Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 2
2 Die „klassische“ Typologie der ethnologischen Methoden 3
3 Besonderheiten der Feldforschung. 4
3.1 Dauer 5
3.2 Sprachkenntnis 5
3.3 Teilnahme. 5
3.4 Key Informant 6
4 Probleme und Chancen der ethnologischen Internetforschung. 6
4.1 Meinungs- und Marktforschung. 8
4.2 Identitäts- und Netzwerkforschung 8
5 Begriffsexiplikation ethnologischer Internetforschung 9
5.1 Internet 9
5.2 Feld und Feldforschung im Internet 10
5.3 Teilnehmende Beobachtung im Internet 11
6 Neue Forschungsquellen 12
6.1 Webseiten 12
6.2 Mailinglisten und Newsgroups 13
6.3 Online-Surveys 15
6.4 Ergänzende Offlineforschung 16
7 Fazit. 17
Anhang 18
Literatur. 19
1
1 Einleitung
Das Medium Internet hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung genommen. Durch die rasche Verbreitung und die Entdeckung neuer Möglichkeiten ist es immer wieder in den Schlagzeilen. Sei es durch die Entwicklung von immer realer werdenden virtuellen Welten oder durch die immer dichter werdenden Verbindungen zwischen den Menschen die das Internet ermöglicht. 1 Selbst die Gebühreneinzugszentrale in Deutschland hält die Verbreitung und Entwicklung des Internets nun für soweit vorangeschritten, dass für die Möglichkeit Internet zu empfangen künftig Gebühren fällig werden. Es scheint also, als sei das Internet immer noch für Überraschungen gut. Einen Normal- oder Istzustand dokumentiert dagegen die Tatsache, dass die Beschäftigung mit Internet in nahezu alle wissenschaftlichen Disziplinen Eingang gefunden hat. In diesem Zusammenhang nimmt die Ethnologie eine Nachrückerrolle ein. Lehrveranstaltungen zum Thema Internet, wie jene in der auch diese Hausarbeit entstand, sind insgesamt noch recht selten und spärlich in den Lehrplänen der akademischen Ethnologie zu finden. Das soll nicht heißen, dass Ethnologen, mit „Naturverbundenheit“ (Rossbach de Olmos 2004: 551) in Verbindung gebracht, aktive Verweigerer sind. Vielmehr scheint der Teufel im Detail zu stecken und die geringe Publizierungsrate von Ethnologen zum Thema Internet methodisch begründet zu sein. Wo soll angesetzt werden, wie können Daten erhoben werden, wenn Feldforschung quasi ohne Feld durchgeführt werden muss? Ist das geringe Forschungsinteresse der Ethnologie am Internet mit ihrem strengen Methodenkatalog zu erklären?
Durch das Zusammenführen der Eigenschaften der klassischen Methoden der Ethnologie und den Eigenschaften des Internets soll einerseits diese Hypothese gestützt werden, während auf der anderen Seite Mittel und Wege gefunden werden sollen, sich aus ethnologischer Sicht dem Thema Internet und Internetforschung zu nähern.
So gebe ich in Punkt 2 zunächst einen Überblick über die klassischen Methoden der Ethnologie in Form einer Typologie. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der ethnographischen Feldforschung, die als wichtigste Methode der Ethnologie gilt. Danach folgt ein bewusster Bruch durch die Benennung von Entwicklungsschritten in der Internetforschung, der die scheinbaren Differenzen zwischen Internet und Ethnologie
x 1 Siehe dazu folgende Zeitschriftenartikel: Von Randow, Gero 2007: Das Leben im Netz. In: Die Zeit 04/2007: 1. und Casati, Rebecca; Matthias Matussek; Philipp Oehmke; Moritz von Uslar 2007: Alles im Wunderland. In: Der Spiegel 8/2007: 150-163.
2
verdeutlichen soll. Mögliche Auswege, oder um es positiv auszudrücken, mögliche Zugänge zum Forschungsgebiet Internet werden in Punkt 3 vorgestellt. Punkt 4 erörtert die Probleme und Chancen der Internetforschung. Anschließend sollen in Punkt 5 die für eine kanonisierte ethnologische Internetforschung wichtigen Begriffe Internet, Feld beziehungsweise Feldforschung und teilnehmende Beobachtung erläutert werden. In Punkt 6 möchte ich konkrete neue Forschungsfelder vorstellen, um in Punkt 7 mit einem Fazit abzuschließen.
