Ich werde meine Hausarbeit mit einem kurzen Abriss der Philosophie Nietzsches
beginnen, um dessen Hauptgedanken in groben Zügen nachzuzeichnen. Im
Hauptteil werde ich nah an dem zu behandelnden Text: „Wahrheit und Lüge im
außermoralischen Sinn“ arbeiten, aber auch andere wichtige Schriften mit
einbeziehen. Zum Schluss versuche ich, Nietzsche eine Position innerhalb der
Rhetorik und Philosophie Debatte zu entlocken. Friedrich Nietzsche als Philosoph im herkömmlichen Sinn zu verstehen, wäre ein
Fehler. Nietzsches Philosophie nicht als Philosophie ernst zu nehmen ein noch viel
größerer. Als studierter Philologe war es eigentlich seine Profession sich mit
altertümlichen Schriften zu befassen. Durch die ständige Konfrontation mit der
Philosophie der Antike und den christlichen Schriften geriet er aber der Philosophie
naturgemäß sehr nah. Erst die Schriften Schopenhauers weckten in ihm endgültig
das Interesse für die Philosophie. Schopenhauer, selbst ein Außenseiter in der Welt
der Philosophie, wurde zu einem Vorbild für Nietzsche. So kann man ihn zunächst
als geistiges Kind Schopenhauers einordnen.1 Zum anderen war aber auch der
berühmte Komponist Richard Wagner eines seiner großen Vorbilder. Seine Musik
und auch seine Persönlichkeit inspirierten Nietzsche zu vielen seiner Schriften. Er
selbst gab den antiken Philosoph Heraklit als sein philosophisches Vorbild an. Alleine
schon diese merkwürdige Herangehensweise an die strenge Wissenschaft der
Philosophie ließ ihn unter den Philosophen zu einem Einzelkämpfer werden. So hält
sich Nietzsche auch an keinerlei anerkannte philosophische Tradition. Dichtend und
denkend rollt er seine Weltanschauungen ohne jeglichen wissenschaftlichen
Charakter aus. Den Inhalt kann man nicht nur als sehr eigenständig und aus der
Rolle fallend bezeichnen, er ist beinahe eine Antiphilosophie. Anti- ist überhaupt ein
treffender Ausdruck um das Nietzsche Denken zu charakterisieren. Es richtet sich
nicht nur gegen die Metaphysik der bekannten Philosophie, sondern auch gegen das
Christentum, den Feminismus, den Sozialismus, die Demokratie, den
Intellektualismus, den Nationalismus und den Pessimismus.2 [...]
1 Vgl.: Störig, Hans Joachim, Kleine Weltgeschichte der Philosophie, S. 364
2 Vgl.: Störig, Hans Joachim, Kleine Weltgeschichte der Philosophie, S. 369
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung:
1.1 Nietzsches Philosophie in groben Zügen
2 Der Text „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“
3. Die Frage an den Text: Was hat das eigentlich mit Rhetorik und Philosophie zu tun?
3.1 Die Rhetorik als Metaphernbildung
3.2 Nietzsche und die Metapher
3. 3 Über Wissenschaft und Kunst oder Suchen und Gestalten
3. 4 Über Vernunft und Intuition oder Philosophie und Rhetorik
3.5 Nietzsches Position
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Rhetorik und Philosophie in Nietzsches Text „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“ und arbeitet dabei die Dialektik zwischen rationaler Vernunft und intuitiver Kunstschöpfung heraus.
- Analyse von Nietzsches Philosophie und seinem Verständnis von Wahrheit.
- Untersuchung der Rolle der Metapher in Sprache, Wissenschaft und Rhetorik.
- Gegenüberstellung des „vernünftigen“ und des „intuitiven“ Menschentyps.
- Interpretation des Rhetorikbegriffs als wahrheitsschaffende Metaphernbildung.
- Einordnung von Nietzsches eigener Position innerhalb der Debatte.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Rhetorik als Metaphernbildung
In der Rhetorik kommen die verschiedensten Arten der Wortgebräuche zum Einsatz. Ein Mittel der Rhetorik ist es zum Beispiel einen Sachverhalt in einer Metapher zu veranschaulichen. Man setzt damit einen Bezug von einem zu abstrakten und deshalb unverständlichen Sachverhalt mit Hilfe eines Bildes um. Das Bild ist meist ein Wort, welches bereits eine ihm eigene Sinnbedeutung in sich trägt. Der Zuhörer kann sich somit, aufgrund der bereits sinngebenden Belegung des Wortes, selbständig in das gebrauchte Bild hineinfühlen und denken. Dies geschieht, indem der Zuhörer die essentielle Funktion des Wortes herausfiltert, es somit von seiner Spezifizierung befreit und damit die Metafunktion des Bildes auf den gemeinten Sachverhalt überträgt. So ist das Wort „Motor“ im eigentlichen Sinn des Wortgebrauchs der Antrieb eines Fahrzeugs, meist gegenständlicher Natur, trotzdem wird er oft metaphorisch gebraucht, zum Beispiel als: „Motor der Wirtschaft“.
