Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1. Die Geschichte Wittenbergs zwischen 1485 und 1520. 3
1.1. Frömmigkeit, Bildung und Kunst als neue Leitvorstellungen 3
1.2. Wittenbergs soziale Struktur 5
1.3. Die Ankunft Luthers. 7
2. Die Wittenberger Bewegung 7
2.1. Die Geschehnisse bis 1521 7
2.2. Der Höhepunkt 1521/22. 9
2.3. Beendigung der Unruhen 11
3. Radikalität und Stadtreformation 12
3.1. Phasen und Hintergründe 12
3.2. Zur Form des Aufruhrs. 13
Literaturverzeichnis. 15
1
Einleitung
Als Martin Luther 1508 auf einen theologischen Lehrstuhl der Universität Wittenberg berufen wird, sind die Verhältnisse in der Stadt noch recht ausgeglichen und gelassen. Echte Volksunruhen gab es hier bisher nicht. Doch 1521/22 kam es zu einem Aufruhr 1 von Bürgern, Studenten und Bauern - die „Wittenberger Wirren“ 2 .
In der nun folgenden Hausarbeit geht es um die Lutherstadt Wittenberg als Beispiel einer Stadt in der Frühen Neuzeit und deren Verfassungs- und Sozialkonflikte. Neben der Stadtgeschichte soll das Hauptaugenmerk hierbei auf die „Wittenberger Unruhen“ oder auch die „Wittenberger Bewegung“ gelegt werden, welche sich zwischen 1521 und 1522 ereignete(n). Dabei wird versucht, den sozialen Hintergrund dieser Bewegung näher zu beleuchten. Wer waren der Träger der Unruhen? Wie war die Reaktion der städtischen Bürgerschaft? Wie gingen die Unruhen aus? Diese Fragen gilt es also zu klären.
Darüber hinaus werde ich überprüfen, ob es sich „nur“ um einen Aufruhr handelte oder ob es weitreichende Veränderungen in einer radikalen Stadtreformation gab. Neben diesen konkreten Aufgabenpunkten sollen aber auch die städtischen Strukturen Wittenbergs in der Frühen Neuzeit allgemein untersucht werden.
Die Erforschung der Wittenberger Vorgänge von 1521/22 ist nach der großen, bis heute nicht überholten Edition von Nikolaus Müller aus dem Jahre 1911 abgeebbt. 3 Davor erschienen einige Werke, die weniger die Bewegung selbst, als mehr den Disput während der Reformation zwischen dem radikalen Andreas Bodenstein von Karlstadt und dem gemäßigten Martin Luther betrachteten, was gleichzeitig eine Auseinandersetzung zwischen dem Autor Hermann Barge und seinen Kritikern wie Karl Müller beinhaltete.
Nikolaus Müller hatte kurz vor seinem Tod versprochen, die bereits publizierten Quellen auch noch einmal in einem Buch zu reflektieren, was ihm leider nicht mehr möglich war. So waren es doch Helmar Junghans und vor allem Ulrich Bubenheimer, die sich bis 1987 den Wittenberger Vorgängen ausgiebig in Zeitschriftenartikeln und Büchern annahmen. Aktuellere umfassende Darlegungen erhält man durch Stefan Oehmig in seinem Aufsatz „Die Wittenberger Bewegung 1521/22 und ihre Folgen im Lichte alter und neuer Fragestellungen“ in dem 1995 erschienenen Buch „700 Jahre Wittenberg“ herausgegeben vom Selbigen und in Jens-Martin
1 Zum Begriff des „Aufruhrs“ im Zusammenhang mit der Wittenberger Bewegung vgl. Bubenheimer 1985, S.
148f.
2 Bubenheimer 1987, S. 156.
3 N. Müller, „Die Wittenberger Bewegung 1521 und 1522“, 1911.
2
Kruses Werk „Universitätstheologie und Kirchenreform. Die Anfänge der Reformation in Wittenberg 1516-1522“ aus dem Jahre 2002.
Die genannte Fachliteratur dient also als Plattform zu den oben genannten Leitfragen über Form, Träger und Verlauf der Wittenberger Bewegung. Dabei müssen die Reformation selbst und auch die Person Martin Luther bewusst zu kurz kommen, da eine detaillierte Betrachtung dieser nicht nur den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde.
