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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Fragestellung und verwendete Forschungsliteratur 1
2. Die Gewürznelke 4
2.1 Die Einführung der Gewürznelke im Sultanat Sansibar 4
2.2 Anforderungen an die Kultivierung der Gewürznelke 8
3. Die Auswirkungen des Gewürznelkenanbaus in den Bereichen: 9
3.1 Lokale Wirtschaft 9
3.2 Fernhandel 11
3.3 Gesellschaft 14
4. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse 21
5. Bibliographie 24
6. Anhang: Übersicht über die Herrscher im Sultanat Sansibar im 19 Jahrhundert 25
1. Einleitung: Fragestellung und verwendete Forschungsliteratur
Sansibar trägt seit langer Zeit den Beinamen Gewürzinsel Ein Grund hierfür ist im
Anbau von Gewürznelken zu finden die jedoch nicht aus Sansibar stammen Ursprüng-
lich nur beheimatet auf den Molukken (Indonesien) wurde die Gewürznelke Anfang
des 19 Jahrhunderts in das Sultanat Sansibar 1 gebracht Geografisch wird die Fragestel-
lung der Hausarbeit auf die Inseln Sansibar und Pemba eingeschränkt da nur dort der
Gewürznelkenanbau im großen Stil erfolgte
Aber was machte den Anbau von Gewürznelkenbäumen sogar im Plantagensystem –
so attraktiv War der Anbau tatsächlich rentabel und wer profitierte davon Konnte die
Gewürznelke den Hauptexportgütern des Sultanat Sansibar Elfenbein und Sklaven –
gar den Rang ablaufen Drängte sie den Anbau anderer landwirtschaftlicher Produkte
vielleicht zurück Gab es Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben Und welche
Rolle spielten Sklavenhandel und Sklaverei in diesem Zusammenhang
1 Sultan Seyyid Said machte 1832 Sansibar zu seiner Hauptstadt (Ingram 1967 S 162)
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In dieser Hausarbeit wird diesen Fragen nachgegangen. Sie befasst sich einleitend mit der Geschichte der Etablierung der Gewürznelke auf Sansibar und informiert über den Arbeitsaufwand, den ihre Kultivierung erforderte, und untersucht anschließend im Hauptteil, ob und welche Auswirkungen diese „Neuerwerbung“ im Sultanat Sansibar auf die Bereiche lokale Wirtschaft, Fernhandel und Gesellschaft hatte. In einem ab- schließenden Kapitel wird eine Zusammenfassung und Interpretation der Untersu- chungsergebnisse vorgenommen.
Verwendete Forschungsliteratur
Grundlage der Hausarbeit ist einerseits Fachliteratur über die Gewürznelke selbst, um zu untersuchen, welche Anforderungen sie an ihre Kultivierung stellt, da dies z. B. Auswirkungen auf den Arbeitskräftebedarf hat. Herangezogen wurden dazu die Ausfüh- rungen von Carl Ettling, Pflanzungsdirektor a.D., über die wichtigsten tropischen Ge- würzpflanzen aus dem Jahre 1930 sowie das 1949 publizierte Buch „The Clove Tree“ von G. E. Tidbury, einem Landwirtschaftsbeamten des Zanzibar Protectorate. Während Ettling über die Aufzucht und Pflege des Gewürznelkenbaums schreibt, geht Tidbury in seinem Buch, in dem er u. a. Daten aus Jahresberichten und Quartalsbulletins des Zan- zibar Department of Agriculture verarbeitete (Tidbury 1949, S. x), auch auf andere As- pekte, die der Gewürznelkenanbau mit sich brachte, sowie auf die Einführung der Ge- würznelke auf Sansibar ein.