Der entscheidende Nachteil der Metaphernbildung ist, dass der durch die Metapher beschriebene Sachverhalt nicht wirklich der Metapher entspricht. Sie ist durch die Spezifikation des abstrakten bereits eingeschränkt in ihrer Erklärungsmacht. Man bringt den Zuhörer zwar näher an den zu beschreibenden Sachverhalt heran, dieser aber hat ihn nur in Form des benutzen Bildes erlangt und muss sich nun die Quintessens selber herausinterpretieren. Diese Interpretation ist wiederum eine individuelle Abstraktion. Aber nicht mehr des eigentlichen Gegenstandes sondern nur des Bildes. So entsteht eine Metapher von einer Metapher. Man sieht, dass über diesen Weg eine Menge Informationen wegfallen. Die Ungenauigkeiten pflanzen sich fort und kumulieren sich. Somit ist die Metapher zwar ein wichtiges rhetorisches Mittel, manchmal das einzige hilfreiche, aber gleichzeitig immer auch eine Verfälschung des Gemeinten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Kurzer Abriss der Philosophie Nietzsches und Ankündigung der methodischen Herangehensweise an den zu untersuchenden Text.
1.1 Nietzsches Philosophie in groben Zügen: Darstellung von Nietzsches Denken als Antiphilosophie und Erläuterung zentraler Konzepte wie „Wille zur Macht“, „Übermensch“ und „Ewige Wiederkunft“.
2 Der Text „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“: Analyse von Nietzsches radikaler Sprach- und Erkenntniskritik sowie seiner Definition von Wahrheit als anthropomorphische Konstruktion.
3. Die Frage an den Text: Was hat das eigentlich mit Rhetorik und Philosophie zu tun?: Einleitung in die Interpretation von Rhetorik und Philosophie durch die Linse von Nietzsches Metaphernbegriff.
3.1 Die Rhetorik als Metaphernbildung: Erläuterung der Metapher als rhetorisches Werkzeug und deren gleichzeitige Funktion als notwendige Verfälschung der Realität.
3.2 Nietzsche und die Metapher: Diskussion von Sprache als Metapher einer Metapher und Nietzsches eigener Anwendung metaphorischer Sprache.
3. 3 Über Wissenschaft und Kunst oder Suchen und Gestalten: Gegenüberstellung der starren Welt der wissenschaftlichen Begriffe mit der schöpferischen Freiheit der Kunst und Intuition.
3. 4 Über Vernunft und Intuition oder Philosophie und Rhetorik: Übertragung der Dialektik von Vernunft und Intuition auf das Spannungsfeld von Philosophie und Rhetorik.
3.5 Nietzsches Position: Fazit zur Rollenverteilung zwischen Philosophie und Rhetorik sowie Bekenntnis zu Nietzsches eigener künstlerischer Perspektive.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Rhetorik, Philosophie, Metapher, Erkenntniskritik, Wahrheit, Lüge, Intuition, Vernunft, Wissenschaft, Kunst, Übermensch, Sprachkritik, Perspektivismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer interpretativen Analyse von Nietzsches Text „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“ hinsichtlich des Verhältnisses von Rhetorik und Philosophie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf Nietzsches Sprachverständnis, die Kritik an der Metaphysik, die Unterscheidung zwischen dem „vernünftigen“ und dem „intuitiven“ Menschen sowie die Funktion von Metaphern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, innerhalb der von Nietzsche entworfenen Denkweise eine Position für Rhetorik und Philosophie zu finden und aufzuzeigen, wie diese sich als zwei Pole menschlichen Lebens ergänzen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen interpretativen Ansatz, bei dem er sich auf Nietzsches eigene Metaphorik einlässt, um dessen philosophische Haltung greifbar zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Metaphernbildung, den Gegensatz zwischen starren Begriffen und intuitiver Kunst sowie die Rollenverteilung zwischen Philosophie als wahrheitssuchend und Rhetorik als wahrheitsschaffend.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Nietzsche, Metapher, Rhetorik, Erkenntniskritik, Wahrheit, Intuition und Perspektivismus.
Wie unterscheidet Nietzsche laut dem Autor zwischen dem „vernünftigen“ und dem „intuitiven“ Menschen?
Während der vernünftige Mensch Sicherheit in der Logik und im starren Begriffshimmel sucht, ist der intuitive Mensch der Künstler, der die Welt als Spielplatz betrachtet und Gesetzen der Vernunft entflieht.
Warum ordnet der Autor Nietzsche eher dem Bereich der Rhetorik beziehungsweise der Kunst zu?
Weil Nietzsche in seinen Texten wissenschaftliche Abstraktion kritisiert und stattdessen einen Stil pflegt, der durch Zynismus, Polemik und lyrische Metaphern den schöpferischen Charakter eines Künstlers widerspiegelt.
- Quote paper
- Michael Seemann (Author), 2001, Über Rhetorik und Philosophie im außermoralischen Sinn, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13445