2
Unterrichts. Der Kernpunkt dieses „anderen“ Unterrichts liegt „in einer Didaktik der impliziten Analyse, d.h. der grundsätzlich sinnenhaft vermittelten, im produktiven Tun erfahrenen und allerdings erst daraus herauswachsend, der kognitiv reflektierten Erkenntnis.“ 6 Handlungsorientierter Unterricht setzt auf die Selbstständigkeit der Schüler und verbindet durch ganzheitliches Tun kognitive, sinnliche und affektive Zugänge miteinander. Durch den Zusatz „produktionsorientiert“ wird hervorgehoben, dass sich die Schüler selbstständig, literarisch schreibend mit Texten beschäftigen sollen.
1.3 Ilse Kleberger
Die deutsche Schriftstellerin Ilse Kleberger wurde 1921 in Potsdam geboren und lebt heute in Berlin. Sie ist die Autorin von Reiseliteratur, Biographien sowie Kinder- und Jugendliteratur. Die gelernte Allgemeinmedizinerin versuchte sich an Lyrik und Reisefeuilletons, bis sie schließlich die ersten Kinderbücher für ihre Tochter und ihre beiden Neffen verfasste. 7
1.4 Das Gedicht „Sommer“
Das Gedicht „Sommer“ von Ilse Kleberger besteht formal aus drei Strophen mit jeweils acht Versen. Es ist im unreinen Kreuzreim geschrieben. Es gibt in der zweiten Hälfte jeder Strophe je zwei Verse, die vom Reimschema abweichen.
Die Autorin greift auf einen kindgerechten Wortschatz zurück und verwendet in den ersten beiden Strophen vorwiegend Nomen, wodurch das Gedicht visuell strukturiert und besonders für Kinder leicht zu erfassen ist. In der dritten Strophe kommen dann mehr Verben hinzu. Das Leitmotiv des Gedichtes ist, wie die Überschrift schon aussagt, der Sommer. Jede Strophe beginnt mit einer Frage, in der das Wort „Sommer“ verwendet wird. Alle Strophen sind parallel zueinander aufgebaut und beinhalten eine Frage und die zugehörige Antwort in Form einer Ellipse. Ilse Kleberger wendet sich in jeder Strophe einem Sinn des Menschen zu (erste Strophe: Riechen, zweite Strophe: Schmecken, dritte Strophe: Hören) und beschreibt anhand dieser Sinne den Sommer.
2. Didaktische Analyse
2.1 Fachdidaktische Diskussion
Wie schon in der Sachanalyse 8 erwähnt, hat sich der Umgang mit Literatur im letzten Jahrhundert stark verändert.
In den 50er Jahren unterlag der Literaturunterricht einer Mischung aus werkimmanenter Interpretation und der Erlebnispädagogik. 9 Zehn Jahre später bestimmte der „literaturästhetische Ansatz die Theoriediskussion“ 10 . Trotz der Veränderungen im Deutschunterricht blieben einige Konstanten erhalten. Vorrangiges Ziel des damaligen Literaturunterrichts war Erkenntnis und Wissen, das kognitive Vorgehen. Weiterhin waren wortgewandte Schüler und schnelle Leser den Langsamen überlegen. Das literarische Objekt hatte gegenüber dem Subjekt Priorität.
6 ebd, S.11
7 vgl.: http://www.suchmappe.de/ilse-kleberger/enzyklopaedie.html (19.06.07, 14.29 Uhr)
8 siehe S.1
9 vgl.: Haas, S.7
10 siehe: ebd., S.7
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Dem gegenüber steht der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht 11 . Dieser kehrt das „Objekt-Subjekt-Verhältnis“ 12 um, verwendet neue Methoden und definiert die Zielwerte des Unterrichts neu. Durch den im handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht geprägten Begriff des „mündigen Lesers“, bekommen auch die langsameren Leser die Chance, die erwartete literarische Kompetenz zu erreichen. Außerdem bleiben den Schülern Entscheidungs- und Wahlmöglichkeiten um sich der Literatur zu nähern. 13 Der Umgang mit Literatur wird nun als Prozess verstanden, an dem die Schüler aktiv teilnehmen.
Die vorliegende Lehrprobe unterliegt dem handlungs- und produktionsorientierten Ansatz. Neben die Textrezeption tritt die Textproduktion. Das aktive Handeln wird mit der Einsicht in die Gedichtstruktur und dem Entdecken von Ausdrucksmöglichkeiten verbunden.
2.2 Lehrplanbezug
Der Lehrplan Deutsch für die Klassenstufe 6 ist in fünf Teilbereiche gegliedert. Die vorliegende Stunde kann den Teilbereichen „Sprechen“, „Schreiben“ und „Lesen“ zugeordnet werden. Die Handlungsorientierung sowie die Freude an der Sprache und die Lese- und Schreibmotivation lyrischer Texte sollen dabei im Vordergrund stehen. Das Ziel ist die Entwicklung einer Lese- und Schreibkultur. Im Lehrplan ist im Bezug zum „Sprechen“ die Sprachkompetenz als wichtiges Ziel angegeben. Außerdem werden beim kritischen Umgang mit den Schülertexten die gruppenbezogenen Fähigkeiten, sowie das Zuhören und das Reagieren ausgebaut. Ein Lernziel im Teilbereich „Schreiben“ ist, kreative Texte selbständig verfassen, welches in dieser Stunde beim Weiterschreiben des Gedichtes erfolgt. Dies ist nach dem Lehrplan „das Ergebnis eines individuellen Denk- und Schreibprozesses“. 14 Beim Lesen beziehen sich die Lernziele auf die Lesefertigkeit, die Lesefähigkeit und die Kenntnisse über Textformen und Gattungsmerkmale. In der Lehrprobenstunde kommt es vor allem darauf an den lyrischen Text als solchen zu erkennen, Gattungsmerkmale daran festzumachen und ihn inhaltlich und sinngemäß zu erschließen.
