Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2 . 1125 1138 : vom Gegenkönig zum Wahlsieger 4
3 . 1138 : Die Wahl 4
3.1. Eine klerikale Verschwörungstheorie 4
3 . 2. Rechtsgrundlagen 6
3.3. Konrads Unterstützer 8
4. Probleme und Varianten der Forschung 9
5. Exkurs 1127 : Die Bedeutung der Gegenkönigserhebung 10
6. Wieder 1138 : Konrad setzt sich durch 12
7. Schluss 13
Abkürzungsverzeichnis 14
Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Anfang März 1138 wählte eine „kleine Minderheit von Fürsten“ 1 den gescheiterten Gegenkönig Konrad 2 , Staufer und Bruder des schwäbischen Herzogs Friedrich, 3 zum zweiten Mal zum Rex Romanorum, womit der für Pfingsten angesetzte ‚offizielle’ Wahltermin offenbar rücksichtslos übergangen wurde. Konrad profitierte dabei maßgeblich von der Unterstützung durch den Trierer Erzbischof Albero und den Kardinalbischof Dietwin, hinter denen Papst Innozenz II. vermutet werden kann, zumal beide Geistliche päpstliche Legaten waren. 4 Ende des 19. Jahrhunderts wertete Bernhardi diese Vorgänge als „ungesetzliche[…] Handlung“ 5 , Rörig beklagte in der Mitte des folgenden Jahrhunderts die grundsätzliche Schwächung und Abwertung des Königs in den „freien Wahlen“ von 1125 und 1138 6 und zu Beginn des 21. Jahrhunderts sprach Haverkamp vorsichtig kritisch von der „rigorosen Ausnutzung der noch immer bestehenden Unklarheiten im Wahlverfahren“ 7 durch Konrad III.
War Konrad also ein Thronräuber, der dem Schwiegersohn seines Vorgängers, dem Welfen Heinrich, mit Hilfe einer intriganten Kirche die Macht gestohlen hat? Oder war seine Machtübernahme in Rahmen der Vorstellungen des 12. Jahrhunderts eine zwar ungewöhnliche aber durch den Erfolg legitimierte Handlung? Diese Arbeit will der Frage nachgehen, wie es zu diesem scheinbar seltsamen Verlauf der Geschichte kam, der den einmal Gescheiterten doch noch auf den Thron brachte. Dazu sollen zuerst die wichtigen Ereignisse der Vorjahre beleuchtet werden, dann wird eine Betrachtung der unterschiedlichen Aspekte der Königserhebung vorgenommen
1 Alfred Haverkamp: Zwölftes Jahrhundert. 1125-1198. 10., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart 2003. (=Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, Band 5). S. 67.
2 Für biografische Angaben vgl. Werner Goez: König Konrad III. In: Ders.: Lebensbilder aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Darmstadt 1998. S. 270-281. und Gerd Althoff: Konrad III. (1138-1152) mit Heinrich (1147- 1150). In: Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919-1519). Hrsg. von Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter. München 2003. S. 217-231.
3 Die Verbindung von Familie und Politik im 12. Jh. soll in dieser Arbeit nicht thematisiert werden. Vgl. dazu etwa Werner Hechberger: Konrad III. - Königliche Politik und ‚staufische Familieninteressen’. In: Grafen, Herzöge, Könige. Der Aufstieg der frühen Staufer und das Reich (1079-1152). Hrsg. von Hubertus Seibert und Jürgen Dendorfer. Ostfildern 2005 (= Mittelalter-Forschungen, Band 18). S. 321-340.
4 Vgl. Haverkamp: Zwölftes Jahrhundert. S. 66-67.
Vereinzelt taucht in der Literatur statt ‚Albero’ auch ‚Adalbero’ auf (z. B. Bernhard Schimmelpfennig: Könige und Fürsten, Kaiser und Papst nach dem Wormser Konkordat. München 1996 (= Enzyklopädie deutscher Geschichte, Band 37). S. 12.).
5 Wilhelm Bernhardi: Konrad III. Erster Theil. 1138-1145. Leipzig 1883. S. 19. Vgl. auch die vernichtende Kritik an der Wahl ebd. S. 16.
6 Vgl. Fritz Rörig: Geblütsrecht und feie Wahl in ihrer Auswirkung auf die deutsche Geschichte. Untersuchungen zur Geschichte der deutschen Königserhebung (911-1198). Berlin 1948. S. 30-33.
7 Haverkamp: Zwölftes Jahrhundert. S. 67.
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werden, um zu einer Einschätzung dieser merkwürdigen Wahl von 1138 zu gelangen.
2. 1125-1138: vom Gegenkönig zum Wahlsieger
Nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. am 23. Mai 1125 gelang es dem sächsischen Herzog Lothar von Süpplingenburg 8 , sich in der Königsnachfolge gegen den eigentlich favorisierten staufischen Herzog Friedrich II. von Schwaben durchzusetzen. Im bald darauf eskalierenden Konflikt zwischen dem neuen Herrscher Lothar III. und dem unterlegenen Friedrich spielte Friedrichs Bruder Konrad rasch eine tragende Rolle. Am 18. Dezember 1127 wurde er gar als Gegenkönig ausgerufen und erreichte im Folgejahr die Krönung zum König von Italien. Doch gelang es Konrad nicht, sich dauerhaft zu etablieren, Anfang der dreißiger Jahre kehrte er geschlagen nach Deutschland zurück. 9 Nachdem sich Friedrich II. 1134 mit dem inzwischen zum Kaiser aufgestiegenen Lothar offiziell ausgesöhnt hatte, 10 „erfuhr der nun völlig isolierte Gegenkönig Konrad im September 1135 […] eine ähnliche Behandlung“ 11 . An dem zweiten Italienzug Lothars nahm „der bisherige Gegenkönig“ kurz darauf sogar „als kaiserlicher Bannerträger“ teil. 12 Angesichts dieser wechselvollen Karriere Konrads überrascht es umso mehr, dass ausgerechnet er 1138 die Nachfolge Lothars III. antrat, zumal er selbst bei seiner Wahl nach Einschätzung Haverkamps nur eine „schwache Machtbasis“ 13 hatte. Trotzdem setzte er sich gegen Lothars Wunschnachfolger Heinrich den Stolzen durch.
