Linda Schölkmann
Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 6
2 Der Luftverkehrsmarkt 7
2.1 Die Entwicklung des Luftverkehrmarktes 7
2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Luftverkehrs 10
2.3 Die Veränderungen der rechtlich-politischen Rahmenbedingungen. 13
3 Unternehmensverbindungen im Luftverkehr. 16
3.1 Ziele und Motivation einer Unternehmensverbindung 16
3.2 Formen der Unternehmensverbindung im Luftverkehr 18
3.2.1 Alleingang. 20
3.2.2 Akquisition und Fusion. 21
3.2.3 Airlinespezifische Kooperationen 23
3.2.4 Strategische Allianzen 26
4 Strategische Allianzen im Luftverkehr 27
4.1 Ziele strategischer Airline-Allianzen 27
4.1.1 Absatzmarktgerichtete Ziele 28
4.1.2 Unternehmensgerichtete Ziele. 30
4.1.3 Maßnahmen zur Zielerreichung 32
4.2 Arten strategischer Airline-Allianzen 36
4.3 Gründung und Ausbau strategischer Airline-Allianzen 40
4.3.1 Strategische Zieldefinition. 40
4.3.2 Partnerevaluierung 41
4.3.3 Kooperationsvertrag 44
4.3.4 Integrationsvorbereitung 45
4.3.5 Inbetriebnahme. 47
4.4 Organisationsstruktur strategischer Allianzen 48
4.5 Nutzenbetrachtung strategischer Allianzen 50
4.5.1 Vor- und Nachteile aus Sicht der beteiligten Unternehmen 51
4.5.2 Vor- und Nachteile aus Sicht der Kunden 55
5 Strategische Allianz - Star Alliance 58
5.1 Geschichte und Entwicklung. 58
5.2 Zielsetzungen 61
5.3 Einordnung im Luftverkehrsmarkt 64
5.4 Aufbau und Organisation der Star Alliance GmbH 69
5.5 SWOT- Analyse der Star Alliance 71
6 Schlussbetrachtung 74
6.1 Beurteilung und Bewertung der Star Alliance. 74
6.2 Bewertung und Einschätzung der zukünftigen Entwicklung strategischer
Allianzen. 75
Quellen - und Literaturverzeichnis 79
2
Abbildung 3 Arten von Unternehmungsverbindungen 19 Abbildung 4 Goodwill-Aktion im Rahmen der Star Alliance 29 Abbildung 5 Connection Code Sharing 33 Abbildung 6 Vorteile eines Netzwerkes 35
Abbildung 8 Entwicklungsschritte beim Aufbau strategischer Allianzen 40 Abbildung 9 Kriterien und Gewichte der Evaluation potentieller Allianzpartner 42 Abbildung 10 Alliance Market Share 2008 64 Abbildung 11 Star Alliance Route Network 66 Abbildung 12 Capacity Shares between Traffic Areas 67 Abbildung 13 Star Alliance Organisationsstruktur 70
3
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance
1 Einleitung
Unter dem Titel „Kartelluntersuchung gegen Lufthansa“ berichtet die Financial Times Deutschland am 20.04.2009 von Untersuchungen der EU-Kommission gegen mehrere Fluggesellschaften des Luftverkehrsbündnisses Star Alliance. „Die Kooperation sei bei Flugverbindungen zwischen Europa und Nordamerika intensiver als die sonst übliche, teilte die EU-Kommission am Montag mit. Deshalb leiteten die Wettbewerbshüter eine Kartelluntersuchung ein.“ 1 Ähnliche Verfahren seien bereits auch gegen mehrere Fluggesellschaften der anderen beiden großen Flugallianzen Oneworld und Skyteam eingeleitet worden. Falls den Gesellschaften eine Wettbewerbsbeschränkung durch kartellmäßige Absprachen nachgewiesen werden kann, drohen hohe Bußgelder, „im Extremfall bis zu zehn Prozent des weltweiten Umsatzes“. Der Artikel belegt, welche Bedeutung strategische Allianzen im globalen Luftverkehrsmarkt innerhalb der letzten Jahre gewonnen haben. Auf der Basis bestehender Fachliteratur sowie unter Auswertung neuester (elektronischer) Publikationen und Presseartikeln soll die vorliegende Diplomarbeit hierzu systematisch die Hintergründe am Beispiel der strategischen Allianz „Star Alliance“ aufzeigen. Ausgehend von den Grundlagen des Luftverkehrsmarktes werden mögliche Kooperationsformen im Luftverkehr vorgestellt, speziell vertiefend die Unternehmensverbindung „Strategische Allianz“. Hierzu wird in Folge exemplarisch die Entwicklung der „Star Alliance“ vorgestellt, die sich als Marktführer unter den konkurrierenden Flugallianzen positioniert hat. In einer Schlussbetrachtung erfolgt neben einer Beurteilung und Bewertung der Star Alliance, die Einschätzung der weiteren Entwicklung in diesem Sektor.
