1. Einleitung
In meiner Arbeit möchte ich auf das Thema ältere geistig behinderte Menschen in Wohnheimen der Behindertenhilfe eingehen. Durch meine Tätigkeit im Wohnheim für behinderte Menschen der Lausitzer Werkstätten gGmbH in Hoyerswerda habe ich die Problematik im Zusammenleben zwischen jungen Arbeitenden und im Ruhestand befindlichen Bewohnern kennengelernt. In Zukunft muss ein Umdenken, eine Umstrukturierung des Personals und eine neue Aufgabenteilung aufgrund der veränderten Altersstruktur stattfinden. Es stellt sich die Frage ob die derzeitigen Aus- und Weiterbildungsangebote sämtliche Bedürfnisse der Bewohner abdecken können, und noch zeitgemäß im Sinne der renteninhabenden Bewohner sind. Die Betrachtung der Historie in der Unterbringung und Entwicklung der Heime ist enorm wichtig um zu verstehen wie gewisse Strukturen entstanden sind und warum sie sich teilweise bis in unsere Zeit gehalten haben. Eine Definition des Personenkreises geistig behinderter Menschen stellt sich schwierig dar, so dass ich mehr auf die Beschreibungsversuche des Begriffs geistige Behinderung eingehen werde.
2. Geistige Behinderung, Begriffsdefinition und Beschreibungsversuch
„Von Behinderung spricht man, wenn körperliche Funktionen, geistige Fähigkeiten oder seelische Gesundheit eingeschränkt sind und diese Einschränkungen die Teilhabe am Leben der Gesellschaft beeinträchtigt.“ 1 Der Begriff geistige Behinderung:
- „Geistigbehinderte gibt es nicht“ (Feuser 1996)
- mehrdimensionaler, deskriptiver und normativer Begriff
- 1950 geprägt von der Elternvereinigung der Lebenshilfe als Ablösung von diskriminierenden Begriffen und als Versuch des Anschlusses an amerikanische Terminologie
- Positive Konnotation steht in Frage und führt zu alternativen Vorschlägen bzw. zur Begriffsdiskusion
Da man geistige Behinderung nicht genau definieren kann gibt es einige Beschreibungsversuche:
1 http://www.bmas.de/coremedia/generator/10796/sgb__ix.html
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- grundsätzliche Erziehbarkeit und Bildungsfähigkeit
o „Mindestmaß an Kontakt- und sozialer Anpassungsfähigkeit“ (Feuser 1981)
o Schwere Lernbeeinträchtigung, verbunden mit verlangsamten Lernprozessen
- heterogenes Bild der Beeinträchtigung einzelner psychischer Funktionen
- partielle Entwicklung, Entwicklungsspitzen bei einem insgesamt kontinuierlichen Missverhältnis zwischen Können und Umwelterwartungen
- voraussichtlich lebenslanger Hilfebedarf (soziale und subjektive Abhängigkeit)
- mehrfache Aktivitätsbeeinträchtigung
- anthropologische Perspektive: Beschreibung über Fähigkeiten problematisch, Betonung des Zuwendungsbedürfnisses
Von einer schweren geistigen Behinderung spricht man wenn der IQ unter 50 liegt und von einer leichten bei einem IQ zwischen 50 und 70.
Der Personenkreis ältere geistig behinderte Menschen hat ganz eigene intra- und interpersonelle Besonderheiten, die für die MitarbeiterInnen von enormer Wichtigkeit im täglichen Umgang mit ihren zu Betreuenden sind. Erschwerend kommt in Zukunft ein größerer Arbeitsaufwand auf die MitarbeitInnen zu, da sich die geistig behinderten Menschen in Rente begeben und somit eine neue Art von Tagesstruktur in den Heimen geplant werden muss. Geistig Behinderte Menschen nehmen laut Studien ihr biologisches Alter war, aber den damit verbundenen Lebensabschnitt, wie beispielsweise die Rente, können sie nicht zuordnen. Auch ihre starke Beziehungs- und Abhängigkeitsproblematik erschwert die Erstellung geeigneter Tagesstrukturen in den Heimen.