3. 1138: Die Wahl
3.1. Eine klerikale Verschwörungstheorie
In seinem bis heute geschätzten Standardwerk stellte Wilhelm Bernhardi 1883 die Wahl Konrads III. als Ergebnis einer Verschwörung von Papisten mit eifersüchtigen Fürsten dar: Konrad „war von der römischen Kirche zum Nachfolger Lothars
8 Für biografische Angaben vgl. Gerd Althoff: Lothar III. (1125-1138). In: Die deutschen Herrscher des Mittelalters. S. 201-216.
9 Vgl. Haverkamp: Zwölftes Jahrhundert. S. 56-60. Eine gewisse Unklarheit herrscht darüber, warum Konrad statt seines Bruders zum Gegenkönig erhoben wurde. Man vermutet persönliche oder rechtliche Hindernisse (vgl. Ulrich Schmidt: Königswahl und Thronfolge im 12. Jahrhundert. Köln Wien 1987 (= Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii 7). S. 62.).
10 Vgl. Haverkamp: Zwölftes Jahrhundert. S. 63.
11 Ebd. S. 64.
12 Ebd. S. 65. Zu dieser ‚erzieherischen Maßnahme’ vgl. auch Althoff: Lothar III. S. 208.
13 Haverkamp: Zwölftes Jahrhundert. S. 67.
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ausersehen worden“ 14 . Für Lothar III., so unterstellte Bernhardi, sei der Aufbau seines Schwiegersohnes Heinrichs des Stolzen zum Nachfolger „Mittelpunkt seiner Bestrebungen“ 15 gewesen. Möglicherweise habe Lothar sogar kurz vor seinem Tod den Fürsten in Würzburg, die auf seine Rückkehr aus Italien warteten, noch die Erhebung Heinrichs zu seinen Lebzeiten abringen wollen. Nur sein Tod habe dies verhindert. 16
Dennoch standen die Chancen Heinrichs überaus gut: er war „der mächtigste Fürst des deutschen Reiches“ 17 , Herzog von Bayern uns Sachsen, hatte Besitz in Bayern, Schwaben, Sachsen und Italien, war Markgraf von Toskana und kontrollierte die Mathildischen Güter. 18 Doch verzichtete Heinrich vor der Wahl siegessicher auf Absprachen, was ihm nicht zuletzt als Ausdruck übersteigerten Stolzes ausgelegt wurde. 19
Für die Fürsten in ihrem „Triebe nach particularer Selbständigkeit“ 20 sei er zu mächtig gewesen, doch wirklich entscheidend, so Bernhardi, sei ein anderer, „auswärtiger Feind“ 21 gewesen - Papst Innozenz II. Denn Innozenz habe bereits vor dem Ableben Lothars aus Angst vor einem zu starken König Heinrich den Erzbischof Albero von Trier als Legaten in Stellung gebracht und später zusätzlich über den Kardinalbischof Dietwin Einfluss ausgeübt. 22 Schließlich habe Albero ohne Rücksicht auf „Recht und Herkommen“ 23 eine fragwürdige Versammlung in Koblenz einberufen, auf der eine kleine Zahl weltlicher und geistlicher Großer Konrad zum König wählte, womit die offizielle Wahl-versammlung übergangen wurde. 24 Konrad wurde kurz darauf in Aachen als einziger deutscher König durch einen päpstlichen Vertreter gekrönt, der Trierer Bischof und sein noch ungeweihter Kölner Amtsbruder assistierten. 25
14 Bernhardi: Konrad III. S. 7.
15 Ebd. S. 1.
16 Vgl. ebd.
17 Ebd. S. 2. Bernhardi gesteht Heinrich neben der Macht auch „Befähigung“ und eine erhebliche militärische „Tüchtigkeit“ zu (ebd.).
18 Vgl. ebd. S. 3-4. In der jüngeren Forschung taucht statt „Toskana“ i. d. R. die „Markgrafschaft Tuszien“ auf (vgl. etwa Haverkamp: Zwölftes Jahrhundert. S. 66.). Beides bezeichnet dieselbe Region.
19 Vgl. Bernhardi: Konrad III. S. 3.Wie Ehlers ganz richtig betont, ist die ‚superbia’ Heinrichs nicht mit dem modernen ‚Stolz’ zu verwechseln (vgl. Joachim Ehlers: Heinrich der Löwe. Eine Biographie. München 2008. S.
41.). Für seine Zeitgenossen war sie eine schwere Sünde.
20 Bernhardi: Konrad III. S. 4.
21 Ebd. S. 4.
22 Vgl. ebd. S. 5.
23 Ebd. S. 14.
24 Vgl. ebd. S. 14-15.
25 Vgl. ebd. S. 17f. Vgl. dazu Dagmar Unverhau: Approbatio - Reprobatio. Studien zum päpstlichen Mitspracherecht bei Kaiserkrönung und Königswahl vom Investiturstreit bis zum ersten Prozeß Johanns XXII. Gegen Ludwig IV. Lübeck 1973 (=Historische Studien, Heft 424). S. 114-117.
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Arbeit zitieren:
Stefan Krause, 2009, Die Königwahl von 1138, München, GRIN Verlag GmbH
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