Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Abgrenzung 4
2.1 Verstimmungszustände 4
2.2 Trauer 4
2.3 Begriffsbestimmung Depression 5
2.3.1 Ätiologische Betrachtungsweise 6
2.3.2 Deskriptive Betrachtungsweise 6
3 Psychogene Depressionen 8
4 Epidemiologie 9
5 Symptomatik 10
5.1 Vorzeichen der Depression 10
5.2 Klassische Symptomatik 11
5.3 Wer ist vom Suizid gefährdet 12
6 Erklärungsansätze 13
6.1 Psychologische Erklärungsansätze 13
6.1.1 Die psychoanalytische Ansicht 13
6.1.2 Kognitive Theorien 14
6.1.3 Humanistische Theorien 17
6.1.4 Persönlichkeitstheoretische Ansätze 19
6.2 Lebensereignisse als Depressionsauslöser 20
6.3 Multifaktorieller Ansatz 21
7 Depressionstherapien 22
7.1 Psychotherapie 22
7.1.1 Klassifikation und Wirksamkeit 23
7.1.2 Indikation und Nebenwirkungen 25
7.2 Pharmakotherapie 25
7.2.1 Klassifikation und Wirkungsweise 25
7.2.2 Indikation 26
7.2.3 Kontraindikation 27
7.2.4 Weitere Gefahren 27
7.2.5 Nicht- Psychopharmakonische Medikation 28
7.3 Soziotherapie 28
7.4 Physiotherapie 29
7.4.1 Methodik und Wirksamkeit 29
7.4.2 Indikation und Nebenwirkungen 31
7.5 Ergänzende Therapien 31
8 Gesundheitsförderung 31
8.1 Begriffsdifferenzierung 31
8.2 Modell der Salutogenese 32
8.3 Resilienzfaktoren 33
8.3.1 Glaube als Einflussfaktor auf die Heilung 33
8.3.2 Selbstwertgefühl als Entscheidungsgröße 34
9 Schlussfolgerungen 35
10 Literaturliste 38
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1 Einleitung
Der Gegenstand dieser vorliegenden Hausarbeit ist die „Psychogene Depression“. Ich habe das Thema ausgewählt, da diese psychische Störung, in der öffentlichen Meinung, den Ruf genießt eine Volkskrankheit zu sein. Mein Interesse weckt jenes aus mehreren Gründen. Zum einen ist eine Krankheit, die sehr verbreitet ist und voraussichtlich an Häufigkeit zunimmt, mit angrenzender Wahrscheinlichkeit auch Thema meines späteren, sozialarbeiterischen Klientels. Und zum anderen, kann es nur von Vorteil sein, Symptome, Verlauf und Therapiemöglichkeiten zu kennen, um etwaige eigene Krankheitszeichen, die in die Richtung depressiver Verstimmungszustände gehen, frühzeitig zu erkennen. Aus dem Gesamtkomplex der Depression, habe ich überwiegend die psychisch bedingten, depressiven Störungen herausgenommen. Das ermöglicht mir, in diesem sehr umfangreichen Themengebiet nicht nur oberflächliche Erläuterungen und Zusammenfassungen darzustellen, sondern teils einzelne Zusammenhänge tiefgründig zu bearbeiten. Des Weiteren glaube ich, explizit für psychogene Depressionen mehr alternative Handlungsweisen und therapeutisch/ sozialarbeiterisch anwendbare Interventionen hervorheben zu können.
Im ersten Kapitel möchte ich einen Überblick über die differenzierten Depressionsarten geben und gleichzeitig, andere Störungsbilder, die der Depression zuweilen ähnlich sind, abgrenzen. Kapitel zwei bezieht sich dann speziell auf die psychogenen Depressionen und ihre Unterformen. Im dritten Abschnitt (Epidemiologie), möchte ich die tatsächlichen Zahlen herausarbeiten und die Fragen beantworten, ob depressive Erkrankungen tatsächlich eine Prävalenz im Sinne einer „Volkskrankheit“ aufweisen und, ob sich ihre Auftrittshäufigkeit noch vermehrt.
Die Vorzeichen einer Depression, die klassische Symptomatik und Anzeichen, die auf einen geplanten Suizid hinweisen, erläutere ich in Kapitel vier.
Der fünfte Teil dieser Arbeit, dient mir dazu, auf psychologische (psychoanalytische, kognitive und humanistische Theorien) und persönlichkeitstheoretische Erklärungsansätze näher einzugehen. Abschnitt sechs beschreibt die diversen Behandlungsweisen für Depressionen, wobei die Psychotherapie, die Pharmakotherapie, die Soziotherapie und die Physiotherapie nach Wirkungsweise, Indikation und Kontraindikation (Nebenwirkungen) aufgeschlüsselt werden.
