Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Etwas Zusammengefügtes 3
2.1 Subjekt / Objekt 3
2.2 I und Me 4
2.3 Kommunikation (Mead) 4
2.4 Ich-Identität und Wir-Identität 5
2.5 Kommunikation (Assmann) 6
3 Fortschreiten 7
3.1 Play und game 8
4 Einer/Eine/Eins unter vielen 9
4.1 Abgrenzung. 10
5 Fazit 11
Literaturverzeichnis 13
Abstract 14
1
1 Einleitung
Menschen erzeugen Symbole und werden durch sie geprägt. Symbole haben einen enormen Einfluss auf die Identitätsbildung eines Individuums und ganzen Gesellschaften, was Durkheim mit folgenden Wörter verdeutlicht: „[…] das soziale Leben unter allen seinen Aspekten und zu allen Augenblicken seiner Geschichte [ist] nur dank eines umfangreichen Symbolismus möglich.“ 1 . Deswegen wurde das Thema von vielen Theoretikern aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen behandelt.
In meiner hier vorliegenden Arbeit werde ich versuchen die Ideen zwei dieser Theoretiker darzustellen. Dabei ist mir eine Analogie, die man zwischen der Identität und dem Symbolbegriff herstellen kann, aufgefallen. In beiden Fällen handelt es sich um mindestens zwei Teile, die sich gegenseitig ergänzen und erst zusammen eine Einheit bilden. Sowohl die Identität, als auch das Symbol können mehrschichtig sein, man kann sie auf verschiedene Art und Weisen wahrnehmen bzw. interpretieren. Beide befinden sich im permanenten Prozess, sie entwickeln sich ununterbrochen. Das Symbol verliert entweder seine alte Bedeutung und wird mit einer neuer geladen, oder die alte Bedeutung wird modifiziert. Die Identität wird ständig mit neuen Erfahrungen und Umgebungen konfrontiert, die einen Einfluss auf ihre Entwicklung haben. Identitäten und Symbole werden erst dann erkennbar, wenn sie in einer Abgrenzung von den anderen betrachtet werden.
Diese ausgeführte Analogie werde ich versuchen klarer zu machen, indem ich mich mit den Aufsätzen von Jan Assmann „Das Kulturelle Gedächtnis“ und George Herbert Mead „Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus“ auseinandersetzen werde. Beide Texte behandeln das
Identitätsthema mit dem Fokus auf eine nahliegende und ähnliche Fragestellung, was dazu führt, dass sie sich in einigen Punkten ergänzen. Ob die Analogie exakt zutreffend ist - was sie bestimmt nicht in jeder Hinsicht ist - soll nicht entscheidend sein. Sie soll mir dabei helfen die Arbeit strukturell zu gestallten. Der Schwerpunkt soll bei dem Einfluss des Symbols auf die Identitätsbildung gelegt werden.
1 Durkheim (1981): S.317
2
2 Etwas Zusammengefügtes
Die Etymologie des Wortes „Symbol“ geht auf das griechische Wort „sýmbolon“ zurück, was als „zusammenfügen“ oder „etwas Zusammengefügtes“ übersetzt werden kann. Sýmbolon wurde in der Antike zu gegenseitiger Identifizierung zwischen Personen bei einem Wiedertreffen benutzt. Dazu wurde ein vereinbartes Erkennungszeischen, das aus Bruchstücken bestand, verwendet. Ergaben die zusammengefügten Teile bei einem Zusammenkommen in der Zukunft eine Einheit, war es der Beweis dafür, dass man mit den richtigen Personen zu tun hatte 2 .
Diese Binärität kennzeichnet auch die Identität, wie sie Mead in seinem Hauptwerk darstellt. Die Analogie ergibt sich gleich zweifach. Einerseits in der Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt. Anderseits bei den zwei Instanzen „I“ und „me“, die eine Identität bilden. Für Assmann besteht die Identität ebenfalls aus zwei Dimensionen, die in „[…] eine eigentümliche, paradox erscheinende Beziehung.“ 3 zueinander steht. Es sind die Ich-Identität und die Wir-Identität.
