Inhalt
1. Einführung 3
2. Sachanalyse. 4
3. Kommentierte Verlaufsplanung 6
4. Bedingungsanalyse 8
5. Didaktische Analyse 10
6. Intention und Interesse der Leitenden 13
7. Ziele. 13
7.1. Grobziele. 13
7.2. Feinziele. 13
8. Angestrebte bzw. mögliche Verlaufsplanung. 15
9. Reflexion und Nachbetrachtung zum Verlauf der Einheit 20
10. Literatur und verwendete Materialien. 22
10.1. Durchgesehene und zitierte Literatur sowie Internetrecherche. 22
10.2. Verwendete Materialien 23
2
1. Einführung
In der ersten Dezemberwoche übernahm ich eigenständig die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden (Konfis 1 ), beginnend mit dem neuen Themenblock „Jesus von Nazaret“, gemäß des Unterrichtsplans der Gemeindebereiche Lichtenrade Ost und Süd. Die erste Stunde begann ich mit einem Brainstorming, bei dem sämtliche Assoziationen zu „Jesus“ gewünscht waren. Die zahlreichen Einfälle wurden von den Jugendlichen genannt, kurz erläutert und auf dem Flipchart von den Konfis selbst festgehalten. Eine Kritik der Anderen an den eigenen Assoziationen war in diesem ersten Schritt ausdrücklich nicht gestattet. In einem zweiten Schritt hatte jeder Konfi die Aufgabe, drei Punkte für die ihm interessantesten Assoziationen zu verteilen. Die Idee, Überlegung, der Gedanke oder Einfall mit den meisten Punkten wurde zum Thema der nächsten Stunde erkoren. Dies war in dieser Gruppe das Thema „Weihnachten“. Die Assoziation mit der nächst höchsten Punktzahl wurde zum Thema der übernächsten Stunde: „Geschichten / Gleichnisse von und über Jesus“. Der Gedanke mit der dritthöchsten Punktzahl soll thematisch in der dritten Januarwoche behandelt werden. Zum Thema „Geschichten / Gleichnisse von und über Jesus“ erarbeitete ich eine Auswahl von 12 Perikopen aus dem Evangelium nach Matthäus. (die Evangelienbücher sollen der biblischen Anordnung nach im Laufe des Konfirmandenarbeit vorgestellt werden). Zwei Teamerinnen und ein Teamer 2 beschäftigten sich mit diesen Perikopen und wählten jeweils eine Stelle zur Bearbeitung mit den Konfis aus. Ich bat meinen Mentor, sich auch eine Geschichte auszusuchen. Schließlich wählte ich das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg, Matthäus 20,1-16, für meine Arbeit aus.
Die Konfis wurden nun gebeten, sich zur Beschäftigung mit einer Perikope, die sievom Namen her- interessiert, den Teamern, meinem Mentor oder mir zur Bearbeitung anzuschließen. Als Arbeitsauftrag an die Gruppen gab ich das Lesen der Perikopen und das kurze Klären von Unklarheiten aus (zunächst ohne komplexe Exegese). Danach sollten die Gruppen die Geschichten im Rollenspiel erproben. Die einzelnen Gruppen hatten jeweils einen extra Raum für ihre Arbeit zur Verfügung.
1 Die Worte „Konfirmandinnen und Konfirmanden“ werden aufgrund ihrer häufigen Verwendung durch die beide Geschlechter umfassende Abkürzung „Konfis“ politisch korrekt im weiteren Text ersetzt.
2 Die Worte „Teamerinnen und Teamer“ werden aufgrund ihrer häufigen Verwendung durch die beide Geschlechter umfassende Abkürzung „Teamer“ politisch korrekt im weiteren Text ersetzt. Teamer sind ehrenamtlich tätige Jugendliche, die in der Mehrzahl bereits konfirmiert sind. Sie stellen eine Brücke zwischen den Konfis und dem Konfirmator dar. Sie gestalten und begleiten den Konfirmandenunterricht, Jugendgottesdienste sowie Konfirmandenfreizeiten aktiv mit. Mit ihrem Engagement stellen sie einen Grundpfeiler der gemeindlichen Jugendarbeit dar. Durch sie werden Konfirmanden teilweise bereits während und Konfirmierte nach der Zeit des Konfirmandenunterrichts in die Jugendarbeit der Gemeinde mit eingebunden. Dies ist ein Konzept zum Gemeindeaufbau (Oikodomik).