Im letzten Kapitel versuche ich sowohl den Sinn, als auch die Möglichkeiten einer salutogenen, anstatt einer pathogenen, Annäherung an die Thematik aufzuzeigen. Hier bediene ich mich der Konzepte der Gesundheitsförderung, der Salutogenese (nach Antonovsky) und der Resilienz.
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2 Abgrenzung
In diesem Kapitel möchte ich auf die Frage eingehen, was eine Depression eigentlich ist. Zuvor werde ich mich aber dem widmen, was eine Depression nicht ist, was der „Volksmund“ jedoch oft fälschlicherweise darunter versteht.
2.1 Verstimmungszustände
Mit Gefühlen der Lustlosigkeit und fehlendem Interesse, Müdigkeit und Kraftlosigkeit, Angst und Minderwertigkeit etc. wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit schon jeder Mensch konfrontiert. Diese „Verstimmungszustände“ gelten zwar als Symptome einer Depression, sind aber als Grundemotionen meist ganz natürliche Reaktionen auf im Leben erfahrbare, alltägliche Gegebenheiten (z.B. Belastungen, Ärgernisse und Enttäuschungen). (vgl. Nuber 2006 a, S. 36)
Solche „Stimmungsschwankungen haben [allerdings] zugenommen. Dies ist auch Ausdruck unserer Zeit mit ihrer Schnelllebigkeit und Hektik und den gestiegenen Ansprüchen; vor allem aber ein Zeichen wachsender Unfähigkeit, mit den natürlichen Belastungen unseres Lebens in eigener Verantwortung und Initiative fertig zu werden. Auch Überforderung, Stress, der Mangel an echter Erholung sowie ein Übermaß an Genussmitteln wie Alkohol, Nikotin, Kaffee usw. tragen das ihre dazu bei. Die Folgen sind Unzufriedenheit, Missgestimmtheit, Reizbarkeit, Aggressivität, Erschöpfung, Erholungsunfähigkeit usw. bis hin zum inneren Ausbrennen“, dem Burnout-Syndrom. (Faust 2003, S.145)
2.2 Trauer
Die Trauerreaktion ist ebenso zu den Verstimmungszuständen und normalen Grundemotionen zu zählen. Ein Mensch trauert aus vielerlei Gründen, meist aufgrund eines gravierenden Verlustes (vom Umfeld verstehbar) aber auch aus nur ihm ersichtlichen, objektiv nichtigen Motiven (die dennoch ernst genommen werden müssen). Er ist niedergeschlagen, verzweifelt, hoffnungslos und durchleidet in einem Prozess „eine der intensivsten und schmerzhaftesten Gefühlsbelastungen, die durch regelrechte Trauerarbeit überwunden werden muss.“ (Faust 2003, S.146) Gut gemeinte Ratschläge und Appelle Nahestehender sind sinnlos, erschweren oft sogar die Lage der Trauernden, wohingegen Geduld, Zuwendung und Anteilnahme als sehr hilfreich eingeschätzt werden.
„Trauern ist ein lebenswichtiger Prozess für die seelische Gesundheit“ (Rehrl 2004, S.65), eine innere Wachstumschance die nicht verdrängt werden darf, was, nach Rehrls (vgl. ebd. S.65 f.) Meinung, unsere Gesellschaft jedoch begünstigt. Unter anderem kann eine solche Verdrängung, sowie die Belastungen, die damit einhergehen oder eine zu intensive Trauer (ausgelöst durch eine nicht selbst zu bewältigende Krise) zu psychischen Folgeschäden, wie zum Beispiel einer Depression führen. Die Übergänge sind dabei fließend, starre Abgrenzungen nicht möglich, da gesunde Trauer immer auch zum Teil aus
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depressiven Verstimmungen besteht. Ähneln die Symptomatiken von Trauer und Depression auch ein-ander, so lässt sich doch nach Dauer, Intensität und Erleben differenzieren.
