Bericht über das Unterrichtspraktikum Englisch Katja Buthut, WiSe 2005/2006
Inhaltsverzeichnis
1. Bedingungsfeldanalyse 3
1.1. Schulsituation 3
1.2. Klassensituation 3
1.3. Voraussetzungen auf Seiten des Lehrenden 4
2. Auswahl und Begründung des Unterrichtsvorhabens 5
3. Unterrichtszusammenhang 5
4. Sachanalyse 6
5. Didaktische Analyse 9
5.1. Auswahl 9
5.2. Abstufung 10
5.3. Darbietung 11
6. Darstellung des Unterrichtsvorhabens 16
6.1. Kurzübersicht über das Unterrichtsvorhaben 16
6.2. Erste Unterrichtsstunde 18
6.2.1. Lernziele 18
6.2.2. Verlaufsplanung 18
6.2.3. Nachbetrachtung 20
6.3. Zweite Unterrichtsstunde 20
6.3.1. Lernziele 20
6.3.2. Verlaufsplanung 21
6.3.3. Nachbetrachtung 23
7. Zusammenfassung der Ergebnisse 24
8. Literaturverzeichnis 26
9. Anhang 27
10. Übersicht aller im Praktikum gehaltenen Unterrichtsstunden 35
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Bericht über das Unterrichtspraktikum Englisch
1. Bedingungsfeldanalyse
1.1. Schulsituation
Die XY Oberschule liegt im , unweit des
platzes. Die Mehrzahl der rund 1000 Schüler wohnt in diesem oder angrenzenden Bezirken. Die Schule ist vorrangig musisch-künstlerisch orientiert, daher gibt es auch eine Musik-Kunst-Klasse in jeder Klassenstufe. Die XY Oberschule verfügt außerdem über eine Gymnasiale Oberstufe in Aufbauform. Von den 94 Lehrern an diesem Gymnasium sind 25 Englischlehrer; darunter zwei Referendarinnen. Die XY Oberschule bietet ab der siebenten Klasse einen Bilingualen Zug für Englisch an, für den sich die Eltern im Namen ihrer Kinder entscheiden können. Das Fach Englisch, das in der Regel in der fünften Klasse begonnen wurde, ist dann im Bilingualen Zug im Stundenplan der Schüler mit fünf Stunden vertreten, während die zweite Fremdsprache, Latein oder Französisch, vierstündig gelehrt wird. Alle übrigen Fächer werden in zwei bis drei Stunden pro Woche unterrichtet. Die zusätzlichen zwei Englischstunden pro Woche sollen die Schüler auf den Fachunterricht in der Fremdsprache vorbereiten. Ab der neunten Klasse wird Geografie in Englisch unterrichtet, wobei der Hauptteil des Unterrichtsgeschehens in der Fremdsprache stattfindet. Ab Klasse zehn wird Biologie, ab Klasse elf auch Geschichte in Englisch unterrichtet. Das Schulgebäude ist ausgestattet mit mehreren Fachräumen, in denen die Schüler die notwendigen Nachschlagewerke, wie Wörterbücher, finden. Darüber hinaus gibt es für Filmvorführungen einen Vorführraum, in dem ein DVD- und ein Videogerät zur Verfügung stehen.
1.2. Klassensituation
Der zu unterrichtende Kurs ist ein Leistungskurs im Fach Englisch im vierten Semester, das heißt, die Schülerinnen und Schüler sind im Alter zwischen 18 und 21
Jahren. Der Kurs besteht aus zehn Jungen und zehn Mädchen. Vier Schüler 1 sind nicht deutscher Herkunft; als ihre Muttersprache geben sie Russisch, Tschetschenisch, Kroatisch und Arabisch an. Für fünf Schüler ist es das zweite
1 Schüler wird synonym verwendet mit Schülerinnen und Schüler.
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Wiederholungssemester, für einen Schüler das vierte. Zwei Schülerinnen haben in der Klassenstufe 11 ein Jahr an einer amerikanischen Highschool verbracht. Nach der Abiturklausur im Januar ist einer der Schüler an die Schule und somit in diesen Leistungskurs gewechselt.
In der 13. Klassenstufe gibt es noch einen weiteren Leistungskurs; dies verdeutlicht den hohen Stellenwert der Englischen Sprache bei den Schülern. Der zu
unterrichtende LK 2 unterschiedet sich zu dem anderen LK nur in der Person der Lehrenden. Die Schüler werden pro Woche in fünf Stunden Englisch unterrichtet, wovon an zwei Tagen Doppelstunden stattfinden. Das Leistungsniveau kann als eher heterogen bewertet werden. Die schriftlichen Abiturklausuren sind zu Beginn des vierten Semesters abgelegt worden, von welchen den Schülern die Ergebnisse noch unbekannt sind; die Schüler haben noch eine weitere 90-minütige Klausur zu schreiben. Für die Kursstufe gibt es kein festgelegtes Lehrwerk, es wird hauptsächlich mit Kopien und Readern gearbeitet.
