INHALT
Doris Day 35
Vorwort 11
Die Heldin jungfräulicher
Sexkomödien
FILM
Lucille Ball 13
Marlene Dietrich 38
Der weibliche
Die deutsche
Charlie Chaplin
Göttin des Films
Theda Bara 16
Jodie Foster 42
Der erste Vamp
Hollywoods
des Kinos
klügste Schönheit
Brigitte Bardot 19
Greta Garbo 45
BB das Sexsymbol
Die
der 1950-er Jahre
„Göttliche“
Drew Barrymore 22
Ava Gardner 49
Das Mädchen
Die Königin
das E T
von Hollywood
das Sprechen lehrte
Judy Garland 51
Ingrid Bergman 24
Der unglückliche
Der Weltstar
Hollywood-Star
aus Schweden
Janet Gaynor 54
Claudette Colbert 27
Die erste
Die
„Oscar“-Preisträgerin
Komödien-Königin
Uschi Glas 57
Joan Crawford 29
Deutschlands Quotenqueen
Der Filmstar
auf dem Bildschirm
mit den breiten Schultern
Betty Grable 60
Bette Davis 31
Der Kassenmagnet
Die Frau
der 1940-er Jahre
die 100 Filme hinterließ
4
Sophia Loren 92
Jean Harlow 62
Der italienische Filmstar der Der blonde Leinwandstar
1960-er Jahre der 1930-er Jahre
Anna Magnani 95
Rita Hayworth 65
Die „Urmutter Die „Venus
des italienischen Films“ des Atomzeitalters“
Guiletta Masina 97
Katharine Hepburn 68
Die italienische Die „Königinmutter
Charakterdarstellerin von Hollywood“
Melina Mercouri 100
Grace Kelly 71
Der Star
Der Star,
aus „Sonntags nie“ der den Traumprinzen heiratete
Inge Meysel 103
Hildegard Knef 74
Die „Fernsehmutter Der deutsche Weltstar
der Nation“
mit drei Karrieren
Marilyn Monroe 107
Zarah Leander 78
Amerikas
Der Ufa-Star
größter Filmstar der 1930-er und 1940-er Jahre
Jeanne Moreau 112
Vivien Leigh 82
Die „Inkarnation Die Frau,
französischer Weiblichkeit“ die Scarlett O’Hara mimte
Pola Negri 115
Ruth Leuwerik 85
Der Stummfilmstar Die „Königin
aus Polen
des Melodramas“
Asta Nielsen 119
Gina Lollobrigida 88
Deutschlands Die „Lollo“ –
erster Filmstar der Stern der 1950-er Jahre
Simone Signoret 149
Mary Pickford 123
Frankreichs Sexsymbol „Amerikas Sweetheart“
der 1950-er Jahre
Leni Riefenstahl 126
Meryl Streep 152
Die meisterhafte Regisseurin
Ein Star auf der Bühne, und Fotografin
der Leinwand
Julia Roberts 129
Das Sexsymbol der
Gloria Swanson 154
1990-er Jahre
Die Mondäne
Ginger Rogers 132
Der steppende
Elizabeth (Liz) Taylor 157
Hollywood-Star
Die „Königin
Jane Russel 134
Das frühe
Shirley Temple 160
Busen-Sexsymbol
Der Kinderstar
Margaret Rutherford 137
Die beste Komödiantin
Lana Turner 163
Englands
Das erste „Glamour-Girl“ der 1960-er Jahre
Liv Ullmann 166
Adele Sandrock 139
Die große
Die komische Alte des
norwegische Schauspielerin deutschen Kinos
Grethe Weiser 169
Romy Schneider 142
Die volkstümliche Sie wollte nicht ewig
Schauspielerin „Sissi“ sein
Mae West 172
Hanna Schygulla 146
Die Komödiantin der Der deutsche
Spitzenklasse Weltstar
Helene Weigel 205
Die „Gralshüterin
Die umjubelte „Kameliendame“ von Brecht-Inszenierungen“
Hedwig Bleibtreu-Paulsen 179 Maria Wimmer 208
Die große Künstlerin Die „Callas des Theaters“
am „Wiener Burgtheater“
KABARETT
Eleonora Duse 181 Lore Lorentz 211
Die „Kassandra des Die „Göttliche“ der
Kabaretts“
Theaterbühne
Gisela Schlüter 214
Agnes Fink 184
„Lady Schnatterly“ Die große
deutsche Tragödin
SHOW
Adah Isaacs Menken 217
Elisabeth Flickenschildt 186
Die „Königin des Theaters“ Der Showstar
im Wilden Westen
Therese Giehse 190
Die große deutsche ZIRKUS
Agnes Lake Thatcher 221
Die amerikanische
Zirkuspionierin
Gottsched 192
Literaturverzeichnis 225
der Bühnenreform
Der Autor 229
Lotte Lenya 196
Die berühmte Brecht-Interpretin
Friederike Caroline
Neuber 201
Die Theaterpionierin
aus Sachsen
DANK
Dr. Michaela Giesing, Für Auskünfte, kritische Durchsicht von Texten (Anmerkung: Etwaige Zentrum für Theaterforschung, Fehler gehen zu Lasten des Verfas- Hamburg sers), mancherlei Anregung, Dis- Uschi Glas, Schauspielerin, kussion und andere Arten der Hilfe Gladys Hansen, Museum of the danke ich herzlich:
City of San Francisco Ruston Harker, Marketing Assi- stent, Hollywood Entertainment Museum, Hollywood Jutta Arps, Düsseldorf Gladys Hansen, Museum of the Werner Baumbauer, Mackenrodt City of San Francisco Dr. Peter Bischof, 1. Vorsitzender, Gregor Jochim, Mannheim Deutsche Gesellschaft zum Studium Gunnar Klattenhoff, des Western e. V., Universität Öffentlichkeitsarbeit, Münster, Englisches Seminar Dr. Gerhard Blasche, Burgtheater Münchner Kammerspiele Wien Hildegard Knef, Schauspielerin, Bert Brecht Kreis, Augsburg e. V. Sängerin und Autorin Bundesarchiv, Berlin Jakob Laerkes, Det Danske Bunte, Redaktionsarchiv, München Filminstitut, Filmmuseets Bibliotek, David Cutler, Reuters, Editorial Kopenhagen Kirsten Lehmann, Hochschul- Reference Uni, London bibliothek, Hochschule für Film Deutsches Theatermuseum, und Fernsehen früher Clara-Ziegler-Stiftung, Konrad Wolf, Potsdam München François Leloutre, Hannover Andrea Döcke, Regional Literature & Languages
PR Manager Central & Eastern
Department, Public Library of Europe, Hilton International, Cincinnati and Hamilton County, München Cincinnati Roberto C. Ferrari, Humanities Kay Lorentz, Kom(m)ödchen Reference Librarian, GmbH, Düsseldorf Florida Atlantic University, Magistrat der Stadt Wien S. E. Wimberly Library, Boca Raton Inge Meysel, Schauspielerin Frank Forster, Nürnberg
9
Ralf Schoettner, Wiesbaden Bernd Neu, Archivar, Ingelheim
Marion Schulz, Neuberin-Gedenk- Neuberin-Museum Reichenbach
stätte, Reichenbach
(Vogtland)
Hanna Schygulla, Schauspielerin Barbara Norminton, Dramaturgie,
und Sängerin
Münchner Kammerspiele
Rachida Serralongue, Service Manuella Pavlidou, Secretary
Dokumentation, Theatre de la Ville, General, Foundation
Paris
Melina Mercouri, Athen
Brigitte Siebers, Theatermuseum Doris Probst, Mainz-Kostheim
Düsseldorf
Sonja Probst, Mainz
Britta Söderlund, Svenska Institu- Stefan Probst, Mainz-Kostheim
ted, Stockholm
Uta Püschel, Öffentlichkeitsarbeit,
Matthias Thiel, Stiftung Deutsches Bayerisches Staatsschauspiel,
Kabarett Archiv, Dokumentations- München
zentrum
Leni Riefenstahl, Schauspielerin,
deutschsprachiger Satire, Mainz Regisseurin und Fotografin
Debbie Walker, Museum Officer, Margret Schild, Theatermuseum der
Museum Rochdale
Landeshauptstadt Düsseldorf
Phil Wickham, Information Officer, Iris Schilke, Verein zur Erforschung
National Library, British Film der Dresdener Frauengeschichte,
Institute, London
FrauenStadtArchiv, Dresden
Barbara Zenker, British Council, Heidrun Schmutzer, Archiv, Film-
Köln
museum Potsdam
10
VORWORT
Aller Anfang ist schwer
Brigitte Bardot war als Kind beim Blick in den Spiegel weinerlich zumute. Sie fühlte sich wegen ihrer Kurzsichtigkeit, ihrer Brille und ihrer vorstehenden Zähne als ausgesprochen hässlich. Zu Beginn wurde Greta Garbo in Hollywood für zu fett gehalten, und manche Filmleute spöttelten über das „Bauernmädchen mit den großen Füßen“. Ein Freund von Sophia Loren meinte, sie habe eine zu lange Nase, einen zu großen Mund, viel zu breite Hüften und sie müsse sich „total umbauen lassen“, wenn sie eine ernsthafte Schauspielerin werden wolle.
Ungeachtet aller eigener und fremder Zweifel wurden diese drei Frauen – wie man heute weiß – große Stars in der Welt des Films. Brigitte Bardot, deren Initialien „BB“ ein Markenzeichen sind, entwickelte sich zum Sexsymbol der 1950-er Jahre. Greta Garbo avancierte zur Kultfigur des Films und erhielt den Ehrentitel „die Göttliche“. Und Sophia Loren stieg zum italienischen Filmstar der 1960-er Jahre auf.