Verspürt der Trauernde nach zwei Wochen kein sich veränderndes, bzw. sich abschwächendes Leiden, ist der Gesamtzustand unerträglich, ist für ihn der Alltag nicht mehr selbst bewältigbar und kommen ihm sogar Selbsttötungsideen in den Sinn, so ist er auf ärztliche oder therapeutische Hilfe angewiesen. (vgl. Faust 2003, S.164)
Der Unterschied im Erleben macht sich wie folgt bemerkbar: „Trauer [ist] etwas sehr lebendiges, sie ist zielgerichtet, sie verabschiedet sich auch wieder und hat eine interaktionelle Bedeutung. Sie dient dem Abschiednehmen von Geliebtem. […] In der Trauer [bleibt das Individuum] lebensfähig, während der Zustand der Depression als Nicht-Trauer [bezeichnet wird], als Lähmung [der] geistigen Funktionen, der Kommunikationsfähigkeit, als Minderung [der] Stimmung, der Fähigkeit Gefühle empfinden zu können, sowie als Beeinträchtigung [der] körperlichen Funktionsfähigkeit.“ (Wolfersdorf 2001, S.21) Auf einen weiteren Unterscheidungspunkt von Trauer und Depression macht Hell aufmerksam: Im Gegensatz zum Depressivem „glaubt ein Trauriger an mögliche Unterstützung durch andere und letzten Endes auch an eine mögliche Überwindung des eigenen Leids“. (Hell 2000, S.191) Die Brisanz die von nicht beachteten oder unverarbeiteten Emotionen als mögliche Entstehungsursache einer depressiven Erkrankung ausgeht, soll anhand der Aussage von Wolfersdorf, Ärztlicher Direktor des Betriebskrankenhauses Bayreuth verdeutlicht werden. Er gibt in einem Interview mit Rehrl an, dass etwa 60 Prozent aller Depressionen laut Schätzungen aus unverarbeiteter Trauer resultieren. (vgl. Rehrl 2004, S.68)
2.3 Begriffsbestimmung Depression
Um schon vorab die Hoffnung auf eine kurze und klare Definition zu zerstreuen, sei nur gesagt: Eine allgemeingültige Form, also „Die Depression“ gibt es nicht. Es existieren so viele Formen des Krankheitsbildes, wie es Individuen gibt, denn jeder Mensch ist für sich einzigartig. „Wenn zehn Menschen an einer depressiven Stimmungsstörung leiden, wird das jeder auf seine eigene Weise erfahren und in Worte fassen. Auch die Abweichungen in ihrer Art zu denken, ihrem sozialen Verhalten und somatischen Funktionieren unterscheiden sich voneinander. Trotzdem gibt es in allen Bereichen Ähnlichkeiten.“ (Albersnagel u.a. 1993, S.23)
Verständlicherweise führt diese mannigfaltige Ausführung zu allerlei Verwirrungen, die ich nachfolgend aufzuschlüsseln versuche.
Das klinische Wörterbuch beschreibt den Begriff als „Störung der Affektivität mit depressiven Episoden“. (Pschyrembel 2002, S.349) Depression ist lateinisch „deprimere“ und bedeutet soviel wie „niederdrücken“ und „herabziehen“.
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Das Krankheitsbild lässt sich nach hypothetischer Ursache („klassische Dreiteilung“), nach Schweregrad und Erscheinungsbild (unterschiedliche Symptome, z.B. psychotische Merkmale), sowie nach dem Verlauf (Einzelepisode oder wiederholte Episoden; Unipolare oder Bipolare Störungen) klassifizieren. (vgl. u.a. Hell 2000, S.40 f.)
2.3.1 Ätiologische Betrachtungsweise
„Traditionell unterschied man in der deutschen Psychiatrie [nach dem ICD 8 und 9] Depressionen nach drei vermeintlich ätiologisch [Ursachen begründend] und therapeutisch relevanten Gesichtspunkten.“ (Schuster 2001, S.4) Die Literatur ist dabei widersprüchlich. Zum einen untergliedert sie nach „psychogenen“ (oder „reaktiven“, z.B. belastende Ereignisse), „endogenen“ (z.B. biologische, genetische Ursachen, wie die Melancholie) und „somatogenen“ Faktoren (oder „exogenen“, z.B. Krankheiten als Auslöser, u.a. Hirnerkrankungen) (vgl. Adam-Lauer 2006, S.65; Faust 2003, S.167 ff.; Hell 2000, S.42). Zum anderen differenzieren Autoren zwischen „psychogenen“ (oder „reaktiven“), „neurotischen“ (z.B. aufgrund Konfliktlagen aus der Kindheit) und „endogenen“ Bedingungen (gleichgesetzt mit den „somatogenen“ Faktoren). (vgl. Kaufmann-Mall u.a. 2003, S.10 ff.; Schuster 2001, S.4 f.)
