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Die integrative Funktion des Selbst

in Hermann Hesses Demian und C. G. Jungs Tiefenpsychologie

Title: Die integrative Funktion des Selbst

Term Paper , 2009 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Laura Gemsemer (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Der christliche Glaube spaltet die Welt in zwei nicht miteinander zu vereinbarende Bereiche. Zwar muss davon ausgegangen werden, dass „die ursprüngliche christliche Anschauung der imago Dei, verkörpert in Christus, [...] zweifellos eine allumfassende Ganzheit [...]“ darstellt, dennoch „mangelt das Symbol Christi der Ganzheit im modernen Sinne, [da] es die Nachtseite der Dinge expressis verbis nicht mit ein-, sondern als luziferischen Gegenspieler ausschließt.“ Indem das praktizierte, exoterische Christentum also einen Gott und einen Teufel schafft, die sich in ihren Gegensätzen von Gut und Böse widersprechen, sodass sie keinen gemeinsamen Schnittpunkt aufweisen, schafft die Bibel eine nicht zu überbrückende Dualität im christlichen Glauben. Anders sieht es in fernöstlichen Religionen aus, in denen Gottheiten wie ein Shiva oder eine Kali ebenso zerstörerisch wie lebensspendend in ein und derselben Wesenheit sind. Anstatt eine gute und eine böse Gottheit zu erschaffen, entstehen polare Wesen, die, durch ihre unterschiedlichen Aspekte, die Überbrückung der Gegensätze in einer einzigen Gottheit symbolisch ermöglichen und somit auf die Einheit verweisen, die der Polarität zugrunde liegt. Ebensolch einen polaren Charakter weist auch die sogenannte „Große Mutter“ als älteste aller Götterfiguren auf: Sie gebiert und verschlingt, ist Mann und Frau, spendet Leben und Tod. Im vorliegenden Roman wird sie uns als Figur der Frau Eva, imago Dei und damit als Archetyp des Selbst begegnen.
Eben jene Problematik der Unvereinbarkeit der Gegensätze thematisiert Hermann Hesse, im Demian . Der Protagonist des Romans erlebt die Unvereinbarkeit der (christlich-dualen) Gegensätze als Krise, die ihn auf einen von Jungs Psychologie geprägten, geradezu paradigmatischen Individuationsprozess führt. Im Folgenden werde ich aufzeigen, wie die Suche nach dem Selbst, das am Ziel des Individuationsprozesses steht, zwangsläufig auch nach einem neuen Verständnis von Gut und Böse verlangt, da der Abschluss der Selbstfindung einer Integration der hellen wie der dunklen Seiten der eigenen Persönlichkeit und des Lebens schlechthin bedarf. Ich werde meinen Fokus also auf die Rolle der Einheit der Gegensätze im Individuationsprozess richten und damit nach der „integrativen Funktion“ des Selbst fragen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Beginn des Individuationsprozesses

1. 1. Konfrontation mit den zwei Welten

1.2 Die Konfrontation mit dem Schatten

2. Das Selbst

2.1. Auf dem Weg zum Selbst: (symbolische) Träume

2.2. Der schöpferische Prozess

2.3. Das Selbst als imago Dei – Götter der Gegensätze

3. Christlicher Dualismus

Abschließende Überlegungen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die integrative Funktion des Selbst in Hermann Hesses Roman "Demian" unter Anwendung tiefenpsychologischer Konzepte nach C. G. Jung. Dabei wird analysiert, wie der Protagonist durch die Überwindung dualistischer christlicher Weltbilder hin zu einer polaren Ganzheit seinen Individuationsprozess vollzieht und dabei archetypische Symbole integriert.

  • Individuationsprozess nach C. G. Jung
  • Die Rolle des Schattens und der Anima
  • Symbolik der "Großen Mutter" und Abraxas
  • Kritik am christlichen Dualismus
  • Synthese von Außen- und Innenwelt

Auszug aus dem Buch

2.2. Der schöpferische Prozess

Meistens wird der Archetypus des Selbst in Träumen oder gemalt in Bildern erlebt und erscheint in abstrakten Symbolen von Ganzheit und Gegensatzvereinigung. [...] Dieser schöpferische Prozess ereignet sich zwischen dem Unbewussten, den archetypischen Strukturen und den Komplexen und dem Bewusstsein, im Dialog des Bewusstseins mit dem Unbewussten.

