Übung: Föderalismus als überstaatliches Organisationsprinzip und Instrument der Friedenssicherung Fachbereich: Geschichtswissenschaft Universität Hamburg SS 2002 Hausarbeit Datum: 24.09.2002
Inhalt
I. Einleitung. 1
II. Helmuth James Graf von Moltke. 2
2.1 Biographie. 2
2.2. Einflüsse auf Moltke. 3
2.3. Der Kreisauer Kreis. 4
III. Der Weg zu einer Neuordnung. 5
IV. James Moltkes Europa. 7
3.1. Die Denkschriften. 7
3.2. Die europäischen Grenzen. 8
3.3. Wirtschaft. 9
3.4. Der Staatsaufbau von Moltkes Europa. 10
3.5. Staatenbund, Einheitsstaat oder Bundesstaat? 11
V. Schlussbetrachtung. 12
VI. Literaturverzeichnis 13
I. Einleitung
Helmuth James Graf von Moltke wurde im Januar 1945 dafür, dass er nur „gedacht“ 1 hat, hingerichtet. In der Literatur gilt Moltke mit Recht als ein Element des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Hier fällt auf, dass er in der Regel in einem Atemzug mit dem Kreisauer Kreis genannt wird. Fast alle Veröffentlichungen über James Moltke befassen sich zumindest in gleichen Teilen mit ihm und dem Kreisauer Kreis. Oft werden die persönlichen Denkschriften Moltkes den Dokumenten des Kreisauer Kreises zugerechnet. Doch sollte man, gerade was gesamteuropäische Nachkriegspläne angeht, die Zielvorstellungen Moltkes und die Zielvorstellungen des Kreisauer Kreises, die auf der Diskussion vieler Menschen basieren, auseinanderhalten. Natürlich muss angemerkt werden, dass die Mitglieder des Kreisauer Kreises mit Sicherheit größten Einfluß auf das Denken Moltkes gehabt haben, doch unterscheiden sich die Denkschriften Moltkes erheblich von den Dokumenten des Kreisauer Kreises. Diese Arbeit möchte sich auf das Denken Moltkes konzentrieren, der Kreisauer Kreis soll deshalb nur knapp beleuchtet werden. So sollen Moltkes Neuordnungsvorstellungen für ein Gesamteuropa konkretisiert werden und der Versuch unternommen werden, dieses vermeintliche Staatsgebilde zu charakterisieren.
Die wichtigsten Schriften Moltkes zu diesem Aspekt sind ohne Zweifel seine Denkschriften „Die kleinen Gemeinschaften“ von 1939/40, „Über die Grundlagen der Staatslehre“, sowie die aufeinander folgenden Versionen „Ausgangslage“, „Ausgangslage“ (2. Fassung) und „Ausgangslage, Ziele und Aufgaben“ aus dem Jahr 1941, wobei die genaue Datierung der letztgenannten Denkschrift in der Forschung umstritten ist. Ferner geben die Briefe Moltkes 2 Aufschluss über sein Denken, auch wenn konkrete Zielvorstellungen dort weniger zu finden sind. Vor allem die Denkschriften zur „Ausgangslage“ bieten viel Stoff zu verschiedenen Interpretationen über die vorgeschlagene Staatsordnung und über Staatselemente bzw. über Moltkes Denken allgemein und werden in der Forschung kontrovers diskutiert. Daran möchte sich diese Arbeit beteiligen.
Zunächst soll in einer kurzen Biographie in das Leben Moltkes eingeführt werden und vermeintliche Einflussfaktoren genannt werden. Anschließend wird versucht, den Weg zu beschreiben, der nach Moltke notwendig sei, die Zielvorstellungen von einem föderalistischen Europa zu erreichen. Den Kern dieser Arbeit stellen schließlich diese Zielvorstellungen
1 vgl. von Oppen, Brief Moltkes an Freya vom 10.Januar 1945, S. 602. Eine Tat oder ein Umsturzversuch konnte Moltke von der Gestapo nicht nachgewiesen werden.
2 von Oppen, „Briefe an Freya 1939-1945“.
1
Moltkes dar. So soll der europäische Grenzverlauf, eine angestrebte neue Wirtschaftsordnung und die Staatsordnung an sich untersucht werden.
II. Helmuth James Graf von Moltke
2.1. Biographie 3
Helmuth James Graf von Moltke wurde am 11.März 1907 in Kreisau, dem heutigen Krzyzowa, 4 in Schlesien geboren. James Moltkes Mutter, Dorothy Rose-Innes, stammte aus Südafrika und war Tochter des dortigen Justizministers. 5 Sein Vater Helmuth Graf von Moltke, erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses, war Großneffe des Feldmarschalls Helmuth Carl Bernhard Graf von Moltke. Seine Kindheit und Jugend verbrachte James in Kreisau, reiste allerdings viel mit seinen Eltern zu den Großeltern nach Südafrika und Holland. Schulunterricht erhielt er zunächst zuhause. Ab 1922 wurde er in ein Internat nach Schondorf am Ammersee geschickt, wo er sich nicht wohlfühlte und sich gegen den dortigen Kollektivgeist wehrte, 6 was ihn und seine engsten dortigen Freunde schnell von Mitschülern und Lehrern isolierte. 7 Die letzten beiden Schuljahre bis zum Abitur besuchte er aus eigener Entscheidung das Realgymnasium in Potsdam. Im März 1925 machte er das Abitur und immatrikulierte sich für Rechtswissenschaften an der Universität in Breslau. Dort blieb er aber nur ein Semester lang, anschließend ging er dann nach Berlin, wo er zusätzlich noch Vorlesungen über Geschichte und Politik hörte. Allerdings ging er sehr unregelmäßig zu Vorlesungen, so dass er in Breslau zu Beginn seines Studiums sogar exmatrikuliert worden war. In Berlin lernte Moltke Eugenie Schwarzwald kennen, die ihm zu einem Studium in Wien riet, ihrer Heimat. Dort brachte sie ihn auf dem Anwesen ihrer Eltern mit Persönlichkeiten wie Bertold Brecht, Carl Zuckmayer oder Arnold Schönberg 8 zusammen. Schließlich lernte Moltke dort auch seine zukünftige Frau, Freya Deichmann, kennen. Im Jahr 1929 bestand Moltke, wieder in Breslau, sein 1.Staatsexamen mit "ausreichend". 9 Obwohl Moltke nun große Reisepläne hatte, 10 musste er nach Kreisau zurückkehren. Das Gut Kreisau
3 sehr ausführliche Biographien liefern Balfour, Helmuth James von Moltke 1907-1945, und van Roon, Neuordnung, S. 56 ff.
4 vgl. von Schwerin, S.17.
5 vgl. von Oppen, S.16.
6 vgl. von Oppen, S. 17.
7 vgl. von Schwerin, S.18.
8 vgl. von Schwerin, S.19.
9 vgl. von Schwerin, S.20.
10 vgl. von Schwerin, in: Karpen/Schott, S.124.
2
Arbeit zitieren:
2002, Helmuth James Graf von Moltke: Konzept für ein föderalistisches Europa nach dem Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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