Fachbereich 04 Erziehungswissenschaften
Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe
Sommersemester 2009
Veranstaltung: Sachlernen im Kindergarten
Empirische Erwerbsforschung:
Wenn Kinder sachlernen
vorgelegt von:
Hermand, Sita, L1, 6.Semester
Hofmann, Anne, L1, 6. Semester
Stauber, Kathrin, L1, 6.Semester,
Yigitgüden, Leyla, 7.Semester
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung ...1
II Hauptteil...3
1. Die Beobachtung: Rahmenbedingungen und Beschreibung des Kindes...3
2. Beschreibung des Ablaufs und der Beobachtungen... 5
3. Auswertung und Analyse der Videosequenz...8
4. Abschließende Interpretation und Deutung...10
III Schluss Resümee und Ausblick...12
IV Literaturangaben...16
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I Einleitung
Sachlernen im Kindergarten So lautet der Titel der Seminarveranstaltung an der Goethe
Universität in Frankfurt am Main, in dessen Rahmen die vorliegende Hausarbeit entstanden
ist.
Der Fokus des Seminars ist auf die Vermittlung und Aneignung naturwissenschaftlichen
Wissens bei Kindern im Vorschulalter gerichtet. Es werden insbesondere Fragen, bezüglich
der politischen Begründung und der theoretischen Legitimierung naturwissenschaftlichen
Wissens erörtert. Hierbei gilt es sich zu fragen, wie sich Kinder im Vorschulalter Wissen ü-
ber Sachzusammenhänge aneignen und welche Möglichkeiten es gibt, sie dabei zu unterstüt-
zen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich dabei in einer eigenen empirischen Erwerbsforschung
vor allem mit der zweiten Frage nach der Aneignung von Wissen im Vorschulalter. Unsere
Aufmerksamkeit richtet sich dabei ausschließlich auf ein einzelnes Kind und dessen Hand-
lungen im Rahmen einer ,,Spiel"-Phase.
Was macht ein Kind, wenn es nicht in eine inszenierte Lehr-Lern-Situation eingebunden ist,
sondern lediglich ,spielt'? Werden Bildungsprozesse des Kindes erkennbar? Wie eignet sich
das Kind die Welt selbst an?
Dies sind unsere Leitfragen, die all unseren Beobachtungen und Darstellungen zugrunde lie-
gen. Wir haben versucht, eine Forschungsperspektive einzunehmen, die Einblicke in die Ge-
danken und Handlungen von Kindern ermöglicht. Kinder werden dabei als selbst aktiv, als
Gestalter ihrer Welt wahrgenommen. Sie bestimmen im hohen Maße selbst, was sie wann
und wie lernen. Hierzu brauchen sie oftmals keine zusätzliche Motivation von außen. Allein
die Beobachtung oder Beschäftigung mit einer Sache löst Lernprozesse aus. Durch Mimik
und Gestik zeigen Kinder wie sie eigenaktiv auf ihre Umwelt reagieren und sich ihr ganz ei-
genes Wissen aneignen (Pape /Vogt 2002, 9). Diese sogenannten natürlichen Lernprozesse
geschehen in Situationen, die durch die Umgebung bestimmt sind (vgl. Scholz 2003, 20) und
damit nicht unbedingt geplant werden müssen.
Die Beobachtung eines Kindes, wie es eigene Dinge erforscht und wie es sich dabei verhält
stellt damit den Beobachtungsschwerpunkt der vorliegenden Arbeit dar. Darüber hinaus soll
der Blick jedoch nicht darauf beschränkt bleiben, dass Kinder sich ausschließlich selbst bil-
den können. Die Annahme, dass pädagogische Mühen keine Chance haben und lediglich die
Kinder selbst über Lerninhalte entscheiden, wäre für uns eine zu einseitige Perspektive (vgl.
Pape/Vogt/Stark 2002, 1). Die ,,kleinen Forscher" verfolgen in erster Linie ihr eigenes Inte-
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resse, wodurch vor allem natürliche Lernprozesse angeregt werden. Inszenierte Situationen
können bei der richtigen Gestaltung jedoch ebenso Lernprozesse initiieren. Die Situations-
planung ist hierbei entscheidend (Scholz 2003, 18). Deshalb wird im Schlussteil die Betrach-
tung der Möglichkeiten, einer Unterstützung von Lernprozessen bei Kindern im Vorschulal-
ter, nochmals aufgegriffen. Im Vordergrund der Arbeit soll aber dennoch der selbständig in-
szenierte Lernprozess des Kindes stehen ohne dass eine Lehr-Lern-Situation arrangiert wur-
de.