Um die Auswirkungen des Gewürznelkenanbaus auf die verschiedenen, o. a. Bereiche in dem von Omani-Arabern errichteten Sultanat Sansibar im 19. Jahrhundert feststellen und bewerten zu können, wird andererseits Literatur verwendet, die sich zum einen e- benfalls mit der Einführung der Gewürznelke auf Sansibar und damit einhergehenden wirtschaftlichen Aspekten und dem Landbesitz befasst, zum anderen aber auch mit den Gewürznelkenplantagen besitzenden Omani-Arabern, dem Sklavenhandel und der Skla- verei, da die Gewürznelkenproduktion auf Sklavenarbeit basierte und somit auch von den britischen Bestrebungen zur Abschaffung von Sklavenhandel und Sklaverei im
19. Jahrhunderts betroffen war. Die dafür verwendete Literatur, ihre Autoren und deren
Positionierung in der Debatte zur Geschichte Ostafrikas werden kurz vorgestellt:
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Frederick Cooper ist Assistant Professor of History an der Harvard Universität. In sei- nem Buch „From Slaves to Squatters“ untersucht er die Beziehungen zwischen Land- lord-Arabs“, „Muslim-Africans“ und „Ex-Slaves“ und stellt die Auswirkungen auf die Landwirtschaft dar. Dafür verwendet er detailliertes Archivmaterial in England. 2
Steven Feierman ist Experte für Geschichte über Gesundheit und Heilen in Afrika und lehrt als Geschichtsprofessor an der Universität von Pennsylvania. 3
Der Autor W. H. Ingram verbrachte die Zeit von 1919 bis 1927 auf Sansibar und gab an, nahezu alle in dem Buch verarbeiteten Informationen in dieser Zeit von den Ein- wohnern selbst erhalten zu haben. Sein Buch „Zanzibar. Its History and Its People“ wurde mit Hilfe der Regierung von Sansibar und Genehmigung des Colonial Office veröffentlicht. 4
Juhani Koponen gehört dem Institute of Development Studies an der Universität Hel- sinki an. In seinem Buch untersucht er das Wirken tansanischer Gesellschaften und den materiellen Wohlstand, den sie in der späten vorkolonialen Periode hervorbrachten, wo- bei er auf die dramatischsten Veränderungen eingeht. Seine Studien wurden durch die Akademie von Finnland, das Institute of Development Studies an der Universität Hel- sinki und vom Skandinavischen Institut für Afrikastudien (SIAS) finanziell unterstützt. 5
Das Buch „A Short History of Africa“ von R. Oliver und J. D. Fage – beide Professoren für afrikanische Geschichte und Gründer des Journal of African History – will dem Le- ser einen generellen Überblick über afrikanische Geschichte – von den frühesten Zeiten bis zur Schaffung der Organization of African Unity (OAU) – geben 6
Randall L. Pouwels, Department of History der University of Central Arkansas, zeigt in seinem 1987 publizierten Buch – einer ersten größeren Studie der Ausbreitung des Is-
2 Cooper 1988, Einband.
3 Quelle: http://ccat.sas.upenn.edu/hss2/hss/faculty/fc_feierman.shtml#CV (Zugriff: 03.05.06).
4 Ingram 1967, S. 6-8.
5 Koponen 1988, Einband.
6 Oliver/Fage 1972, Einband.
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lam unter den Swahili – u. a. den Einfluss des Islam auf die verschiedensten Bereiche der Gesellschaft auf. 7
Das „Handbuch Afrika. Band 3: Nord- und Ostafrika“ von W. Schicho, der seit 2000 eine Professur für afrikanische Geschichte am Institut für Afrikanistik der Universität Wien innehat und sich auch zu Forschungen in Tansania aufhielt, will Hintergrundin- formationen u.a. über Geschichte afrikanischer Staaten geben und zeigen, welche Insti- tutionen, Personen und Vorstellungen im Wechselspiel der Kräfte die Realität Afrikas prägen. Das Handbuch wurde aus öffentlichen Mitteln, u.a. der österreichischen Ent- wicklungszusammenarbeit, gefördert. 8
Abdul Sheriff, Geschichtsprofessor an der Universität von Daressalam, hatte für sein Buch „Slaves, Spices & Ivory in Zanzibar. Integration of an East African Commercial Empire into the World Economy, 1770-1873” bereits 1960 in den USA, Frankreich und Indien sowie hauptsächlich in London Studien durchgeführt. Die Veröffentlichung er- folgte jedoch erst 1987, nach zahlreichen Überarbeitungen, die er für notwendig befand, nachdem er an der Universität von Daressalam in eine neue philosophischen Debatte über die Natur afrikanischer Geschichte geriet und sich über einen längeren Zeitraum damit auseinander gesetzt hatte. 9
2. Die Gewürznelke
2.1 Die Einführung der Gewürznelke im Sultanat Sansibar
Die Molukken sind die Heimat des Gewürznelkenbaums (Ettling 1930, S. 28; Tidbury 1949, S. 1). Die Franzosen brachten die Gewürznelke im 18. Jahrhundert 10 auf die Maskarenen-Inseln (bestehend aus Réunion, Mauritius und Rodriguez sowie Nebenin- seln) sowie später nach Dominica, Martinique, Bourbon, Madagaskar und die Seychel- len (Tidbury 1949, S. 4).
7 Quelle: http://www.cambridge.org/catalogue/catalogue.asp?isbn=0521523095 (Zugriff: 21.09.05).
8 Schicho 2004, Einband.
9 Sheriff 1987, Einband und S. ix-xi.
10 Feierman präzisiert den Zeitraum um 1770 (Feierman 1995, S. 361).
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Die Angaben darüber, wann der Gewürznelkenbaum auf Sansibar heimisch wurde und wer für die Ausbreitung der Gewürznelkenplantagen die Grundlagen legte, sind unter- schiedlich und werden von den Autoren auch unterschiedlich bewertet.
Schicho (Schicho 2004, S. 320) reduziert die Einführung der Gewürznelke auf die Fest- stellung, dass sich arabische Kolonisatoren große Teile des fruchtbaren Bodens sicher- ten und Nelkenbäume anpflanzen ließen, als Sansibar unter Sultan Seyyid Said zum Sitz der omanischen Herrscher wurde.