1 http://www.ftd.de/unternehmen/:Verdacht-auf-Wettbewerbsbeschr%E4nkung-
Kartelluntersuchung -gegen-Lufthansa/502666.html [22.04.2009]
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance
2 Der Luftverkehrsmarkt
2.1 Die Entwicklung des Luftverkehrmarktes
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist eine rasante Entwicklung des internationalen Luftverkehrs zu verzeichnen, in der sich das Transportmedium Flugzeug zu einem Massenverkehrsträger entwickelt hat. Die Globalisierung der Märkte begünstigt und erfordert die Expansion der weltweiten Luftfahrtindustrie. Technischer Fortschritt, ein erhöhter Mobilitätsbedarf und das sich dynamisch verändernde Konsumverhalten der Menschen haben seit Beginn der 60er Jahre den Wachstumsschub im Luftverkehr verstärkt. Nach Angaben der WTO verzeichnet allein der Passagierverkehr zwischen 1960 -2000 ein durchschnittliches Wachstum von 9 % und auch der Frachttransport glänzt mit einer jährlichen Wachstumsrate von 10% zwischen 1997 - 2004. 2 Ausnahmen des kontinuierlichen Wachstums ergaben sich aus politischökonomischen Sondersituationen wie der ersten Ölkrise 1973, der weltweiten Rezession 1980, dem zweiten Golfkrieg 1990/91 sowie den Terroranschlägen des 11.Septembers 2001 in den Vereinigten Staaten, welche jeweils zu drastischen Umsatzeinbrüchen in der Luftverkehrsbranche führten. Das dennoch enorme Wachstum hat im Wesentlichen 4 Gründe:
- Eine durch technologische Entwicklungen bedingte Produktivitätssteigerung, die konsequenterweise zu einer Senkung der Flugpreise führte.
- Eine zunehmende internationale Vernetzung der nationalen Volkswirtschaften, die zu einem Nachfrageanstieg nach Geschäftsreisen und Frachttransporten führte.
- Ein steigendes Realeinkommen der Bevölkerung der Industrieländer, welches die Nachfrage nach Privatreisen ermöglichte, sowie eine politische Liberalisierung des Luftverkehrs, welche in vielen
2 Vgl. http://www.wto.org/english/res_e/reser_e/ersd200806_e.pdf [15.03.2009]
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance Verkehrsgebieten eine Verbesserung des Angebots und eine deutliche Absenkung der Flugpreise zur Folge hatte. 3
Die Wachstumsentwicklung erscheint nach Expertenmeinung ungebrochen. Auf Grund der kontinuierlich zunehmenden internationalen Verflechtung wirtschaftlicher Tätigkeiten und eines zusätzlichen Anstiegs des Reiseverkehrs, geht die International Civil Aviation Organization (ICAO) von einem weiteren zukünftigen Wachstum des internationalen Luftverkehrs aus:
Nach Prognosen des Flugzeugherstellers Boeing werden im Passagierverkehr vor allem China, Südost-Asien sowie Südamerika mit Wachstumsraten von bis zu 8% zu den Spitzenreitern im internationalen Vergleich gehören. Nordamerika und Europa hingegen, welche zu den aufkommensstärksten Verkehrsgebieten weltweit zählen, können danach immer noch ein prognostiziertes Wachstum
3 Vgl. Pompl, Luftverkehr, 2001, S.1
4 http://www.icao.int/icao/en/jr/2007/6202_en.pdf [15.03.2009]
8
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance von rund 5% verzeichnen. 5 Grund für die unterschiedlich hohen Entwicklungsraten sind die ungleichen Wirtschaftsstadien jener Länder. So ist der Luftverkehrsmarkt in Nordamerika und Europa bereits in seinem Reifestadium angelangt, was mit einer hohen Wettbewerbsintensität einhergeht, welche die Fluggesellschaften an Stelle von Expansion vorrangig zu Konsolidierung bewegt.
