Es ist möglich einen Text so sehr zu zerpflücken, dass jeder Kleinigkeit viel Bedeutung gegeben wird. Deshalb gibt es auch so eine Methodikvielfalt bei der Textbetrachtung. Doch keine einheitliche Textdefinition. Wie sollte denn das auch möglich sein, wenn nach einigen Textlinguisten jeder Kommunikationsakt schon als Text gilt. Deshalb hat Saussure sicherlich Recht gehabt, als er sich ausschließlich mit der langue befasste. Doch leider genügt dieser Zugang bei einem Text nicht mehr.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II „Text“ allgemein - Definition von Text
III „Text“ in der Textlinguistik
IV Textualität
V „Text“ in der sprachsystematisch ausgerichteten und in der kommunikationsorientierten Textlinguistik
VI Fazitzitat
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vielschichtigkeit und Problematik des Textbegriffs in der Linguistik. Ziel ist es, verschiedene theoretische Ansätze zur Definition von „Text“ gegenüberzustellen, die Unterscheidung zwischen sprachsystematischen und kommunikationsorientierten Perspektiven zu beleuchten und zentrale Kriterien der Textualität kritisch zu hinterfragen.
- Alltagsverständnis versus wissenschaftliche Textdefinitionen
- Die Rolle der Schriftlichkeit und Kommunikationshandlung
- Textualität als konstitutives und regulatives Prinzip
- Sprachsystematische Ansätze (Strukturalismus)
- Kommunikationsorientierte Ansätze (Pragmatik)
Auszug aus dem Buch
„Text“ allgemein - Definition von Text
Im Alltagsverständnis gehört zum Text die Schriftlichkeit Allerdings ist die alltagssprachliche Verwendung des Wortes „Text“ nicht einheitlich. In Wörterbüchern findet man verschiedene Definitionen, wie z.B. „Wortlaut“, „sprachlicher Teil eines musikalischen Werks“, usw.
In seiner Kernbedeutung ist allerdings Text als „(schriftlich) fixierte sprachliche Einheit, die in der Regel mehr als einen Satz umfaßt“ bestimmbar. Wobei diese Definition von Brinker so zu sehen ist: Er erkennt Ein- Satz- Äußerungen wie Das Betreten der Baustelle ist verboten „unter ganz bestimmten situativen Bedingungen als Texte im kommunikativen Sinne“ an, vernachlässigt sie jedoch im folgenden: Die Textlinguistik ist seiner Meinung nach „in erster Linie an Texten interessiert, die sowohl im grammatischer als auch in thematischer Hinsicht einen größeren Komplexitätsgrad aufweisen“.
Diese Definition hält jedoch einer genaueren wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand: Denn es muss bedacht werden:
1) Die Begrenzung auf schriftliche Fixierung lässt sich nicht halten – die Gründe präsentiere ich später
2) Text als „fixierte sprachliche Einheit“ bedeutet eine ziemlich einseitige Festlegung auf einen Aspekt von Texten, nämlich Text als Ergebnis einer sprachlichen Kommunikationshandlung; doch dabei wurde die Rolle des Kommunikationsvorgangs selbst, die „Textkonstruktion“, der mindestens eine genauso wichtige Rolle zusteht, vernachlässigt
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer eindeutigen Textdefinition und skizziert die methodische Vielfalt innerhalb der Textlinguistik.
II „Text“ allgemein - Definition von Text: Dieses Kapitel hinterfragt das alltagssprachliche Verständnis von Text sowie erste wissenschaftliche Definitionsversuche unter Einbeziehung von Brinkers Konzept der komplexen sprachlichen Einheit.
III „Text“ in der Textlinguistik: Hier wird der Textbegriff im Kontext des Kommunikationsvorgangs diskutiert und die Problematik der Längenbestimmung sowie die Rolle der Vollständigkeit erörtert.
IV Textualität: Das Kapitel erläutert konstitutive und regulative Prinzipien der Textualität, darunter Kohärenz, Kohäsion, Intentionalität und Informativität.
V „Text“ in der sprachsystematisch ausgerichteten und in der kommunikationsorientierten Textlinguistik: Diese Gegenüberstellung differenziert zwischen strukturalistischen Textdefinitionen und pragmatisch ausgerichteten, sprechakttheoretischen Ansätzen.
VI Fazitzitat: Das Fazit fasst die subjektiven und objektiven Faktoren zusammen, die eine einheitliche Textdefinition erschweren, und betont den Wandel hin zur kommunikationsorientierten Betrachtung.
Schlüsselwörter
Textlinguistik, Textdefinition, Textualität, Sprachhandlung, Kohärenz, Kohäsion, Kommunikation, Sprechakt, Intentionalität, Schriftlichkeit, Sprachsystem, Pragmatik, Textsorte, Diskurs, Textkonstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Problematik, eine allgemeingültige und präzise Definition für den Begriff „Text“ innerhalb der Sprachwissenschaft zu finden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das alltagssprachliche Textverständnis, die Kriterien der Textualität sowie die Unterschiede zwischen sprachsystematischen und kommunikationsorientierten Textanalysen.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Ziel ist es, die Komplexität und Vielfalt der Ansätze zur Textdefinition aufzuzeigen und die Grenzen traditioneller, etwa rein grammatischer, Textbegriffe zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturtheoretische Aufarbeitung, bei der verschiedene textlinguistische Modelle (u.a. von Brinker, Beaugrande/Dressler und Van Dijk) gegenübergestellt und kritisch analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Texteigenschaften, die Kriterien der Textualität (Kohärenz, Kohäsion etc.) sowie die methodische Unterscheidung in systemlinguistische und pragmatische Textbegriffe.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Textlinguistik, Textualität, Kommunikation, Pragmatik und Sprachhandlung.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "Text 1" und "Text 2" nach Kallmeyer/Meyer-Hermann?
Text 1 wird als Phänomen der Performanz (also die konkrete Äußerung) verstanden, während Text 2 eine abstrakte Einheit bzw. ein Konstrukt aus den Merkmalen beschreibt, die die Texthaftigkeit ausmachen.
Welche Rolle spielt die Schriftlichkeit für den Textbegriff?
Obwohl im Alltagsverständnis Schriftlichkeit zentral ist, zeigt die Arbeit, dass in der modernen Linguistik auch mündliche Äußerungen und hybride Formen (gemischte Texte) als Texte betrachtet werden.
Warum wird das Kriterium der "Abgeschlossenheit" heute kritisch gesehen?
Die Arbeit stellt fest, dass Abgeschlossenheit stark von der jeweiligen Textsorte abhängt und sich in modernen, kommunikationsorientierten Definitionen kaum noch als notwendiges Kriterium findet.
- Arbeit zitieren
- Mag. Vivian Gjurin (Autor:in), 2002, Text: ein Überblick - Problematik der Definition, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134623