Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Grundbegriffe 4
2.1 Soziologie 5
2.2 Soziologie des Alterns 5
2.3 1 3 Begriffsbestimmungen Alte und Altern 5
2.4 Altersstereotyp 7
2.5 Soziale Rollen 9
2.6 Soziale Gerechtigkeit 10
3 Sozialpolitik 12
3.1 Stellenwert alter Menschen in den Zeitepochen der Geschichte und die Entwicklung der
Sozialpolitik 12
3.2 Vergleich der geschichtlichen Dokumentation mit der heutigen Situation 15
3.2.1 Arbeitsmarktpolitik 15
3.2.2 Gesetzliche Rentenversicherung 15
3.2.3 Gesetzliche Krankenversicherung 16
3.2.4 Gesetzliche Pflegeversicherung 17
3.2.5 Altenhilfe 18
3.2.6 Ausblick 18
3.3 Zusammenhänge zwischen Neuen Techniken und der sozialen Situation alter Menschen 20
3.4 Auswirkungen der IT-Techniken auf die Sozialpolitik 23
4 Medien und Alter(n) 25
4.1 Empirische Untersuchung zur Frage: IT-Technik alte Menschen 25
4.1.1 IT-Technik Ausstattungsgrad 25
4.1.2 Private Nutzung von Computern 26
4.2 Darstellung alter Menschen in den Medien 28
4.3 Darstellung und Ergebnis des Praxisobjektes 30
5 Schlussteil 32
5.1 Wahrnehmung des eigenen Alterungsprozesses 32
5.2 Einschätzung der eigenen Medienkompetenz 32
5.3 Schlussfolgerungen für meine zukünftige Sozialarbeit 33
5.4 Ausblick oder Leiden wir unter einem Methusalem-Komplott 33
6 Literaturliste Quellenverzeichnis 37
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1 Einleitung
Ich habe für meine Hausarbeit das Thema „Soziologie des Alter(n)s“ gewählt, weil es nicht nur für eine bestimmte Gesellschaftsgruppe, viel mehr für jede Gesellschaft und allen darin lebenden Individuen Gültigkeit besitzt. Dem Altern als Prozess und dem Altern im sozialen Kontext kann sich niemand entziehen. Dennoch empfinde ich es als erstaunlich, dass in unserer meines Erachtens Jugendzentrierten Gesellschaft, versucht wird, das Altern so weit es geht von sich weg zu schieben. Für wen bedeutet es beispielsweise schon ein Kompliment zu hören, dass man „alt geworden“ sei? Was empfinden sie als Leser dieses Satzes dabei, wenn ich sage: „Sie sind aber alt geworden!“? Einige von uns denken in Anbetracht dieser Worte vielleicht, „Ja, das Alter steht mir gut!“, „Ich bin wirklich erfahrener, weiser geworden.“, oder „Das Alter lehrt mich wahrhaft leben.“. Doch in den meisten Menschen kreisen anschließend wahrscheinlich eher negative Gedanken von Dispositionen oder altersbedingten physischen Einschränkungen, oder Ängsten des Verlustes von Attraktivität oder Geistesverfassung und einer Furcht Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein und anpassungsunfähig zu werden.
Es geht mir in meiner Arbeit also auch darum, was „Altern“ für mich, für andere, ja für die gesamte Gesellschaft bedeutet und setzte mich aus diesem Grunde auch mit der Frage auseinander, ob wir unter einem „Methusalem-Komplott“ leiden, einem bislang „nur“ psychologischem Krieg der Jungen gegen die Alten (Ein Generationenkonflikt der sich auch in einem negativ besetztem Altersstereotyp ausweisen würde.), wie Frank Schirrmacher es bezeichnet.
Ich werde in Kapitel 1 zunächst die Grundbegriffe erläutern, im 2. Kapitel dann auf derzeitige Bedingungen und Geschichte der Sozialpolitik bis dato zu sprechen kommen und im dritten Abschnitt empirische Untersuchungen für das Themengebiet Medien und Alter(n) vorweisen, um mir anschließend im Fazit hoffentlich meine eben aufgestellten Fragen selbst beantworten zu können. Der Schlussteil soll unter anderem eine Darstellung der Wahrnehmung meines eigenen Alterungsprozesses sowie Schlussfolgerungen dieses Aufsatzes für meine künftige Sozialarbeit beinhalten.