Das vorliegende Buch präsentiert insgesamt 67 Biographien berühmter Frauen aus den Bereichen Film, Theater, Show, Kabarett und Zirkus in Wort und Bild. Der Anfang dieser späteren Stars war oft schwer, ihr künstlerischer Durchbruch manchmal vom Zufall bedingt, und sie erlitten gar nicht selten privat und beruflich Höhen und Tiefen. Trotz aller Schwierigkeiten steckten diese Frauen aber nicht auf – sicherlich ist dies eines der wichtigsten Rezepte ihres Erfolges.
Ernst Probst
11
FILM
Lucille Ball
Der „weibliche
Charlie Chaplin“
A ls „größten weiblichen
dort sechs Wochen lang eine Schau-
spielschule („John Murray Ander- Clown der Welt“ und als
son-Robert Milton Drama School“), „weiblichen Charlie Chaplin“ lobten
in der sie nicht durch besondere Kritiker die amerikanische Schau-
Leistungen auffiel. Entmutigt kehrte spielerin Lucille Ball (1911–1989).
sie nach Hause zurück, bemühte sich Ihr Ruhm beruhte allerdings nicht
aber weiter um kleine Rollen am auf ihren mehr als 50 Kinofilmen,
Broadway in New York und als sondern auf humorvollen Fernsehse-
Model mit dem Pseudonym „Diane rien. Der quirlige Rotschopf mit
Belmont“ in der Modebranche.
Whiskystimme galt in den USA als
Ihrem Auftreten als Reklamegirl für erfolgreichste TV-Komikerin und als
die Zigarettenmarke „Chesterfield“ eine der Begründerinnen von Serien
verdankte Lucille Ball ihr Debüt auf auf dem Bildschirm.
der Leinwand in „Roman Scandals“ Lucille Ball wurde am 6. August
(1933). Auch danach erhielt sie in 1911 in Celeran, einem Vorort von
Hollywood nur unbedeutende Film- Jamestown im US-Bundesstaat New
rollen. Ihren ersten Erfolg feierte sie York, geboren. Sie war erst vier
mit dem Streifen „Carnival“ (1935). Jahre alt, als ihr für eine Telefonge-
In „Top Hat“ („Ich tanze in Dein sellschaft arbeitender Vater starb.
Herz hinein“, 1935) sprach Lucille Später besuchte Lucille die High
Ball nur einen einzigen Satz. Doch School ihres Geburtsortes und zeigte
in „Having a Wonderful Time“ schon früh Interesse am Theaterspie-
(1938) gab man ihr neben Ginger len.
Rogers (1911–1995) die zweite Als 15-jähriger Teenager zog Lucille
Hauptrolle, und in „Too Many Girls“ Ball nach New York und besuchte
13
(1940) kam sie als verdorbene Erbin purzelte, auf Skiern eine Treppe
groß raus. hinunter raste oder mit einem Kän-
Am 30. November 1940 heiratete guru boxte, spielte sie ohne Double.
Lucille Ball den kubanischen Band- Insgesamt sah man „Lucy“ in 495
leader und Schauspieler Desi Arnaz skurrilen Abenteuern, die sie so
(1917–1986). Aus dieser Ehe stam- populär wie die Micky Maus von
men die Tochter Lucie Desiree und Walt Disney (1901–1966) machten.
der Sohn Desiderio Alberto. Das Dass sie älter wurde und ihr manche
Paar ging ein Jahrzehnt lang beruf- verrückte Turnübungen schwer fie-
lich getrennte Wege: Er arbeitete als len, konnte sie nicht bremsen. Erst
Bandleader und sie als Schauspiele- ein schwerer Skiunfall, nach dem sie
rin. fast bewegungsunfähig war, machte
Der einzige von ihren insgesamt den temperamentvollen Clownerien
mehr als 50 Filmen, den das Ener- ein Ende. 1974 zog sich Lucille aus
giebündel Lucille Ball wirklich dem Showgeschäft zurück.
schätzte, hieß „The Big Street“ „I Love Lucy“ wurde mit mehr als
(1942). Von 1947 bis 1951 spielte sie 200 Preisen ausgezeichnet, darunter
eine Rolle in der TV-Serie „My fünf Mal mit dem „Emmy“-Award,
Favorite Husband“.
dem begehrten „Fernseh-Oscar“. Es
1950 gründeten Desi und Lucille die war eine der vier erfolgreichsten
„Desilu Productions“. Der große Serien der amerikanischen Fernseh-
Durchbruch bahnte sich 1951 an, als geschichte. 1960 ist die Ehe von
Lucille und Desi überlegten, wie sie Lucille Ball und Desi Arnaz geschie-
Ehe und Beruf am besten miteinan- den worden. 1961 heiratete Lucille
der verbinden könnten. Dabei schlug den Komiker Gary Martin, mit dem
Lucille vor, ihre eigenen Eheaben- sie nicht – wie mit ihrem ersten
teuer zu verfilmen. Auf dieser Idee Mann – in ihren Serien auftrat.
basierte die von 1951 bis 1960 sehr Von 1962 bis 1968 sah man Lucille
erfolgreiche Fernsehserie „I Love Ball mit ihrer neuen Fernsehserie
Lucy“, in der Lucille als komische „The Lucy Show“ wieder auf dem
Hausfrau durch ihre Naivität in Bildschirm, von 1968 bis 1974
aberwitzige Situationen geriet.
folgte „Here’s Lucy“. Zwischen
Wenn „Lucy“ als Hausfrau mit zwei 1962 und 1967 leitete sie die
linken Händen nacheinander gefro- „Desilu-Productions“, verkaufte die-
ren, mit Schokolade übergossen, se 1967 und gründete 1968 die
gestärkt und unzählige Male durch- „Lucy-Ball-Productions“. Sie war
nässt wurde, wieherte eine ganze damals die einzige Frau, die eine
Nation vor den Bildschirmen. Selbst große Produktionsfirma in Holly-
wenn sie aus einem Hubschrauber wood führte.
14
Wenn Lucille Ball in Beverly Hills Am 26. April 1989 erlag die unver-
spazieren ging, kam es vor, dass gessene Komikerin Lucille Ball im
Touristenbusse anhielten und die Alter von 77 Jahren in Los Angeles
Fahrgäste sie besichtigten. Ihr Haus (Kalifornien) einem Herzversagen.
wurde oft von Fans umlagert. Es gab In einer Biographie wurde sie re-
sogar Touristen, die auf ihrem Vor- spektlos als „komische Nudel mit
derrasen eine Wolldecke ausbreite- einem Hang zu Platitüden“ be-
ten und picknickten. zeichnet.
15
Theda Bara
Der erste
Vamp des Kinos
A llererste Sexgöttin“ und „erster
geboren worden sein soll, erfand ihr
Filmstudio ein Vierteljahrhundert Vamp des amerikanischen Ki-
später, um sie geheimnisvoller und nos“ – so nennt man die Schauspie-
interessanter zu machen.
lerin Theda Bara (1885–1955), die
Im Gegensatz zu vielen anderen eigentlich Theodosia Goodman
Stummfilmstars ihrer Zeit erlebte hieß. Sie agierte von 1914 bis 1919
Theodosia Goodman, deren Kosena- in mehr als 40 Filmen auf der
me „Theda“ hieß, eine glückliche Leinwand. Während dieser fünf
Kindheit. Von 1903 bis 1905 studier- Jahre war sie eine beispiellose
te sie an der University of Cincinna- Sensation. Damals sind in den USA
ti. Nach ihrem Studium las sie ihr lediglich Mary Pickford (1893–
Leben lang eifrig Bücher und inter- 1979) und Charlie Chaplin (1889–
essierte sich vor allem für Philoso- 1977) noch populärer gewesen. Heu-
phie und Psychologie.
te wundern sich Kritiker eher über
Von Kindheit an begeisterte sich ihren Erfolg.
Theodosia Goodman für das Thea- Theodosia Goodman kam vermut-
ter. Zum Missfallen ihres Vaters lich am 20. Juli 1885 in Avondale,
beendete sie 1905 ihr Studium und einem Vorort von Cincinnati (Ohio),
strebte eine Schauspielerkarriere an. zur Welt. In manchen ihrer Biogra-
1908 feierte sie in dem Stück „The phien werden auch der 29. Juli 1990
Devil“ ihr Debüt auf der Bühne am oder der 22. Juli 1892 als Geburtstag
Broadway in New York. Von 1905 genannt. Dass sie im Schatten der
bis 1914 bemühte sie sich unter dem Pyramiden in Ägypten als Tochter
Pseudonym „Theodosia de Coppet“ eines italienischen Künstlers und
vergeblich, ein Star zu werden.
einer französischen Schauspielerin
16
Die Laufbahn von Theda Bara auf trachtet, wundert man sich, warum
der Leinwand begann bei der 1915 sich die Männer seinerzeit darüber
von dem Produzenten William Fox aufregten. Die Schöne selbst fühlte
(1879–1952) gegründeten „Fox Film sich offenbar in ihrer Aufmachung
Corporation“. Für ihren ersten er- nicht ganz wohl.
folgreichen Streifen „A Fool There Während des Ersten Weltkrieges
Was“ (1915), in dem sie einen (1914–1918) besuchte Theda Bara
Vampir spielte, wurde intensiv die viele Soldatencamps, legte Hundert-
Werbetrommel gerührt. Man kün- tausende von US-Dollar in Kriegs-
digte sie damals als Tochter eines anleihen an und spendete einen Teil
asiatischen Potentaten an. Das ihrer Honorare für wohltätige Zwe-
Pseudonym „Theda Bara“ ist ein cke. Damals wurden Songs über sie
Anagram von „Arab Death“. geschrieben, ihr Gesicht zierte Post-
Danach sah man die über Nacht karten und in Magazinen erschienen
berühmt gewordene Theda Bara Storys über sie.
unter anderem als rachsüchtiger Nach dem Ersten Weltkrieg verlor
Vampir in „The Devils Daughter“ 1919 der Filmproduzent William
(1915) und als mitleidslose russische Fox das Interesse an Theda Bara.
