Gliederung
1. EINLEITUNG 3
2. UMRISSE EINER JUNGEN BERUFSGRUPPE 4
2.1. BEGRIFFSDEFINITIONEN. 4
2.1.1. Profession. 4
2.1.2. Semi-Profession. 5
2.2. KONFLIKT ZWISCHEN PROFESSIONELLER BINNENSICHT UND GESELLSCHAFTLICHEN ANFORDERUNGEN
6
3. DIE BERUFSGESCHICHTE DER SOZIALEN ARBEIT 7
3.1. ENTWICKLUNG DER SOZIALARBEIT SEIT DEM 19. JAHRHUNDERT 7
3.2. ENTWICKLUNG DER SOZIALPÄDAGOGIK. 8
3.3. ÜBERWINDUNG DER DIFFERENZIERUNG ZWISCHEN BEIDEN BERUFSGRUPPEN. 9
4. SOZIALE ARBEIT ZWISCHEN PROFESSIONALISIERUNG UND DE-
PROFESSIONALISIERUNG. 10
4.1. EXKURS IN DIE PROFESSIONSSOZIOLOGIE 10
4.2. SOZIALE ARBEIT ZWISCHEN SEMI- PROFESSION UND INDIVIDUELLER, HANDLUNGSORIENTIERTER
PROFESSIONALIT ÄT. 11
4.3. AKTUELLE PROBLEME DIE DIE PROFESSIONALITÄT SOZIALER ARBEIT GEFÄHRDEN. 13
4.3.1. Wissenschaftliche Ebene 13
4.3.2. Berufsspezifische Ebene 14
5. SCHLUSSBETRACHTUNGEN 15
6. LITERATURVERZEICHNIS 17
2
1. Einleitung
„Soziale Arbeit heute - das ist eine Arbeit an Schnittstellen zu vielen anderen Bereichen. Daher fördern wir von Beginn an ein interdisziplinäres Arbeiten, richten besonderes Augenmerk auf die Entfaltung Ihrer kreativen Fähigkeiten und stellen Verbindungen zwischen Studium und Praxis her.“ 1
Dieser kurze Ausschnitt aus einer Studienbeschreibung des Bachelor Studienganges Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin legt schon offen dar, dass es sich bei der Sozialen Arbeit nicht um einen Beruf mit eng eingegrenzten Tätigkeiten handelt und das Vertreter dieser Berufsgruppe in ihrer täglichen Arbeit oft auch mit anderen Berufsgruppen kooperieren. Diese Zusammenarbeit ist gerade in den Institutionen wichtig, die als Kostenträger für die Soziale Arbeit auftreten, beispielsweise also in kommunalen Verwaltungen oder in karitativen Organisationen. Dort gilt es die notwendigen finanziellen Sparmaßnahmen sozialverträglich durchzuführen. 2
Weiterhin sieht sich die Soziale Arbeit seitens der Presse oft mit dem Vorwurf "Soziale Arbeit - das kann doch jeder" konfrontiert, der dem professionellen Selbstverständnis der Berufsgruppe entgegensteht. 3 Es ist folglich notwendig das positive Berufsverständnis in der Öffentlichkeit zu fördern. Dazu gehört auch die Anerkennung als professioneller Beruf bzw. als Profession. Grundlage dieser Arbeit ist die These: Soziale Arbeit ist als Semi-Profession auf dem Weg zu vollständigen Professionalisierung, hat dabei aber auch De-Professionalisierungstendenzen zu überwinden.
Ausgehend von einer theoretischen Erörterung der Begrifflichkeiten Profession und Semi-Profession steht im ersten Teil der Arbeit die Darstellung der problematischen Diskrepanz zwischen professioneller Binnensicht und
gesellschaftlichen Anforderungen Sozialer Arbeit im Vordergrund. Im zweiten Teil sollen die geschichtlichen Entwicklungslinien der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik aufgezeigt werden. Dabei zentral ist die Überwindung der Differenz zwischen beiden Berufsgruppen, die nicht zuletzt auch auf
1 Siehe Im Blickpunkt: Soziale Arbeit heute, im WWW unter:
http://www.asfh-berlin.de/index.php?id=437 (18.02.2008).
2 Vgl. DEWE, BERND: Perspektiven gelingender Professionalität, In: Neue Praxis Jg.35, 3/2005, S.257.
3 Siehe Deutscher Berufsverband Sozialer Arbeit: Berufsgesetz, im WWW unter:
http://www.dbsh.de/html/hauptteil_berufsgesetz.html (18.02.2008).
3
wissenschaftlicher Ebene stattgefunden hat. Dies kann als Indiz für eine zunehmende Professionalisierung Sozialer Arbeit gewertet werden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen und von einem kurzen Exkurs in die Professionssoziologie ausgehend, widmet sich der dritte Teil der Arbeit den Ansätzen Soziale Arbeit als Profession bzw. Semi-Profession zu beschreiben und zeigt zusätzlich aktuelle Probleme auf, die den Professionalisierungsprozess Sozialer Arbeit gefährden.