Prognosen für den Luftfrachtmarkt sehen als Wachstumsursache hier vor allem die zunehmende Intensivierung weltwirtschaftlicher Transaktionen in den nächsten 20 Jahren:
Die Marktentwicklung und ihre Ursachen stellten die Luftverkehrsgesellschaften vor neue Herausforderungen: Wachstum und Flexibilität wurden zur Voraussetzung für langfristige Wettbewerbsfähigkeit. So entstanden differenzierte Geschäftsmodelle wie die der Network- und Low-Cost-Airlines, die
5 Vgl. http://www.boeing.com/commercial/cmo/ [15.03.2009]
6 http://www.airbus.com/en/corporate/gmf/air-cargo-forecast/large-emerging- markets/
[15.03.2009]
9
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance eine segmentierte Marktdurchdringung ermöglichen. Der internationale Wettbewerbsdruck erfordert zudem permanente Kostendegression und Produktivitätssteigerung. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden und strategische Wettbewerbsvorteile realisieren und ausbauen zu können, entschlossen sich viele Fluggesellschaften zur Bildung von strategischen Allianzen mit Wettbewerbern. Damit einhergehend fand eine Neuausrichtung des Wettbewerbs statt: im globalen Langstreckenmarkt konkurrieren nun vorrangig Airline-Allianzen um Marktanteile. Auch in den nationalen und regionalen Kurzstreckenmärkten gewinnen strategische Luftverkehrsallianzen zunehmend an Bedeutung. Neben Kooperationen zwischen Regionalfluggesellschaften ist vor allem eine Allianzbildung zwischen großen internationalen Linienfluggesellschaften und Regionalcarriern zu verzeichnen.
2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Luftverkehrs
Nach Maurer bezeichnet der Luftverkehr die Gesamtheit aller „Vorgänge, die der Ortsveränderung von Personen, Fracht und Post auf dem Luftweg dienen“. 7 Damit erfüllt er folgende Funktionen:
I. Wirtschaftliche Funktion
Eine wichtige Grundvoraussetzung einer internationalen Volkswirtschaft ist ein funktionierendes Luftverkehrssystem, welches zeitliche und räumliche Distanzen überwindet, indem es Personen und Güter zeitsparend über große geographische Entfernungen transportiert. Dies ermöglicht den schnellen Warentransport zwischen Absatz- und Bezugsmärkten sowie die zeitnahe Erreichung von Verhandlungspartnern und Reisezielen. 8 Hierbei steht vor allem die Zeitersparnis im Vordergrund des Güter- und Personenverkehrs, während die Kostenersparnis durch die Nutzung alternativer Transportmittel eine untergeordnete Rolle spielt.
7 Maurer, Luftverkehrsmanagement, 2006, S.1
8 Vgl. Pompl, Luftverkehr, 2001, S.49
10
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance Quantitativ ist die ökonomische Bedeutung des Luftverkehrs nicht eindeutig bestimmbar, da die durch Personenbeförderung und Gütertransport ausgelösten Wirkungen vielschichtig sind. Der Gesamtbeitrag zur Bruttowertschöpfung setzt sich hierbei aus folgenden Effekten zusammen: 9
1. Direkte Effekte umfassen die Leistungen der Luftverkehrswirtschaft (Flugdienste, Flughäfen und öffentliche Dienste) sowie die der Luftfahrtindustrie (Flugzeughersteller, Ausrüstung, Triebswerke). 2. Indirekte Effekte entstehen durch die Auftragsvergabe der Luftverkehrs-und Luftfahrtunternehmen an Lieferanten sowie durch die Anbieter luftverkehrsbezogener Leistungen (Reisebüros, Autovermietungen, etc.). 3. Induzierte Effekte ergeben sich durch die Konsumnachfrage der im Luftverkehr Beschäftigten sowie der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen durch die im Luftverkehr tätigen Unternehmen und Behörden.