Nach Sinclairs Wandlung durch den „Kult der Beatrice“ verspürt er den Drang zu malen, um das verehrte Bild festzuhalten. Je mehr er sich dabei um eine bewusste Vorstellung bemüht, desto weniger glückt ihm der Versuch. Erst als er die bewusste Kontrolle über Farben und Pinsel abgibt, nähert er sich dem Bild: „Es war ein geträumtes Gesicht.“ Im Folgenden schildert er, wie er die Führung immer mehr an sein Unbewusstes (und hier taucht der Begriff tatsächlich auf) abgibt: „Mehr und mehr gewöhnte ich mich daran, mit träumerischem Pinsel Linien zu ziehen und Flächen zu füllen, die ohne Vorbild waren, die sich aus spielendem Tasten, aus dem Unbewußten ergaben.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der christlichen Dualität von Gut und Böse und führt die These ein, dass der Individuationsprozess des Protagonisten auf die integrative Funktion des Selbst zielt.

1. Beginn des Individuationsprozesses: Dieses Kapitel thematisiert Sinclairs erste Erfahrungen mit der Polarität der Welt und die zentrale Konfrontation mit seinem archetypischen Schatten, verkörpert durch Franz Kromer.

2. Das Selbst: Hier wird der Prozess der psychischen Ganzwerdung detailliert betrachtet, wobei insbesondere die Bedeutung von Träumen, kreativen Prozessen und das Erscheinen der "Großen Mutter" als imago Dei zentral sind.

3. Christlicher Dualismus: Dieses Kapitel kritisiert die Unfähigkeit des institutionellen Christentums, das Paradoxe und die dunklen Aspekte des Lebens zu integrieren, was für den Individuationsprozess eine Blockade darstellt.

Abschließende Überlegungen: Die Autorin resümiert die jungianische Deutung des Romans und betont Hesses Lösungsvorschlag zur Überwindung des Dualismus durch neue, archetypische Symbole.

Schlüsselwörter

Individuation, C. G. Jung, Hermann Hesse, Demian, Selbst, Schatten, Anima, Archetyp, imago Dei, Dualismus, Polarität, Abraxas, Große Mutter, Unbewusstes, Ganzheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der tiefenpsychologischen Entwicklung des Protagonisten Emil Sinclair in Hermann Hesses Roman "Demian" und analysiert seinen Weg zur Ganzwerdung (Individuation).

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Integration gegensätzlicher Persönlichkeitsanteile, die Kritik am christlichen Dualismus und die Bedeutung psychologischer Archetypen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die "integrative Funktion des Selbst" Sinclair dabei hilft, die Dualität von Gut und Böse zu überwinden und eine innere Einheit zu finden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die konsequent auf den tiefenpsychologischen Theorien von C. G. Jung aufbaut.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Konfrontation mit dem Schatten, die Analyse des schöpferischen Prozesses und die Bedeutung des Selbst als imago Dei.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Individuation, Archetyp, Schatten, Anima, Abraxas und das Konzept der conjunctio oppositorium.

Inwiefern spielt der "Apfel" eine Rolle in der Argumentation?

Der Apfel dient als Symbol des Selbst und der Erkenntnis; sein Diebstahl markiert den Beginn der Selbstfindung, die in der Begegnung mit Frau Eva ihren symbolischen Abschluss findet.

Warum wird der "christliche Dualismus" als problematisch angesehen?

Er wird als blockierend für die psychische Entwicklung bewertet, da er die Welt in unvereinbare Bereiche spaltet und keine Integration der Schattenseiten zulässt.

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Details

Title
Die integrative Funktion des Selbst
Subtitle
in Hermann Hesses Demian und C. G. Jungs Tiefenpsychologie
College
Free University of Berlin  (Peter Szondi - Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Literatur und Tiefenpsychologie – Doppelgänger der literarischen Moderne
Grade
1,3
Author
Laura Gemsemer (Author)
Publication Year
2009
Pages
20
Catalog Number
V134416
ISBN (eBook)
9783640426171
ISBN (Book)
9783640423323
Language
German
Tags
C. G. Jung Hermann Hesse Demian Archetypen Tiefenpsychologie Abraxas Dualität Polarität Selbst coincidentia oppositorum Schatten Christentum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Gemsemer (Author), 2009, Die integrative Funktion des Selbst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134416
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