Dieser Klassifikationsansatz wurde aufgrund mangelnder Zuverlässigkeit und geringer Übereinstimmung im wissenschaftlichen und praktischen Gebrauch kritisiert. „In einer Reihe von Forschungsergebnissen ließ sich deutlich nachweisen, dass die […] oben erwähnten ätiologischen Faktoren bei fast allen Depressionsformen eine Rolle spielen.“ (Schuster 2001, S.5)
2.3.2 Deskriptive Betrachtungsweise
In den neuen Klassifikationssystemen für psychische Krankheiten (DSM-IV („Diagnostic and Statistical Manual“) und ICD-10 („International Classification of Diseases“)) wird diese Differenzierung folglich nicht mehr aufrecht gehalten.
Ersatz findet sie in einer „deskriptiven Betrachtungsweise mit operationalisierter Diagnostik“. (Schuster 2001, S.5) Eben dieses meint das die „Major Depression“ (DSM-IV) oder „Depressive Episode“ (als festgelegte Grunderkrankung im ICD 10, Code: „F 32“) nach Schweregrad (leicht, mittel, schwer, schwer mit psychotischen Merkmalen) und ihrem Verlauf (einzelne oder rezidivierende Episoden, die uni- oder bipolar auftreten können) charakterisiert werden kann. Der Schweregrad ist abhängig von Anzahl und Intensität (hier zählt auch die Häufigkeit des Auftretens als Indikator) systematisch aufgeführter Symptomatiken (vgl. Hautzinger 1997, S.159; Schuster 2001, S.8). Neben diesen Kennzeichen für die Schwere der Erkrankung eignet sich ebenfalls die Frage, inwieweit ein von Depressionen betroffener Mensch in seinen Alltagsaktivitäten eingeschränkt ist. Fühlt er sich schnell erschöpft und überlas- 6
tet, erlebt er sich in außerberuflichen, beruflichen und sozialen Aktivitäten eingeschränkt, so stuft man ihn als leicht depressiv ein. Eine mittelschwere Depression führt schon zu erheblichen Schwierigkeiten den alltäglichen Anforderungen nachzukommen, während die Person in der schwersten Abstufung allen Belastungen macht- und kraftlos ausgesetzt, bzw. erlegen ist. (vgl. Wolfersdorf 2001, S.72 ff.) Von der „Depressiven Episode“ lässt sich die „Dysthyme Störung“ abgrenzen. Die „Dysthymia“ ist eine „klinisch auffällige, länger dauernde depressive Störung von zwei Jahren oder mehr, die nicht die expliziten Kriterien für eine depressive Episode erfüllt“. (Schuster 2001, S.7) Ursula Nuber (vgl. 2006 a, S.69) setzt sie mit der „neurotischen Depression“ gleich und beschreibt sie als leichte Form, explizit als „chronisch depressive Verstimmung“ die meist schleichend auftritt. Eine weitere anhaltende affektive Störung ist die „Zyklothymia“, eine „andauernde instabile Stimmung mit häufigem Wechsel zwischen leichter Depression und Hypomanie (leicht gehobener Stimmung).“ (Pschyrembel 2002, S.1826) Das gemeinsame Problem der „Dysthymia“ und „Zyklothymia“ ist, das sie aufgrund ihrer geringen Intensität, als Krankheitsbild kaum auffallen, von medizinischer Seite aus oft nicht diagnostiziert werden und folglich eine große Gefahr der Chronifizierung besteht.
Um den Katalog der Depressionsarten abzuschließen möchte ich mich auf Arolt, Dilling und Reimer (vgl. Arolt u.a. 2004, S.123 f.) berufen, welche die speziellen Formen der depressiven Episode (F 32) erwähnen. Hier sind unter anderem die melancholische, die psychotische, die atypische und die saisonale Depression zu nennen. Als klinisch wichtige Konstellationen, die keine spezielle Einordnung rechtfertigen aber einer gesonderten Behandlung bedürfen, gelten in diesem Rahmen z.B. die postpartale (Depression in Schwangerschaft und Wochenbett), die somatisierte, die Erschöpfungs- und die Altersdepression.
Um in der Unübersichtlichkeit von Depressionsvariationen nicht zu versinken, empfehlen Saß, Wittchen und Zaudig eine Differentialdiagnose anhand eines Entscheidungsbaumes für depressive Stimmungen. Die spezielle Symptomatik lässt sich mithilfe dieser Technik eingrenzen und letztendlich differenziert benennen. (vgl. Saß u.a. 1999, S.30 ff.)
