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1. Einleitung
Laura Benua schrieb ihre Dissertation 1997, als die Optimalitätstheorie (OT) noch relativ jung war und zuvor die stratalen, regelbasierten Theorien herrschten. Bei diesen argumentierte sie u.a. besonders gegen Paul Kiparsky. Die sich seit 1993 in Gebrauch befindliche OT hat jedoch zu den klassischen stratalen Modellen einige Unterschiede. Sie ist parallel, nicht seriell, kennt keine Zyklen, keine Zwischenstufen. Nicht die temporale Reihenfolge der Regeln ist wichtig, sondern die Gewichtung der Beschränkungen. Dadurch wurde ihr großes Problem allerdings die sogenannte Opazität und deren Über- und Unterapplizierungen.
Benua (1997) argumentiert nun, dass ihre Theorie, die Transderivational Constraints Theory (kurz TCT), eine Erweiterung der Correspondence Theory von McCarthy & Prince (1993) (Benua, 1997: 17), diese Probleme lösen und erklären könne und gleichzeitig, warum eine eventuelle stratale Version von OT dies nicht könne. Man muss aber festhalten, dass es damals noch keine wirkliche stratale OT gab. Ihre Argumente beruhen also größtenteils auf ihren eigenen Vermutungen, basierend auf den damaligen Möglichkeiten. Mittlerweile wurden von Kiparsky und Bermúdez-Otero allerdings eben solche stratalen OT-Modelle entwickelt. In dieser Arbeit sollen Benuas Argumente vor allem an letzterem Modell, der stratalen OT 1 überprüft werden. Zunächst sollen hier Benuas Argumente betrachtet und auch sogleich beantwortet werden. Dazu gibt es theoretische Antworten von Bermúdez-Otero (1999, 2002, forthcoming) sowie Collie (2007) und auch praktische Beispiele. Letztlich wird noch einmal kurz auf Probleme von TCT eingegangen und wie diese durch SOT beantwortet werden. 2
1 Im Folgenden abgekürzt SOT genannt.
2 Vor allem Collie (2007) ist dies betreffend in einigen Punkten expliziter als dies im Rahmen dieser Arbeit möglich wär.
Bermúdez-Otero (forthcoming, Chapter 2) liefert hauptsächlich theoretische Grundlagen. Auf Kiparskys Modell einer
stratalen OT muss hier verzichtet werden.
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2. Benuas Argumente gegen stratale Modelle.
Benua (1997) bringt gleich eine Reihe von Argumenten gegen eine stratale OT. Im Folgenden sollen die wichtigsten hiervon betrachtet und beantwortet werden.
2.1. Serialität
Als erstes Argument erwähnt sie natürlich die Serialität. Eine SOT müsse multiple (Sub-)Grammatiken haben, die seriell verlinkt sind, so Benua (1997: 83f). Dies widerspräche aber den Grundannahmen der OT, die ja strikt parallel ist. Ihre TCT dagegen, so behauptet sie, sei parallel und hält sich damit an die Grundannahmen der OT. Hierzu muss bzw. kann man einiges sagen.
Bermúdez-Otero (forthcoming: 1) antwortet, die Kernprinzipien von OT erlauben sehr wohl, dass ein OT-Modell zyklisch und damit seriell ist. Zumindest könne man nicht beweisen, dass es das nicht sein dürfe. Der Grund dafür ist einfach die Opazität, welche für die klassische OT ein Problem darstellt und für die weitere Annahmen gemacht werden müssen. Wie sich noch zeigt, wird ein serielles Modell benötigt. In SOT durchläuft jeder Zyklus GEN und EVAL, was Bermúdez-Otero (2002) so darstellt:
(1) P(x) = Eval(Gen(x))
EVAL ist hierbei intern parallel. Insofern ist es eigentlich fast dasselbe, was Benua gesagt hat, ihre Evaluation sei ihrer Behauptung nach auch intern parallel. In beiden Modellen ist die Parallelität aber eigentlich nur Illusion (Collie (2007). TCT erreiche diese über seine 'Rekursive Evaluation'. Beide Modelle sind also funktional seriell, nur algorithmisch nicht unbedingt, so Bermúdez-Otero (forthcoming: 17f). Er argumentiert, dass SOT und TCT beide seriell und kompositional vorgehen: die Phonologie eines derivierten Wortes sei jedenfalls eine kompositionale Funktion (Bermúdez-Ote- ro, 2002). Nach Collie (2007: 240ff.) lässt es sich so darstellen:
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(2) TCT: P IO+OO (i derived , P IO (i base )) ist dasselbe wie
Dadurch wird Rekursive Evaluation in TCT überflüssig, denn man könnte auch seriell vorgehen. Benuas Beschreibung von TCT wirkt anfangs auch, als beschriebe sie ein stratales Modell. Denn erst muss ein Output 1 entstehen, damit der Output 2 von Input 2 sich daran angleichen kann. Und so ein Vorgang ist seriell. Collie (2007: 264) nennt TCT sogar zyklisch, jedoch müsse dieses den zyklischen Vorgang erst stipulieren durch seine OO-Korrespondenz. Diese bewirkt die genannte Angleichung der Outputs, was man als einen zweiten Zyklus ansehen kann. Benua (1997) und Bermúdez-Otero (forthcoming) sagen auch beide, dass TCT zu SOT kompatibel sei. Weiterhin nimmt Bermúdez-Otero (forthcoming: 2) an, dass Phonologie grundsätzlich rekursiv ist, indem sie zyklisch über Hierarchien von Domänen angewendet wird (s. o.), die mit Morphologie und Syntax verknüpft sind, womit SOT auch rekursiv vorgehen würde. Man kann also entweder sagen, dass die Rekursive Evaluation von TCT überflüssig oder SOT auch rekursiv ist.
SOT muss, da es seriell ist, zwangsweise mit dem Parallelismus der OT brechen. Aber: Collie (2007: 247) meint, Parallelismus trete sowieso nur intern der Phonologie auf, nicht extern in Verknüpfung mit Morphologie oder Syntax. Folgend werden die 'rekursiven' Vorgänge der beiden Modelle kurz gezeigt.
(3) Rekursion von Benua (1997), dargestellt in Collie (2007, (9), S. 246): Rekursion (A):
Rekursion (B):
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(4) Dasselbe in SOT (Collie (2007), (10), S. 246):
Stratum 1, Stamm:
Stratum 2, Wort:
Wie man sieht, erreichen beide Modelle dasselbe Ergebnis, müssen beide zwei Stufen durchgehen (sind also seriell), SOT muss einen Kandidaten weniger generieren als TCT, muss dafür aber ein Reranking annehmen. SOT muss jedoch keine seriellen Vorgänge durch etwas wie extra Rekursionen stipulieren, da diese bereits Teil der These sind. Benua sagt zwar, dass die Rekursive Evaluation parallel greife, doch zeigen sowohl Name als Praxis doch schon, dass sie seriell vorgeht. Ähnlich würde es aussehen mit einem Beispiel wie der nasalen Überapplizierung im Sundanesischen (Benua, 1997: (52) 70): Was bei Benua Rekursion (A) ist, in welcher der Stamm seine nasalen Eigenschaften bekommt, wäre in SOT der erste (Fake-)Zyklus 3 . Die nasalen Informationen würden mit dem Wort permament gespeichert. Die Nasalität des Plurals würde dann ganz normal applizieren, erst einmal unabhängig davon, welchem Stratum man ihn zuweist.
Arbeit zitieren:
Andre Schuchardt, 2009, Die Argumente von Benua (1997) gegen die stratale Optimalitätstheorie in der Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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