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Liebe, Mitgefühl und Mut oben anstehen, so dass der Mensch nicht Mittel sondern Zweck sei, das Loslassen des eigenen Ichs und der Gier und damit verbunden die Offenheit und schließlich das Transzendieren seines Ich, dass man das Gefängnis seiner Selbstsucht und Isolierung verlässt. Zur religiösen Erfahrung gehört also bei Fromm sowohl das Betroffensein von Vernunft und Liebe, als die unbedingt gültigen Höchstwerte, wie auch die Harmonie mit Natur und Mensch bis hin zum "Einswerden" mit dem Weltall.
Nach Fromm ist Gott nur eine Vorstellung, die eine Funktion hat, nämlich die Humanität zu fördern. Bei Tillich ist Gott die Wirklichkeit, die alle Vorstellung sprengt. Wie immer Gott erkannt wird, Wahrheit und Wahrnehmung gehören zusammen, und somit ist subjektiv Wahrheit immer subjektiv, es sei denn, sie sei mathematisch nachweisbar. Im anerden Falle hängt sie von unserer speziellen Kultur und unserer sinnlichen wie empirischen Erfahrung ab. Gott ist das Alleine, sagt Jaspers, also umfasst er auch alle Ideen. Ich muss an die Erzählung denken, in der der junge Götterbote vom Olymp den Menschen die Wahrheit in Form eines Edelsteins bringen sollte. Der Stein fiel ihm hin und zerschellte in viele Splitter. Seitdem glaubte jeder, der einen Splitter dieses Steins der Wahrheit erhaschen konnte, er habe die ganze Wahrheit gefunden.
Ich könnte mich Jaspers ein Stück weit anschließen, ich denke, Gott verkörpert (auch) eine persönliche Weise des Seins neben der des Alleinen, des Umfassenden. Diese muss ein Seiendes sein, dessen Wesen und Ziele, die wahren Seins als Sinn unseres Lebens sind; und das musste sich in den Zeiten immer wieder, durch besonders prädestinierte Menschen, der Menschheit offenbaren. Ohne diese Vermittlung von Erkenntnis des wahren Seins, des wahren Lebens, die unser tiefstes Inneres als die Wahrhaftigkeit, die Wahrheit, den Sinn erspürt, können wir das Göttliche und damit den Lebenssinn nicht begreifen und uns ihm und unserem Selbst, das zutiefst damit verbunden ist, nicht nähern.
Durch gelebte Liebe und Gerechtigkeit umfasst Gott die Welt mit einer Ahnung von den höchsten Werten. Aber nur durch den Menschen, sein Bewusstsein, bekommen wir, einen Begriff von dem Wesen und Sein Gottes.
Durch den Mitmenschen erfasst Gott den Menschen mit seiner Liebe. Liebe ist nie abstrakt. Ohne den Menschen, der seine Liebe äußern muss und kann, weil die Liebe sein tiefstes seelisches Grundbedürfnis darstellt, was ihn damit gleichzeitig mit dem Göttlichen verbindet, hätten wir kein
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Bewusstsein vom Guten, vom Wahren, vom Sinn, der Liebe ist. Ohne einen Begriff von ihr zu haben, hätten wir keinen Weg zum lebendigen Sein, zu dem was Leben ist und leben lässt. Ich denke, dass wir, wie es auch der englische Philosoph John Lock erkennt, das Gute (den höchsten Wert) sofort mit dem Herzen begreifen können, mit dem Verstand dort aber nie ankommen.
- Das hat de Saint Exyperie dann durch Hineinnehmen dieses Gedanken in seinen "Kleinen Prinzen" zur populären Aussage "Man sieht nur mit dem Herzen gut", gemacht. -Vielleicht führt uns nur ein Erspüren, eine diffuse Ahnung von einer Harmonie, deren Abglanz unsere Fähigkeit zu lieben ist, die wiederum das Gute unbedingt voraussetzt, dazu, zu erkennen. Es ist daher unser Bedürfnis und die innere Wahrheit, dass die materielle Existenz und ihre Grenzen ihren Sinn haben muss. Es ist daher unser Bedürfnis und die innere Wahrheit, dass die materielle Existenz und ihre Grenzen ihren Sinn haben muss. © Antje Di Bella Naturwissenschaft und Glaube
Doch steht das nicht im eklatanten Widerspruch zu allem, was die Naturwissenschaften in den letzten zwei- drei Jahrhunderten über die Welt in Erfahrung gebracht hat? Ist es ihnen nicht immer besser gelungen, den vielgestaltigen Erscheinungen der materiellen Existenz den Schleier des Übernatürlichen zu entreißen und auf rationale, „vernünftige“ Ursachen zu reduzieren? Gallei, Keppler und andere erkannten: Erde, Mond und Sonne bewegten sich wie mechanische Räderwerke. Newtons Gravitationskraft erklärte warum. Kant entthronte „Gottes Himmelsreich“ endgültig zum Welt-All, den man später sogar mit Raumschiffen befahren konnte. Alles schien messbar und in erklärende Formeln zu packen zu sein. An die Stelle eines erschaffenden Gottes traten Kräfte und Felder. Mit Darwin schließlich fiel auch der Mensch als Krone der Schöpfung. Gott wurde überflüssig und taugte allenfalls Projektion menschlicher Wünsche und Sehnsüchte, Religion sah man als „Opium für's Volk“ oder archaische Psychotherapie an. „Gott ist tot“ - mit diesen drastischen Worten drückte Nietzsche das religionsphilosophische Dilemma des ausgehenden zweiten Jahrtausends aus, eine latente Einstellung vieler Denker dieser Zeit, die auch auf den Juden Erich Fromm abfärbte.