Bäuerin in „Die Schlange“ (1916). Diese kämpfte damals für bessere
In „Carmen“ (1915) „Romeo and Filme und abwechslungsreichere
Juliet“ (1916), „Cleopatra“ (1917), Rollen. 1919 hatte sie mit dem Stück
„Madame Dubarry“ (1918) und „Sa- „The Blue Flame“ auf der Bühne
lome“ (1918) verkörperte sie Gestal- noch Erfolg. Aber allmählich
ten aus Geschichte und Literatur. schwand ihre Popularität.
Die Fox-Presseleute erfanden für Durch die Mitwirkung an dem
jede neue Filmrolle Theda Baras Streifen „Kathleen Mavourneen“
eine neue Familiengeschichte und hoffte Theda Bara auf einen Vertrag
diese spielte mit. Verschleiert, in mit einem anderen Filmstudio. Doch
seidene Gewänder gehüllt, eine Py- dazu kam es nicht, weil irische und
thonschlange streichelnd oder an katholische Kreise gegen die Dar-
rohem Fleisch und Salat knabbernd stellung Irlands protestierten
präsentierte sie sich bei Hunderten und diese auch daran Anstoß nah-
von albernen Pressekonferenzen. men, dass eine jüdische Schau-
Eine Aufnahme aus dem Film „Cleo- spielerin die wichtige Rolle spielen
patra“ von Theda Bara gilt in den sollte.
USA als erstes Pin-up-Foto. Wenn
1921 heiratete Theda Bara den
man dieses Bild der für damalige erfolgreichen Regisseur Charles
Verhältnisse ungewohnt dünn ge- Brabin (1883–1957), mit dem sie bis
wandeten Schauspielerin heute be- zu ihrem Tod zusammenblieb. Die
17
wohlhabenden Eheleute entwickel- gemacht wurde. Das blasse, plumpe
ten sich zu wahren Globetrottern und Gesicht, der schwere Körper und das
unternahmen zusammen viele Rei- offensichtlich nur geringe schau-
sen. Zu Hause zeigte Theda als spielerische Können wirken nur
Gastgeberin und Köchin großes wenig ansprechend auf das heutige
Geschick. Publikum...“
Die Schauspielerkarriere von Theda Am 7. April 1955 starb Theda Bara
Bara endete mit der Selbstparodie in im Alter von 69 Jahren in Los
dem Film „Madame Mystery“ Angeles (Kalifornien) an Krebs.
(1926). In dem Buch „Kino. Die 1996 sind über ihr Leben und Werk
große Welt der Filme und Stars“ die Bücher „Theda Bara: A Biogra-
(1995) von Derek Winnnert stand phy of the Silent Screen Vamp, with
über sie wenig Schmeichelhaftes: a Filmography“ von Ronald Genini
„...es ist nur schwer verständlich, und „Vamp: The Rise of Theda
warum so viel Wirbel um sie Bara“ von Even Golden erschienen.
18
Brigitte Bardot
„BB“ – das Sexsymbol
der 1950-er Jahre
F rankreichs berühmteste Film-
der Rue de la Pompe Nr. 1 in Paris.
In der französischen Hauptstadt schauspielerin der 1950-er Jah-
besuchte Camille jeweils an drei re war zweifellos Brigitte Bardot,
Werktagen einer Woche die exklusi- die eigentlich Camille Javal hieß.
ve Privatschule „Hattemer Prignet“ „BB“ galt in ihrer Glanzzeit als eine
und an den übrigen drei Werktagen neue Art von Sexsymbol. Ihre Mar-
eine Ballettschule.
kenzeichen sind ihr Schmollmund
Beim Blick in den Spiegel war und ihr lebhafter Sexappeal gewe-
Camille Javal weinerlich zumute. sen. Über sie hieß es. „Gott erschuf
Sie fühlte sich wegen ihrer Kurz- sie, Roger Vadim polierte ihre Kur-
sichtigkeit, ihrer Brille und ihrer ven“. Für die Regenbogenpresse in
vorstehenden Zähne – sie hatte zu aller Welt lieferten ihre vier Ehen
lange am Daumen gelutscht – als und ihre zahlreichen Liebhaber viel
ausgesprochen hässlich. Obwohl sie Lesestoff.
lange eine Zahnspange trug, behielt Camille Javal erblickte am 28.
sie ihre „Hasenzähne“, denen sie September 1934 als Tochter eines
ihren weltberühmten Schmollmund lothringischen Ingenieurs und Besit-
verdankte.
zers einer Fabrik, die Flüssiggas
Anfang 1949 wurde die inzwischen herstellte, in Paris das Licht der
zu einem hübschen Teenager heran- Welt. Sie wuchs zusammen mit ihrer
gereifte 14-Jährige – ohne Brille und drei Jahre jüngeren Schwester Mija-
Zahnspange – in einer Jugendmode- nou in wohl behüteten Verhältnissen
Zeitschrift abgebildet. Diese Auf- auf.
nahmen gefielen der Herausgeberin Während des Zweiten Weltkrieges
der Zeitschrift „Elle“, Hélène Laza- zog die Familie Javal in ein Palais in
19
reff, so gut, dass sie Camille 1949 dürfen, wenn sie 18 war. Am 21.
und 1950 je einmal auf die Titelseite Dezember 1952 schlossen Camille
nahm. Jene Fotos wiederum bewo- Javal und Roger Vadim die Ehe. Ihr
gen den französischen Filmregisseur Vater war damals über den Schwie-
Marc Allégret, die 15-jährige Camil- gersohn nicht begeistert. Er soll
le um ein Treffen zu bitten. gesagt haben: „Was soll ich machen?
Camille Javal ging in Begleitung Er macht ein Flittchen aus ihr, ob sie
ihrer Mutter zu Allégret und wurde ihn heiratet oder nicht!“
dort von dessen Assistenten Roger Brigitte Bardots erster Film „Le
Vadim (1928–2000), dem Sohn des Trou Normand“ (1952) erntete ver-
russischen Konsuls in Frankreich, heerende Kritiken. Auch „La Lu-
empfangen. Als Camille später bei mière d’Enface“ („Gier nach Liebe“,
den Probeaufnahmen Hunderte von 1955) wurde noch kein großer
Augenpaaren auf sich gerichtet sah, Erfolg.
war ihr zum Heulen zumute. Der Den Durchbruch schaffte sie erst in
Film mit Allégret kam nicht zustan- „... und immer lockt das Weib“
de, aber sie traf sich fortan mit (1956), bei dem Vadim erstmals
Vadim in ihrem Elternhaus, da sie Regie führte. In diesem Streifen
noch nicht alleine ausgehen durfte. konnte man sie braungebrannt und
Bei einem Besuch in der Junggesel- nackt sehen. Bald war die Abkür-
lenbude von Vadim verlor Camille zung ihres Namens „BB“ so be-
ihre „lästige Jungfernschaft“. Da- kannt, dass ihn die Schauspielerin
nach schwänzte sie wegen weiterer 1958 gesetzlich schützen ließ.
Treffen regelmäßig die Schule. Ei- Offenbar war Brigitte Bardot trotz
nes Tages kam ihr der Vater auf die all ihrer Erfolge auf der Leinwand in
Schliche und drohte an, sie bis zur ihrem richtigem Leben nicht immer
Volljährigkeit auf ein Internat in glücklich. Denn an ihrem
England zu schicken. Am Abend
26. Geburtstag am 28. September
gingen Eltern und Schwester ins 1960 unternahm sie erneut einen
Theater, nach der Heimkehr fanden Selbstmordversuch – diesmal an der
sie die besinnunglose Camille und Côte d’Azur. Zu den bekanntesten
einen Abschiedsbrief auf dem Kü- Filmen der kindlich-naiven und se-
chenboden. Sie hatte das Gas aufge- xuell-attraktiven Blondine zählen
dreht und den Kopf in den Backofen „En effeuillant la marguerite“
gesteckt.
(„Das Gänseblümchen wird entblät-
Durch diese Verzweiflungstat blieb tert“, 1956), „Babette s’en va-t’en
der 16-jährigen Camille Javal der guerre“ („Babette zieht in den
Wechsel nach England erspart. Sie Krieg“, 1959), „The Truth“ („Die
sollte Vadim aber erst heiraten Wahrheit“, 1960), „Vie privée“
20
(„Privatleben“, 1961), Le mépris“ Begleitern – wie Jean-Louis Trinti-
(„Die Verachtung“, 1963), „Viva gnant, Gilbert Bécaud, Sascha Distel
Maria“ (1965) mit Jeanne Moreau, – häufig vertreten.
„Shalako“ (1968) und „Don Juan Nach der Scheidung von Roger
1973“ (1973). Vadim 1957 heiratete BB 1959 den
Für „The Truth“ erhielt Brigitte Schauspieler Jacques Charrier, von
Bardot den italienischen Preis „Da- dem sie im Januar 1963 geschieden
vid di Donatello“ und für „Viva wurde. Aus dieser Ehe ging 1960 der
Maria“ den „L’etoile de Cristal“. Sohn Nicolas hervor, dessen Erzie-
Während der Dreharbeiten für ihren hung sie später dem Vater überließ.
