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0. EINLEITUNG 3
1. UNGEBORENES SIMULAKRUM 4
2. GEDANKEN ZUM TAG: 21 11 2007 11:15H 12:45H 8
3. NICHT BLOß ALS MITTEL SONDERN ZUGLEICH ALS
ZWECK 13
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0. Einleitung
2007/2008 hielt Katharina Lacina eine Ethikseminar an der Uni Wien mit dem Titel „New ways of making babies: Ethik in der Reproduktionsmedizin“ ab. Ich als Teilnehmer habe zu drei der angerissenen Themenkreise im Rahmen des Seminars Essays verfasst, die nun überarbeitet hier zusammengefasst erscheinen und natürlich alle mit den neuen Mutterschaftsmöglichkeiten in Verbindung stehen.
Zu Barbara Duden muss kaum etwas gesagt werden, der erste Essay setzt sich mit ihrem Text Der Frauenleib als öffentlicher Ort. Vom Missbrauch des Begriffs Leben aus dem Jahre 1994 auseinander, wobei natürlich – Simulakrum! – auch Boudrillard ins Spiel gebracht werden soll.
Auch beim zweiten Essay muss ein Berühmter herhalten: es geht um einen Text von Dieter Birnbacher - Schwangerschaft hirntoter Frauen. Logik medizinischer Konsequenzen? Das verspricht ja schon im Titel einige Brisanz und der Text nähert sich diesem Thema natürlich aus einer utilitaristischen Sichtweise an.
Schließlich folgt noch ein Essay der doch mit einem Augenzwinkern gelesen werden will und sich an zwei Texten abarbeitet: an Laura M. Purdys Text Surrogate Mothering: Exploitation or Empowerment? aus dem Jahre 1989 (!), und an einem von Susan Dodds und Karen Jones, A Response to Purdy, aus dem gleichen Jahr. Also ebenfalls an Klassikern der modernen Moralphilosophie.
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1. Ungeborenes Simulakrum
Heutzutage funktioniert die Abstraktion nicht mehr nach dem Muster
der Karte, des Duplikats, des Spiegels und des Begriffs. Auch bezieht sich die Simulation nicht mehr auf ein Territorium, ein referentielles Wesen oder auf eine Substanz. Vielmehr bedient sie sich verschiedener Modelle zur Generierung eines Realen ohne Ursprung oder Realität, d.h. eines Hyperrealen. 1
Was Boudrillard vor 30 Jahren definiert hat ist zugleich allgemeiner wie auch spezifischer als Barbara Dudens Ansatz der Abbildung von Unsichtbaren, welchen sie zehn Jahre später zu entwickeln beginnen wird. Spezifischer, weil Boudrillard sich anfangs vor allem an einer Gotteskritik abarbeitet, also an einem Machtbegriff, allgemeiner, weil in der Rückschau sein Entwurf gespenstisch prophetisch auf all unsere Lebensbereiche zu wirken scheint, somit nicht nur Bilder, sondern einfach alles mit Boudrillard ursprungslos gedacht werden kann. Simulakrum, französisch simulacre, erkärt Boudrillard seinem Essay vorgelagert, bedeutet „das Trugbild, das Blendwerk, die Fassade, der Schein“, und weiter, vom lateinischen simulacrum kommend, eben „das Bild, das Abbild, das Bildnis, die Nachbildung, das Gebilde, die Statue, das Götterbild, die Bildsäule, das Traumbild, der Schatten, das Gespenst.“ 2
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Somit sollte der Bezug zum Frauenleib als öffentlicher Ort erklärt sein. Barbara Duden möchte den gegenwärtigen Blick auf nicht geborenes Leben in einen historischen Bezug stellen, ihn gleichsam als ein hyperreales Simulakrum entlarven. Wobei auch ihr Buch – welches sie selbst als „Essay … der eindeutig keine ‚Studie’ ist“ 3 bezeichnet – bei aller Aktualität auch schon als historisch bezeichnet werden muss. Denn während einerseits die technischen Möglichkeiten für Bild gebende Verfahren große Fortschritte verzeichneten, hat sich andererseits auch die Aufnahmefähigkeit der Menschen in den letzten 13 Jahren seit Erscheinen des Buches offensichtlich gewandelt. Secondlife.com, Digitalkameras und Egoshooters seien nur erwähnt um den sensual oder aesthetical turn dieser Problematik aufzuwerfen.