1. Die Geschichte Wittenbergs zwischen 1485 und 1520
1.1. Frömmigkeit, Bildung und Kunst als neue Leitvorstellungen
Wittenberg wurde als Folge einer Aufteilung des Herzogtums Sachsen im 12. Jahrhundert zur Residenzstadt einer askanischen Linie und bekommt durch die Teilung Leipzigs 1485 eine neue Bedeutung. Im ausgehenden Mittelalter wird das Wettiner Gebiet unter den Brüdern Ernst und Albrecht aufgeteilt, wobei Ernst die Kurfürstenwürde erhält und ihm somit das Kurfürstentum Sachsen, das südliche Thüringen und eben auch ein nördliches Gebiet, zu dem der „Kurkreis“, vormals das Herzogtum Sachsen-Wittenberg, gehört. Durch die Vernetzung der beiden großen Wettiner Territorien zum Erhalt der gegenseitigen Abhängigkeit hatte Ernst jedoch auf die Universitätsstadt Leipzig und die Meißener Albrechtsburg verzichtet. Daher mussten neue Zentren geschaffen und ausgebaut werden, wobei sich in seinem nördlichen Gebiet neben Torgau auch Wittenberg auf Grund seiner Lage anbot. 4
Friedrich III., Sohn des Kurfürsten, übernimmt die Regierung 1486. Zu dieser Zeit zählt Wittenberg nur etwa 2000 Einwohner. Als später Luther 1508 nach Wittenberg kommt, drückt er seine Verwunderung in dem Glauben aus, sich „in termino civilitatis“ 5 , also an den Grenzen der Kultur zu befinden. 1486 hat Wittenberg ein vernachlässigtes Askanierschloss, ein bescheidenes Rathaus, in dem die Fleischerläden beherbergt werden, und einige Kapellen. Der Stadt fehlt viel, um am Ausgang des 15. Jahrhunderts als Mittelpunkt von Kursachsen gelten zu können. Dennoch ist Friedrich, auch genannt der Weise, gewillt aus Wittenberg eine kurfürstliche Stadt zu machen, die neben Meißen bestehen kann. Die entsprechenden Mittel dazu besitzt er in Form der erzgebirgischen Silberbergwerke. 6
Er beginnt 1490 mit dem Bau eines neuen Schlosses und 1496 mit dem damit verbundenen Bau der Schlosskirche, welche bereits 1503 geweiht wird. Der gesamte Bau des Schlosskomplexes gilt 1509 als abgeschlossen. Friedrich der Weise ist tief in der mittelalterlichen Fröm-
4 Blaschke1995, S. 34.
5 Ebd., S. 35.
6 Junghans, S. 44.
3
migkeit verwurzelt, hatte er doch noch 1493 unter hohen Mühen und Kosten eine Wallfahrt nach Jerusalem unternommen. Die prächtige Schlosskirche ist ein Resultat der im Heiligen Land gewonnenen Anschauung und dem damit verknüpften Interesse an Reliquien. Sie soll ein Zentrum der mittelalterlichen Frömmigkeit darstellen. Bis 1519 werden vor allem von Friedrich viele Messen gestiftet.
Darüber hinaus gründet Friedrich der Weise in Wittenberg ein Zentrum der Bildung, die Landesuniversität für das ernestinische Sachsen. Ähnlich wie bei der Bauausführung und Ausstattung des Schlosses vermischen sich hierbei spätmittelalterliche Elemente und neu erwachende humanistische Anliegen.
Seit Anfang des 13. Jahrhunderts werden Universitäten gebildet. Dies geschieht hauptsächlich, weil Theologen nun ihr Überlieferungsgut bewusster mit Hilfe aristotelischer Wissenschaftsmethoden durcharbeiten und Juristen mit dem Rückgriff auf das römische Recht ihre Wissenschaft zur Blüte bringen. Vorerst unter der Oberaufsicht des Papstes gründen nun immer mehr weltliche Mächte (Könige, Landesfürsten, Städte) Universitäten mit Genehmigung und Bestätigung des Papstes. Die außertheologischen Fächer gewinnen mehr und mehr an Selbständigkeit und Bedeutung. 7
Friedrich der Weise führt nun diese Entwicklung weiter, da ihm daran liegt, für den Ausbau seiner Landesverwaltung fähige Juristen auszubilden. Er baut daher seine Universität nicht auf päpstliches, sondern auf kaiserliches Privileg und so stellt am 6. Juli 1502 Kaiser Maximilian I. die Gründungsurkunde für die Universität in Wittenberg aus. Am 18. Oktober wird die „Leucorea“ dann eröffnet und erhält später auch die päpstliche Bestätigung. Es gibt hier die niedere Artistische Fakultät der Sieben Freien Künste: Grammatik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie, Dialektik und Rhetorik. Der Durchlauf dieser ermöglicht ein Studium in den drei höheren Fakultäten: die Medizinische, die Juristische und die Theologische. 8 Friedrich ist bei seiner Bildungspolitik bereit auf Humanisten einzugehen und beruft entsprechend einige solcher Professoren, wobei beispielsweise im Theologiestudium humanistische Studien für Interessenten zwar angeboten, aber nicht vorgeschrieben werden. Wittenberg erhält nun ihre erste Bauwelle im 16. Jahrhundert, da der Zuzug vieler kirchlicher Orden, Studenten, Professoren und Drucker zur neuen Universität nicht ohne Weiteres untergebracht werden kann.
Neben Frömmigkeit und Bildung erhält auch die Kunst durch Friedrich den Weisen einen Aufschwung. Im Jahre 1505 wird Lucas Cranach der Ältere zum Hofmaler berufen und entwickelt sich neben Albrecht Dürer zu einem der bedeutendsten Künstler in der ersten Hälfte
7 Junghans 1979, S. 41.
8 Kruse 2002, S. XI.
4
Arbeit zitieren:
Robert Leuck, 2005, Die Wittenberger Bewegung 1521/22, München, GRIN Verlag GmbH
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