49. Film („Don Juan 1973“) gab die
Im Juli 1966 heiratete die 31-Jährige
den deutschen Industrieerben und 38-jährige „BB“ ihren Rückzug vom
Gesellschaftslöwen Gunter Sachs, Film bekannt. Danach fühlte sie sich
wie von einer schweren Last befreit. von dem sie sich 1969 trennte. Ihn
1976 gründete „BB“ eine „Stiftung hatte sie während der dreijährigen
zur Rettung der Tiere in aller Welt“, Ehe insgesamt nur drei Monate
die einige Monate später aus organi- gesehen.
satorischen Gründen wieder einge- Am 16. August 1992 ehelichte
stellt werden musste. Im Juni 1987 Brigitte Bardot den französischen
versteigerte sie ihren Schmuck und Geschäftsmann Bernard d’Ormale.
viele Erinnerungsstücke, um damit Wegen seiner Nähe zur rechtsradika-
die Neugründung einer Stiftung zu len „Front Nationale“ des Politikers
finanzieren, die 1992 als gemeinnüt- Jean-Marie Le Pen geriet auch „BB“
zig anerkannt wurde. 1991 vermach- ins Zwielicht. Im selben Jahr wurde
te sie ihr Anwesen „La Madrague“ ihr auch der Umweltweltpreis der
ihrer Tierschutz-Stiftung, und im Vereinten Nationen zugesprochen.
November 1992 erwarb sie im 1996 erschienen Brigitte Bardots
Westen von Paris ein sieben Hektar Memoiren „Initiales BB.“ („BB –
großes Grundstück für ein Hunde- Memoiren“), in denen sie scho-
heim. nungslos über ihre Filmkarriere,
In den Klatschspalten der Presse war verflossenen Liebhaber, früheren
Brigitte Bardot mit ihren gescheiter- Ehemänner, Selbstmordversuche
ten Ehen und ihren zahlreichen und Abtreibungen berichtete.
21
Drew Barrymore
Das Mädchen, das „E. T.“
das Sprechen lehrte
E ine der Hauptrollen im erfolg-
Barrymore jr. (1882–1942) und Lio-
nel Barrymore (1878–1954) waren reichsten Film der 1980-er
ihre Onkel.
Jahre spielte die siebenjährige Drew
Drew Barrymore war ein frühreifes (Andrew) Barrymore. In dem Strei-
und schwieriges Kind. Im Alter von fen „E. T. – der Außerirdische“
elf Monaten sah man sie bereits in (1982) des amerikanischen Regis-
einem Werbespot für „Puppy seurs Steven Spielberg lehrte sie als
Choice“-Hundefutter. Als Fünfjähri- niedliche „Gertie“ den kleinen heim-
ge wirkte sie in dem Spielfilm wehkranken Außerirdischen „E. T.“
„Altered States“ („Höllentrip“, das Sprechen und gab ihm Küss-
1980) mit und als Siebenjährige – chen, die die ganze Welt zu Tränen
wie erwähnt – in dem Streifen „E.T. rührten. Spielberg, der auch ihr
The Extra Terrestrial“ („E. T. – der Patenonkel ist, sagte ihr damals eine
Außerirdische“, 1982).
große Zukunft voraus.
In „Triple Trouble“ (1983) ging Andrew Barrymore kam am 22. Fe-
Drew Barrymore vor Gericht, um bruar 1975 als Tochter des Schau-
sich von ihren Eltern scheiden zu spielerehepaares John Drew Barry-
lassen. Und in „Der Feuerteufel“ more und Ildiko Jaid Barrymore in
(1984) zündete sie alles an, was ihr Los Angeles (Kalifornien) zur Welt.
oder ihrem Vater gefährlich werden Sie stammt aus einer Schauspieler-
konnte.
dynastie, die schon seit vier Genera-
Mit neun Jahren betrank sich Drew tionen erfolgreich ist. Ihr Großvater
Barrymore erstmals auf einer Ge- John Barrymore sen. wird als „der
burtstagsparty, mit zehn rauchte sie größte Hamletdarsteller seiner Zeit“
ihren ersten Joint und mit zwölf griff gerühmt. Die Schauspieler John
22
sie zu Kokain. Im Alter von 13 Jährige durch einen freizügigen Ge-
Jahren wurde ihr der Umgang mit burtstagstanz im Fernsehen für den
dem fast 20 Jahre älteren und amerikanischen Talkshowpapst Da-
aufdringlichen Filmstar Bruce Willis vid Letterman, der einen Blick in ihr
verboten. Ebenfalls mit 13 fand sie Dekolletee werfen durfte, und durch
das Leben zum Heulen und erklärte, Nacktfotos im Herrenmagazin
sie hasse Hollywood. Als 14-Jährige „Playboy“ für Furore. Die Schau-
unternahm sie einen Selbstmordver- spielerin mit dem natürlichen Hang
such und schrieb sie ihre Autobio- zum Exhibitionismus trat auch
graphie „Little Girl Lost“, die 1990 schon mal spontan in einem Strip-
erschien. tease-Club in New York auf.
1992 feierte Drew Barrymore als Dass Drew Barrymore auch eine
hübsche, jedoch böse Nymphe in ernst zu nehmende Schauspielerin
„Poison Ivy“ („Tödliche Umar- ist, bewies sie in dem Frauen-
mung“) ein eindrucksvolles Come- Roadmovie „Boys on the Side“
back auf der Leinwand. Im selben („Kaffee, Milch und Zucker“, 1995).
Jahr erhielt sie als Anita in „Gun- Der Film handelte von drei grund-
cranzy“ (1992) den „Golden Globe“ verschiedenen Frauen, deren
als beste Schauspielerin. Insgesamt Freundschaft zueinander durch Kon-
drehte sie 1992 sieben Filme.
flikte und Krankheit auf die Probe
Als 17-Jährige präsentierte sich gestellt wird.
Drew Barrymore hüllenlos für das Ebenfalls 1995 wirkte Drew Barry-
Cover des Magazins „Interview“. more in den Streifen „Mad Love“
Noch wenige Jahre zuvor hatte sie es und in „Batman Forever“ mit. 1996
gehasst, angestarrt zu werden, als ob sah man sie im ersten Filmmusical
sie von einem anderen Stern käme. von Woody Allen mit dem Titel
1993 sah man sie in „The Amy „Everyone Says I Love You“ und in
Fischer Story“.
dem Streifen „Scream“.
Im März 1994 heiratete die Im Frühjahr 1997 trat Drew Barry-
18-Jährige den Barbesitzer Jeremy more als Sprecherin der Frauenge-
Thomas. Die Ehe mit ihm währte nur sundheitsorganisation auf, die Mäd-
bis zum Mai 1994. Danach lebte chen und Frauen über Möglichkeiten
Drew mit dem Gitarristen Eric der Schwangerschaftsverhütung und
Elandson von der Band „Hole“ und der Vorbeugung von Geschlechts-
mit dem Schauspieler Luke Wilson krankheiten informierte. Dabei warb
zusammen.
sie in einer Anzeige für das Frauen-
1995 sorgte Drew Barrymore als 20- kondom.
23
Ingrid Bergman
Der Weltstar
aus Schweden
E in „Denkmal des Kinos“ war
zum Alter von 17 Jahren eine private
Mädchenschule.
die schwedische Schauspiele-
Von 1933 bis 1934 nahm Ingrid rin Ingrid Bergman (1915–1982).
Bergman an der königlichen Schau- Unvergessen ist vor allem ihr Film
spielschule in Stockholm Unterricht. „Casablanca“ aus dem Jahr 1942.
Ihr Debüt auf der Leinwand feierte Darin ging es um die Frage, ob die
sie in dem Film „Munkbrogreven“ Bergman als Frau ihrem Gatten
(1935). Am 10. Juli 1937 schloss sie (gespielt von Paul Henreid, 1908–
ihre erste Ehe mit dem schwedischen 1992), einem Widerstandskämpfer,
Zahnarzt Petter Lindström. Von ihm treu bleiben oder ob sie mit dem
stammt die 1938 geborene Tochter zynischen, ausgebürgerten amerika-
Pia. In Deutschland stand sie erst- nischen Cafébesitzer (Humphrey
mals für „Vier Gesellen“ (1938) vor Bogart, 1899–1957) davongehen
der Kamera.
würde. Das ironische Ende des
Ende der 1930-er Jahre ging Ingrid Films überraschte die meisten Kino-
Bergman in die USA, wo sie in der zuschauer.
amerikanischen Fassung des Films Ingrid Bergman kam am 29. August
„Intermezzo“ (1939) einen Riesen- 1915 als Tochter eines Fotografen
erfolg hatte. Den Durchbruch zum und Malers sowie einer Deutschen in
Weltruhm schaffte sie in dem ein- der schwedischen Hauptstadt Stock-
gangs erwähnten legendären Film holm zur Welt. Ihre Mutter starb, als
„Casablanca“ (1942), in dem sie sie erst zwei Jahre alt war, ihren
sehr überzeugend auftrat.
Vater verlor sie neun Jahre später.
Der amerikanische Schriftsteller Er- Von nun an wuchs die Waise bei
nest Hemingway (1899–1961) wähl- Verwandten auf und besuchte bis
24
te Ingrid Bergman danach für die Rosselini inszenierten Filmen die
Hauptrolle in der Verfilmung seines Hauptrolle. Der erste dieser Streifen
Buches „Wem die Stunde schlägt“ hieß „Stromboli“ und kam 1950 in
(1943) persönlich aus. Für ihre Rolle die Kinos. Bei den Dreharbeiten
als bedrohte Frau in „Das Haus der dafür waren sich der heißblütige
Lady Alquist“ (1944) erhielt sie Italiener und die kühle Schwedin
ihren ersten „Oscar“ als beste Schau- immer näher gekommen. Für „Ana-
spielerin. „Berüchtigt“ (1946) gilt stasia“ (1956) nahm die Bergman
als der beste ihrer drei mit dem ihren zweiten „Oscar“ als beste
britischen Regisseur Alfred Hitch- Schauspielerin entgegen.
cock (1899–1980) gedrehten Strei- Doch bald bröckelte hinter der
fen. Fassade das Glück des Ehepaares:
1950 litt Ingrid Bergmans bis dahin Ingrid litt unter der Großfamilie der
untadeliger Ruf ernsthaften Scha- Rosselinis, rauchte und trank immer
den, als sie ihren ersten Mann Petter mehr. Roberto hatte finanzielle Pro-
Lindström und ihre Tochter Pia bleme, ohrfeigte sie öffentlich, ging
verließ, um mit dem italienischen ins Bordell und beneidete sie um
Regisseur Roberto Rosselini (1906– ihre Erfolge. 1957 kehrte Ingrid
1977) zusammenleben zu kön- Bergman nach Hollywood zurück.
nen.