4. Katalysierte Effekte entstehen durch die günstigen Reise-, Liefer- und Exportmöglichkeiten in Flughafennähe, welche eine Vielzahl von in- und ausländischen Unternehmen dazu bewegt, sich nahe der Luftverkehrsknotenpunkte anzusiedeln.
Das kontinuierliche Wachstum der Luftfahrtindustrie erzeugt wiederum Wachstumsimpulse in anderen Wirtschaftssektoren, welche mittelbar oder unmittelbar mit der Luftverkehrswirtschaft verbunden sind. Dies wiederum generiert neue Arbeitsplätze, sodass laut Statistiken im Jahr 2002 rund eine Dreiviertel Million Beschäftigte im Rahmen der Luftverkehrswirtschaft tätig waren. 10
II. Gesellschaftliche Funktion
Der Luftverkehr begünstigt das stetig wachsende Mobilitätsstreben der Bürger im geschäftlichen und privaten Bereich und fördert gleichzeitig die politischen
9 Vgl. Pompl, Luftverkehr, 2001, S.49-50
10 Vgl. Sterzenbach und Conrady, Luftverkehr, 2003, S.24
11
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance und gesellschaftlichen Verflechtungen internationaler Volkswirtschaften. Somit wird der Luftverkehr als gesellschaftliches und staatliches Integrationsmittel verstanden, welches zur allgemeinen Völkerverständigung beiträgt. 11
III. Technologische Funktion
Technische Innovationen haben seit den sechziger Jahren zu deutlichen Produktivitätssteigerungen im Luftverkehr geführt, indem leistungsfähigere und sicherere Fluggeräte neben Kapazitätssteigerungen auch zu geringeren Umweltbelastungen beitragen. Als technologisch hoch entwickelter Industriezweig verfügt die Luftfahrtindustrie über nahezu alle zukunftsträchtigen Technologiebereiche, deren Forschungsergebnisse wiederum in andere Wirtschaftsektoren transferiert werden können. 12
IV. Politische Funktion
Die Förderung und Weiterentwicklung des Luftverkehrs dient auf nationaler Ebene der Sicherstellung eines effizienten Verkehrskonzeptes, welches die verschieden Verkehrsträger systematisch integriert. Auf internationaler Ebene begünstigt die Luftfahrt die Konkurrenzfähigkeit einer Volkswirtschaft und ermöglicht die politische Präsenz in anderen Staaten. Zwar ist die nationalpolitische Bedeutung des Luftverkehrs auf Grund von Liberalisierungs- und Deregulierungsbestrebungen zurückgegangen, jedoch liegt es im Interesse eines jeden Staates verkehrstechnisch möglichst unabhängig zu sein. 13
V. Umweltpolitische Funktion
Der Flugverkehr belastet die Umwelt grenzüberschreitend durch Lärm, Abgasemissionen und Ressourcenverbrauch. Das gestiegene Klimabewusstsein der Menschen sowie gesetzliche Vorschriften stellen die Luftfahrtindustrie daher vor neue Herausforderungen: die Entwicklung von energiesparenderen, emissionsärmeren und Lärm reduzierenden Fluggeräten wird unerlässlich. Flugzeughersteller wie Boeing und Airbus reagieren auf die neuen Anforderungen durch technologische Innovationen und die Einführung
11 Vgl. Sterzenbach und Conrady, Luftverkehr, 2003, S.24
12 Vgl. Pompl, Luftverkehr, 2001, S.52
13 Vgl. Pompl, Luftverkehr, 2001, S.55-56
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance unternehmensübergreifender Umweltstandards. Erst im Februar 2009 hat Boeing das international anerkannte Umweltzertifikat ISO 14001 erhalten, welches die Verpflichtung eines Unternehmens impliziert, seine Umweltleistung kontinuierlich zu erfassen sowie zu verbessern. 14 Airbus, ebenfalls Inhaber des Umweltzertifikates, hat mit der Entwicklung des A380 das größte zivile Verkehrsflugzeug geschaffen, welches neben einer reduzierten CO²-Emission auch Treibstoff sparender und Lärm bewusster operiert. 15 Die Entwicklung der ökonomisch-ökologischen Kompatibilität wird somit in Zukunft auch weiterhin von den technologischen Fortschritten der Luftfahrtindustrie abhängig sein.