2.3 Relevanz für die Schüler
Die Kinder leben heute in einer schnelllebigen von Medien übersäten Welt. Die Lust am Lesen und eigene Texte zu verfassen wird seltener. Durch den Überschuss an Medien haben die Schüler verlernt einen Text aktiv zu konsumieren. Sie gehen meist nur sehr oberflächlich mit Literatur um und können diese auch nicht mehr reflektieren, geschweige denn produzieren.
Diese Einheit über Lyrik soll hier ansetzen und zum genauen Lesen und produzieren von Texten anregen. Der handlungs- und produktionsorientierte Ansatz erfordert von den Schülern aktiv zu werden und sich näher mit dem Text auseinander zusetzen. Das Weiterschreiben des Gedichtes verlangt von den Schüler Konzentration für das Detail und das Umsetzen der Gattungsmerkmale. Sie dürfen eigene Ideen und Erfahrungen mit einbringen. Die Lebenswelt der Schüler wird mit einbezogen und motiviert die Kinder sich zu äußern. Der Jahreszeitenbezug bietet sich in dem Sinne an, dass jedes Kind einen Gegenwartsbezug aufbauen kann, der ihm den Zugang zum Gedicht „Sommer“ erleichtert.
11 siehe: S.1
12 siehe: Haas, S.7
13 vgl.: Haas, S.7
14 siehe: http://www.saarland.de/dokumente/thema_bildung/ERSLp-06.pdf (23.06.07, 12.04 Uhr)
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2.4 Lernvoraussetzungen in Bezug auf die Lehraufgabe
Die Klasse 6.2 hat bisher nur wenig Erfahrungen im Umgang mit Gedichten gesammelt. Die Hinführung zur Lyrik soll den Schülern mit Hilfe der Handlungs- und Produktionsorientierung den Zugang zum Gedicht erleichtern.
Ich denke, dass durch den Gegenwartsbezug und das Einbeziehen der Realien das Interesse am Gedicht „Sommer“ und die Motivation zum Weiterschreiben der Schüler geweckt werden Die vorliegende Lehrprobe ist die vierte Stunde der Unterrichtseinheit. In der ersten Stunde haben die Schüler das Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer kennen gelernt und nach dem Muster ein eigenes Gedicht mit dem Thema Sommer verfasst. Der Einstieg der zweiten Stunde bestand aus drei unterschiedlichen Texten, an denen die Schüler den Unterschied zwischen Prosa und Gedichten erkennen sollten. Des Weiteren wurden die Merkmale von Gedichten an den Texten erarbeitet.
Die dritte Stunde zum Thema und die Lehrprobenstunde finden am selben Tag innerhalb einer Doppelstunde statt, daher kann ich nur das Vorhaben beschreiben.
Die Hausaufgabe der Schüler war es, ein selbstgeschriebenes Gedicht auf ein leeres Blatt zu übertragen und dies ansprechend zu verzieren. Diese Gedichte sollen dann in der dritten Stunde auf Plakate geklebt und im Klassenraum veröffentlicht werden. Danach werden an einem Beispiel die Merkmale von Gedichten wiederholt. Ziel der Stunde ist es den Inhalt eines Gedichtes genau zu erfassen, Reimwörter zu finden und sich näher (gründlicher) mit dem Sinn des Gedichtes zu beschäftigen.
2.5 Fachdidaktische Reduktion
Der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht bietet etliche Möglichkeiten für den Umgang mit Lyrik, auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte. Ich habe aus den vielfältigen Spektrum der Möglichkeiten diejenige ausgewählt, die meines Erachtens für den Zweck und das verfolgte Ziel am sinnvollsten im Hinblick für diese Unterrichtsstunde erscheint.
Die zentrale Aufgabe für die Schüler liegt darin, dass die Merkmale des Gedichtes am Beispiel erkannt werden um dann anhand der erarbeiteten Kriterien das Gedicht weiterschreiben zu können. Sie müssen sich den Inhalt des Gedichtes sowie die Merkmale bewusst machen und ihre Fantasie einsetzen.
Durch die Motivation mit den verwendeten Realien lassen sich die Schüler auf den Textinhalt ein und kombinieren ihn mit eigenen Empfindungen. Hierbei müssen sie die Kernaussage richtig verstanden haben, um eine Fortsetzung schreiben zu können, die zum Textanfang des vorliegenden Textes passt.
Die Benutzung der Realien dient dazu, den Gegenwartsbezug der Schüler herzustellen und sie somit zum Lesen zu motivieren. Indem sie sich mit ihren Empfindungen auseinandersetzen, bieten sich Gelegenheiten für Gespräche, die die sprachliche Entwicklung der Schüler fördern.
2.6 Mögliche Lernschwierigkeiten
Die Schüler sind stumme Impulse in Form von Bildern, Sätzen oder kleinen Texten gewöhnt. Der Einstieg der Lehrprobenstunde besteht aus einer Vielzahl von Realien zu denen sich die Schüler in Bezug auf ihre Empfindungen äußern sollen. Im Regelfall äußern die Schüler spontan ihre Gedanken zum Impuls. Um auf das Thema des Gedichtes hin zu steuern, werde
Arbeit zitieren:
Denise Sula, 2008, Gedicht Sommer von Ilse Kleberger - Produktionsorientierter Literaturunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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