Im Juni 1958 wurde die Ehe mit
Noch im selben Jahr heiratete sie Rosselini geschieden. Von 1958 bis
Rosselini, der ihretwegen seine Le- 1978 war Ingrid in dritter Ehe mit
bensgefährtin Anna Magnani (1908– dem schwedischen Produzenten
1973) verließ, in zweiter Ehe. Aus Lars Schmidt verheiratet.
der Verbindung gingen 1950 der In Amerika spielte Ingrid Bergman
Sohn Robertino sowie 1952 die 1959 ihre erste Fernsehrolle, die ihr
Zwillinge Isabella und Isotta hervor. prompt einen Fernsehpreis bescher-
Petter Lindström und Ingrid Berg- te. 1973 fungierte sie als Präsidentin
man stritten lange Zeit um Geld und der Jury bei den Filmfestspielen in
die Tochter Pia die schließlich bei Cannes. Den dritten „Oscar“ ver-
ihrem Vater bleiben durfte. Die diente sie sich für die beste weibli-
Tochter, deren Vorname in der che Nebenrolle in dem Film „Mord
Deutung der Eltern „Petter & Ingrid im Orientexpress“ (1974). In „Eine
always“ hieß, nannte sich fortan Frage der Zeit“ (1976) traten Ingrid
Jenny Ann, um nicht mehr an die Bergman und ihre Tochter Isabella,
gescheiterte Ehe ihrer Eltern erinnert die damals ihr Debüt feierte, zusam-
zu werden.
men auf.
Ingrid Bergman lebte sieben Jahre in Ihre letzte Filmrolle spielte Ingrid
Italien und spielte in fünf von Bergman in Ingmar Bergmans Film
25
„Herbstsonate“ (1978). Dafür erhielt Fernsehfilm über die israelische
sie 1979 den Preis des Verbandes der Politikerin Golda Meir (1898–
New Yorker Filmkritiker als beste 1978), wofür man ihr postum noch
Schauspielerin des Jahres. einen „Emmy“ zusprach. Ingrid
Ende des Jahres 1981 übernahm Bergman starb am 29. August
Ingrid Bergman – bereits vom Krebs 1982 an ihrem 67. Geburtstag in
gezeichnet – die Titelrolle in einem London.
26
Claudette
Colbert
Die Komödien-Königin
A ls Komödien-Königin begeis-
gab Claudette französischen Sprach-
unterricht.
terte die französische Schau-
1923 erhielt Claudette durch Ver- spielerin Claudette Colbert (1905–
mittlung einer Freundin eine winzi- 1996), eigentlich Claudette Lily
ge Bühnenrolle in dem Stück „Wild Chauchoin, in den 1930-er und
Westcotts“, die ihr Interesse am 1940-er Jahren das Kinopublikum.
Schauspielberuf weckte. Ihre Be- Sie mimte auf der Leinwand mit
geisterung für die Bretter, die die großem Erfolg vor allem jene Art
Welt bedeuten, schwand nicht, als von Frau, die nach oben kommt,
sie sich auch in den folgenden Jahren wenn sie das will. Notfall schneider-
zunächst mit kleinen Rollen begnü- te sie sich aus einer Fußmatte ein
gen musste. 1925/1926 trat sie in extravagantes Kostüm und ver-
dem Stück „A Kiss in a Taxi“ auf schaffte sich damit Zutritt zu höhe-
dem Broadway in New York auf. ren Kreisen.
1927 hatte Claudette ihren ersten Claudette Lily Chauchoin kam am
großen Auftritt als Schlangenbe-
13. September 1905 im Pariser
schwörerin Lou in dem Schauspiel Stadtviertel Saint-Mandé zur Welt.
„The Barker“. Ihr Partner dabei war Ihre Familie wanderte in die USA
Norman Forster (1900–1976), den aus und ließ sich 1912 in New York
sie 1928 heiratete und von dem sie nieder. Nach dem Verlassen der
1935 geschieden wurde. 1927 drehte „Washington Irving High School“
sie unter Regie von Frank Capra 1923 wollte das Mädchen anfangs
(1897–1991) ihren ersten Stumm- Modedesignerin werden, weswegen
film „For the Love of Mike“, der es eine Berufslaufbahn in einem
aber wenig beachtet wurde.
Modegeschäft begann. Nebenher
27
Den ersten Erfolg als Filmschau- Vertrag. Für den Film „Since you
spielerin hatte Claudette Colbert in went away“ (1944) unter der Regie
„The Smiling Lieutenant“ („Der von John Cromwell (1887–1979)
lächelnde Leutnant“, 1931), in dem nominierte man sie erneut für den
sie ein süßes, tapferes Mädchen „Oscar“. Später trat sie auch in
darstellte. 1932 spielte sie unter der Western und Melodramen auf. Ins-
Regie von Cecil B. De Mille (1881– gesamt drehte sie mehr als 60 Fil-
1959) die Poppaea in „The Sign of me. Ihr letzter Kinofilm hieß „Par-
the Cross“ („Im Zeichen des Kreu- rish“ („Sein Name war Parrish“,
zes“) und 1934 die Titelrolle in 1961).
„Cleopatra“.
Auf die Frage, wie es ihr gelungen
Für den Film „It Happened One sei, in Hollywood ein Star zu werden
Night“ („Es geschah in einer Nacht“, und lange zu bleiben, gab Claudette
1934) gewann Claudette Colbert den Colbert die Antwort: „Es bedarf
„Oscar“ als beste Schauspielerin. dazu einer Anzahl Faktoren: Talent,
Darin stellte sie an der Seite des gutes Aussehen, gründliche Kennt-
amerikanischen Schauspielers Clark nis der Berufstechnik, Vertrauen
Gable (1901–1960) eine kapriziöse zum Regisseur und sorgfältige Klei-
Millionenerbin dar. Im Gedächtnis derwahl“.
blieb den Zuschauern vor allem eine Anfang der 1950-er Jahre spielte
Szene, in der sie als Anhalterin ihr Claudette Colbert in Europa Theater.
Kleid hochhebt, um ihren Strumpf zu 1956 kehrte sie zum New Yorker
zeigen. Broadway zurück. 1984 feierte sie
1935 heiratete Claudette Colbert in mit „Aren’t We All?“ in New York
zweiter Ehe den Chirurgen Dr. Joel und in London Triumphe. Im selben
Pressman (gest. 1968). Für den Film Jahr wurde sie durch die „Film
„Private Worlds“ (1935) unter der Society“ des „New York Lincoln
Regie von Gregory La Cava (1892– Centers“ geehrt. 1987 wirkte sie in
1952) wurde sie für einen weiteren der TV-Produktion „The Two Mrs.
„Oscar“ nominiert. Grenvilles“ mit.
In dem Film „Bluebeard’s Eight Am 30. Juli 1996 starb Claudette
Wife“ („Blaubarts achte Frau“, Colbert im Alter von 90 Jahren in
1938) philosophierte Claudette Col- ihrem Anwesen in St. Peter auf der
bert über die zwei Typen der Män- Insel Barbados, das sie zeitweise
nerwelt: jene, die nur mit Pyjamaho- neben ihrem Apartment in New York
se schlafen und jene, die es nur mit bewohnte. In Biographien über sie
der Jacke tun. werden ihre Mischung aus französi-
Bis 1944 war Claudette Colbert scher Persönlichkeit und amerikani-
beim Filmstudio „Paramount“ unter scher Sportlichkeit gewürdigt.
28
Joan Crawford
Der Filmstar
mit den breiten Schultern
E in großer Star auf der Lein-
1916 zog die Familie nach Kansas
City, wo sich die Eltern 1917 wand war die amerikanische
scheiden ließen. Lucille besuchte Schauspielerin Joan Crawford alias
zunächst die „St. Agnes Academy“ Billie Cassin (1908–1977), geborene
und später eine andere Privatschule Lucille Fayle Sueur. Insgesamt stand
in Rockingham. Im Alter von 13 sie für mehr als 80 Filme vor der
Jahren siegte sie bei einem Tanz- Kamera. Auf der Leinwand vermit-
wettbewerb in einem Café von telte sie das Gefühl, Frauen könnten
Kansas City. Nach Abschluss der in einer Männerwelt durchaus Tri-
High School ging sie als Werkstu- umphe feiern. Als ihre „Waffen“ im
dentin zum „Stephens College“ in Beruf und im Privatleben galten ihre
Columbia (Missouri).
Augen, ihr Mund und ihr Schulter-
Da Lucille Sueur bald von einer polster.
Theaterkarriere träumte, kehrte sie Lucille Fayle Sueur kam am
nach Kansas City zurück und arbei-
23. März 1908 in San Antonio
tete dort als Verkäuferin in einem (Texas) zur Welt, als ihre Eltern
Warenhaus, um ihre Tanzstudien zu schon geschieden waren. Die Mut-
finanzieren. Nach einem Streit mit ter heiratete danach einen Varietébe-
ihrer Mutter verließ sie ihre Heimat sitzer namens Cassin in Lawton
und trat in Chicago und Detroit als (Oklahoma). Dort lebte die kleine
Sängerin und Tänzerin in Revuen Lucille, die damals „Billie Cassin“
und Cafés auf. Dabei fiel sie dem hieß, acht Jahre lang. Als Sechsjähri-
Produzenten Jacob J. Shubert ge erlitt sie einen Autounfall, bei
(1880–1963) auf, der sie an den dem fast ein Fuß verkrüppelt worden
Brodway in New York holte, wo sie wäre.