2 Grundbegriffe
Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit Definitionen und Ableitungen dieser, um verschiedene Grundbegrifflichkeiten zu erklären, und einen ersten Zusammenhang zum Thema „Soziologie des Alter(n)s“ herzustellen. Dabei möchte ich zuvor schon bemerken, dass es außerordentlich schwierig, bis nahezu unmöglich ist, soziologische Termini so zu definieren, dass sie einen allgemeinen und wissenschaftlich anerkannten Zuspruch finden.
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2.1 Soziologie
Die Soziologie an sich, ist die Wissenschaft von der Gesellschaft, also an empirisch belegten Fakten und nachweislich dokumentierten Wahrheiten interessiert, orientiert sie sich nicht an individuellen Einzelaussagen, sondern beansprucht die der kollektiven, gesellschaftlichen Ebene. Soziologische Themen sind demnach zum Beispiel öffentliche Institutionen, Strukturen und Kulturen, sowie soziale Prozesse (soziale Ungleichheit, sozialer Wandel etc.). (vgl. Esser 1996, Seite 3 f.). Die soziologische Theorie, als „Lehre vom Sozialen“, dient dazu, Fakten zu beschreiben und zu kategorisieren, zu erklären und vorherzusagen (vgl. Doehlemann 1992, Seite 3; Henecka 1993, Seite 22 f.) und ist das Produkt gesellschaftlicher Veränderungen. Sie entwickelte sich erst mit „Ende des 18. Jh. durch das Entstehen der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft (Klasse/ Schicht/ Milieu). Vor allem durch eine radikale Veränderung der Produktionsweise, durch die stürmische Ablösung der handwerklichbäuerlichen Hauswirtschaft durch maschinelle Fabrikarbeit, änderten sich auch das Gefüge der ganzen Gesellschaft, die Lebensweise der Menschen, die Familie, Gebräuche und Sitten (Arbeit). Man erkannte, dass „Gesellschaft“ veränderbar war, ein Prozess war, der sich durch die Handlungen der Menschen entwickelte.“ (Ullrich 1996, Seite 571)
2.2 Soziologie des Alterns
Soziologie des Alterns ist demzufolge der Zweig der sozialen Wissenschaft, der sich mit der gesellschaftlich bedingten und in den verschiedenen Epochen verändernden Situation (Vorzugsweise auch: Problematik, Lebenslage und/ oder Beziehungen zu anderen Gruppen > hier sei kurz der „Generationskonflikt“ erwähnt.) der kollektiven Gruppe älterer Menschen beschäftigt. Die Alterssoziologie geht auch gerade auf bestehende Stereotypen ein, die nachfolgend noch ausführlich erläutert werden, um sich ein klareres Bild zu machen, um auf Diskrepanzen zum Wahrheitsgehalt dieser hinzuweisen und die Öffentlichkeit nachdenklich zu stimmen. Die Situation, der in diesem Falle „Alten“, soll erklärt (die breite Masse aufgeklärt) und beschrieben werden, was den Versuch zukünftige Veränderungen vorherzusagen zulässt.
Daraus ergeben sich jedoch die Fragen, wer überhaupt zu der Gruppe „älterer Menschen“ zu zählen ist, und was die Allgemeinheit unter „Alt sein“ versteht! Auf diese Fragen soll nun näher eingegangen werden.
2.3 1.3. Begriffsbestimmungen „Alte“ und „Altern“
„Der Begriff „älterer Mensch“ kann nur bei oberflächlicher Betrachtung durch das Lebensalter abgegrenzt werden. Das kalendarische Alter ist für den Alternsprozess nur von sekundärer Bedeutung.“ (Voges 1989, Seite17) Es ist zwar korrekt das bei steigendem Lebensalter die
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Auftrittswahrscheinlichkeit von teils körperlichen und teils geistigen Beeinträchtigungen ansteigt, wobei diese jedoch keine generalisierte Aussagekraft aufweisen. Folglich ist es wichtig andere Teilbereiche mit zu berücksichtigen, hier zu nennen: das biologische und das psychologische Altern. Während das biologische Alter auf den körperlichen Zustand (altersbedingte Entrophieerscheinungen und für den Lebensabschnitt signifikante Krankheitsbilder) verweist, beschäftigt sich das psychologische Alter damit, wie die jeweilige Person solche Gegebenheiten annimmt und sich anpasst und wie