2.3 Die Veränderungen der rechtlich-politischen
Rahmenbedingungen
Mit der Konferenz von Chicago 1944 wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine grundlegende Neuordnung des internationalen Luftverkehrs eingeleitet. Auf Grund von unterschiedlichen Ausgangslagen der Luftfahrtindustrie in den USA und Europa konnte man sich nicht auf eine multilaterale Vereinbarung von kommerziellen Verkehrsrechten einigen, sodass zunächst die Lufthoheitstheorie als grundlegendes Prinzip der internationalen Luftfahrt manifestiert wurde. In Folge dessen wurde der internationale Linienflugverkehr durch eine Vielzahl von bilateralen Verträgen geregelt, welche noch heute das fragmentierte Bild der Luftverkehrsindustrie prägen. 16 Der Luftverkehr wurde dabei vor allem durch national-politische Interessen geprägt, was zu einer außergewöhnlichen Protektionismusdichte und zahlreichen wettbewerbshemmenden Regulierungen führte, welche die selbstregulierenden Marktmechanismen außer Kraft setzten und noch heute die Entwicklung effizienter Industriestrukturen hemmen. 17
14 Vgl. http://www.boeing.de/ViewContent.do?id=42923&Year=2009&aContent=Boeing%
20erreicht%20wichtiges%20Ziel%20bei%20der%20Umweltzertifizierung [18.03.2009]
15 Vgl. http://www.airbus.com/en/aircraftfamilies/a380/index2.html#2 [18.03.2009]
16 Vgl. Fritzsche, Das europäische Luftverkehrsrecht und die Liberalisierung des transatlan-
tischen Luftverkehrmarktes, 2007, S.62
17 Vgl. Sterzenbach und Conrady, Luftverkehr, 2003, S.80
13
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance Erste Deregulierungsbestrebungen sind Anfang der siebziger Jahre in den USA zu verzeichnen und werden durch den Airline Deregulation Act von 1978 realisiert, indem wettbewerbshemmende Markteintrittsbarrieren und Regularien konsequent abgebaut werden. Infolge der verbesserten Wettbewerbssituation waren eine allgemeine Absenkung des Flugpreisniveaus, ein verbessertes Leistungsangebot, eine erhöhte Produktivität der Fluggesellschaften sowie eine effizientere Marktstruktur zu verzeichnen. Eine ähnliche Liberalisierungsbewegung zeichnete sich ab 1987 auch in Europa ab. Um die Grundlagen für ein wettbewerbsgeleitetes Marktsystem zu schaffen, entwickelten die Länder der Europäischen Gemeinschaft einen dreistufigen Liberalisierungsplan, welcher bis Januar 1993 realisiert werden sollte. Hierzu zählten unter anderem die völlige Tariffreiheit, der Wegfall von Kapazitätsbeschränkungen sowie die freie Ausübung der Verkehrsrechte innerhalb der Gemeinschaft. 18 Einen weiteren Vorstoß im Liberalisierungsprozess erzielten die USA und Europa mit dem am 30. März 2008 in Kraft getretenen Open-Skies-Abkommen. Hiernach kann jede Fluggesellschaft der USA und der 27 EU-Staaten selbst entscheiden, welche transatlantischen Strecken sie zu welchen Tarifen fliegt. Expertenmeinungen zufolge wird dadurch die Passagierzahl zwischen Europa und den USA bis 2013 um rund 26 Millionen steigen. 19