29
im Chor seiner neuen Revue „Inno- „Humoreske“ (1946), „Wenn Frauen
cent Eyes“ mitwirkte. hassen“ (1954), „Was geschah wirk-
Bei einem Auftritt in dem Stück lich mit Baby Jane?“ (1962) zusam-
„The Passing Show of 1924“ wurde men mit ihrer Intimfeindin Bette
die 16-jährige Joan Crawford von Davis (1908–1989), der Horrorfilm
einem Talentsucher des Filmstudios „Die Zwangsjacke“ (1964) und „Das
„Metro-Goldwyn-Mayer“ (MGM) Ungeheuer“ (1970). Ihre Autobio-
entdeckt und für den Film engagiert. graphie „A Portrait of Joan“ erschien
Am Neujahrstag 1925 ging sie nach 1971.
Hollywood, wo sie in „Pretty La- Joan Crawfords Ehen mit Douglas
dies“ ihre erste Rolle als Statistin Fairbanks jun., Franchot Tone und
spielte. Anfangs verdiente sie bei Philip Terry wurden geschieden. Ihr
MGM 75 US-Dollar pro Woche. vierter Ehemann, der Präsident der
Joan Crawfords Debüt von 1925 „Pepsi-Cola“-Gesellschaft, Alfred
folgten zahlreiche weitere Streifen. N. Steel, den sie 1955 heiratete, starb
Aber der große künstlerische Durch- im April 1959. Jahrelang bekleidete
bruch kam erst nach dem Stummfilm auch Joan einen Direktorenposten
„Our Dancing Doughters“ (1928), in bei „Pepsi Cola“ in New York. Sie
dem sie gekonnt einen verzweifelten adoptierte einen Jungen und drei
Nervenzusammenbruch mimte.
Mädchen. Fünfter Ehemann wurde
In „Dance, Fools, Dance“ (1931) Jack Beutel (1915–1989), der ei-
spielte Joan Crawford erstmals an gentlich Buetel hieß, aber weil sein
der Seite des Herzensbrechers Clark Name immer falsch geschrieben
Gable (1901–1960), mit dem sie wurde, sich entschloss, die falsche
hinterher in sieben anderen Filmen Schreibweise zu übernehmen.
auftrat. Danach sah man sie als Joan Crawford starb am 10. Mai
kokette Stenographin in „Menschen 1977 im Alter von 69 Jahren in New
im Hotel“ (1932) und in „Die York. Ihre Adoptivtochter Christina
Erpressung“ (1941). Während des Crawford schrieb das autobiographi-
Zweiten Weltkrieges war sie in sche Buch „Geliebte Rabenmutter“,
sozialen Organisationen tätig und das 1981 mit Fay Dunaway als Joan
nahm Opernstunden.
Crawford von Frank Perry verfilmt
Mit dem Film „Solange ein Herz wurde. Dieser Streifen mit dem Titel
schlägt“ (1945) gewann Joan Craw- „Mommie Dearest“ gibt einen tiefen
ford einen „Oscar“ als beste Schau- Einblick in das Leben von Joan
spielerin. Es folgten die Streifen Crawford.
30
Bette Davis
Die Frau,
die 100 Filme hinterließ
E iner der größten weiblichen
riarden School of Dancing“ und eine Hollywood-Stars war die ame- rikanische Schauspielerin Bette Da- chusetts).
vis (1908–1989), geborene Ruth Den Vornamen „Bette“ wählte Ruth Elizabeth Davis. Der großäugige Elizabeth Davis nach der Lektüre und oft Zigaretten rauchende Star des Romans „La Cousine Bette“ des drehte innerhalb von fast sechs französischen Dichters Honoré de Jahrzehnten rund 100 Filme. Balzac (1799–1850). Ihren Hang zur Da_von sind die besten überwiegend Welt der Bühne entdeckte Bette in den 1930-er und 1940-er Jahren Davis in einer Tanzschule von entstanden. Bette erhielt zwei „Os- Peterborough. Öffentlich aufgetre- cars“ als beste Schauspielerin und ten ist sie erstmals bei einer Weih- wurde acht Mal für diesen Preis nachtsfeier.
nominiert.
Bei der ersten Aufnahmeprüfung an Ruth Elizabeth Davis erblickte am 5. einer Schauspielschule fiel Bette April 1908 als Tochter eines Rechts- Davis durch, doch danach schaffte anwalts in Lowell (Massachusetts) sie die Aufnahme an der „John das Licht der Welt. Nach der Murray Anderson Dramatic School“ Scheidung ihrer Eltern, die sie als in New York, wo die Tänzpädagogin Siebenjährige erlebte, wuchs sie bei Martha Graham (1894–1991) ihre ihrer Mutter Ruthie auf, die ihren Lehrerin war. Das erste Engagement Lebensunterhalt für sich und ihre an einer Bühne feierte sie in beiden Töchter als Fotografin ver- Rochester bei dem Regisseur George diente. Bette besuchte die „Cushing Cukor (1899–1983), der die ehrgei- Academy“ in Ashburnham, die „Ma- zige und eigenwillige Bette später
31
hinauswarf. Danach arbeitete sie ten. 1946 gründete sie die Filmge-
zeitweise als Platzanweiserin in sellschaft „Bette Davis, Inc.“.
einem Provinztheater. Zu Bette Davis besten frühen Filmen
1929 erlebte Bette Davis in dem gehören „Of Human Bondage“
Stück „The Lady from the Sea“ ihr („Der Menschen Hörigkeit“, 1934),
erfolgreiches Debüt am Broadway in mit dem sie den großen Durchbruch
New York. Das „Universal Filmstu- schaffte, „Dark Victory“ („Opfer
dio“ holte sie 1930 nach Hollywood einer großen Liebe“, 1939), „The
(Kalifornien). Nach dem Flop „Bad Letter“ („Das Geheimnis von Mal-
Sister“ (1930/1931) an der Seite von ampur“, 1940), „The Little Foxes“
Humphrey Bogart (1899–1957) („Die kleinen Füchse“, 1941), „Mr.
wurde sie entlassen und wechselte Skeffington“ („Das Leben der Mrs.
1931 zum Filmstudio „Warner Brot- Skeffington“, 1944 und „The Corn Is
hers.“ für das sie bis 1949 vor der Green“ („Das grüne Korn“, 1945).
Kamera stand. Dort ging es bald Für ihre Prachtrollen in „Dange-
aufwärts.
rous“ („Gefährlich“, 1935) und „Je-
Als Anfängerin huschte Bette Davis, zebel“ („Jezebel – Die boshafte
die sich standhaft weigerte, den ihr Lady“, 1938) erhielt Bette Davis je
vorgeschlagenen wohlklingenden einen „Oscar“ als beste Schauspiele-
Künstlernamen „Bettina Dawes“ an- rin. Außerdem nominierte man sie
zunehmen, noch verschüchtert durch acht Mal für den „Oscar“. Nach
ihre ersten Filme. Gelegentlich kam ihrem zweiten „Oscar“ erhielt sie ein
es zum Streit wegen der Auswahl der Mitspracherecht bei der Themenaus-
Rollen zwischen dem Studio und ihr. wahl ihrer Filme.
Sie verlor einen Prozess, in dem sie Besonders überzeugend spielte Bette
forderte, aus ihrem Vertrag entlassen Davis komplizierte, neurotische,
zu werden, der ihr vorschrieb, jede macht- und geldhungrige, mörderi-
noch so seichte, ihrem Talent nicht sche, willensstarke und ehrgeizige
angemessene Rolle spielen zu müs- Frauen. Auf dem Plakat für den Film
sen.
„Beyond the Forest“ (1949) hieß es
1941 wurde Bette Davis als erste deshalb treffend: „Keine ist so gut
Frau zur Präsidentin der „Academy wie Bette Davis, wenn sie schlecht
of Motion Picture Arts and Sci- ist!“
ences“ gewählt. Während des Zwei- Als weitere Glanztaten des filmi-
ten Weltkrieges leitete sie als Präsi- schen Schaffens von Bette Davis
dentin die „Hollywood Canteen gelten „All About Eve“ („Alles über
Foundation“. Diesem Club gehörten Eva“, 1950) und „Whatever Hap-
Filmstars an, die die kämpfenden pened to Baby Jane? („Was geschah
amerikanischen Soldaten unterhiel- wirklich mit Baby Jane?“, 1962). In
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letzterem Streifen spielte sie zusam- Schauspielstil, wirkte wie ein Ener-
men mit ihrer Intimfeindin Joan giebündel, war aber in Wirklichkeit
Crawford (1908–1977), die sie ihr auch verletzlich.
Leben lang hasste. Erster Ehemann von Bette Davis war
1960 verklagte Bette Davis ein von 1932 bis 1939 der Trompeter
Filmmagazin, das angedeutet hatte, Oscar Harmon Nelson. Die 1940
ihre Karriere als Schauspielerin sei geschlossene zweite Ehe mit dem
beendet, auf Schadenersatz in Höhe Gastwirt Arthur Farnsworth endete
von einer Million US-Dollar. 1962 1943 durch den Tod des Gatten. Aus
erregte sie mit einem Stellungsge- ihrer dritten Ehe von 1945 bis 1950
such großes Aufsehen. Die von ihr mit dem Boxer, Maler und Physio-
aufgegebene Anzeige lautete: „Mut- therapeuten William Grant Sherry
ter von drei Kindern – 10, 11 und 15 stammt die Tochter Barbara Davis.