Etwas ausführlicher gibt Koponen (Koponen 1988, S. 65) an, dass die Gewürznelke in den 1810er Jahren durch einen omanischen Sklavenhändler und Dolmetscher zu dem Gouverneur mit dem Namen Saleh bin Haramil Al-Abray gekommen sei. Was dann bis 1828 geschah, als Sultan Said seine regelmäßigen Besuche auf Sansibar begann, sei nicht bekannt. Die Ausweitung der Plantagen scheint erst begonnen zu haben, als der Sultan die Plantagen von Saleh konfiszierte, wobei unbekannt sei, was genau er unter- nommen habe, um zum Gewürznelkenanbau zu ermutigen., aber sein großes privates Interesse daran sei unzweifelhaft gewesen. Oliver/Fage (Oliver/Fage 1972, S. 174) schreiben diesbezüglich über Sultan Seyyid Said: „[...] he started a plantation industry in cloves, introduced all the way from the Molucca, with such success that by the end of his reign Zanzibar was producing three-quarters of the world’s supply“.
Laut Feierman (Feierman 1995, S. 361) ist die Gewürznelke in den ersten Dekaden des
19. Jahrhunderts möglicherweise von einem französischsprechenden Araber nach San-
sibar gebracht worden. Oliver/Mathew (Oliver/Mathew 1963, S. 216-217) geben an, dass die Gewürznelke etwa um 1818 von einem Salih bin Haramil Abri in Sansibar ein- geführt wurde. Sie schreiben dem Sultan zu, dieser habe schnell begriffen, dass das tro- pische Sansibar wirtschaftliche Ernten produzieren könne:
„[...]With extraordinary intuition Said ibn Sultan quickly grasped the potentialities of cloves as an economic asset for Zanzibar and by his personal example and in many other ways did everything in his power to encourage their cultivation in his African islands.”
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Nach Sheriff (Sheriff 1987, S. 49) wird die Einführung der Gewürznelke zeitgenössi- schen französischen Beobachtern zufolge verschiedenen Franzosen zugeschrieben, die vielleicht alle Sklavenhändler waren. Da es keinen Beweis über Landbesitz der Franzo- sen zu dieser Zeit auf der Insel gibt, ist es wahrscheinlich, dass sie mit Mitgliedern der omanischen Händlerklasse zusammen arbeiteten. Die sansibarische Tradition hingegen, so Sheriff, gestehe die Einführung Saleh b. Haramil al Abray zu, welcher der Doyen der omanischen Händlerklasse gewesen zu sein scheint und in verschiedenen Verzeichnis- sen aus dem frühen 19. Jahrhundert einfach als Saleh erwähnt worden sei. Dieser Saleh sei als „perfect Frenchman“ beschrieben worden, der ein Freund oder Verwandter wie auch ein Dolmetscher für den Gouverneur – mit Namen Said – von Sansibar gewesen sei. Ende des 18. Jahrhunderts habe dieser Saleh einen französischen Beamten von San- sibar nach Bourbon begleitet und die Erlaubnis erhalten, eine kleine Menge an Samen und Pflanzen mitzunehmen, die auf seiner Plantage auf Sansibar im Mtoni und in Ki- zimbani gepflanzt worden seien. Die Einführung der Gewürznelke sei von dem zeitge- nössischen Herrn Albrand auf ca. 1812 datiert worden. Zur Inbesitznahme der Plantagen Saleh’s durch Sultan Said führt Sheriff (Sheriff 1987, S. 50) aus, dass Saleh trotz des Moresby-Abkommens von 1822 anscheinend weiterhin Sklavenhandel betrieben habe und deswegen von Sultan Seyyid Said ins Gefängnis geworfen und Saleh’s Eigentum vom Sultan konfisziert worden sei. Die Gewürznelken müssen jedoch in der Zwischen- zeit gewachsen sein und Früchte getragen haben, denn laut Sheriff sind kleinere Men- gen an Gewürznelken aus Ostafrika bereits zwischen 1823-4 und 1832-3 von Bombay importiert worden, wie dortige Handelszahlen belegen.
Tidbury (Tidbury 1949, S. 4-5) erwähnt einerseits, dass eine unter den alteingesessenen Arabern auf Sansibar allgemein akzeptierte Geschichte die sei, dass ein sansibarischer Araber Namens Harameli bin Saleh die Gewürznelke im Jahr 1818 von Mauritius nach Sansibar brachte. Andererseits verweist er auf das Buch „Travels in the Coastlands of British East Africa and the Islands of Zanzibar and Pemba“ von Fitzgerald, der zu- stimmt, dass Harameli bin Saleh die Gewürznelke in Sansibar einführte, aber von Bour- bon und mit Hilfe der französischen Behörden (Tidbury 1949, S. 5). Tidbury selbst habe die alten Sansibar-Araber die Geschichte erzählen hören, dass der erwähnte Harameli bin Saleh die Gewürznelke seinem Sultan Seyyid Said gebracht und damit von diesem Pardon für ein Vergehen erhalten habe (Tidbury 1949, S. 5). Die ersten Pflanzen seien auf der königliche Plantage in Mtoni gezüchtet und von dort auf die große königliche
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Andrea Bou-Said, 2006, Die Auswirkungen des Gewürznelkenanbaus auf das Sultanat Sansibar im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Publishing GmbH
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