Auch in weiteren Teilen der Welt wie in Asien, Afrika und Lateinamerika werden Anstrengungen unternommen, die industriellen Strukturen nach europäischem und amerikanischem Vorbild zu verändern, indem sich die Unterzeichner weiterer Open-Skies-Abkommen gegenseitig uneingeschränkten Marktzugang einräumen und somit ihren Luftverkehr schrittweise liberalisieren. Ein weiterer wichtiger Trend in der Luftverkehrsbranche ist die zunehmende Privatisierung von Luftverkehrsgesellschaften. Nach Angaben von Boeing ist in den letzten 20 Jahren ein deutlicher Rückgang von staatlichen Kapitalbeteiligungen an den ehemaligen Flag-Carriern zu vernehmen, was wiederum zu deutlichen Gewinnsteigerungen bei den entsprechenden Unternehmen führte. Auf der anderen Seite sind weiterhin staatliche Interventionen in der Luftverkehrsindustrie durch die Gewährung von Subventionen zu verzeichnen. Die finanziellen Staatshilfen werden dabei teils heftig kritisiert, da sie
18 Vgl. Sterzenbach und Conrady, Luftverkehr, 2003, S.81-83
19 Vgl. http://www.zeit.de/2008/14/OpenSky?page=all [20.03.2009]
14
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance unprofitable Fluggesellschaften künstlich am Leben erhalten und es dadurch zu Wettbewerbsverzerrungen im Luftverkehrsmarkt kommt. Neben der Privatisierung von Fluggesellschaften ist eine verstärkte Konsolidierung der Luftverkehrsindustrie zu verzeichnen. Durch die Liberalisierung der Märkte kommt es auf nationaler Ebene zu einer erhöhten Akquisitions- und Fusionsrate, während im internationalen Rahmen die vermehrte Bildung strategischer Allianzen zu beobachten ist. Dies ist unter anderem auf die Nationality-Rule zurückzuführen, welche impliziert, dass Verkehrsrechte nur jenen Luftverkehrsgesellschaften erteilt werden, die mehrheitlich im Eigentum von inländischen natürlichen oder juristischen Personen sind. 20 Die Veränderung der Besitzverhältnisse durch die Übertragung der Kapitalmehrheit an eine ausländische Gesellschaft würde somit zu einem partiellen Verlust bestimmter Verkehrsrechte der akquirierten Airline führen. 21
Die Veränderungen der rechtlich-politischen Rahmenbedingungen im Luftverkehr haben folglich zu einem enormen wettbewerbswirtschaftlichen Wandel geführt. War die internationale Luftverkehrsbranche bis 1978 noch deutlich von wettbewerbshemmenden Regulierungen und national-politischem Protektionismus geprägt, so war der Weg mit der Unterzeichnung des Airline Deregulation Act vom damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter hin zu einer offenen Wettbewerbspolitik geebnet. Im Zuge der Deregulierungs- und Liberalisierungsprozesse kam es Anfang der achtziger Jahre in den USA zu einer hohen Zahl von Markteintritten. Langfristig konnten sich jedoch nur die effektivsten Wettbewerber am Markt durchsetzen, sodass es zu einer Vielzahl von Zusammenschlüssen, Übernahmen und Konkursen unprofitabler Fluglinien kam. 22 Diese Tendenz ist ebenfalls in anderen liberalisierten Luftverkehrsgebieten zu verzeichnen, wobei der hohe Wettbewerbsdruck innerhalb der Branche die Luftverkehrsgesellschaften dazu zwingt, neue Wettbewerbs- und
20 Vgl. http://mitarbeiter.fh-heilbronn.de/~fichert/Luftverkehr/ Folien LuftverkehrA.pdf
[20.03.2009]
21 Vgl. Sterzenbach und Conrady, Luftverkehr, 2003, S.84
22 Vgl. Pompl, Luftverkehr, 2001, S.387
15
Linda Schölkmann
Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance Wachstumsstrategien zu entwickeln, um Wettbewerbsvorteile ausbauen und die eigene Marktposition verteidigen zu können.