Doch inzwischen zeichnen ausgerechnet die Naturwissenschaften wieder ein differenzierteres Bild. Je tiefer die Fernohre der Astronomen in den Himmel und die Elektronenmikroskope der Physiker
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in die Welt der Atome vordrangen, desto weiter rückte der so sehnlichst erwartete endgültige Erkenntnishorizont in die Ferne. Statt auf atomos, auf kleinste unteilbare Weltbausteine, stießen die Physiker auf die rätselhafte Unbestimmtheit der Quantenmechanik und damit auf eine messbare Realität, die sich mit den Erfahrungen aus unserer Alltagswelt nicht im geringsten erklären lässt. Statt der unendlichen Weite eines ewigen Universums offenbarte sich den Astronomen so etwas wie Ort und Zeitpunkt der Erschaffung der Welt - im so genannten Big Bang, dem Urknall. Nicht allein der Urknall an sich, der einem vermeintlichen Schöpfungsakt verdächtig ähnelt, lässt nachdenklich stimmen sondern auch das, was unmittelbar folgte: In diesem brodelnden, zufallsbestimmten Ur-Feuer von Ur-Elementarteilchen und Ur-Energien muss es ein erstes Abdriften von Mittelwert, eine erste Differenziation, Fluktuation oder Polarisierung gegeben haben. Das ist an sich nicht erstaunlich; erstaunlich ist aber, dass sich diese erste Differenz nicht sofort wieder von selbst ausglich und im Ur-Chaos ebenso schnell wieder verschwand, wie sie erschienen war. Stattdessen konnte sie mehr als nur den Augenblick überdauern und einen stabilen Zustand einnehmen, weil sie "Gesetzen" gehorchte - gehorchen musste. Damit war die allererste Struktur in die Welt gekommen, deren Pole oder Elemente in Wechselwirkung mit sich selbst und mit der Umwelt treten konnten. Damit kam auch ein Prozess in Gang, der von den denselben Gesetzen, die ihn gebaren, weiter vorangetrieben wurde: Ein aus sich selbst heraus immer wieder neu generierender, fortschreitender Prozess der Differenziation und Strukturierung, den wir (Höher-)Entwicklung nennen; oder auf die Welt des Lebens bezogen: Evolution. So wie sich Lebewesen aus Eizellen durch fortwährende Teilung und Differenzierung, Strukturierung und Spezialisierung entwickeln, so entstanden aus den ersten Ur-Polaritäten das gesamte Universum mit seiner ungeheuren Vielfalt von wechselwirkenden Mustern und Strukturen, einschließlich uns Menschen mit unserem zur Selbstreflexion fähigem beseelten Bewusstsein.
Doch „von selbst“ schien uns dieser Vorgang nur deshalb vonstatten zu gehen, weil wir bislang seinen Anfang nicht sahen. Am Anfang standen Gesetze, welche aus dem Chaos des Ur-Universums ein erstes Unterschieds-Paar hervortreten und bestehen ließ. Wir nennen diese Gesetze so leichthin Naturgesetze, als kämen sie aus oder steckten in der Natur - dabei müssen sie vor jeder Natur existiert haben, wenn sie Triebfeder für deren Geburt gewesen sein soll. Im Wirken von vier physikalischen Grundkräften glauben wir sie „im Himmel als auch auf Erden“ wiederzufindensicher zu Recht, aber was ist damit wirklich erklärt? Ihre pure Existenz ist nicht weniger mysteriös als die biblische Version der Schöpfung, nach der am Anfang „nur“ Gottes Geist war und nach dessen Willen die Welt mit einfachsten Unterscheidungen - Himmel und Erde, Finsternis und Licht
Arbeit zitieren:
Dipl.Soz.päd. Antje-Marianne Di Bella, Lutz Eckner, 1993, Essay: Antje Di Bella und Lutz Eckner: Gottesbild - Menschenbild - Weltbild , München, GRIN Verlag GmbH
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