–, geschieden, Amerikanerin. Drei- Während der vierten Ehe von 1950
ßig Jahre Erfahrung als Filmschau- bis 1960 mit dem Schauspieler Gary
spielerin. Möchte ständige Beschäf- Merrill (1915–1990), der an Lun-
tigung in Hollywood.“
genkrebs starb, adoptierte sie das
Die Memoiren von Bette Davis Mädchen Margot und den Jungen
erschienen unter dem Titel „The Michael. Die leibliche Tochter Bar-
Lonely Life: An Autobiography“ bara Davis Hyman veröffentliche
(1962). Zusammen mit Michael unter dem Titel „My Mother’s
Herskowitz schrieb sie das Buch Keeper“ (1985) ein sehr kritisches
„This’n That“ (1987) und zusammen Buch über die Beziehung zu ihrer
mit Whitney Stine den Band „I’d Mutter.
Love to Kiss You: Conversations Als 80-Jährige gab Bette Davis
with Bette Davis“ (1990).
unumwunden zu: „Ich war ein
1973 spielte Bette Davis in einer Terror, unleidlich, ungezogen mit
eigenen Fernsehserie eine herrsch- schrecklichen Manieren, nur auf den
süchtige Mutter und erhielt hierfür Erfolg und meine Karriere bedacht.
einen „Emmy“. 1977 wurde ihr als Ich hatte nie Zeit für Freundlichkei-
erster Frau der Preis des amerikani- ten. Ich habe stets nur gesagt, was
schen Filminstituts für ihr Lebens- ich dachte, und das war keineswegs
werk verliehen. Trotz schwerer immer druckreif“. Der amerikani-
Krankheiten – wie Herzinfarkt, spä- sche Filmemacher Joseph L. Man-
ter Brustkrebs, Schlaganfall und kiewicz (1909–1993) sagte über sie:
Hüftbruch – war sie in „The Whale „Bette, wenn du einmal stirbst, sollte
of August“ („Wale im August“, man nur einen Satz auf deinen
1987) auf der Leinwand zu sehen. Grabstein schreiben: Sie ging immer
Sie pflegte einen extravaganten den dornigen Weg“.
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Bette Davis erlag am 6. Oktober 1989 im Alter von 81 Jahren im „Amerikanischen Krankenhaus“ von Paris-Neuilly einem Brust- krebsleiden. Man hatte sie in die Klinik eingeliefert, weil sich ihr Zustand erheblich verschlechtert hatte. Sie war aus Spanien gekom- men, wo sie in San Sebastián ein men.“
34
Doris Day
Die Heldin
jungfräulicher Sexkomödien
E ine der berühmtesten Lein-
Nach der Scheidung ihrer Eltern zog
die achtjährige Doris mit ihrer wandheldinnen in Musicals der
Mutter Alma Sophia von Kappelhoff frühen 1950-er Jahre und in zahlrei-
und ihrem Bruder Paul nach Evans- chen jungfräulichen Sexkomödien
ton (Illinois) und lebte dort in der späten 1950-er war die amerika-
bescheidenen Verhältnissen. Neben nische Schauspielerin und Sängerin
dem Schulbesuch nahm sie Tanz- Doris Day, geborene Doris von
stunden und trat als Amateurtänzerin Kappelhoff. Unvergessen sind vor
auf. Mit zwölf Jahren gewann sie allem ihre Filme, die sie an der Seite
zusammen mit einem Jungen na- des amerikanischen Schauspielers
mens Jerry Doherty einen Tanzwett- Rock Hudson (1925–1985) drehte.
bewerb in Cincinati und besuchte die Doris von Kappelhoff kam am
„Fanchon and Marco School“ in Los
3. April 1924 als Tochter deutscher
Angeles (Kalifornien).
und katholischer Einwanderer in
1938 wurde die 14-jährige Doris von Cincinnati (Ohio) zur Welt. Ihr Vater
Kappelhoff in Cincinnati das Opfer William von Kappelhoff arbeitete
eines folgenschweren Autounfalls. als Musiklehrer, Kirchenorganist
Wegen der dabei erlittenen Verlet- und Chorleiter. Doris trug den Kose-
zungen lag sie 14 Monate lang im namen „Do-Do“, erhielt Ballettun-
Krankenhaus und musste das Tanzen terricht, trat bereits mit fünf Jahren
aufgeben. Im Hospital begann sie zu in einem Restaurant auf, sollte auf
singen und nahm bald darauf Ge- Wunsch ihres Vaters aber Konzert-
sangsunterricht.
pianistin werden und besuchte die
Als 17-Jährige trat Doris von Kap- „Withrow High School“ in Cincin-
pelhoff 1941 ohne Honorar als nati.
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Sängerin im lokalen Rundfunksen- als Sängerin in der „Bob Hope radio
der „WCPO“ auf. Der Orchesterlei- show“ bei der Rundfunkgesellschaft
ter Barney Rapp verpflichtete sie an „National Broadcasting Corporati-
einen Nachtclub. Nach einem Auf- on“ (NBC) auf.
tritt mit ihrem Erfolgssong „Day by 1950 schloss Doris Day mit „Colum-
Day“, vor dem ihr Mädchenname bia Records“ einen Plattenvertrag
„Doris von Kappelhoff“ dem Ansa- ab, der ihr innerhalb weniger Jahre
ger nur schwer über die Lippen mehr als 17 Millionen verkaufte
gekommen war, entschloss sich die Platten bescherte. 1952/1953 hatte
Sängerin, sich künftig „Doris Day“ sie bei der Rundfunkgesellschaft
zu nennen. Dieses Pseudonym soll „Columbia Broadcasting System“
angeblich der Besitzer des Nacht- (CBS) eine eigene Radio–Show.
clubs, in dem sie sang, vorgeschla- Bereits 1952 gehörte sie zu den zehn
gen haben.
am Besten verdienenden Filmschau-
Der Erfolg von Doris Day wuchs spielerinnen. 1954 sah man sie als
durch Auftritte, eigene Shows sowie Partnerin von Howard Keel in dem
durch die Zusammenarbeit mit gro- Western-Musical „Calamity Jane“,
ßen Jazz-Bands, darunter Barney in dem sie den Evergreen „Secret
Rapp, Bob Crosby (1904–1977), Love“ vortrug. 1955 löste sie ihren
Fred Waring und Les Brown, mit Vertrag mit „Warner Brothers“ und
dem sie von 1943 bis 1946 auf arbeitete fortan als selbständige Pro-
Tournee ging. Ihre Lieder „Senti- duzentin und Schauspielerin.
mental Journey“, „Que sera“ und Als Partnerin von James Stewart
„Everybody loves a Lover“ entwi- (1908–1997) sorgte Doris Day in
ckelten sich zu Ohrwürmern und dem Film „The Man who knew too
hievten sie an die Spitze nationaler much“ („Der Mann, der zuviel
Schlagerparaden.
wußte“, 1956) von Alfred Hitchcock
Bei einer Tournee kam Doris Day (1899–1980) für Aufsehen. Dieser
mit Hollywood in Berührung. Dort Streifen schloss mit ihrem Lied
erkannte der Regisseur Michael „Que sera, sera“ ab.
Curtiz (1888–1962) ihr schauspiele- In der Folgezeit begeisterte Doris
risches Talent. 1946 erhielt sie einen Day in jungfräulichen Sexkomödien
Vertrag mit dem Filmstudio „Warner – wie „Pillow Talk“ („Bettgeflüs-
Brothers“. 1948 kam sie unverhofft ter“, 1959), „Love Come Back“
zu einer Hauptrolle in dem Musical („Pyjama für zwei“, 1961), „That
„Romance on the High Seas“ („Zau- Touch of Mink“ („Ein Hauch von
bernächte in Rio“), weil die dafür Nerz“, 1962) und „Send Me No
vorgesehene Betty Hutton schwan- Flowers“ („Schick mir keine Blu-
ger wurde. Von 1948 bis 1950 trat sie men“, 1964) ein Millionenpublikum.
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Für „Pillow Talk“ wurde sie für den Bruder der Filmschauspielerin Vir-
„Oscar“ nominiert. Als Mitte der ginia Weidler, endete am 31. Mai
1960-er Jahre die „Sexwelle“ be- 1949 mit der Scheidung.
gann, ließ das Interesse an der Dritter Ehemann von Doris Day
sauberen Traumfrau Doris Day nach. wurde im April 1951 der Manager
In ihren Sexkomödien wurde zwar und Produzent Marty Melcher
ständig auf das eine hingearbeitet, (1915–1968), Ex-Gatte der Sängerin
aber ohne dass man es je zeigte. Patti Andrews von der Gruppe „The
1963 wurde sie zum Mädchen ge- Andrew Sisters“. Melcher starb an
wählt, mit dem Amerikas Astronau- Herzversagen und ließ seine Witwe
ten am liebsten zum Mond fliegen fast völlig verarmt zurück, weil ihr
würden. Weniger schmeichelhaft Vermögen von mehr als 20 Millio-
war 1964 der „Saure Apfel als nen US-Dollar in schlechte Hände
pressefeindlichster Star“.
geraten war.
Von 1968 bis 1972 trat Doris Day in Am 18. September 1974 gewann
128 Folgen der Fernsehserie „The Doris Day einen Prozess gegen ihren
Doris Day Show“ auf. 1989 erhielt früheren Rechtsanwalt und Manager
sie für ihr Gesamtwerk den „Cecil B. Jerome B. Rosenthal, der ihr Geld
De Mille Award“. In jenem Jahr angelegt hatte. Sie sagte hierzu:
unterschrieb sie bei der Rundfunk- „Mein Ehemann vertraute Rosen-
gesellschaft „American Broad- thal, und ich vertraute meinem
casting Company“ (ABC) einen Ehemann.“
Vertrag über drei Fernsehfilme, die Die vierte Ehe von Doris Day mit
1991 in der Serie „Widows Club“ zu dem Restaurateur Barry Comden
sehen waren.
währte vom 14. April 1976 bis 1980.
