I
Markus Staender: „Das Phänomen Michael Moore“
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
1 Intention und Rezeption der Werke Moores 1
2 Moores Ansatz 2
3 Bowling for Columbine 4
4 Kritik an Bowling for Columbine 8
5 Fahrenheit 9/11 9
6 Kritik an Fahrenheit 9/11 10
7 Comedy-Auftritt, Gegen-Propaganda oder
ernsthafter Journalismus? 11
II Literatur- und Quellenverzeichnis 14
1 Markus Staender: „Das Phänomen Michael Moore“
1 Intention und Rezeption der Werke Moores
„Wie kann es Ungenauigkeiten bei ‘comedy’ geben? (…) „Ich weiß nicht in welche Kategorie meine Filme fallen. Sie sind wie eine Filmversion einer Kommentarseite in der Zeitung und nicht eine traditionelle Dokumentation. Sie sind cinematische Essays, die meine Sichtweise präsentieren. Ich mag richtig oder falsch liegen, aber wenn ich etwas als ein Faktum darstelle, dann müssen mir die Zuschauer vertrauen, dass diese Fakten korrekt sind.“ 1 (Michael Moore)
Neben der Arbeitsweise Moores soll die vorliegende Arbeit auch klären, ob es sich bei seinem Werk um einen reinen Comedy-Auftritt, Gegen-Propaganda oder ernsthaften Journalismus handelt. Moores Selbstverständnis ist aber sicher nicht das eines klassischen Dokumetarfilmers. Das zeigt schon folgendes Zitat: „Dokumentarfilme sind eine Art bittere Medizin. Also schütte ich ein wenig Zucker rein, damit es besser schmeckt.“ 2
Die Intention ist nun das eine, die Rezeption etwas anderes. Besonders die letzten beiden Filme von Michael Moore sind in der Menge der gerade erfolgreichen Dokumentarfilme zwei herausragende Beispiele für die zunehmende Akzeptanz nicht-fiktiver Stoffe beim Publikum. So hatte mehr als jeder zweite Amerikaner vor sich Fahrenheit 9/11 anzusehen, entweder im Kino oder auf Video/DVD. 3 „Der Erfolg von politischen Dokumentarfilmen wie THE FOG OF WAR, FAHRENHEIT 9/11 und SUPER SIZE ME ist weniger ein Kino- als ein Medienphänomen. Zumindest in Amerika. Die Menschen strömen in Dokumentarfilme, weil sie sich von den amerikanischen Medien nicht oder nur selektiv informiert fühlen. Kino wird zum gemeinsam erlebten Nachrichtenereignis, das die Defizite des Fernsehens ausgleicht.“ 4 (Tim Robbins) Dieser Kritik an der Medienberichterstattung kann allerdings auch Kritik an eben diesen Dokumentarfilmen entgegengebracht werden: so sei der „Boom des dokumentarischen Kinos hauptsächlich von Filmen getragen (…), die das Ideal des
1 http://de.liberty.li/articles/moore.php
2 Hüetlin, Thomas: „Bleib doch hier“. Der Spiegel 48/2003, S. 86
3 Hass, Veronika: Ein Akt von Gegenpropaganda: www.stern.de/unterhaltung/film/527452.html?eid=526897
4 Bürger, Peter: Kino der Angst. Schmetterling-Verl. Stuttgart. 2005, S.558
2 Markus Staender: „Das Phänomen Michael Moore“
verfehlen“. 5 Dokumentarischen Inwiefern sich Dokumentarfilme der
Publikumswirksamkeit unterwerfen sollten, bleibt hier eine offene Frage. Es sei außerdem „sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, Juroren in der Kategorie Dokumentarfilm zu bitten, die Qualität eines Films nicht mit seinem Thema gleichzusetzen“ 6 (Veranstalter eines Filmfestivals). Ob Moores Kritikererfolg unter anderem bei den Academy Awards und in Cannes vielleicht eher auf eine verwandte Geisteshaltung zurückzuführen ist als auf eine herausragende künstlerische Leistung, soll an dieser Stelle ebenfalls unbeantwortet bleiben.