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2. Sachanalyse
Es handelt sich bei der Themeneinheit (Konfirmandenunterrichtsstunde, 60 Minuten) um eine Vorstellung / Vermittlung / Erschließung von Erzählungen über Jesus und von Jesus von Nazaret (literarische Gattung Gleichnis) im Matthäusevangelium. Bei der Perikope Matthäus 20, 1-16, „Von den Arbeiter im Weinberg“, handelt es sich um ein Gleichnis Jesu.
Ein Gleichnis oder eine Parabel ist eine bildhafte rhetorische Figur zur Veranschaulichung eines Sachverhalts mittels eines ausgedehnteren komplexeren Vergleichs.
Gleichnisse sind meist kürzere Texte, die mit didaktischem Anspruch einen komplexeren oft theoretischen Sachverhalt in Form einer bildhaften und konkreten Darstellung abbilden. Man unterscheidet zwei Textebenen: die Ebene des Gesagten und die Ebene des Gemeinten. 3
Exegese Matthäus 20, 1-16 („Von den Arbeitern im Weinberg“):
Diese Gleichniserzählung stammt wie das Gleichnis vom „bösen Knecht“ (Matthäus 18,21 ff) aus Sonderüberlieferung. Der Sinn ist in beiden Gleichniserzählungen klar erkennbar: Wer immer Gottes Güte erfahren hat (Vers 15), gehört als Vollmitglied zum Reiche Gottes, ob er nun zu früherer oder späterer oder erst in allerjüngster Zeit Aufnahme gefunden hat. Gottes Güte überschreitet so unendlich jedes Maß, dass ihre einzelnen Zuwendungen nicht mit der Elle irdisch- menschlicher Wertmaßstäbe verrechnet werden können. Gnade bleibt ärgerlich für den, der ihren Willen zum Guten nicht begreifen will. 4
Kurzes exegetisches Fazit: Gott verhält sich uns Menschen gegenüber immer gleich, egal ob wir erster oder letzter sind. Wenn wir Erster sind, ist das nicht unser Verdienst, und wenn wir Letzter sind, ist das nicht unsere Schuld. 5
Übertragung in die Lebenswirklichkeit der Konfis: Unverschuldete Arbeitslosigkeit der Eltern oder Verwandten, zwei Noten Unterschied bei einem Lehrerwechsel,....
Exegese Matthäus 15, 21-28 („Die kanaanäische Frau“):
Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, die Markuserzählungen zu kürzen, hat Matthäus diese Geschichte erweitert. Jesus weist die Bitte der Frau zunächst grundsätzlich ab: Gott hat ihn nicht zu den Heiden, sondern nur zu den Juden gesandt, obwohl diese in Sünde gefallen und also verloren sind! Das war die Meinung bestimmter Kreise der judenchristlichen Gemeinden. Umso schärfer tritt in dem dann folgenden Heilungswunder Jesu an der Tochter einer nichtjüdischen Frau der Wille Jesu hervor, die Grenzen Israels zu überschreiten. Wer immer unter den
3 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichnis
4 Vergleiche: Wilckens, Ulrich (1974): Seite: 88.
5 Gedanken / Assoziationen und Analogien entnommen aus: Becker, Jürgen (1996): Seite 277 und Conzelmann, Hans, Lindemann, Andreas (1995): Seite 330ff.
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Völkern der Welt Jesus unbeirrt vertraut, wie diese Frau, und sich durch keine menschlichen Schranken abschrecken lässt, von ihm das Heil Gottes zu erwarten, der gehört zum Volke Gottes. 6
Kurzes exegetisches Fazit: „Jesus verstand sich „nur“ als Erlöser der Juden. Die kanaanitische Frau wurde von ihm gedemütigt. Doch ihr Glaube war stärker als die Demütigung, die Jesus ihr antat. Sie vertraute auf Jesus und glaubte an Gott. Jesus erkannte ihren starken Glauben und ließ ihre Tochter gesund werden. Jesus ist also der Messias für alle Glaubenden!“ 7
Diese Perikope wird als Begründung für die Gemeindebildung (Oikodomik) herangezogen.