Doris Day war vier Mal verheiratet. Danach wagte sie keinen weiteren
Ihre erste Ehe schloss sie als 17- Versuch als Ehefrau. Ihre Memoiren
Jährige im März 1941 mit dem sind unter dem Titel „Doris Day: Her
Musiker Al Jordon. Aus dieser Own Story“ (1976) erschienen. Seit
Verbindung, die bis 1943 währte, Anfang der 1980-er Jahre lebt sie
stammt ihr Sohn Terry (geb. 1942), allein mit ihren Hunden und Katzen
der später Filmproduzent wurde. Die in Carmel (Kalifornien) und enga-
im März 1946 geschlossene zweite giert sich für ihre Stiftung für
Ehe mit George Weidler, einem leidende Haustiere.
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Marlene
Dietrich
Die deutsche
„Göttin des Films“
Z u Weltruhm gelangte in den
Die Eltern zogen kurz nach der
Geburt des Mädchens nach Weimar 1930-er Jahren die deutsche
(Thüringen), wo Marlene an einer Schauspielerin und Sängerin Marle-
Privatschule unterrichtet wurde. Als ne Dietrich (1901–1992), die eigent-
der Vater 1911 starb, kehrte die lich die Vornamen Maria Magdalene
Familie nach Berlin zurück. Dort trug. Ihren Erfolg als Filmstar be-
heiratete die Mutter in zweiter Ehe gründete sie als fesche Lola mit
den Grenadierleutnant Eduard von Zylinder, wasserstoffblonden Haa-
Losch, der 1916 im Ersten Weltkrieg ren, glühenden Blicken und betören-
an der Ostfront fiel. In Berlin- den Beinen in dem Streifen „Der
Charlottenburg besuchte Marlene blaue Engel“. Später feierte man die
bis zum Abitur 1918 das Augusta- Dietrich oft als „Göttin des Films“.
Viktoria-Lyzeum. Nebenher lernte Erst seit 1956 weiß man, dass Maria
sie bei Paul Dessau (1894–1979), Magdalene Dietrich am 27. Dezem-
der später Dirigent und Komponist ber 1901 in Berlin-Schöneberg zur
wurde, an der Berliner Musikakade- Welt kam. Denn damals tauchte ein
mie das Geigespielen.
im Zweiten Weltkrieg verlorener
Von 1919 bis 1921 folgte ein Auszug aus dem Berliner Geburten-
Musikstudium, das Marlene nach register wieder auf. Bis dahin hatte
einer Sehnenscheidenentzündung die Dietrich stets 1904 als ihr
gegen den Willen ihrer Mutter Geburtsjahr genannt. Ihr Vater war
abbrach. Nach dem gescheiterten der Polizeileutnant Louis Erich Otto
Versuch, an der Schauspielschule Dietrich, ihre Mutter Elisabeth
von Max Reinhardt (1873–1943) stammte aus der Berliner Uhrenfa-
aufgenommen zu werden, wurde sie brikanten-Familie Felsing.
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als Revuegirl in der Truppe von bedurfte es großer Überzeugungs-
Guido Thielscher (1859–1941) en- kunst, da die Dietrich damals noch
gagiert und debütierte Weihnachten keine hohe Meinung von ihrem
1921 im Hamburger Operettenhaus. schauspielerischen Talent und ihrer
Danach gab ihr und Grete Mosheim Fotogenität hatte. Das Drehbuch für
(1905–1986) Reinhardts Assistent, diesen Film basierte auf dem Roman
Berthold Held (1868–1931), Schau- „Professor Unrat“ (1905) von Hein-
spielunterricht. Ab 1922 erhielt sie rich Mann (1871–1950).
kleine Rollen als Schauspielerin an Marlene Dietrich mimte in „Der
Berliner Bühnen. Ihren ersten Auf- blaue Engel“ eine leichtlebige und
tritt auf der Leinwand feierte sie in mitleidslose Kabarettsängerin, die
dem Stummfilm „So sind die Män- einen strengen Lehrer – gespielt von
ner“ (1922). Heinrich George (1893–1946) und
Am 17. Mai 1924 heiratete Marlene nicht von Hans Albers – betört, ihn
Dietrich den Produktionsassistenten auf sein Drängen heiratet, sich aber
Rudolf Sieber (1897–1976), und im bald mit ihm langweilt und ihn
Januar 1925 kam die gemeinsame verachtet. Weltberühmt wurde ihr
Tochter Maria Riva zur Welt. Da- für diesen Streifen von Friedrich
nach sah man sie in den Streifen Hollaender (1886–1976) kompo-
„Manon Lescaut“ und „Kopf hoch, nierter Song „Ich bin von Kopf bis
Charly“ (beide 1926). Zusammen Fuß auf Liebe eingestellt.
mit dem Ensemble der Revue „Es Noch 1930 ließ Marlene Dietrich
liegt in der Luft“ machte sie 1928 ihre vierjährige Tochter und ihren
ihre ersten Schallplattenaufnahmen. Ehemann in Berlin zurück und ging
Am 11. September 1929 fiel Marle- mit Joseph Sternberg nach Holly-
ne Dietrich dem aus Wien stammen- wood. In der kalifornischen Filmme-
den Hollywood-Regisseur Joseph tropole wurde sie zum Weltstar.
Sternberg (1894–1969) auf, als sie Zusammen mit Sternberg drehte sie
im Theater am Schiffbauerdamm „Marocco“ („Herz in Flammen“,
zusammen mit Hans Albers (1892– 1930), „Dishonored“ („Entehrt“,
1960) in der Revue „Zwei Krawat- 1931), „Shanghai Express“ (1932),
ten“ mitspielte. Er war aus den USA „Die blonde Venus“ (1932), „The
gekommen, um Hans Albers zu Scarlet Empress“ („Die große Za-
sehen und für seinen Tonfilm „Der rin“, 1934) und „The Devil is a
blaue Engel“ (1930) zu verpflichten. Woman“ („Der Teufel ist eine Frau“,
Sternberg war von Marlenes Beinen 1935).
so beeindruckt, dass er ihr die 1931 holte Marlene Dietrich ihre
weibliche Hauptrolle anbot. Um die Tochter und ihren Mann in die USA.
Einwilligung hierfür zu erreichen, Sie hatte ein schlechtes Gewissen,
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Image. Angebote der Nazis für eine weil sie ihr Kind vernachlässigt und
Rückkehr nach Deutschland lehnte ihren Gatten mit Sternberg betrogen
sie ab. Statt dessen wandte sich hatte. Nach der Machtergreifung der
gegen den Nationalsozialismus, un- Nationalsozialisten in Deutschland
terstützte jüdische Emigranten und von 1933 mied die Dietrich ihr
war ab 1943 drei Jahre lang in Heimatland.
amerikanischer Uniform bei der 1935 trennten sich der geniale Stern-
Truppenbetreuung von US-Soldaten berg und die weltberühmte Schau-
aktiv. spielerin im gegenseitigen Einver-
Nach dem Zweiten Weltkrieg sah nehmen. Für ihre Rolle in „The
man Marlene Dietrich in den Filmen Garden of Allah“ („Der Garten
„A Foreign Affair“ („Eine auswärti- Allahs“, 1936) erhielt die Dietrich
ge Affäre“, 1948) von Billy Wilder, die bis dahin höchste Gage im
„Stage Fright“ („Die rote Lola“, Filmgeschäft: 200000 US-Dollar.
1950) von Alfred Hitchcock (1899– Erfolg hatte sie auch in der Filmko-
1980) und „Rancho Notorious“ mödie „Angel“ („Engel“, 1937) von
(„Engel der Gejagten“, 1952) von Ernst Lubitsch (1892–1947), dessen
Fritz Lang (1890–1976).
Spezialität charmant-ironische Lust-
Obwohl Marlene Dietrich weiterhin spiele waren.
in Filmen mitwirkte, konzentrierte Ab 1937 war Marlene Dietrich
sie sich fortan mehr auf ihre Karriere amerikanische Staatsbürgerin. Ende
als Sängerin. 1953 begeisterte sie der 1930-er Jahre trennte sie sich
drei Wochen lang im Hotel „Sahara“ von ihrem Mann Rudolf Sieber,
von Las Vegas (Kalifornien) das von dem sie nie geschieden wurde
Publikum, und 1954 fesselte sie im und der zuletzt in Kalifornien eine
Londoner „Café de Paris“ ihre Hühnerfarm leitete. Danach hatte sie
Zuhörer. Bei einem Konzert in ihrer zahlreiche Liebesbeziehungen, unter
Geburtsstadt Berlin dagegen erntete anderem gleichzeitig mit dem fran-
sie 1960 missfällige Pfiffe, die sie zösischen Schauspieler Jean Gabin
fast von der Bühne zwangen.
(1904–1976) und mit dem deutschen
Nach zahlreichen Auftritten in aller Schriftsteller Erich Maria Remar-
Welt wurde Marlene Dietrich von que (1898–1970). In den Nächten,
dem renommierten New Yorker Kri- in denen die Diva mit ihrem feuri-
tiker Alexander H. Cohen als „Pri- gen Liebhaber Gabin schlief, be-
madonna der Diseusen“ gewürdigt. trank sich der eifersüchtige Remar-
In den 1960-er Jahren rührte sie vor que.
allem mit dem Lied „Where Have In dem Film „Destry Rides“ (1939,
All the Flowers Gone“ („Sag mir, wo deutsch: „Der große Bluff“) par-
die Blumen sind“) die Herzen.
odierte die Dietrich ihr eigenes
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Ernst Probst, 2001, Superfrauen 7 - Film und Theater, Munich, GRIN Publishing GmbH
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