2 Die „klassische“ Typologie der ethnologischen Methoden
Die Ethnologie kennt ein Set von Techniken und Methoden, die sie als eigene akademische Disziplin charakterisiert und von anderen Disziplinen unterscheidet. Diese Methoden sind nach und nach entstanden und gehen auf Vertreter bestimmter Denkschulen zurück oder sind schlicht das Ergebnis persönlicher Erfahrungen im Problemfeld der Erkenntnisgewinnung. So lassen sich die evolutionistischen Ansätze der „armchair-Ethnologen“, denen als Informationsquellen im Wesentlichen Berichte, Reisegeschichten und Sammlungen, also Informationen aus „Zweiter Hand“, dienten, als vergleichende Ansätze kennzeichnen. Da diese Ansätze das große Ganze im Blick haben, ist dieses Vorgehen als deduktive Methode zu bezeichnen. Im Gegensatz dazu waren die ersten Feldforscher, die ihre Informationen direkt „im Feld“ sammelten, eher an der Einzelkultur interessiert. Diese Herangehensweise entspricht induktivem Vorgehen.
Peoples und Bailey unterscheiden in ihrem Standardlehrbuch „Humanity“ den induktivdeduktiv-Gegensatz begrifflich als Gegensatz zwischen „comparative“ und „ethnografic methods“ 2 (Peoples und Bailey 2003: 103). Dieser scheinbare Gegensatz in der Methodik trägt den Anspruch der Ethnologie Rechnung, sowohl Universalien menschlicher Kultur aufdecken zu wollen, sowie außerdem auch Einzeldaten zu erkennen, zu analysieren und sie als solche interpretieren zu können. Dieser Unterscheidung folgend lässt sich eine Typologie der ethnologischen Methoden erstellen (vgl. Abbildung 1).
Zu den vergleichenden Methoden zählen Methoden des interkulturellen Vergleichs (Vergleich von verschiedenen Kulturen bezüglich bestimmter Untersuchungsfelder) und des kontrolliert historischen Vergleichs (Vergleich von der gleichen Kultur zu unterschiedlichen Zeitpunkten). Auf die speziellen Instrumente der Erkenntnisgewinnung von interkulturellem und kontrolliertem historischen Vergleichs soll hier nicht weiter eingegangen werden. Wie
3
bereits erwähnt, zeichnen sich vergleichende Methoden dadurch aus, dass sie Anwendung finden, wenn es darum geht, allgemeingültige, universale Zusammenhänge zu erklären oder Hypothesen zum allgemeinen Menschsein aufzustellen.
Um dies jedoch gegenüber wissenschaftlicher Kritik zu stützen, müssen überhaupt erst einmal Daten zusammengetragen werden. Allein die Vorgehensweise, fremde Berichte auszuwerten und sie deduktiv zu verwenden, reicht heute nicht mehr aus. Vielmehr wird von Ethnologen heute auch verlangt, eigene Daten aus der Beschreibung von Einzelkulturen sammeln zu können. Hierfür stellen die ethnographischen Methoden das Handwerkszeug. Neben der Feldforschung, auf die gleich näher eingegangen werden soll, fällt auch noch die ethnohistorische Forschung in den typologischen Bereich der ethnographischen Methoden. Es sei hier nur darauf hingewiesen, dass sich die Ethnohistorie damit beschäftigt, vergangene kulturelle Verhältnisse anhand auch nicht-schriftlicher Quellen zu rekonstruieren. Es soll damit deutlich geworden sein, dass die Feldforschung der zentrale Ausgangspunkt für ethnologische Aussagen ist, ob nun für vergleichende Hypothese oder ethnographische Beschreibung. So betonen heute alle Ethnologen, trotz der vielen verschiedenen Denkschulen, die Wichtigkeit der ethnologischen Feldforschung als Datenquelle. Aufgrund der großen Bedeutung der Feldforschung möchte ich weitere Besonderheiten dieser Methode beleuchten.
3 Besonderheiten der Feldforschung
Wie jede Methode zur Datengewinnung, ist auch die Feldforschung nur dann eine sinnvolle Methode, wenn sie effektiver ist als alternative Methoden. Für die Ethnologie, die ihre Datenerhebung, wie erläutert, häufig mit dem Erforschen des Zusammenleben von Kulturen in ihrem gewohnten Kontext beginnt, ist es deshalb nahezu ausschließlich von Vorteil, die Feldforschung als Methode zu wählen. Aus analytischer Sicht handelt es sich bei Feldforschung um eine Methode zur Erhebung empirischer Daten durch Beobachtung und Befragung. Was sie aber von Feldforschung in der Soziologie unterscheidet, sind die wichtigen Voraussetzungen, die sich über die Jahre von Franz Boas über Bronisáaw Malinowski und Margret Mead entwickelt haben und deshalb eine eigene ethnologische Forschungsmethode charakterisieren.
