Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 3
1. Detektiv- und Kriminalgeschichten 4
1.1 Zur Typologie der Kriminalliteratur 5
2. Lesesozialisation 8
2.1 Bedingungen der Lesesozialisation 8
2.2 Lesekompetenz 10
3. Detektiv- und Kriminalgeschichten als Mittel zur Förderung
der Lesekompetenz 12
3.1 Die Stellung der Detektiv- und Kriminalgeschichten im Unterricht 13
3.2 Unterrichtliche Möglichkeiten der Detektiv- und Kriminalgeschichten 14
Fazit S. 17
Literaturverzeichnis S. 18
2
Einleitung
Das Schulfach Deutsch und insbesondere der Literaturunterricht sind in empirischer Perspektive die nach der Familie einflussreichste Instanz literarischer Sozialisation. Die Leseförderung stellt eine der wichtigen Aufgaben der Schule dar. Während der Pubertät und der frühen Adoleszenzphase nimmt jedoch das Interesse am Lesen bei Jugendlichen ab. Diese Phasen sind gekennzeichnet durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit und der Umwelt. Literatur, vor allem Kinder- und Jugendliteratur, kann bei den Fragen, die dabei entstehen, eine wichtige und hilfreiche Rolle spielen. Sie bietet nicht nur die Möglichkeit, vielfältige Bezüge zwischen der fiktiven Welt des Buches und der eigenen Erfahrungswelt herzustellen, sondern wird mit höherer Ich-Beteiligung gelesen. Dies kann die lesemotivierende Erfahrung der subjektiven Betroffenheit und der subjektiven Bedeutsamkeit von Literatur ermöglichen. Obwohl nach wie vor Kinder- und Jugendliteratur oft mit leicht zugänglicher Unterhaltungsliteratur gleichgesetzt wird, haben moderne Kinder- und Jugendromane ein hohes Maß an literarischer Komplexität erreicht und gehören in den Deutschunterricht. 1 Bestände von Bibliotheken, Buchhandlungen und Schulbibliotheken weisen einen großen Umfang an Detektiv- und Kriminalgeschichten auf. Daraus lässt sich schließen, dass diese Bücher zu den bevorzugten Freizeitlesestoffen der Kinder und Jugendlichen gehören. Aus meiner eigenen Lesebiographie kann ich berichten, dass ich auch schon immer sehr gerne Detektivgeschichten gelesen habe. Als 12 Jährige habe ich mit großem Vergnügen die Serie der „Knickerbockerbande“ von T. Brezina verschlungen und auch heute sind viele unterschiedliche Detektiv- und Kriminalromane in meinem Bücherschrank zu finden.
In der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, wie bzw. ob mit dem Einsatz von Detektiv- und Kriminalgeschichten die Lesekompetenz bei Schülern in der Sekundarstufe I gefördert werden kann. Als erstes wird definiert, was Detektiv- und Kriminalgeschichten sind. Danach werden die Grundtypen der Kriminalliteratur in einem knappen Überblick dargestellt. Im zweiten Kapitel geht es um die Begriffe Lesesozialisation und Lesekompetenz. In diesem Kapitel wird auch auf die Ergebnisse von PISA 2000 eingegangen. Im dritten Kapitel liegt der Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit der
1 Vgl. Daubert 1999, S. 40 ff.
3
Fragestellung dieser Arbeit. Wie können Detektiv- und Kriminalgeschichten als Mittel zur Förderung der Lesekompetenz im Unterricht der Sekundarstufe I eingesetzt werden? Abschließend werden im Fazit die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und mit einer persönlichen Stellungnahme die Arbeit abgeschlossen.
