und erwarten von ihr, dass sie sich so „wie die Deutschen“ benimmt. Den Deutschen werden von den Polen meistens negative Eigenschaften zugerechnet, deshalb wird der „Hans aus München“ auch als „der böse und negative Deutsche“ betrachtet. Dies bedeutet, dass wir den Deutschen Merkmale zuschreiben, die sie als Ganzheit, als eine Gruppe bezeichnen. Dabei werden aber die Merkmale eines Individuums außer Acht gelassen. Darauf besteht die Wirkung von Vorurteilen. 2 Das Phänomen der Vorurteile hat Walter Lippman schon vor über 80 Jahren untersucht, wobei er festgestellt hat, dass sie in unseren Köpfen als kleine Bilder fungieren. Wenn man sie einmal erzeugt, bleiben sie und sind widerstandsfähig, wenn es sich um die neuen Informationen handelt, die uns geliefert werden. Die Vorurteile werden auch als eine gewisse Vereinfachung angesehen, weil für manche Menschen die Welt zu kompliziert ist, als dass sie für jede Person oder jede Sache eine andere Bezeichnung bzw. Vorstellung haben. 3
Bei der Erörterung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern, soll man auch die schon früher angedeuteten geschichtlichen Merkmale der gegenseitiger Wahrnehmung analysieren. Die ersten Erwähnungen darüber stammen aus der Zeit des Adels in Polen. Die Deutschen wurden zu dieser Zeit als „andere Menschen“ betrachtet. Sie wurden auch negativ wahrgenommen, wenn es um ihre Kleidung oder Religion ging. Dazu haben vor allem die polnischen Dichter beigetragen, aber auch die polnische Kirche, von der die Deutschen u. a. als schwerfällig und sparsam genannt wurden. Die Abneigung wurde immer größer, wenn Polen Ende des 18. Jahrhunderts aus der Landkarte Europas verschwand. Der Deutsche wurde durch einen Preußen ersetzt, den man als solchen zu bezeichnen pflegte, der im Kampf unchristliche Methoden einsetzte und unredlich war. Jedoch wurden die Deutschen in der Geschichte nicht immer negativ angesehen. Es gab in der Gesellschaft ein Bild der Deutschen, dass sie ihre Arbeit, wodurch auch das Leben des ganzen Landes sehr gut organisieren konnten. Dies bewirkte, dass sich ihr Land schnell
2 http://www.ilw.org.pl/wspolpraca/burek_stereotypy.html (07.06.2008)
3 Ebd.
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ökonomisch entwickeln konnte. Man kann sagen, dass im Laufe der Zeit die Vorteile durch die Nachteile zugedeckt wurden und nicht mehr gültig sind. Es gilt auch zu betonen, dass zu der gerade beschriebenen Zeit der Pole, als jener bezeichnet wurde, der eine unklare und unverständliche Sprache gesprochen hat. Die Polen waren einfache, unausgebildete, sowie auch dumme Menschen, die auch sehr viel Alkohol getrunken haben. Als Diebe wurden sie schon im Jahre 1508 bezeichnet. 4 Zu dem Bild der Deutschen zurückkehrend, möchte man jetzt die Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkrieges untersuchen, wo man sie schon sehr oft als Feinde des polnischen Volkes und Landes aufzufassen pflegte. Das deutsche Volk wurde den Nazis gleichgesetzt, sogar wenn Manche überhaupt nichts Gemeinsames damit zu tun hatten. Jeder Deutsche wurde als ungebildeter Kerl und Lügner bezeichnet. Für manche Menschen war er sogar kein Mensch mehr. Wenn dazu noch der Holocaust, die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft, wo Verfolgung, Gettoisierung insbesondere Massenvernichtung der Juden und anderer Völker (Polen auch) „normal“ war, kann man sich leicht vorstellen, welch ein Bild von den Deutschen in Köpfen vieler Menschen stand.
Nach dem Krieg war die politische Situation nicht viel besser, weshalb es auch sehr schwierig war, die gegenseitigen Beziehungen zu ordnen. Die Vorwürfe, die man einander machte, erschwerten einen aufrichtigen und ehrlichen Dialog. Erst nach dem Jahre 1989 wurde es möglich, sich alles zu erklären, weil die beiden Länder schon demokratische Beziehungen miteinander hatten.
Was die gegenwärtige Vorstellung der Polen über die Deutschen anbelangt, sei hier eine Äußerung eines Jugendlichen im polnischen Fernsehen anzuführen. Er wurde gefragt, was er von Polen weiß, worauf antwortete er, dass Polen ein Land ist, das seit 15 Jahren existiert. Daraus geht hervor, was man von den Deutschen denken kann. Man glaubt u. a., dass sie unausgebildet sind, wovon noch die Aussage von Horst Köhler zeugt, der bei der Eröffnung des Deutsch-Polnischen Jahres zugegeben hat, dass er sich dessen bewusst ist, welch ein niedriges Wissen über ihre östlichen Nachbarn die Deutschen
4 http://www.ilw.org.pl/wspolpraca/burek_stereotypy.html (07.06.2008)
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haben. 5 Dass die Deutschen halbgebildet sind, ist nicht die einzige Vorstellung, die wir von ihnen haben. Der „typische“ Deutsche besitzt einen starken Willen, er ist langsam und humorvoll. Sein Humor aber ist nicht für alle anderen Menschen verständlich. Er ist auch pedantisch, arbeitsam und diszipliniert. Man schreibt ihm die Fähigkeit einer schnellen zivilisatorischen Entwicklung zu, wodurch er sich Anerkennung verschafft.
Im Jahre 2006 hat das Institut für Demoskopie Allensbach für „Gazeta Wyborcza“ eine Umfrage gemacht, in der über 1000 Personen gefragt wurden, was sie von den Deutschen (Fragen an Polen) und von den Polen (Fragen an die Deutschen) glauben. Die Ergebnisse dieser Umfrage (aus der polnischen Seite) wären graphisch folgendermaßen darstellbar 6 :
5 http://www.ilw.org.pl/wspolpraca/zbytniewska.html (07.06.2008)
6 http://serwisy.gazeta.pl/kraj/1,34317,3478496.html (04.06.2008)
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Arbeit zitieren:
Lukasz Tyczkowski, 2008, Deutsch-polnische Verhältnisse. , München, GRIN Verlag GmbH
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