Als wichtige Voraussetzungen möchte ich im Einzelnen die Dauer der Feldforschung, die Kenntnis und Beherrschung der lokal verbreiteten Sprache, die Teilnahme am (alltäglichen)
2 im Folgenden: 'vergleichende' sowie 'ethnographische Methoden'
4
Leben sowie die herausgehobene Kontaktaufnahme zu einem key informant erläutern. Hinzu kommen perspektivische Voraussetzungen, die mit den Schlagwörtern Kulturrelativismus, Holismus und emische Perspektive genannt werden können.
3.1 Dauer
Nachdem die ersten Ethnologen noch völlig ohne eigene Feldforschung auskamen, war Franz Boas der erste wissenschaftliche Ethnologe, der eigene Daten erhob. Diese sammelte er in einer Art Expeditionsstil, denn sein Forschungsaufenthalt beschränkte sich auf wenige Monate. (vgl. Fiebertshäuser und Prengel 1997: 5) Hierbei entwickelte er den Kulturrelativismus. Eine Betrachtungsweise, die davon ausgeht, dass Kulturen nur aus sich selbst heraus und deshalb relativ verstanden werden können. Malinowski, der als Begründer der modernen Feldforschung gilt, führte seine bekannte Feldforschung über das Zusammenleben der Trobriander über ein Jahr durch. Dies stellt sicher, dass Rituale, die unter anderem mit agrarisch bedeutsamen Ereignissen und damit auch dem Jahreszeitenzyklus verbunden sind, erfasst werden. Seither wird die reine ethnologische Feldforschung mindestens über den Zeitraum eines Jahres betrieben. Vor- und Nachbereitungszeit hinzugerechnet, ist eine umfassende Feldforschung selten kürzer als zwei Jahre. Die mindestens einjährige Forschung fördert außerdem die Aussagekraft der Datenerhebung. Denn bei zu kurzem Forschungsaufenthalt, kann der Forscher seinem kulturellen Hintergrund erliegen und zu ethnozentristischen Aussagen kommen. Der lange Aufenthalt räumt also dem Forscher Zeit ein, die "zweite Sozialisation" zu erfahren und die emische Perspektive einzunehmen. Diese versucht die Sichtweise des Beobachteten und nicht des Beobachtenden einzunehmen.
3.2 Sprachkenntnis
Die Beherrschung der Sprache der untersuchten Kultur ist deshalb so wichtig, da begrifflich bedeutsame Unterschiede, zum Beispiel bei der Untersuchung von
Verwandtschaftsbeziehungen, durch Übersetzungen verloren gehen können. So sind Feldforschungen mit Übersetzern, wie in der empirischen Sozialforschung, in der Ethnologie nicht erwünscht.
3.3 Teilnahme
Die ebenfalls auf Malinowski zurückgehende Forderung nach participant observation (teilnehmender Beobachtung) ist wiederum mit weiteren methodischen Elementen verbunden, die es dem Forscher letztlich erleichtern, schneller die emische Perspektive einzunehmen und
5
Arbeit zitieren:
Hendrik Claas Meyer, 2007, Feldforschung ohne Feld - Ansätze ethnologischer Internetforschung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Von der Trommel zum Internet - Die Bedeutung des Internet für die oral...
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
Magisterarbeit, 112 Seiten
Die Erzeugung von Lokalität in einer globalen Welt
Global Cultural Flows (Appadur...
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Seminararbeit, 32 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Hendrik Claas Meyer's Text Feldforschung ohne Feld - Ansätze ethnologischer Internetforschung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Hendrik Claas Meyer hat den Text Feldforschung ohne Feld - Ansätze ethnologischer Internetforschung veröffentlicht
Hendrik Claas Meyer hat einen neuen Text hochgeladen
Ciuliamta Akluit/Things of Our Ancestors: Yup'ik Elders Explore the Ja...
Ethnologisches Museum Berlin
Yup'ik Elders at the Ethnologisches Museum Berlin: Fieldwork Turned on...
Ann Fienup-Riordan, Marie Meade, Sonja Luhrmann
Context 21 - Starter. Language and Skills Trainer. Ohne Lösungsschlüss...
Workbook mit e-Workbook und CD...
English G 21 - Ausgabe A 06: 10. Schuljahr. Workbook mit e-Workbook un...
Jennifer Seidl, Hellmut Schwarz, Jörg Rademacher
English G 21 - Ausgabe B 06: 10. Schuljahr. Workbook mit e-Workbook un...
Jennifer Seidl, Hellmut Schwarz, Wolfgang Biederstädt
English G 21 - Erweiterte Ausgabe D 06: 10. Schuljahr. Workbook mit e-...
Jennifer Seidl, Uta Zorn, Hellmut Schwarz, Jörg Rademacher
0 Kommentare