Vorab stellt sich zunächst die Frage, wie ohne arrangierte Situation davon ausgegangen wer-
den kann, dass sich das Kind mit Sachthemen auseinandersetzt. Schließlich soll es in der Er-
forschung um Sachlernen von Vorschülerinnen und Vorschülern
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gehen. Wir folgen hier der
Sichtweise von Professor Gerold Scholz: Zur ,,Sache" kann für ein Kind alles werden. Die
Sache ist nicht etwas was dem Gegenstand anhaftet. So kann das Kind durch seine Handlun-
gen mit der Sache, die der Sache innewohnenden Eigenschaften und Regeln erfahren. Für das
Kind sind neu begegnende Dinge damit immer zuerst Phänomene, die noch nicht in einer be-
stimmten Weise eingeordnet wurden, wie es bei Erwachsenen der Fall ist. Erst durch die Be-
gegnung machen Kinder das Phänomen zu einer Sache. Hierbei interessiert sie nicht die The-
orie, sondern das Konkrete (vgl. Scholz 2000, 7). Wir schließen daraus, dass Kinder bei allen
neuen Sachen, die ihnen begegnen und mit denen sie sich beschäftigen ein Lernprozess im
Sinne des Sachlernens erfolgt. Folglich geschieht das Lernen in der Auseinandersetzung des
Kindes zwischen Phänomen und Sache. Bei der Beobachtung von Kindern lässt sich feststel-
len, dass genau dies ständig der Fall ist. Soll lediglich dieser kindliche Lernprozess im Mit-
telpunkt der Betrachtung stehen, ist es unserer Ansicht nach möglich, auf die Inszenierung
einer ,,Lernsituation" zu verzichten.
Der Hauptteil der vorliegenden Arbeit gliedert sich in vier Teile. Zuerst werden wir auf die
Rahmenbedingungen eingehen, denen die Untersuchung hinsichtlich der oben genannten
Forschungsperspektive unterlag. Es wird eine Beschreibung der Untersuchungsverhältnisse,
der methodischen Vorgehensweise und der involvierten Personen stattfinden. Im Anschluss
an die Erläuterung der äußeren Einflussfaktoren erfolgt die Beschreibung der Videosequenz.
Hierbei sollen bereits erste Eindrücke und Beobachtungen zum Ausdruck kommen. Die
Auswertung und Analyse der Aufnahmen wird in einem dritten Abschnitt dargestellt. Ab-
schließend werden die Ergebnisse und die Deutung der Videosequenz nochmals zusammen-
fassend dargestellt.
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Im Folgenden werden wir an Stelle der männlichen und weiblichen Form nur die männliche Form verwenden.
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II Hauptteil
1.
Die Beobachtung: Rahmenbedingungen und Beschreibung des Kindes
Zu Beginn möchten wir kurz darstellen, welchen Bedingungen unsere Erforschung einer
nicht inszenierten Lehr-Lern-Situation unterlag und welche Vorstellungen und Erwartungen
bezüglich des Ablaufs herrschten.
Die Erforschung von kindlichen Sachlernprozessen außerhalb didaktischer Lernumgebungen
fokussiert den Lebensalltag und Alltagstheorien von Kindern. Gerade in der Vorschulzeit ist
das situative und beiläufige Lernen besonders gut zu beobachten. Kinder sind Lerner, die
Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, Theorien über die Welt entwickeln und an eigenen
Erfahrungen prüfen. Dieses selbstbestimmte Lernen im Alltag wird spätestens in der Schule
und immer öfter auch schon im Kindergarten durch planvolles schulisches Lernen vorbe-
stimmt und beeinflusst (vgl. Rank 2008, 42ff.).
Im Rahmen der Veranstaltung ,,Sachlernen im Kindergarten" ist die Erforschung von Kin-
dern im Vorschul- bzw. Kindergartenalter gefordert Wir haben uns daher für einen dreijähri-
gen Jungen entschieden, der gerade erst in den Kindergarten gekommen ist. In unserem Fall
fanden die Aufnahmen jedoch nicht im Kindergarten, sondern in der familiären Umgebung
des Jungen statt. Dies erschien uns sinnvoller, da wir lediglich ein Kind ausgewählt hatten
und bewusst keine Lehr-Lern-Situation inszenieren wollten.
Die Aufnahmen entstammen den frühen Abendstunden des 11. Mai 2009. Hierbei erfolgte
die Dokumentation mit Hilfe einer Videokamera. Die Familie des dreijährigen Jungen wohnt
in Frankfurt am Main. Der Junge ist deutscher Herkunft und hat eine jüngere Schwester. Im
Wohnzimmer des Hauses kennt er sich gut aus und es liegen genügend verschiedene Gegens-
tände herum, die ihm immer wieder Anlass dazu geben, sich damit kurze Zeit zu beschäfti-
gen. So konnten wir vier verschiedene Kurzfilme drehen, in denen der Junge immer wieder
einen anderen Gegenstand fokussiert und in sein Spiel eingebunden hat. Am Tag der Auf-
nahmen war die jüngere Schwester zwar dabei, mit ihr hat sich der Junge jedoch kaum aus-
einander gesetzt.
Der Dreijährige spielt bzw. lernt (je nach Betrachtungsweise) sehr viel und kann als ,,pfiffig"
eingeschätzt werden. Er langweilt sich fast nie und ist im Grunde permanent beschäftigt. An
schönen sonnigen Tagen hält er sich gerne im Freien auf. Hierbei bevorzugt er den Garten,
der ihn zu wildem Herumtoben anregt. In der Wohnung hat er dazu nur begrenzte Möglich-
keiten. Aber auch hier erkundet er dies und das und nimmt immer wieder verschiedene Ge-
genstände in die Hand, betrachtet diese und probiert Unterschiedliches damit aus. Aus die-
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