Die individuelle Motivation der Schüler für das Fach Englisch ist gemischt. Die meisten sind mit den ihnen abverlangten wissenschaftlichen Arbeitsmethoden vertraut, können diese aber nicht immer wie gefordert einsetzen. Das Thema Short Stories wird seit Beginn des vierten Semesters behandelt; der spezielle Unterrichtsgegenstand stellt daher ein weiteres Beispiel des Genres der Kurzgeschichte für die Schüler dar.
1.3. Voraussetzungen auf Seiten der Lehrenden
Dieses Unterrichtspraktikum ermöglichte mir die ersten Unterrichtserfahrungen als Lehrende in der Kursstufe. Zuvor hatte ich schon in einer achten Klasse eines Gymnasiums und in der vierten Klasse einer Grundschule unterrichtet. Die Kursstufe stellt aufgrund des geringen Altersunterschieds zu den Lernenden eine besondere Herausforderung für mich dar.
Vor Beginn des eigenen Unterrichtsversuchs war es möglich, in dem Kurs für mehrere Stunden zu hospitieren und somit die Schüler im Englischunterricht kennen lernen zu können.
2 Als Abkürzung für Leistungskurs wird im Folgenden LK verwendet.
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2. Auswahl und Begründung des Unterrichtsgegenstandes
Den Rahmen für diese Unterrichtsstunde bildet das Thema des vierten und letzten Kurshalbjahres The Short Story, das im Rahmenplan Englisch für die Gymnasiale Oberstufe 3 für dieses Semester vorgesehen ist. Unter dem Punkt „Autoren, z.B. von Short-Story-Zyklen, bzw. -Sammlungen“ wird James Joyce genannt und als maßgebliches Werk seine Sammlung von Kurzgeschichten Dubliners, der „Eveline“ entnommen ist. Dies bedeutet, das „Eveline“ stellvertretend für die restlichen 14 Kurzgeschichten aus Dubliners gelesen und behandelt wird. Diese Erzählung ist nach E. A. Poes „Tell Tale Heart“ und zwei Geschichten von Ambrose Bierce, „An Occurrence at Owl Creek Bridge“ und „Oil of Dog“, die vierte unter dem Thema Short Stories.
Laut Rahmenplan sollen die Schüler die Kurzgeschichten unter Anderem inhaltlich erfassen und interpretieren lernen, sprachliche und formale Elemente und deren Funktion erkennen und analysieren lernen und zur Hauptaussage Stellung beziehen können. Darüber hinaus bietet „Eveline“ die Möglichkeit, anhand individueller Kriterien ihrem Autor und seiner Epoche zugeordnet zu werden.
3. Unterrichtszusammenhang
Unter dem Semesterthema Short Stories ist die zu beschreibende Stunde Teil der Reihe zu „Eveline“ von James Joyce, die aus insgesamt drei Unterrichtsstunden besteht. Thema der ersten Unterrichtsstunde zu dieser Reihe war die Biografie und das Werk Joyces, besonders Dubliners, und die Textverständnissicherung der Kurzgeschichte „Eveline“, die als Hausaufgabe vollständig gelesen werden sollte. In der zweiten Stunde ist die Analyse der Symbolik in „Eveline“ Thema; die Schüler sollten als Vorarbeit zu Hause die stilistischen Gestaltungsmerkmale (wie Metapher, Euphemismus usw.) im Text markieren. Die zu beschreibende Stunde widmet sich dem Thema der Entscheidung Evelines unter Bearbeitung der Gründe, die zu ihr geführt haben und des Zeitpunktes, an dem Eveline sich entschieden hat. Als Heimarbeit sollen die Schüler eine Tabelle mit Handlungsteilen anfertigen, die entweder interner oder externer Handlung zugeordnet werden können. Es soll sich eine Diskussion ergeben, die zum Thema hat, wann die Entscheidung der
3 Abgerufen am 01.03.2006 unter http://sensjs.berlin.de/schule/rahmenplaene/rahmenplan/e-gy-12-13.htm.
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Protagonistin gefallen sein könnte. Diese kann unter Betrachtung der Erzählperspektive in der nächsten Stunde weitergeführt werden.