sich daraufhin im zeitlichen Prozess die Persönlichkeit verändert. (vgl. Kühn 1992, Seite 121 f.; Voges 1989, Seite 17 f.) Kühn stellt darauf aufbauend fest, dass „Altern“ ein Komplex physischer, psychischer und sozialer Veränderungsprozesse ist. Veränderungen des Alterns wurden in der Regel negativ gekennzeichnet, wobei insbesondere das Abnehmen der körperlichen Leistungsfähigkeit konstatiert wurde. Die sozialen und sozial-psychologischen Veränderungen werden heute aber als wichtiger angesehen als die biologischen Veränderungen. Altern ist ein langfristiger, lebensgeschichtlicher Prozess, der von der Veränderung der Funktion des Individuums in der sozialen Umwelt ausgeht und von der Reaktion der Gesellschaft auf diese Veränderungen bestimmt wird.“ (Kühn 1992, Seite 123) Das meint, dass die Definition von „Alter“ zu einem Großteil gesellschaftlich bedingt ist, und zwar davon, welche Vorstellungen und Meinungen in der Bevölkerung, bezüglich der Eigenschaften die ein gewisses kalendarisches Alter vorzuweisen hat (von den Beobachtungen der Lebenssituation Älterer, ihrem Auftreten und Verhalten) kursieren und überwiegen. (vgl. Göckenjan u.a. 1988, Seite 8; Kühn 1992, Seite 122) Göckenjan und Kondratowitz schreiben dazu: „Man wird alt, wenn es einen die anderen wissen lassen. Altern ist hier nichts selbstverständliches, das Entscheidende des Alterns ist nicht die biologische Seite. Alterszuschreibungen sind abhängig vom Zustand sozialer Verhältnisse und Institutionen, die gesellschaftlichen Gruppen und Individuen Bedeutung zuweisen. An den Kindern merkt man sein Alter, sagt man zum Beispiel, oder alt sein heißt, nicht mehr gebraucht zu werden, überflüssig zu sein. Altsein ist eine soziale Distinktion, die je nach den Umständen privilegiert oder stigmatisiert wird. Altsein nimmt seine Determination nicht aus eigenen Qualitäten, sondern diese muss zugewiesen werden.“ (Glöckenjan u.a.1988, Seite 8) Oben genannte halten den Begriff „Alter“ für die heutige Zeit ohnehin für fragwürdig, da durch das gemeinsame Auftreten der „Verjüngung und Entberuflichung des Alters einerseits“ und die „verlängerte Lebenserwartung andererseits“ die unter dem Schlagwort zusammengefasste, enorm große Gruppe weit mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten aufweist. Eine Klassifikation der „Alten“ wird damit unzureichend, sie kann nur eine Teilpopulation beschreiben, und fällt aufgrund dieser Problematik für viele schon zwangsläufig (wie bereits oben erwähnt) stigmatisierend aus. (vgl. Göckenjan 1988, Seite 9ff.)
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2.4 Altersstereotyp
Ein Stereotyp bezeichnet ein „eingebürgertes Vorurteil mit festen Vorstellungsklischees innerhalb einer Gruppe“ (Duden Fremdwörterbuch 2005, Seite 990). Ein längerfristig bestehendes Vorurteil (z.B. Einstellungen junger von alten Menschen), ist hier von der Gesellschaft, gegenüber älteren Menschen „prägnant und vornehmlich negativ zugleich. Weit entfernt von >Weisheit< und >Kontemplation<, eher bestimmt durch >Unproduktivität< und >Nähe zum Tod<, ist Alter die Phase des Lebens, der man am negativsten gegenübersteht.“ (Tews 1979, Seite 15) Mit der gesetzlichen „Legaldefinition“, die den Altersbeginn mit 65 Jahren postuliert (vgl. Kühn 1992, Seite122), bekommt dass Altersstereotyp breite, gesellschaftlich akzeptierte Resonanz. Altersbedingte Abbauprozesse, werden nun als vom Schicksal bestimmte und „jeden ereilende“, kontinuierliche Verluste im Leben, im Sinne des Defizitmodells, angenommen und scheinen unabwendbar, lassen keinen Platz für persönliche Altersprozesse. (vgl. Voges 1989, Seite 18 ff.) Und tatsächlich beherbergt das vorherrschende Altersstereotyp die Vorstellung vom schnellen körperlichen, sowie auch vom geistigen Verfall, von sich reduzierender Lernfähigkeit, von der Passivität und Interessensverlust, von Hilfsbedürftigkeit