Die steigende Anzahl an Konsolidierungen innerhalb der Luftverkehrsbranche führt dabei in Richtung eines oligopolistischen Marktes, in dem lediglich wenige große Unternehmen den Markt dominieren und im Rahmen der strategischen Allianzen in Wettbewerb miteinander treten. Die durch die Kooperation realisierten Verbundvorteile führen wiederum zu einer Erhöhung der Markteintrittsbarrieren neuer Linienfluggesellschaften, indem Allianzpartner gegenüber den jungen Unternehmen bereits über eine beachtliche Marktmacht, rentable Slots, einen hohen Bekanntheitsgrad sowie einen großen Kundenstamm verfügen. Lediglich Nischenanbieter wie Low-Cost-Carrier und Charterfluggesellschaften konnten sich auf Grund ihres divergenten Geschäftsmodells in den letzten Jahren erfolgreich am Markt etablieren. Um einen restriktiven Wettbewerb und damit verbundene Kundennachteile wie Preisabsprachen innerhalb der Allianzen zu vermeiden, haben die Aufsichtsbehörden folglich ihr Augenmerk verstärkt auf das Wettbewerbsverhalten der strategischen Allianzen zu richten. 23
3 Unternehmensverbindungen im Luftverkehr
3.1 Ziele und Motivation einer Unternehmensverbindung
Ein häufig zu beobachtendes Phänomen innerhalb vieler Wirtschaftssysteme ist das Bestreben zahlreicher Unternehmen, sich mit anderen Organisationen zusammenzuschließen. Die Internationalisierung der Märkte und der damit einhergehende steigende Wettbewerbsdruck zwingen viele Unternehmen dazu, neue Wettbewerbs- und Wachstumsstrategien zu entwickeln, um langfristig ihre wirtschaftliche Existenz gegenüber der Konkurrenz absichern zu können. In der Fachliteratur versteht man unter einer Unternehmensverbindung „die Vereinigung bestehender rechtlich und wirtschaftlich selbständiger Unternehmen mit dem Zweck gemeinschaftlicher Aufgabenerfüllung“. 24
23 Vgl. http://pages.unibas.ch/wwz/stat/lehre/ss03/riphahn/Thesen3.pdf [21.03.2009]
24 Sturm, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2006, S.91
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Strategische Allianzen im Luftverkehr, dargestellt am Beispiel der Star Alliance Die wesentlichen Ziele und Motive von Unternehmensverbindungen sind dabei folgende: 25
- Erhöhung der Produktivität und Wirtschaftlichkeit: Durch die Zusammenlegung gleichartiger Tätigkeiten zweier oder mehrerer Unternehmen entstehen auf Grund der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen Kostenvorteile. Der sogenannte „Synergieeffekt“ besagt, dass die Zusammenfassung bisher getrennter Bereiche mehr wert ist als die Summe der Teile.
- Skalen- und Größenvorteile: Infolge der Ausweitung der Produktionsmenge sinken auf Grund der Fixkostendegression die Kosten pro Einheit.
- Wachstum: Ein organisches Wachstum ist häufig nur in jungen Märkten möglich. In reiferen Märkten wie dem Luftverkehrsmarkt sind Unternehmen vorrangig auf anorganisches Wachstum in Form von Unternehmensverbindungen angewiesen.
- Risikominderung: Durch die Risikoaufteilung auf mehrere Partner soll das Unternehmensrisiko bei der Entwicklung neuer Produkte und Märkte in gerechter Weise auf die beteiligten Organisationen verteilt und somit minimiert werden.
- Absatzsteigerung: Durch die gemeinsame Nutzung von Absatzkanälen und Marketingmaßnahmen kann der Vertrieb effizienter gestaltet werden. Ebenfalls ist eine Ergänzung des Absatzprogramms durch den Verkauf von Cross-Selling-Produkten möglich.
- Beschaffungsoptimierung: Das gemeinschaftliche Auftreten der verbundenen Unternehmen erhöht deren Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten und damit die Möglichkeit der Durchsetzung verbesserter Vertragskonditionen.
- Marktzugang: Unternehmenszusammenschlüsse können dazu dienen, administrative, wirtschaftliche und technische Markteintrittsbarrieren zu überwinden, um somit strategisch neue Märkte zu erschließen.
25 Vgl. Sturm, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2006, S.91
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