3. Historische Entwicklung der Heime
3.1. Die Zeit bis ins 18. Jahrhundert
In der Vergangenheit wurden für schwerstgeistig und mehrfach behinderte Menschen immer wieder verschiedene Bezeichnungen verwendet. Von zum Beispiel Idioten, Besessenen, Missgestalten, Blöde, Krüppel, Mondkälber, Narren, Kretins, Tollen, Wechselbälger oder Fallsüchtigen ist die Rede. Diese Menschen waren in den letzten Jahrhunderten ständig davon abhängig was als normal, lebenswert oder sinnhaft in der Gesellschaft angesehen wurde. Die vorherrschenden Weltanschauungen, politische Hintergründe und kulturelle Umstände spielten eine entscheidende Rolle im Umgang mit behinderten Menschen. Bis ins 15.Jahrhundert wurden sie aus Gründen der Barmherzigkeit und des damals vorherrschenden Glaubens meist in Hospitälern oder kirchlich geführten Zufluchtsstätten
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untergebracht. (Leicht-) geistig behinderte Menschen wurden meist in ihren Großbäuerlichen Familien versorgt.
Um 1500 herum änderte sich die Situation für die Menschen, die Kirche verlor ihren Status in der Gesellschaft und damit ihren Einfluss, es war die Zeit der Kriege (Bauernkrieg) und darauf folgte die Inquisition als neues Machtinstrument der Kirche. Während dieser Zeit wurden Menschen gefoltert und getötet. Behinderte rückten in den Mittelpunkt und wurden oftmals als Teufelswerk verurteilt.
Nach dieser Ära wurden sie zusammen mit Armen, Bettlern, Landstreichern und Kriminellen in kirchliche Asyle, in öffentliche Arbeitsanstalten, Gefängnissen oder Irrentürmen unter unmenschlichen Umständen untergebracht. In diesen Anstalten stand die Ausrottung des Bösen oder Verkehrten im Menschen im Vordergrund. Dies sollte durch diverse Mittel wie beispielsweise Zwangsjacken, Glüheisen oder Isolierzellen erreicht werden. Die Benutzung solcher Mittel reichte bis Anfang des 20. Jahrhunderts. (vgl. Theunissen, S.13-22)
3.2. Heilpädagogischen Ansätze und Wandel in psychiatrische Anstalten
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Idiotenanstalten meist durch Pädagogen oder Theologen geführt, da die meisten Ärzte sich in die Forschung begaben. Somit wurden die Heime heilpädagogisch geführt. Der preußische Staat setzte aber zuletzt um die Jahrhundertwende wieder vermehrt Ärzte an den Spitzen von Irrenanstalten, um die Irren-und Pflegeanstalten an die psychiatrischen Kliniken anzugleichen. Somit hatten nunmehr alle Heime ihren Platz im sozialen System des Staates. Es setzte sich immer mehr der psychiatrische Ansatz in den Heimen durch, und das pädagogische wurde verdrängt. (vgl. Theunissen, S.22f)
3.3. Der 2. Weltkrieg und seine Folgen
Während der beiden Weltkriege waren die Heime ständig darauf angewiesen was der Staat bereit war ihnen an finanziellen Mitteln zur Verfügung zu stellen. Durch die Euthanasie kamen viele Menschen in dieser Zeit ums Leben. Sie wurden zur Forschung benutzt und galten als Lebensunwürdig. Es wurden Programme ins Leben gerufen die eine systematische Ausrottung der behinderten Menschen zur Folge hatte. (vgl. Theunissen, S.24-29)
3.4. Die Gründung der Elternvereinigung Lebenshilfe
In den ersten Jahren nach dem Krieg standen wenige Gelder zur Verfügung und so lebten die behinderten Menschen weiterhin meistens in psychiatrischen Anstalten. Durch die medizinische Forschung standen den Anstalten nun diverse Psychopharmaka zur Verfügung,
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Arbeit zitieren:
Mandy Hartkopf, 2009, Behindertenhilfe, München, GRIN Verlag GmbH
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