Vivian Gjurin Literaturwissenschaftliches PS II SS 2003
1. Leben und Werk 3
2. „Le Chef- d œuvre inconnu“ 5
3. Frauen und Bilder im „Le Chef- d œuvre inconnu“ 6
3.1. Die Zeit des Geschehens 6
3.2. Die Beschreibung Fernhofers 7
3.3. Marie égyptienne, die Skizze Poussins, Adam von Mabuse 7
3.3.1 Marie égyptienne 7
3.3.2. Die Skizze Poussins. 8
3.3.3. Adam von Mabuse. 8
3.4. Die Kunstauffassungen 8
3.5. La belle noiseuse 9
3.6. Gillette 10
3.6.1. Gillette als Modell und Liebhaberin bzw. Liebe vs. Kunst. 10
3.6.2. Gilette als Ware: Handel und Wertverlust. 11
4. Bibliographie. 13
Prim ärliteratur 13
Sekund ärliteratur 13
Frauen und Bilder in Balzacs „Le Chef- d œuvre inconnu“
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1. Leben und Werk 1
Honore de Balzac (1799-1850) wurde in Tours geboren, brach das Studium der Rechtswissenschaften ab um Schriftsteller zu werden. Aus der Romantik kommend (er ist ein Zeitgenosse von Hugo und Musset), wurde er ein starker, wahrheitsgetreuer Realist. Wegen seines visionären Talents und des strengen und gnadenlosen Aufdeckens der Wahrheiten der Gesellschaft ist er eine einzigartige Erscheinung, nicht nur in der französischen, sondern in der Weltliteratur.
Zwischen dem Politiker und dem Schriftsteller Balzac gibt es eine komische, doch fruchtbare Diskrepanz: trotz des Fürsprechens der Monarchie und der privilegierten Position der Feudalisten wuchs er über seinen eigenen politischen und ökonomischen Konservatismus durch die Aufrichtigkeit seines Schaffens und das künstlerische Verlagen seines übergroßen Talents hinaus. Ohne dieses wäre sein Werk einfach nur eine Ansammlung von Propagandaschriften des Feudalismus, und nicht das vollständige Bild der gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geworden. Er beschreibt duschdringlichst die Erscheinung der ersten kapitalistischen Phase der Wirtschaft in verschiedenen ökonomischen Umgebungen, der Stadt, dem Land, dem Dorf, und ihren Einfluss auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben, die Presse, die Philosophie, die Kunst.
Obwohl er die Rolle des Feudalismus in der Gesellschaft und der Aristokratie als den Träger der kulturellen Werte überbewertete, musste er im Sinne der Wahrheit seiner Kunst die Niederlage des Adels gegenüber der neuen Art der Geldmacherei bzw. der kapitalistischen Ausbeutung zugeben. Auf der anderen Seite sah er früh die Paradoxa dieser kapitalistischen Gesellschaft ein, und ahnte zu Recht die auf sie zukommende Revolutionen, beginnend mit jener in 1884. Somit sind in Balzacs aufregender Prosa die wichtigsten Zeichen seiner Zeit enthalten: der Niedergang des Feudalismus, das Erwecken und der Missbrauch der nationalen Energien, erwachsen aus den Revolutionen und des Napoleonischen Kaisertums, der Verfall der
1 J. P. de Beaumarchais, D. Couty, A. Rey,: Dictionnaire des Littératures de langue française (Bordas, Paris, 1987)
Frauen und Bilder in Balzacs „Le Chef- d‘œuvre inconnu“
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revolutionären bürgerlichen und republikanischen Ideale und das Vorankommen des kapitalistischen Systems.
Balzacs Werk zeigt das komplexe Bild der französischen Restaurationszeit. Dieses Bild kam durch ein pedantes Geschichtestudium und das jahrelange Beobachten der zeitgenössischen Gesellschaft. Alle Klassen wurden gezeigt: der verfallenen Adel, der seine Titel verkauft, die satte Bourgeoisie, die brutal dem Geld und den Schlüsselpositionen in der Gesellschaft nachrennt, die winzige Bourgeoisie, die Wucher, die Möchtegerngeldmacher, und die Bauern, die zwischen dem feudalem System und des landwirtschaftlichen Kapitals gefangen sind. Alle Berufe sind beinhaltet.
Alle Erscheinungen des neuen Systems, wie die Presse, die die öffentliche Meinung fälscht, die Bürokratie, die den Rechtlosen erwürgt, die Geldmacherei, die die Welt erobern wird. Balzacs Realismus unterscheidet sich deutlich von dem naturalistischen Photographieren der Details. Jede Figur ist nicht nur ein Individuum, sondern gleichzeitig das Produkt einer Klasse, eine typische Erscheinung einer Gesellschaft. Seine Helden sind niemals bloß lebenslose Demonstrationen politischer und philosophischer Anschauungen oder Figuren außerhalb des gesellschaftlichen Zusammenhangs, sondern vollblütige Persönlichkeiten, deren Begierde, Leidenschaften, Willen, Wünsche zu tiefst mit den gesellschaftlichen Komponenten verbunden sind.
Jeder Roman von Balzac ist gleichzeitig eine individuelle Geschichte und eine soziale Schilderung, in der die gesellschaftlichen Kräfte spürbar sind.
Er beschränkt sich auf wenige Hauptprotagonisten und viele Nebenfiguren mit ihren komplexen Leben, die in weiteren Geschichten dann die Helden werden. So entsteht eine Folge von Romanen, eine zyklische Form, die Comédie Humaine.
In seine ersten Werken, wo er sich noch als Journalist und regelmäßiger Salonbesucher in verschiedenen Stilen und Richtungen auskostet, beginnt er immer mehr die Geschichte der Typen und Gebräuche seiner Zeit in sein Werk einzuführen. Somit realisiert die Idee des
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Vivian Gjurin, 2003, Frauen und Bilder in Balzacs "Le Chef- d‘œuvre inconnu", München, GRIN Verlag GmbH
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