2 Moores Ansatz
Bevor ich auf die zwei meist diskutierten Filme Moores näher eingehen werden, möchte ich seinen generellen Ansatz untersuchen.
Da wäre zum einen das von Moore zum Stilmittel erhobene sogenannte „ambush interview“ 7 , wortlich ein Interview aus dem Hinterhalt, das beim Interviewten über die Begeisterung im Mittelpunkt zu stehen natürliche Schutzmechanismen außer Kraft treten lässt.
Er bediehnt sich weiterhin der journalistischen Tradition des sogenannten „Muckracking“ 7 : hierbei werden Machenschaften der zumeist Reichen und Mächtigen ans Tageslicht gebracht. Auch hier bringt das „ambush interview“ einen entscheidenden Vorteil, da so die Fragen nicht vorher geklärt werden müssen und die Interviewten (noch) nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Bei den Zuschauern erzeugt die Intention hinter dem „Muckracking“ natürlich mehr Glaubwürdigkeit als bei dem Interviewten.
Gerne verknüpft Moore seine Themen auch mit seiner eigenen Biographie. In diesem Zusammenhang betont er dann seine eigenen Wurzeln aus der Unterschicht. Zudem signalisiert er mit seinem Äußeren: „Ich bin einer von euch“. Er trug bis vor kurzem
5 Kilb, Andreas im Gespräch mit Veiel, Andres: Wir brauchen ein Ethos des Dokumentarischen: http://www.faz.net/s/Rub8A25A66CA9514B9892E0074EDE4E5AFA/Doc~E52B10AFADC124746ADF
6F23BF467545F~ATpl~Ecommon~Scontent.html
6 Hohenberger, Eva: Bilder des Wirklichen. Vorwerk 8. Berlin. 1998, S.310
7 Grammatikopulu, Despina: Michael Moore - Ein Erbe des Cinema Verite?: http://www.movie-college.de/filmschule/Dokumentarfilm/Doku-Erbe.htm
3 Markus Staender: „Das Phänomen Michael Moore“
immer eine Baseball-Mütze, eine wenig modische Brille, war schlecht rasiert, usw. Zusammen mit seiner wohl nicht beabsichtigten Fettleibigkeit ergab sich das stereotype Bild eines Durchschnittsamerikaners, dessen Erscheinungsbild so wenig mit dem eines Multimillionärs (wie Moore) gemein haben will.
Und auch wenn er behauptet, dass er in seinen Filmen nur „als ein Stand-In für das Publikum“ 9 existiere, zwingt seine fast ständige „on-camera-Präsenz“ 10 den Zuschauer dazu sich mit ihm zu identifizieren. Er wird analog zu den dramaturgischen Mechanismen eines fiktiven Films zum Helden der Geschichte. Die „Instanz eines Subjekts der Vermittlung wird zum neuen Schauwert“. 11 Aus der Kultfigur Michael Moore wird durch ihren selbstreflexiven Umgang mit dem Medium Film der eigentliche Grund sich den Film anzuschauen.
Mithilfe eines stellenweise verwendeten „low-tech-look“ 10 - wobei das Material über-oder unterbelichtet oder verwackelt erscheint - impliziert er eine große Spontaneität bei Aktionen, die bei Moore sicher vieles sind, jedoch sicher nicht ohne Plan dahinter. Ein Beispiel wäre die durchaus geplante Aktion bei einem K-Mart in Bowling for Columbine, für die Moore zu Beginn stark überbelichtetes Material verwendet, bei dem man fast nichts mehr erkennen kann.
Moore verwendet bei seinen Filmen fast ebenso viel selbst gedrehtes Material für den Schnitt wie fremdes Material. Bei Bowling for Columbine waren dies je 200
8 http://uglydemocrats.com/democrats/United-States/Michael-Moore/michael-moore-2.jpg
9 http://film.guardian.co.uk/interview/interviewpages/0,,841083,00.html
10 Grammatikopulu, Despina: Michael Moore - Ein Erbe des Cinema Verite?
11 dfi - Roger and me:
http://www.dokumentarfilminitiative.de/archiv/farbegeldes/roger_vortrag.html
Arbeit zitieren:
Markus Staender, 2007, Das Phänomen Michael Moore, München, GRIN Verlag GmbH
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