Gliederung Seite
1 Einleitung 1
2 Theoretischer Rahmen und Definition von Allmende-Klemme 2
2.1 Spieltheorie und Gefangenendilemma 2
2.2 Allmende-Klemme 3
3 Die globale Trinkwasserversorgung als Beispiel für eine 6
Allmende -Klemme
4 Komplexe Situationen 8
4.1 Definition 8
4.2 Kognitive Denkfehler 10
4.3 Motivationale Denkfehler 11
5 Die Handlungsregulations-Theorie (PSI-Theorie) von Dörner 13
5.1 Einordnung der Theorie 13
5.2 Was sind Bedürfnisse? 14
5.3 Erzeugung eines Motivs 15
5.4 Auswahl eines Motivs 15
5.5 Bedürfnisbefriedigung 17
II
6 Computersimulation einer komplexen Theorie am Beispiel 18
der PSI-Theorie
6.1 Menschliche Psyche PC-Simulation - ein Widerspruch? 18
6.2 Das „Autonomie“-Projekt: Hintergrund zur Entstehung und 19
Anwendungsm öglichkeit der Simulation
6.3 EmoRegul oder „Wer ist James?“ 20
6.3.1 Umwelt und Umweltwahrnehmung 20
6.3.2 Modulation psychischer Prozesse im Programm EmoRegul 21
6.3.3 Ergebnisse 23
6.4 Beschreibung des „Insel“-Szenarios aus dem Autonomie-Projekt 23
6.4.1 Instruktion für die realen Versuchspersonen 23
6.4.2 „Insel“-Szenario 24
6.4.3 Ergebnisse 26
6.4.5 Ausblick (Sozionik-Projekt) 26
7 Diskussion der gewonnenen Ergebnisse 27
8 Resümee 30
Literaturverzeichnis , Anhang 32
III
1 Einleitung
„Die Katastrophe hat mich in meinen Grundfesten erschüttert“ titelte die Berliner Morgenpost am 7. September 2002 einen Artikel zur Elbeflut im letzten Jahr. Die persönliche Betroffenheit in der Aussage eines freiwilligen Helfers, zu den Folgen der Überflutung, ist nicht zu überhören. Dass Naturkatastrophen ständig zunehmen ist in Versicherungskreisen längst ein Thema. Die Branche rechnet für das nächste Jahrzehnt mit einer Schadenshöhe von 25-50 Milliarden Dollar, die durch Naturkatastrophen verursacht werden soll (Linneweber, 2001). Unsere Umwelt, so scheint es, gerät allmählich aus dem Gleichgewicht. Um die Zusammenhänge zwischen menschlichem Verhalten und den möglichen Folgen für die Umwelt aufzuzeigen, bietet sich das Modell der Allmende-Klemme an. In Kapitel 2 werden zuerst allgemeine Überlegungen zum Verständnis angestellt. Daran anschließend folgen Merkmale, die typisch für Allmende-Klemmen sind.
Am Beispiel der Trinkwasserversorgung auf unserem „blauen Planeten“ wird eine reale Allmende-Klemme näher ausgeführt. Um die später folgenden theoretischen Sachverhalte anschaulicher zu machen, wird auf dieses Beispiel im weiteren Text immer wieder zurückgegriffen.
Ökologische Systeme sind meist sehr komplex aufgebaut. Was allgemein unter Komplexität verstanden wird und welche Probleme sich beim Verständnis solcher Systeme ergeben können, ist Thema des vierten Kapitels. Danach wird eine komplexe Theorie zur menschlichen Handlungsregulation ausführlich vorgestellt. Da die Theorie sehr umfassend ist, reichen einfache schematische Darstellungen nicht mehr aus, deshalb wurde versucht, die Vorgaben durch eine PC-Simulation umzusetzen. Welche Überlegungen hier maßgeblich waren erläutert Kapitel 6.
Es folgt die kritische Diskussion der gewonnenen Erkenntnisse. Ein kurzes persönliches Resümee schließt die Arbeit ab.
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2 Theoretischer Rahmen und Definition von Allmende-Klemme
In diesem Abschnitt soll der Unterschied zwischen Null-Summen- und Nicht-Nullsummen-Spielen erläutert werden. Diese Unterscheidung ist notwendig, um die Problematik der nachfolgend erklärten Allmende-Klemme besser zu verstehen. Im Anhang 1 sind Überlegungen zur Wahrscheinlichkeitsrechnung ausgeführt, die als Grundlage für die Spieltheorie verwendet wird.
2.1 Spieltheorie und Gefangenendilemma
Die Spieltheorie beschäftigt sich mit den Wahrscheinlichkeiten vom Eintreten bestimmter Ereignisse, die sich beim Spiel gegen einen oder mehrere Gegner ergeben können. Sie sucht mit Hilfe mathematischer Algorithmen nach optimalen Strategien für die Parteien.