Beide Wissenschaftler heben bei der Identifizierung der einzelnen Einheiten, des Individuum und der Gruppe, die große Rolle der zwischenmenschlichen Kommunikation hervor. Für beide ist die Sprache das wichtigste Medium um sich zu verständigen. Mead macht auf die Zeichen, Gesten und Symbole aufmerksam. Assmann fügt noch andere Medien hinzu, die bei der Kommunikation von wesentlicher Relevanz sind.
2.1 Subjekt / Objekt
Die erste Unterscheidung verweist auf die abwechselnden Wahrnehmungspositionen des Individuum, das sich sowohl als Subjekt, als auch als Objekt betrachten kann. Das Subjekt kann seine Identität erst dann erkennen, wenn es „[…] für sich selbst […] zum Objekt […].“ 4 wird, d.h. nur indirekt indem es „[…] die Haltung anderer Individuen gegenüber sich selbst innerhalb einer gesellschaftlichen Umwelt oder eines Erfahrungs- und Verhaltenskontextes einnimmt, in den er ebenso wie die anderen eingeschaltet ist.“ 5 . Das geschieht nur auf der verbalen Ebene. Indem sich das Individuum verbal äußert drückt es seine Subjektivität aus, zu dem nur es selbst
2 vgl. Brockhaus: S.441
3 Assmann (2002): S.130
4 Mead (1993): S.180
5 ebd.: S.180
3
Zugang hat. Gleichzeitig nimmt es seine Wörter wahr und so werden sie zum Objekt. Nachdem es sich selbst reflektiert, kann es darauf reagieren. Mead schreibt: „[…] soweit ich sehen kann, ist der Einzelne solange keine Identität im reflektiven Sinn, als er nicht ich selbst Objekt ist. Diese Tatsache gibt der Kommunikation entscheidende Bedeutung, da sie ein Verhalten ist, bei dem der Einzelne in dieser Weise auf sich selbst reagiert.“ 6 .
2.2 I und Me
Ausführlicher behandelt Mead eine andere Art von Teilung, die in einem Individuum herrscht. Er betrachtet die Identität als ein Zusammenspiel zweier Instanzen: „I“ und „Me“ 7 . Das „I“ ist nach Mead eine „Reaktion des Organismus auf die Haltungen anderer […]“ 8 . Das Verhalten von anderen, äußerliche Reize werden interpretiert und die darauf folgende Reaktion wird spontan durchgeführt. Dazu gehören alle subjektiven, unbestimmten Reaktionen. Deswegen kann man nie sicher sein, wie man in verschiedenen Situationen reagieren wird, „[…] da das `Ich` [„I“] niemals ganz berechenbar ist.“ 9 . Man identifiziert sich mit der „I“ Instanz.
Gegenüber steht das „Me“, der reflektierter Teil der Identität. Vor allem ist es die Vorstellung von dem Bild des Individuums, was andere von ihm haben. Dazu gehört auch die Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen (Rollen), die in der Gesellschaft vorhanden sind. Für Mead ist das „Me“: „[…] die organisierte Gruppe von Haltungen anderer, die man selber einnimmt.” 10 .
Man muss bedenken das „I“ und „Me“ unzertrennbar sind und erst zusammen eine vollkommene Identität bilden. Dabei kontrolliert das „Me“ das „I“, das wiederum auf das „Me“ reagiert. „Die Identität ist im wesentlichen ein gesellschaftlicher Prozess, der aus diesen beiden unterscheidbaren Phasen besteht.“ 11 .
2.3 Kommunikation (Mead)
Aus den beiden ersten Unterkapiteln folgt, dass die Identität nach Mead in einem Kommunikationsakt entsteht. Er nennt drei Mittel mit denen Menschen fähig zu
6 ebd.: S.184
7 In der deutsche Auffassung von „Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus“ werden die zwei Instanzen mit „Ich” (I) und „ICH“ (Me) übersetzt. Da ich aber die Original Begriffe zutreffender finde, werde ich in meiner Arbeit die englischen benutzen.
8 ebd.: S.218
9 ebd.: S.221
10 ebd.: S.218
11 ebd.: S.221
4
Arbeit zitieren:
Michał Krus, 2009, Identität und Symbol - Symbol und Identität , München, GRIN Verlag GmbH
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