Zuletzt möchte ich noch einmal auf die deskriptive Betrachtungsweise mit ihrer Syndrom unterscheidenden Klassifikation an sich eingehen. Sie hat ohne Frage den Vorteil einer klaren, verlässlichen Kommunikation im Gesundheitswesen und einer internationalisierten, einvernehmlichen Aufschlüsselung der Krankheit. Ferner ist sie frei von psychologischen Meinungen und Schulen- gebundenen Vermutungen bezüglich etwaiger Ursachen. Diese systematischen Typisierungen erbringen zwar mehr Hinweise „als ein Mutmaßen über die Vergangenheit, haben doch aber wenig Informationen über spezifische soziale, psychologische und biologische Determinanten oder spezifische Behandlungsmethoden gebracht. […Es] ist nicht nur die Frage, ob jemand zu dieser oder jener Kategorie gehört, fruchtbar, sondern auch die Frage, in welchem Maß jemand in bestimmter Hinsicht, in bestimmten Dimensionen
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beeinträchtigt ist, unabhängig von der Klassifikation.“ (Albersnagel u.a. 1993, S.42) Folglich ist auch diese Betrachtungsweise als alleiniges Beschreibungskriterium nicht ausreichend.
3 Psychogene Depressionen
In dieser Arbeit möchte ich hauptsächlich die Sparte der „psychogenen“ Depressionen abhandeln. Auch wenn dieser Begriff veraltet und in der aktuellen Literatur nur noch wenig gebräuchlich ist, scheint mir die Einteilung dennoch besser praktikabel und daneben verständlicher. Des Weiteren werde ich umfassender auf die speziellen Ursachen und Behandlungsansätze psychogener Depressionen eingehen. Meines Erachtens sind diese für einen künftigen Sozialarbeiter von überwiegendem Interesse, da sie erstens bei den affektiven Gemütsstörungen besonders prävalent auftreten (vgl. nachfolgendes Kapitel; ebf. Faust 2003, S.167), sie zweitens bei dem sozialarbeiterischem Klientel aufgrund mannigfacher Problemlage häufig zu beobachten sind und sie drittens den Sozialarbeiter (z.B. bei psychischer Über-forderung) selbst treffen können. Helfende Berufe (u.a. Ärzte, Psychiater, Sozialpädagogen) sind zum Beispiel ein hoher Indikator für Depressionen und damit oft einhergehende Suizidalität. (vgl. Davison u.a. 1998, S.281)
Psychogene (seelisch ausgelöste) Depressionen untergliedern sich in „reaktiv“, und „neurotisch“, sowie der „depressiven Entwicklung“, und differenzieren sich strikt von der endogenen (körperlich nicht begründbaren) und der somatogenen (oder „exogenen“, also körperlich begründbaren) Depression. Die reaktive Depression ist Folge eines, von außen auf das Individuum eintreffenden, schwerwiegenden und definitiv identifizierbaren Erlebnisses (z.B. schmerzhaftes Verlusterlebnis: Tod eines Angehörigen; Verlust des Arbeitsplatzes oder der Gesundheit; Trennung oder Scheidung etc.). Ein solches Trauma ist im Stande einen Menschen aus seinem bisherigen seelischen Gleichgewicht zu bringen. Von dieser Form ist die depressive Entwicklung (oder „Erschöpfungs- depression“) abzugrenzen. Im Gegensatz nämlich zu einem einmaligen nicht verkraftbaren Erlebnis, steht hier die Aneinanderreihung mehrerer Stressoren, als Art einer emotionalen Dauer- bzw. Überbelastung ohne Aussicht auf Besserung, im Vordergrund. Als Beispiele lassen sich in diesem Zusammenhang unter anderem langjährige Beziehungskonflikte, berufliche Überforderung oder Arbeitslosigkeit verbunden mit finanziellen Schwierigkeiten anführen.
Bei der neurotischen Depression (oder „depressiven Neurose“) handelt es sich um einen unverarbeiteten Konflikt, der zumeist auf die Kindheit zurückzuführen ist. Diese nicht bewältigte Spannung (evtl. gestörte Eltern-Kind-Beziehung) droht nun in kritischen Lebensphasen (Pubertät, Berufswahl, Heirat, Schwangerschaft etc.) erneut auszubrechen. (vgl. Adam-Lauer 2006, S.67 f.; Faust 2003, S.167 f.)
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Arbeit zitieren:
Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Carsten Kiehne, 2006, Psychogene Depressionen, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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