Ein bekanntes Beispiel für ein Zwei-Personen-Nullsummenspiel ist das Papier-Stein-Schere Spiel. Es stehen jedem Spieler gleich viele Handlungsalternativen offen. Die Entscheidung für eine Alternative wird jeweils gleichzeitig von den Spielern getroffen, d. h. ohne die Überlegungen des anderen vorher zu kennen. Der Verlust des einen Spielers ist gleichzeitig der Gewinn des anderen Spielers, deshalb nennt man diese Spielform auch Nullsummenspiel (Metzler, 2003).
Etwas anders ist die Lage im oft zitierten Gefangenendilemma, das im Anhang 2 näher beschrieben wird. Der Philosoph Rainer Hegselmann stellt fest: „Das Gefangenendilemma ist deshalb so berühmt geworden, weil es eine Situationsstruktur beschreibt, bei der, wenn jeder rational seine Interessen verfolgt, insgesamt ein Resultat herauskommt, das für alle eine Katastrophe darstellt“ (Rötzer, 1998, S. 2). Es handelt sich deshalb um ein sogenanntes Nicht-Null-Summen-spiel, weil man nicht nur gewinnen kann, indem der andere verliert.
Mit Nicht-Null-Summenspielen werden soziale Konfliktsituationen modellhaft nachgestellt. Sie sollen Erkenntnisse über das Entscheidungs- und Kooperationsverhalten des Menschen gewinnen (Spada & Opwis, 1985). Das Gefangenendilemma findet in einigen wissenschaftlichen Disziplinen
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Anwendung, z. B. in der Ökonomie, Politikwissenschaft oder der Psychologie (Rötzer, 1998).
Durch die Erkenntnisse des Gefangenendilemmas ist klar geworden, dass rein individualistisch rationales Verhalten keine optimale Lösung eines sozialen Dilemmas darstellen kann. Dabei wird unter rational im spieltheoretischen Sinne verstanden, dass der Spieler egoistisch, also nur auf den eigenen Vorteil bedacht, handelt. Er versucht seinen persönlichen Nutzen zu maximieren. Ändert man die Situation des Gefangenendilemmas jedoch dahingehend ab, dass sich das Spiel wiederholt, dann „kann sich auch unter rational nutzenmaximierenden Spielern ergeben, daß sie durchgängig kooperieren“ (Rötzer, 1998., S. 3). Grandner (1996) stellt fest, dass selbst die einfache Versuchsanordnung des Gefangenendilemmas bei mehreren
Spielwiederholungen eine Komplexität bekommt, die konkrete Vorhersagen im Sinne der Spieltheorie außergewöhnlich schwierig machen. Ein Testspiel zur Gefangenendilemma-Problematik der Universität München steht im Internet zur Verfügung (http://www.cip.physik.unimuenchen.de/~milq/ spiele/10prisoner.html).
Man nennt Modelle, die von Eigeninteresse als alleinigem Motiv für menschliches Handeln ausgehen, „Rational-choice-Modelle“. „Bezogen auf Umweltschutzhandeln bedeutet dies, dass Handeln vor allem dann ausgeführt wird, wenn es dem eigenen Nutzen dient. Dem stehen jedoch die Aussagen der Allmende-Klemme, bzw. des sozio-ökologischen Dilemmas entgegen“ (Kals, 2000, S. 2). Ein solches rational orientiertes Modell aus der Umweltökonomie ist im Anhang 3 dargestellt. Was unter Allmende-Klemme zu verstehen ist, wird im nächsten Abschnitt geklärt.
2.2 Allmende-Klemme
Allmende bedeutet, dass ein bestimmtes Gut gemeinsam von mehreren Personen oder Gruppen genutzt wird. Man spricht in diesem Fall auch vom öffentlichen Gut oder Kollektivgut, im Gegensatz zum individuellen Gut, das nur von jeweils einem Konsumenten verbraucht werden kann und damit der Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung steht. Es lassen sich „internationale, nationale, lokale bzw. regionale und gruppenspezifische Kollektivgüter
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unterscheiden“ (Arnold, 2001, S. 1). Beispiele für Kollektivgüter sind das Verkehrswegenetz, die Armee zur Landesverteidigung, genauso wie die reine Luft zum Atmen.
Merkmale, die öffentlicher Güter charakterisieren (Herstatt, 2000): • Nichtrivalität beim Konsum, d. h. das Gut kann von einem weiteren Nutzer in Anspruch genommen werden, ohne die Nutzung der anderen Konsumenten zu beeinträchtigen.
• Nicht-Ausschließbarkeit, d. h. es ist kaum möglich, die Nutzung für bestimmte Personen oder Gruppen zu verbieten.