Zum Thema Professionalisierung Sozialer Arbeit existiert eine Vielzahl an Literatur, auf die in Folge auch zurückgegriffen werden soll. Dabei kann grundsätzlich in soziologisch orientierte und in berufsspezifisch orientierte Literatur unterschieden werden. Das Buch „Soziologie der sozialen Arbeit: Eine Einführung in Formen und Funktionen organisierter Hilfe“ von Micheal Bommes ist beispielsweise der erstgenannten Gruppe zuzuordnen. Die Juni-Ausgabe 2005 der Zeitschrift
„Widersprüche Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich“ geht mit dem Themenheft „Jenseits von Status und Expertise: Soziale Arbeit als professionelle Kultur“ die Thematik hingegen berufsorientiert an. Auffällig ist besonders das berufsinterne Quellen wie die Verbands- Homepage des „Deutschen Berufsverbandes Soziale Arbeit“ deutlich das berufsinterne Selbstverständnis als Profession wieder spiegeln.
2. Umrisse einer jungen Berufsgruppe
2.1. Begriffsdefinitionen
2.1.1. Profession
Professionen können als „spezialisierte Instanzen“ zur Bearbeitung eines Problems gesehen werden, welche zur Ausübung dieser Funktion Ermessensspielräume benötigen. 4
Nicht jeder Beruf ist automatisch eine Profession. Der Prozess der Professionalisierung läuft nach Franz Hamburger in drei Schritten ab: 5 1. Bestimmte Handlungen werden verberuflicht, was einher geht mit sich entwickelnden Qualifikationen, die zur Berufsausübung notwendig sind. Ebenfalls
4 Vgl. BECKMANN, CHRISTOP; OTTO, HANS-UWE; SCHAARSCHUCH, ANDREAS; SCHRÖDTER, MARK:
Qualitätsmanagement und Professionalisierung in der Sozialen Arbeit, In: Zeitschrift für Sozialreform, Jg. 53,
Heft 3/2007,S. 276f.
5 Vgl. HAMBURGER, FRANZ, In: KALLER, PAUL (Hrsg.), Lexikon Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Sozialrecht,
Wiebelsheim, 2001, S. 316ff.
4
erfolgt damit die Bildung einer eigenen Organisationsform und der damit verbundenen Selbststeuerung.
2. Die Ausübung des Berufes erfordert mehr und mehr differenziertes Fachwissen, welches in Folge verwissenschaflicht wird. 3. Das berufliche Eigeninteresse tritt zunehmend hinter die Ethik einer gesamtgesellschaftlichen Problembearbeitung.
Ob eine Berufsgruppe diese Professionalisierung bewältigt hat, wird durch die Prüfung der Minimalanforderungen deutlich, die an eine Profession gestellt werden. Dazu zählen: 6
- Fachwissen, welches durch ein Studium vermittelt wird
- Autonomie in der Berufsausübung, die es erlaub selbst die „Regeln der Kunst“ selbst hervorzubringen und zu kontrollieren
- Ein Berufsethos bzw. eine berufsständische Ideologie, die einen hohen ethischen Standard besitz und von altruistischer Grundmotivation getragen wird
- Handlungskompetenz in der Berufsausübung
Diese Minimalanforderungen müssen nach dem Professionsverständnis von Werner Habel noch um zwei Komponenten erweitert werden: 7
- monopolisiertes Tätigkeitsfeld
- gesellschaftliche Annerkennung des professionellen Handelns
2.1.2. Semi-Profession
Im Unterschied zu echten Professionen, wie Juristen oder Ärzten, besitzen nichtvollständig professionalisierte Berufe, die in der Literatur auch als Semi-Professionen bezeichnet werden, keine vollständige Autonomie in ihrer Berufsausübung. Sie sind entweder klienten- oder organisationsautonom bzw. eine der beiden Autonomieformen ist nur schwach ausgeprägt. 8 Aus berufspraktischer Sicht Sind beispielsweise Sozialarbeiter schwach klientenautonom, da sie sich individuell auf jedes persönliche Problem des Klienten einstellen müssen.
6 Vgl. TORNOW, HARALD: Professionalisierung oder Entprofessionalisierung Sozialer Arbeit durch neue
Steuerungsmodelle, In: Jugendhilfe, 45. Jg, 4/2007, S. 172.
7 Siehe HABEL, WERNER: Vorlesung: „Einführung in die allgemeine Didaktik“, im WWW unter:
http://www.uni-duisburg.de/FB2/EW/LS/SPAD/WS0607/Habel_Didaktik4.pdf (16.01.2008).
8 Vgl. ORIZET, JOEL; KAPPLER CHRISTA: Grundzüge und Entwicklung der Sozialen Arbeit, Zürich, 2007, S.
23ff im WWW unter: http://sozio.ch/arbeit/t_orikap.htm (16.01.2008).
5
Arbeit zitieren:
Martin Neumann, 2008, Soziale Arbeit als Semiprofession?, München, GRIN Verlag GmbH
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