4. Sachanalyse
Die Kurzgeschichte „Eveline“ ist dem Short Story Zyklus Dubliners entnommen, der von James Joyce 1905 als dreiundzwanzigjähriger Exilschriftsteller begonnen und dann 1914 veröffentlicht wurde. In diesen 15 Kurzgeschichten beschreibt Joyce das Dublin seiner Zeit aus der Ferne - er verweilt zu dieser Zeit im italienischen Triest. Dabei decken die Kurzgeschichten immer einen bestimmten Aspekt ab: „childhood,
adolescence, maturity and public life“ 4 . „Eveline“ gehört zu den Erzählungen, deren Protagonist der adolescence zugeordnet werden kann und steht somit an sechster Stelle in der Reihenfolge der Geschichten aus Dubliners. Die Geschichte wurde von James Joyce verfasst, als dieser sich in ähnlicher, nur umgekehrter Situation befand: Er hatte seine spätere Frau Nora kennen gelernt und plante, sie mit zu sich auf den Kontinent zu nehmen. Daher kann angenommen werden, dass diese Geschichte, wie so oft im Werk Joyces, einen autobiografischen Hintergrund besitzt. Die Geschichte erzählt die schwierigste Situation im Leben der neunzehnjährigen Eveline, die nach dem Tod ihrer Mutter deren Platz in der Familie eingenommen hat. Sie ist die einzige Tochter; die beiden älteren Brüder haben Dublin verlassen oder sind gestorben, der Vater droht ihr Gewalt an, ihre jüngeren Geschwister sind ihrer Verantwortung unterstellt. Die Familie ist arm und lebt von dem, was Eveline in den
„Stores“ 5 verdient. Ein paar Wochen zuvor hat Eveline die Bekanntschaft eines jungen Seemanns, Frank, gemacht, der ihr ein für sie unbekanntes Leben zeigt und ihr anbietet, sie mit nach Buenos Aires zu nehmen. Nun steht die junge Heldin vor der Entscheidung, ihre Familie zu verlassen und mit Frank zu gehen oder dasselbe Schicksal wie ihre Mutter zu erleiden, die ein „life of commonplace sacrifices closing in final craziness“ (ebd.) lebte. Am Ende kann sie nicht mit Frank auf das Schiff gehen, das sie in ein besseres Leben bringen sollte: sie ist wie paralysiert.
4
Ingersoll, Earl G. “The stigma of femininity in James Joyce’s ‘Eveline’ and ‘The Boarding House.’” Studies in Short Fiction, Fall, 1993.
5
Joyce, James. “Eveline”.
Dubliners.
Originally published in Great Britain by Grant Richards, Ltd., 1914. Reprinted by Penguin. New York: Penguin, 1992.
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Die äußere Handlung beschränkt sich darauf, dass Eveline am Fenster ihres Elternhauses sitzt und sich an schöne und traurige Momente, wie den Tod ihrer Mutter, erinnert. Der letzte Abschnitt gibt hierin Anlass zu Spekulationen, denn durch den Erzähler erfährt der Leser nicht genau, ob Eveline sich diese Abschiedsszene auch nur vorstellt, wie sie die Erinnerungen an ihre Vergangenheit wachruft, oder ob sie sich wirklich am Hafen befindet. Earl G. Ingersoll meint dazu: “the reader has no way of ascertaining that Eveline has actually moved to the ‘North Wall,’ except in
projecting herself forward to that scene of departure” 4 . Es handelt sich in dieser Erzählung um einen Third-Person-Narrator, durch den der Leser zwar die Gedanken und Erinnerungen Evelines teilt, der aber auch wie an o.g. Stelle, Raum für Interpretationen lässt. Dies bezieht sich vor allem auf den letzten Abschnitt des Textes, in dem es der Erzähler dem Leser vollkommen überlässt, zu deuten, ob Eveline überhaupt zum Hafen gegangen ist oder sich nur in Gedanken an diesen Ort versetzt. Aufgrund dieser vom Leser auszufüllenden Leerstelle in der Erzählung kann man den Standpunkt vertreten, dass es sich, zumindest an dieser Stelle, um einen Unreliable Narrator handelt. Der Begriff des Unreliable Narrator ist den Schülern aus den vorangegangenen Kurzgeschichten bekannt, daher kann an dieser Stelle auf Vorwissen der Schüler in Bezug auf die Auslegung eines Unglaubwürdigen Erzählers zurückgegriffen werden.
Obwohl in dieser Kurzgeschichte nicht, wie in einigen anderen in Dubliners, eine Epiphanie 6 beobachtet werden kann, so kann bei der Protagonistin doch das Gegenteil festgestellt werden. Wie Dublin selbst, das zu Joyces Zeiten von wirtschaftlicher und sozialer Stagnation gekennzeichnet war, ist auch die Heldin in „Eveline“ zu keinerlei Bewegung fähig. Die Sekundärliteratur spricht hier von
Paralyse 7 .
Weitere rhetorische und stilistische Mittel im Text sind: - Metaphern; zum Beispiel die mögliche Reise mit Frank nach Buenos Aires, die eine neue Perspektive in der ‚Neuen Welt’ darstellt; - Wiederholungen; zum Beispiel die wiederholte Erwähnung des Staubes - der gleichzusetzen ist mit Vergänglichkeit und Tod - in dem Zimmer, in dem
6
“Epiphanie bezeichnet ein meist unspektakuläres Ereignis gegen Ende, durch das dem Helden - wenn nicht ihm, dann mindestens dem Leser - auf einmal ‘alles klar’ wird. Wobei sich weniger wie im Krimi oder griechischem Drama verborgene sachliche Zusammenhänge herausstellen, sondern etwas, das den Ausblick desjenigen, der es nachvollzieht, verändert.“ Anonym.
7
“Paralysis is a common theme in Dubliners, and poor Eveline finds herself unable to move forward”.
Anonym.
7
Arbeit zitieren:
Katja Buthut, 2006, Bericht über das Unterrichtspraktikum im Fach Englisch an der Oberschule, München, GRIN Verlag GmbH
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