Was machen diese Bilder nun? Sie vermarkten Hyperreales als Reales, sie verkehren Hervorbringendes und Hervorgebrachtes, Erzeugtes wird zu Erzeugendem. Sie machen aus Nichts Etwas, und es ist wohl dieses generierte Etwas, das zu interessieren hat. Das maschinell erzeugte Bild gibt sich die Maske der objektiven Wissenschaftlichkeit, verschweigt aber gleichzeitig, dass auch die dazu benötigten Apparaturen nur gemachte sind. Dass also nicht das menschliche Auge oder reine Verstärker benutzt wurden, um etwas abzubilden, sondern zuerst ein Produkt geschaffen, welches dann für das Auge aufbereitet wird. (Erinnert auch an L´Arivée d´un train en gare de la Ciotat 4 der Brüder Lumière: „La tradition veut que l'image d'un train qui venait directement vers lui ait terrifié le public, criant et courant vers l'arrière de la salle.“ 5 )
So wie immer schon vorher ein Begriff dessen vorhanden sein muss, was gewusst werden soll, so muss wohl auch schon bereits eine Idee davon vorhanden sein, was gesehen werden soll. Ob nun gelenkt und instrumentalisiert sei hier dahingestellt. Dass die Sinne in sich selbst Geschichte haben und dass das Vorrecht des Auges nicht zwingend sein müsste ist hinreichend bekannt – dennoch überprüft der Mensch seine eigene Glaubwürdigkeit nicht oder zumindest nicht permanent, genauso wie er der Dominanz des Visuellen kaum widerstehen kann. Selbst wenn er möchte ist dazu Reflexion oder eine ungewöhnliche Wahrnehmungsleistung von Nöten. So haben also errechnete Bilder, auch wenn sie gigantische Vergrößerungen dunkler, unsichtbarer Gebiete darstellen, die Möglichkeit an eine Tradition anzuschließen: an die der visuellen Überrumpelung. „Wer in Lennart Nilsons maulbeerförmigen
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Protoplasten einen Blick oder ein Gesicht hineinhexen will“ schreibt Duden, „hat einen ‚Knick in der Linse’“. 6 Das Problem ist, dass zwischen Knick und kein Knick kaum noch unterschieden werden kann. Man kennt das ja aus der Wahrnehmungspsychologie 7 :
Wo kommen nur diese dunklen Punkte an den Kreuzungen her, sie sind nicht existent, doch wahrnehmbar. Wo kommt denn nur dieses kleine Menschlein her? Dieses Blendwerk erzeugt aber nicht nur Realität, sondern dezidiert – so da ein Unterschied existiert – menschliche Realität. Es erzeugt eine Person.
Eine Person allerdings hat generell Rechte und Pflichten, ist ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Wenn ein zwei-, vier- oder acht-Zeller eine Person ist, wie verhält sich diese dann zu ihrer „Wirtin“? Es scheint sich fast so zu ergeben, dass in diesem Fall die Pflichten der Schwangeren, die Rechte aber dem Fötus zugesprochen werden. Wenngleich dieser (noch) keine Rechtperson ist – so kann ein Fötus nicht als Erbe eingesetzt werden – entstehen doch immer mehr Fürsprecher, einzelne Personen wie Institutionen, die eben dieses Wesen verteidigen, es also der Schwangeren oder zukünftigen Mutter gegenüberstellen. So entsteht ein Wesen im Wesen, eine von der Mutter unabhängige Pseudoperson, die jedoch als Organismus in allen Belangen von ebendieser abhängig ist. Weil ja beide nur ein vollständiges System darstellen – das System Frau. Die absolut abgekoppelte Darstellung des Fötus, die Unsichtbarkeit der Mutter erzeugt also zweifellos den Eindruck einer eigenen Entität, die schutzbedürftig und schützenswert ist.
Abgesehen von der Bildung einer Sub-Person scheint eine weitere Idee hinter dieser Darstellungsweise jene zu sein, eine durchgehende Geschichte, eine Dokumentation des Menschen zu erstellen. Diese soll lückenlos und glaubwürdig sein; und was wäre glaubwürdiger als ein vom Arzt ausgegebenes Photo? Der Mensch ist also schon alles seit dem Moment der Zeugung, der viel strapazierte Würdebegriff wird optisch untermauert. Die Scheinbilder werden präsentiert wie Bilder in Zeitungen und Internet, wie Aufnahmen von Kindern beim Sonntagsausflug, Kameraeinstellung Sepia. Ausgehend vom fertigen Wesen wird das Unfertige produziert, ihm die Larve des Vorschulkindes angepasst. Dass dieses Wesen aber gerade nicht photographiert werden kann ist kein Thema, der Unterschied zwischen einem Lichtbild und einem
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mag. Markus Luef, 2008, Neue Zeugungsarten beim Menschen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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