1 Einleitung In dieser Hausarbeit geht es um die Frage, ob es einen Unterschied zwischen der Symptomatik einsprachiger Aphasiker und mehrsprachiger Aphasiker gibt und wie die Restitution verlaufen kann? Dabei geht es darum herauszufinden, wie die verschiedenen Sprachen betroffen sein können und inwieweit diese wiedererlangt werden können. Bedingt durch Vorgaben des Umfanges dieser Leistung ist jedoch lediglich ein oberflächlicher Einblick möglich. Aus diesem Grund war es mir beispielsweise nicht möglich die Gründe darzustellen, welche zu einer Vermischung beider Sprachen führen können.
2 Aphasie bei einsprachigen Aphasikern
2.1 Begriffserklärung - Aphasie
Aphasie kommt aus dem Griechischen und „bedeutet dem Wort nach Sprachlosigkeit“ (Tesak (1997), 1). Eingeführt hat diesen Begriff 1864 der französische Neurologe Armand Tousseau (Tesak (1997), 1). Damit bezeichnete er eine Sprachstörung nach Hirnschädigung und löste somit andere Bezeichnungen „wie Aphemie, Alalie oder Verbale Amnesie ab“ (Tesak (1997), 1). Derzeit gibt es keine allgemein gültige Definition für Aphasie (Grewe, Vorlesung, 4.11.2008). Laut Tesak (1997, 1) gibt es zwei Bestimmungen, über „die gewisse Einigkeit herrscht“: N die Ursache der Aphasie ist eine Schädigung des Gehirns N die sprachliche Leistung der Betroffenen ist beeinträchtigt
2.2 Symptome bei Aphasie
Aphasische Symptome können auf allen linguistischen Ebenen und in allen Modalitäten auftreten (Tesak (1997), 6). Typisch ist, dass diese Symptome in „Symptombündeln immer in ähnlicher Weise auftreten“ (Tesak (1997), 6).
2.2.1 Sprachliche Symptome - Spontansprache
Neben der freien Rede im dialogischen Gespräch oder Interview können bei einer Aphasie auch das Verstehen und die schriftsprachlichen Fähigkeiten betroffen sein (Tesak (1997), 6). Je nach Störungsbild sind die kommunikativen und pragmatischen Fähigkeiten meist gut erhalten (Tesak (1997), 6).
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2.2.2 weitere Symptome Neben den aphasischen Symptomen sind oft auch weitere nicht-sprachliche Symptome vorhanden (Tesak (1997), 6). Zu diesen zählen beispielsweise Seh- und Aufmerksamkeitsstörungen (Tesak (1997), 7). Diese weisen „direkt keine kausalen Zusammenhang“ zur Aphasie auf, können sprachliche Leistungen jedoch beeinflussen (Tesak (1997), 7).
3 Aphasie bei mehrsprachigen Aphasikern
3.1 Begriffserklärung - Mehrsprachigkeit
Für die Definition der Begriffe Mehrsprachigkeit, Zweisprachigkeit und Bilingualität werden je nach Forschungsinteresse unterschiedliche Kriterien verwende (Sayilir (2007), 17). R. Tracy versucht im 15. Kapitel: „Bilingualismus in der frühen Kindheit“, eine Definition eines bilingualen Prototypen zu geben:
„Ein bilinguales Individuum beherrscht zwei sprachliche Kenntnissysteme in einem Ausmaß, dass es ihm gestattet, (…) in der Sprache des Gesprächspartners zu kommunizieren“ (Tracy (200) S. 497).
3.2 Symptome bei polyglotter Aphasie
Die aphasischen Symptome bei mehrsprachigen Aphasikern sind ähnlich denen, der einsprachigen Aphasikern, treten jedoch meist in allen erlernten Sprachen auf (Lutz (2004), 36).
3.3 Restitutionsverläufe
Seit 1977 liegt eine systematische Einteilung der verschiedenen bisher dokumentierten Restitutionsverläufe vor (Paradis (1977), 65). Nach Paradis lassen sich sechs Restitutionsmuster unterscheiden, die sich jedoch gegenseitig nicht ausschließen müssen (Paradis (1977), 65)
3.3.1 Synergische Restitution
Synergisch bedeutet zusammenwirken, weil bei diesem Restitutionsverlauf bei allen Sprachen Fortschritte zu bemerken sind (Paradis (1977), 65).
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1. Parallele Restitution Bei der Ausprägung der Symptome können die verschiedenen Sprachen gleichermaßen betroffen sein (Paradis (1977), 65). Dann weisen sie eine ähnliche, wechselseitige beeinflusste Rückbildung auf, welche synergistische Restitution genannt wird (Wehmeyer/Grötzbach/Thiel (2006, 31). Diese Art der Rückbildung liegt bei 76% der Aphasiker mit Mehrsprachigkeit vor (http://www.uni-hamburg.de/sfb538/pppmiertsch.pdf, 12.07.09).
2. Differenzielle Restitution
Bei dieser Art von Restitution sind die Sprachen unterschiedlich betroffen (Haspelmath/König/Oesterreicher (2001), 131). Die Rückbildung erfolgt jedoch bei beiden Sprachen gleichermaßen (Paradis (1977), 66). Diese Art der Rückbildung liegt bei 12,3% der Aphasiker mit Mehrsprachigkeit vor (http://www.uni-hamburg.de/sfb538/pppmiertsch.pdf, 12.07.09).
3.3.2 Sukzessive Restitution
Eine sukzessive Restitution liegt vor, wenn eine Sprache erst dann Besserung zeigt, wenn eine andere schon reaktiviert ist (Wehmeyer/Grötzbach/Thiel (2006, 31). Das bedeutet, dass die zweite Sprache wiedererlangt wird, nachdem die erste sich maximal restituiert hat (Paradis (1977), 66)
3.3.3 Selektive Restitution
Selten lassen sich eine isolierte Störung einer Sprache oder eine Rückbildung in nur einer Sprache feststellen (Wehmeyer/Grötzbach/Thiel (2006), 32). Dabei zeigt eine Sprache zu keinem Zeitpunkt Fortschritte (Paradis (1977), 66). Diese Art der Rückbildung liegt bei 4,3% der Aphasiker mit Mehrsprachigkeit vor (http://www.uni- hamburg.de/sfb538/pppmiertsch.pdf, 12.07.09).
3.3.4 Antagonistische Restitution
Bei einer antagonistischen Restitution hingegen kommt es zu einer Verschlechterung der einen Sprache, während sich die andere verbessert (Wehmeyer/Grötzbach/Thiel (2006), 31). Es ist auch möglich, dass beider Sprachen wiedererlangt werden, aber es ist bis zu einem bestimmten Zeitpunkt jeweils nur eine Sprache verfügbar, wobei
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Arbeit zitieren:
Juana Golla, 2009, Aphasie bei Mehrsprachigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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