und Krankheiten, von Unselbstständigkeit und unproduktiver Zeitverschwendung Älterer. (vgl. Schütz u.a. 1987, Seite 198; Voges 1989, Seite 18) Die Liste lässt sich noch beliebig lang fortsetzen, offensichtlich wird dabei nur eines: In einer jugendzentrierten, leistungsorientierten Gesellschaft ist Altern kein erstrebenswerter, eher ein unliebsamer/ unerwünschter und noch dazu ein zwanghafter Zustand! (vgl. Tews 1979, Seite 15f.) Auch Kühn warnt in diesem Zusammenhang davor alte Menschen als „Randgruppe“ anzusehen (vgl. auch Hradil 1999, Seite 314), die dann nur als „Abweichung von der Norm“ ins Auge sticht: „Die Einstellungen zum Alter sind in der Gesellschaft oft negativ gefärbt, denn statt der Leistung des einzelnen für die Gesellschaft durch seine berufliche Tätigkeit muss die Gesellschaft Leistungen für die Alten erbringen. In der Leistungsgesellschaft ist das Altersbild negativ; denn >Alter< bedeutet dann das Gegenteil von Leistung, Erfolg, Autonomie und Selbstständigkeit.“ (Kühn 1992, Seite 131) Zu allem Überfluss, wird künftig (ab ca. 2015-2030) die oben angedeutete „Randgruppe“, mit Pensionierung der geburtenstarken Jahrgänge um 1950 herum (>Babyboomer<), wohl ehr die Mehrheit unserer Gesellschaft ausmachen, die nicht mehr zu tragen ist, solange die „Alten“ als „störend, verbraucht, vergesslich und als Boten des Todes denunziert werden“. (Schirrmacher 2004, Seite 63) In seinem Buch „Methusalem Komplott“ gibt Schirrmacher zu bedenken, dass wenn ein negatives Altersstereotyp weiterhin aufrechterhalten wird, und das bei ansteigender wirtschaftlicher Misere bei der ältere Menschen ein „soziales Problem“ darstellen, ein „Eintritt der Zivilisation in die Euthanasie“ droht. (vgl. Schirrmacher 2005, Seite 63 ff.)
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Obwohl dieses Gedankengut vorerst vielleicht ungläubig belächelt wird, so ist es doch im selben Atemzug zutiefst schockierend und beängstigend, gerade weil noch genügend Erinnerungen der weltgeschichtlichen Vergangenheit von Vernichtung/ Verstoßung/ Ausrottung von hilfsbedürftigen und nicht mehr „zu gebrauchenden“ Menschen mitschwingen. Hier sind beispielsweise die „Altentötung“ in Japan (vgl. Döhner u.a. 1988, Seite 194 f.) oder die „Aussonderung unproduktiver Ballastexistenzen“ im Nazi-Regime (vgl. Göckenjan u.a. 1988, Seite 123 ff.) zu nennen. Um dem dargestellten Problem, auch wenn es den Anschein hat für die heutige Zeit unangemessen zu sein, dennoch aus dem Weg zu gehen empfiehlt Schirrmacher die Reduzierung des „Generationskonfliktes“, nicht nur durch soziale Gerechtigkeit zwischen Jungen und Alten (vgl. auch Gutschmidt 2004, Seite 62 ff.), sondern auch durch den Muss einer Veränderung des Altersstereotyps.
Und, dass momentan vorherrschende, negativ besetzte Altersstereotyp ist auch wandelbar. Eine Wandlung wird nur durch den Teufelskreis gegenseitig bedingter Entstehung gerade dieser Vorstellung erschwert. Tews schreibt dazu (1979, Seite 16): „In Stereotypen und der Selbsteinschätzung der Alten schlägt sich – wenn auch in verwischter oder überzeichneter Form – nieder, was man vom Altern und von den Alten hält. Die Selbsteinschätzung alter Menschen ist immer auch Reflex ihrer Situation in der Gesellschaft. Ins Stereotyp geht ein, was für Veränderungen Altern mit sich bringt.“. Jenes meint, dass alte Menschen auf die Erwartungen der Gesellschaft eingehen und versuchen diese zu erfüllen, sie schränken beispielsweise ihre Aktivitäten ein, weil diese in der kollektiven Öffentlichkeit als nicht altersgemäß gelten, und somit integrieren sie die Fremdeinschätzung des „passiven Alten“ in das Selbstbild. Dieses passive Abbild wird wiederum von außen beobachtet, und gemutmaßt, die bisherigen Erwartungen entsprächen der Wahrheit (vgl. Kühn 1992, Seite 131; Voges1989, Seite18 ff.), ganz im Sinne einer „Sich- selbst- erfüllenden- Prophezeiung“!