Exkurs: Dass der Begriff der Allmende auf die Reduzierung als freizugängliches Allgemeingut für den ökologischen Ansatz zu eng gefasst ist, zeigt die folgende Ausführung: „Die Tragödie der Allmende“ ist der Titel eines Aufsatzes des Biologen Hardin aus dem Jahre 1968 (zitiert nach Wilhelm, 1999, S. 8). Hardin geht darin auf die Konsequenzen der Bevölkerungsexplosion ein. Unter dem Ausdruck „Tragödie“ versteht er dabei, „dass die Allmende-Klemme ohne gemeinsame Nutzungsregelung zur Beschränkung der Ressourcennutzung, unweigerlich zugrunde gehen würde“ (ebd., S. 8). Kritisch anzumerken ist, dass Hardin bei seinem klassischen Beispiel des Herdenbesitzer-Spiels davon ausgeht, dass die Weide frei zugänglich ist. Dies scheint aber für reale Allmende-Klemmen nicht immer gegeben, so ist z. B. der Zugang zu den Meerressourcen in der japanischen Küstenfischerei streng geregelt. Die neuere Theorie der Allmende kritisiert außerdem, dass sein Modell zu westlich-ethnozen-trisch sei (Wilhelm, 1999).
Soziale Dilemmasituationen entstehen, wenn durch längerfristige ständige Übernutzung des gemeinsamen Gutes der Bestand dieser Ressource gefährdet wird. Kurzfristig gesehen entstehen aktuelle Vorteile aus der intensiven Nutzung, aber langfristig überwiegen die negativen Folgen. Es kommt zum Interessenkonflikt zwischen sofortigem Gewinn und Schäden, die erst zeitlich verzögert auftreten.
Handelt es sich bei dem gemeinsam genutzten Gut um eine Umweltressource, so spricht man vom ökologisch-sozialen Dilemma oder einer Allmende-Klemme. Alternativ werden auch die Bezeichnungen Commons Dilemma oder Ressourcendilemma gebraucht (Ernst et al., 2000). Bezogen auf das Beispiel aus der Einleitung bedeutet dies, dass z. B. der jahrzehntelange hohe CO2-Ausstoß sich langfristig in Klimaveränderungen auswirkt. Die Folgen sind u. a. schwere Unwetter und Überflutungen. Greenpeace (2003, S.1) zieht deshalb die Schlussfolgerung: „Es wird weitaus billiger, in den nächsten Jahrzehnten in Klimaschutz und erneuerbare Energien zu investieren, als im Nachhinein die Schäden von Orkanen und Sintfluten zu beseitigen.“ Diese Meinung bekommt Unterstützung von Seiten der Versicherungsgesellschaften. Um sich vor den zunehmenden Kosten durch
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Naturkatastrophen zu schützen, sind neben verschiedenen Strategien, z. B. Ausschluss bestimmter exponierter Gebiete vom Versicherungsschutz, auch der Einsatz für mehr Umweltschutzmaßnahmen, wie die Förderung von Klimaschutzprojekten, vorgesehen (Linneweber, 2001). Typische Allmende-Klemmen werden durch folgende Merkmale charakterisiert (Spada & Opwis, 1985): • Der Gemeinnutzen nimmt ab, wenn das Gemeingut zunehmender individueller Übernutzung ausgesetzt ist.
• Anfänglich wird die individuelle Übernutzung durch höhere Gewinne belohnt, egal wie sich die anderen Nutzer verhalten. • Wenn alle Nutzer langfristig die Ressource übernutzen, kommt es zum Zusammenbruch des Systems, d. h., dass die anfänglich höheren Gewinne abnehmen und schließlich ganz ausbleiben. Ernst et al. (2000) definieren noch zusätzliche Charakteristika: • Jede Person kann wählen zwischen verschiedenen Handlungsalternativen. • Die Gesetzmäßigkeiten für Wachstum und die Regenerierungsfähigkeit der Ressource sind meist unbekannt.
Spieltheoretische Überlegungen, wie das Gefangenendilemma, sind mittlerweile zunehmend in den Hintergrund getreten und werden durch einen experimentellen Zugang zum Phänomen der Allmende-Klemme ersetzt (Ernst et al., 2000). Ein typisches Beispiel für die experimentelle Simulation einer Allmende-Klemmen-Situation stellt das „Fischereikonflikt“-Spiel dar, das ausführlich bei Ernst (1997, S. 30-33) nachzulesen ist. Im Rahmen der sozialpsychologischen Forschung findet alle zwei Jahre eine International Conference on Sozial Dilemmas statt, bei der auch regelmäßig ökologischsoziale Dilemmata erörtert und diskutiert werden (Ernst et al., 2000). Allmende-Klemmen sind komplizierte Sachverhalte, die eigene Strategien zur Lösungsfindung erfordern. Durch die Vielschichtigkeit und Undurchsichtigkeit der Problemstruktur können sie auch als komplexe Situationen aufgefasst werden. Am Beispiel der Trinkwasserversorgung wird im nächsten Gliederungspunkt eine konkrete Allmende-Klemmen-Situation beschrieben.
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Arbeit zitieren:
Angelika Beate Huber, 2003, Die Allmende-Klemme als komplexes Problem oder 'Kann James den blauen Planeten retten?', München, GRIN Verlag GmbH
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