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Inhaltsverzeichnis
0 1 Warum? 4
1. Zur Einleitung 6
2. Entwurf einer Psychologie, I. Teil, 1 10 7
0 Einleitung 7
1. Erster Hauptsatz - Die Quantitative Auffassung 7
2. Zweiter Hauptsatz - Die Neuronentheorie 8
3. Die Kontaktschranken 8
4. Der biologische Standpunkt 9
5. Quantitätsproblem 10
6. Der Schmerz 10
7. Qualitätsproblem 10
8. Das Bewusstsein 11
9. Das Funktionieren des Apparates 12
10. Die ψ Leitungen 13
3. Notiz über den Wunderblock 14
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0 1 Warum?
Die Linie, die Unendlichkeit, Unterbrechungen, Brechungen, das Kontinuum, die Dichte. Eine Kurve, eine Krümmung, die Zeit. Alle diese Begriffe kommen natürlich in der Mathematik vor. Ebenso haben sie ihren Platz in der Logik.
In der Philosophie hat man sich damit auch beschäftigt, und macht dies wohl immer noch. Zwei Beispiele, mit denen ich sie verknüpfe, sind
1. die mittelalterliche Philosophie des 12. und 13. Jahrhunderts, vor allem eine Fragestellung von Ibn Rushd, a.k.a. Averroes. 2 Es dreht sich im Kern um die Frage der zeitlichen Kontinuität: wenn die Welt von Gott geschaffen wurde, was tat er vor der Schöpfung? Oder wurde die Zeit
- und damit das Kontinuum - mit geschaffen? Welche Art von Zeit existierte davor; eine Engelszeit? Denn wenn Gott ewig und vollkommen ist, wie kann ihm dann zu einem gewissen Zeitpunkt eine Idee zukommen? Dies erscheint beim vollkommenen Wesen kaum vorstellbar. Aber auch die Ansicht, dass Gott die Schöpfungsidee schon unendliche Zeit in sich hatte, sie sich aber zu einem realen Zeitpunkt manifestiert, ist schwer verständlich.
2. die psychologische Philosophie, die sich mit der Tatsache eines durchgehenden Lebens beschäftigt. Wie können Träume in das Konzept des Bewusstseins integriert werden, wie ist es möglich, dass wir Dinge falsch im Gedächtnis behalten, und sie dennoch als wahr empfinden? Wie können wir in so vielen Situationen verschieden reagieren, uns aber als eine Person erleben? Ein - wenn nicht der - Höhepunkt wurde Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts erreicht. Franz Brentano 3 und seine vielen Schüler 4 , allen voran Sigmund Freud 5 , haben diese Problematik massiv in den Raum gebracht. So scheint es ja im Unbewussten eine unglaubliche und schier unendliche Speicherkapazität zu geben, man denke nur an einen so genannten Ohrwurm, also ein irgendwann gehörtes, plötzlich wieder ins Bewusstsein springendes Musikstück. Wo war es die letzten Jahre abgelegt, wie kann es aus mir selbst kommend fremd erschienen? 1912 schreibt Freud:
Eine Vorstellung - oder jedes andere psychische Element - kann jetzt in meinem Bewußtsein gegenwärtig sein und im nächsten Augenblick daraus verschwinden; sie kann nach einer Zwischenzeit ganz unverändert wiederum auftauchen, und zwar, wie wir es ausdrücken, aus der Erinnerung, nicht als Folge einer neuen Sinneswahrnehmung. Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, sind wir zu der Annahme genötigt, daß die Vorstellung auch während der Zwischenzeit in unserem Geiste gegenwärtig gewesen sei, wenn sie auch im Bewußtsein latent blieb. In welcher Gestalt sie aber existiert haben kann, während sie im Seelenleben gegenwärtig und im Bewußtsein
6 latent war, darüber können wir keine Vermutung aufstellen.
Beide Ansätze - die natürlich nur zwei von unzähligen sein können - haben zumindest eine Gemeinsamkeit: Aristoteles. Seit die islamische Philosophie seine Schriften nach Europa brachte waren sein Kontinuumsbegriff und seine Lehre vom unbewegten Beweger, der das Denken denkt, Thema. Andererseits hat Aristoteles bekanntermaßen in seiner Lehre des „Doppelten Intellekts“ die Seelenlehre Freuds schon vorprogrammiert.
Womit nun endlich der Übergang zu Jacques Derrida geschafft wäre. In seinem Essay Freud und
5
der Schauplatz der Schrift 7 zeigt er nicht nur sein Können in der Dekonstruktion, sondern auch seine profunde Kenntnis über die Psychoanalyse und Freud. Die Frage ist: wie kann unser Wahrnehmungsapparat einerseits immer wieder neue Eindrücke aufnehmen, sie aber andererseits auch - mehr oder weniger - dauerhaft abspeichern? Was können unsere Fehlleistungen uns dazu lehren?
Wie viel können wir also steuern - aktiver versus passiver Intellekt. Wie entsteht ein Leben, das uns ohne Fraktale erscheint - Kontinuum. Derrida benutzt dazu zwei wohl bedacht ausgewählte Schriften Freuds: einerseits die präanalytische Schrift Entwurf einer Psychologie 8 aus dem Jahre 1895, andererseits die metapsychologische Schrift aus dem Jahre 1925 Notiz über den «Wunderblock» 9 . Nicht nur die Weiterentwicklung der Ansichten Freuds sind bemerkenswert, sondern auch die Tatsache, dass er sich über so lange Zeit konsequent mit derselben Problematik beschäftigte. Flankierend benutzt Derrida dazu noch einige andere Schriften Freuds.
Für den Begriff der Bahnung sind die Texte Freuds mehr als bedeutend, Derrida erfindet sie nicht, er findet sie nur an den richtigen Stellen und biegt sie in sein Konzept. Es sollen also Freuds Schriften behandelt werden, so als ob sie zur Vorbereitung von Derridas Texten dienen sollten.
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mag. Markus Luef, 2009, Zitatserklärungen zu Derrida "Freud und der Schauplatz der Schrift", Munich, GRIN Publishing GmbH
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