1. Detektiv- und Kriminalgeschichten
Meistens werden Begriffe Detektivgeschichte (-roman) und Kriminalgeschichte (roman) synonym für eine Literaturform verwendet, deren Thema ein Verbrechen und dessen Aufklärung ist. Alewyn unterscheidet jedoch die beiden Begriffe: „Der Kriminalroman erzählt die Geschichte eines Verbrechens, der Detektivroman die Geschichte der Aufklärung eines Verbrechens“. 2
Die Handlung im Detektivroman beginnt meistens mit einem Fall (einem Mord), wobei Vorgeschichte und Täter unbekannt sind. Der Detektiv, die zentrale Figur, versucht im Lauf der Handlung den Fall zu rekonstruieren und den Täter zu finden. Die Rolle des Lesers ist mit der des Detektivs vergleichbar: auch der Leser versucht, das Rätsel durch eigenes Kombinieren, kritisches Infragestellen und Zusammenfügen der Informationen zu einem Ganzen zu lösen. Die Handlung des Kriminalromans verläuft dagegen von der Planung über die Durchführung bis zur Aufklärung eines Verbrechens und der Leser „zittert“ mit den Verfolgten. 3 Als Strukturelemente lassen sich die Tat, ihre Vorgeschichte, die Ermittlung, die Aufklärung und möglicherweise die Bestrafung des Verbrechers erkennen. Die handelnden Personen sind der Detektiv, der Täter, das Opfer und die Verdächtigen. Verrätselung und Aufklärung, die durch zahlreiche Irrwege gekennzeichnet sind, sind Intentionen der Kriminalliteratur. Als konstitutive Elemente dieser Gattung nennt Marsch die „Vorgeschichte“, den „Fall“ und die „Detektion“, die im Krimi unterschiedlich angeordnet sein können. Diese unterschiedliche Anordnung
2 Vgl. Daubert 1985, S. 431
3 Vgl. Ebd.
4
beeinflusst den „Erzähleinsatz“, den Punkt der Handlung, an dem der Erzähler zu erzählen beginnt. 4
Die beiden Typen (Detektiv- und Kriminalgeschichte) bilden zurzeit die äußersten Pole der Kriminalliteratur. Viele Erzählungen sind Mischformen und lassen sich nicht eindeutig den beschriebenen Idealtypen zuordnen. Gerber und Nusser nennen z. B. einen weiteren Typus, den Thriller. In ihm geht es in einer chronologischen Erzählweise um die Verfolgung eines schon bekannten Verbrechers und um den Versuch, ihn an der Tat, meistens in einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd, zu hindern. 5
1.1 Zur Typologie der Kriminalliteratur
In der Kriminalliteratur für Jugendliche treten, im Vergleich zur Kriminalliteratur für Erwachsene, grausame Momente, wie z. B. Morde, seltener auf. Es erscheinen häufiger Verbrechen wie Diebstahl, Einbruch, Raub, Erpressung oder Betrug als Motive. Die Aufklärung der Fälle vollzieht sich durch Gruppensolidarität, emotionales Engagement und glückliche Zufälle. Häufig nehmen dabei Emotionalität und ethische Bezüge, wie z. B. Gerechtigkeit, eine zentrale Rolle ein. In der Kinder- und Jugendbuchforschung sind unterschiedliche Ansätze vorhanden, die versuchen, Detektiv- und Kriminalgeschichten Gruppen zuzuordnen. Es können Typologierungsversuche von Dahrendorf 1977, Maier 1993 und Daubert 1984 genannt werden.
Die aktuellste Unterteilung in Detektiv-, Verbrechens- und Verfolgungsgeschichte, die von Lange durchgeführt wurde, wird im Folgenden näher vorgestellt.
Die klassische Detektivgeschichte
Als die beherrschende Form hat sich in den Kinderkrimis die klassische Detektivgeschichte durchgesetzt. Innerhalb dieser Form gibt es unterschiedliche Varianten:
4 Vgl. Lange 2002 S. 8
5 Vgl. Lange 2000, S. 525
5
Arbeit zitieren:
Helena Stachalski, 2006, Der Einsatz von Detektiv- und Kriminalgeschichten im Unterricht der Sekundarstufe I zur Förderung der Lesekompetenz, München, GRIN Verlag GmbH
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