Stereotype entstehen erstens aufgrund von Wissen und Kenntnissen betreffend des Alters und alten Menschen, ihren Lebensgewohnheiten und gesellschaftliche Situationen. Zweitens resultieren sie aus eigenen Erfahrungen die die Generationen miteinander sammeln und drittens sind solche Vorurteile von Erwartungen des eigenen Altersprozesses geprägt. (vgl. Tews 1979, Seite 27) Sind also Stereotype „Ausdruck der wenn auch verzerrten Wahrnehmung der Lebenssituation der alten selbst, so sind sie nur durch den Wandel der Lebenssituation der Alten bzw. alt werdenden folgenden Generation zu beeinflussen“. (Tews 1979, Seite 26) Ein Wandel von Vorurteilen ist also, wenn auch nur langfristig gesehen möglich, vorausgesetzt (siehe oben): Wissen und Kenntnisse bezüglich des Alters und Alten verändert sich, was tatsächlich auch derzeitig geschieht. So sind unter anderem Artikel aus der Fachzeitschrift „Psychologie Heute“ zu nennen, die sich mit der Möglichkeit körperlicher und geistiger Leistungssteigerung und Adaption auch
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im sehr hohem Alter auseinandersetzen, und diese bestätigen: „Bewegung im Alter hält den Geist auf Trab.“ (März 2005, Seite 62); „Optimisten altern langsamer – niedrigere Gebrechlichkeitsrate“ (Februar 2005, Seite 8); „Jedes Alter hat seine Weisheit – Verbesserung der Allgemeinbildung, Balance und Flexibilität“ (April 2003, Seite 36 ff.); „Jungbrunnen Alterssport – Steigerung der Leistungsfähigkeit“ (Compact Nr.1 1997, Seite 43). Gerade was das psychologische Altern betrifft, wird in zunehmenden Maßen von Chancen auf Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung gesprochen. (vgl. Kühn 1992, Seite 122; Voges 1989, Seite 22) Somit wird das Altersstereotyp, zumindest in Hinsicht der Vorstellung es gäbe ausschließlich physische und psychische Abbauprozesse, widerlegt! Inwiefern das eine Einstellungsveränderung bewirkt bleibt jedoch fraglich. Andere Vorurteile lassen sich durch statistische Messungen einfach revidieren: Was zum Beispiel die vermeintlich generelle Hilfsbedürftigkeit von alten Menschen betrifft, so wurde herausgefunden, dass nur ca. 4 % der Alten im Heim wohnt, und nur 10 % pflegeabhängig sind. In dem Sinne „kann man kaum akzeptieren, dass Hilflosigkeit das typische Merkmal des Alters“, und demnach wohl auf „falscher Wahrnehmung der Realität“ (Tews 1979, Seite 26) zurückzuführen ist.
Weitere Voraussetzungen für einen Wandel des bestehenden Altersstereotyps muss zum einen eine positivere Selbstwahrnehmung von alten Menschen selbst sein, das infolge dessen, ausgetauschte Erfahrungen das derzeitige Bild ins wanken geraten lassen. Und ein neues Bild muss entstehen, von den „jungen Alten“ die körperlich und geistig aktiv bleiben, die den Willen zur Weiterentwicklung und Anpassung an die sich verändernde Gesellschaft zeigen, oder diesen Versuch zumindest wagen. Zum anderen müssen die Erwartungen des eigenen Altersprozesses neue Blüten tragen, womit ein hoffnungsvolles „in die Zukunft blicken“ und ein „Annehmen der Veränderungen“ die vor uns liegen gemeint ist, gerade weil wir die nächsten Alten sind, die mit den neuen Generationen wiederum Erfahrungen austauschen.
2.5 Soziale Rollen
„Unter sozialer Rolle versteht man allgemein ein Bündel bzw. die Summe von Erwartungen und Ansprüchen einer Gruppe oder der Gesellschaft an das Verhalten (Rollenverhalten) und die Erscheinung (Rollenattribute) eines Inhabers einer sozialen Position in einem Handlungssystem (z.B. Lehrer, Vater). Die soziale Rolle ist also unabhängig von der Person und dem tatsächlichen Verhalten denkbar und existent, sie ist Bestandteil der sozialen Realität“. (Griese 1996, Seite 466 f.) Die Rolle des alten Menschen wird jedoch nicht gelernt oder erworben, sondern „natürlich“ und gesellschaftlich zugewiesen (vgl. Henecka 1993, Seite 78; und siehe Kapitel 1.3. dieser Arbeit: Gesetzliche Legaldefinition und Altersstereotype), und entsteht u.a. ausgehend von einem suggeriertem Fremd- hinführend zu einem adaptiertem Selbstbild, um oben angesprochenen Erwartungen und
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Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Carsten Kiehne, 2005, Soziologie des Alterns, München, GRIN Verlag GmbH
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