der Rentenreform vom 1891.
Ein anderer zentraler Faktor ist der Universalismus des sozialen Sicherungssystems. Staatliche Leistungen sind nicht an gezahlte Beiträge gekoppelt. Es besteht eine Individualisierung statt einer Familienzentriertheit, wie z.B. in Deutschland. Dies bedeutet, dass in Dänemark auch verheiratete Frauen (bzw. Männer) als einzelne Einheit angesehen werden. Sozialleistungen sind nicht an dem Familienstatus geknüpft. Das macht die Frau beispielsweise unabhängiger vom Ehemann und dessen Arbeit bzw. Sozialversicherung. Darüber hinaus sind die beanspruchten Sozialleistungen individuell einklagbar. Weiterhin hat der Staat reproduktive Verantwortung übernommen. Es besteht im Allgemeinen ein hohes Maß an staatlicher Verantwortung für das Wohlergehen der Bürger und Bürgerinnen, besonders im Bezug auf die Umverteilungsfreudigkeit auch zwischen verschiedenen sozialen Schichten. Dies legitimiert die hohen Sozialleistungen, die wiederum insbesondere Frauen zu Gute kommen.
Der relativ frühe und umfangreiche Ausbau des öffentlichen Dienstes seit den 1960er Jahren macht den Staat zum Kinderbetreuer und Frauenarbeitgeber. Dies sorgt für eine hohe Frauenerwerbsquote. In diesem Zusammenhang steht auch der nüchterne Umgang mit der Frage nach aushäusiger Kinderbetreuung und der damit verbundenen Legitimität berufstätiger Elternschaft.
Das steuernfinanzierte soziale Sicherungssystem ist leichter politisch regulierbar, so dass neue Gruppen schneller einbezogen werden können. In Dänemark hat das Ideal der Freiheit einen hohen Stellenwert, welches das Recht auf freie Entscheidung über Abtreibung legitimiert und sicherstellt.
In Dänemark gibt es, anders als in anderen EU-Staaten, kein Frauenministerium 2 , sondern ein Gleichstellungsgremium, welches im Endeffekt auch einflussreich wie ein Ministerium ist.
2 Ein Frauenministerium ist eine Institution zur Vertretung bzw. Förderung der Rechte der Frauen, eingegliedert
in ein Ministerium oder als eigenständiges Ministerium. Ein Beispiel ist das Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend in Deutschland
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Arbeit zitieren:
B.A. Thomas Oeljeklaus, 2008, Egalisierung und Enthierarchisierung der Geschlechterordnung und Geschlechterpolitik in Dänemark, München, GRIN Verlag GmbH
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