Ob es sich um eine geschlechtsspezifische Frage bei der Geschichte mit der bittenden Frau (Matthäus15, 21-28) handeln könnte, weiß ich derzeit nicht zu beantworten. Dem Kommentar von Ulrich Wilckens 8 kann ich dazu keine Position entnehmen, ebenso zu den übrigen Perikopen. Aus Sicht der Konfis kann ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben darüber machen, ob diese geschlechtsspezifische Zugänge zu den Texten haben. Ein Test wäre, in die Kleingruppenarbeit zurückzukehren, dort das Rollenspiel nochmals zu wiederholen und zu fragen, wie die Konfirmandin sich in der Rolle der syro-phönizischen Frau gefühlt hat. Anschließend lässt man die Rolle von einem Jungen spielen (kanaanäischer Mann) und fragt diesen, wie er sich fühlte. Dann bitten die Teamer alle Konfis, sich nacheinander auf einen freien Stuhl in der Mitte des Raumes zu setzen. Wer auf dem Stuhl sitzt, übernimmt die Rolle der kanaanäischen Frau / des kanaanäischen Mannes und darf frei heraussagen, wie er / sie sich gerade in dieser Rolle fühlt und was sie / er Jesus gegenüber gesagt oder wie er / sie persönlich gehandelt hätte. Andere Konfis übernehmen nacheinander die Rolle Jesu und treten mit der „kanaanäischen Frau / dem kanaanäischen Mann in einen Dialog oder Streit - wie auch immer geartet.
Ich vermute jedoch, dass der von Jesus herbeigeführte Konflikt auf der „Mann-Mann-Ebene“ zur Konfrontation geführt hätte und somit nicht gelöst worden wäre.
Exegese Matthäus 4, 1-11 („Jesu Versuchung“):
Den Bericht über die Erprobung des Gottesgehorsams Jesu hat Matthäus aus der Spruchüberlieferung übernommen, jedoch in eine andere Reihenfolge gebracht: Höhepunkt der satanischen Versuchungen ist hier die Verleitung zum Abfall vom ersten Gebot. Das entspricht der Glaubensüberlieferung Israels, nach der das Bekenntnis zu dem einzig- einen Gott das eigentliche Herzstück des Glaubensgehorsams ist. Indem Jesus dieser letzten Versuchung widersteht, erweist er sich als der, der alle Gerechtigkeit erfüllt. 9
6 Vergleiche: ebenda: Seiten 72 und 73.
7 Gedanken / Assoziationen und Analogien entnommen aus: Theißen, Gerd und Merz, Annette (1997): Seite 286ff.
8 Vergleiche: ebenda: Seiten: 23, 72, 87, 116.
9 Vergleiche: Wilckens, Ulrich (1974): Seite 24.
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Kurzes exegetisches Fazit und Übertragung auf die Lebenswirklichkeit der Konfis: „Es gibt nie ein Genug. Die Gier treibt uns immer weiter. Es gibt Neider. Wer setzt dem König der Welt („Master of the Universe“) Grenzen?“ 10
Exegese Matthäus 26, 69-75 („Die Verleugnung des Petrus“):
Matthäus hat den ganzen Abschnitt (26, 57-27,2) getreu aus dem Markusevangelium (Markus 14, 53-15,1) übernommen und nur an wenigen Einzelstellen verändert. „Die Verfluchung Jesu bildet den Höhepunkt der Verleugnung. Es ist aber auch möglich zu übersetzen: „verfluchte sich“; dann ist eine Bekräftigung etwa der Art gemeint: „Ich will verflucht sein, wenn ich zu Jesus gehöre!““ 11
Kurzes exegetisches Fazit: „Wir denken, dass wir hart sind, dabei sind wir unter Druck schwach und voller Angst. Das ist menschlich! Wir geben schnell Versprechungen ab, deren Einhaltung - gerade in schwierigen Situationen - uns dann doch nicht leicht fällt, einzuhalten oder es uns völlig unmöglich ist, diesen Versprechungen nachzukommen.“ 12
In vorwiegend protestantischen Gegenden Deutschlands finden wir auf den Kirchtürmen statt eines Kreuzes einen Hahn. Dieser soll uns in schwierigen Zeiten, unter Bedrängnis, immer daran erinnern, unseren Glauben nicht zu verleugnen.
3. Kommentierte Verlaufsplanung
An dieser Stelle schließt sich nun die Prüfungseinheit an: Nach der Ankommensphase in der Gemeinde und dem liturgischen Beginn (Anknüpfung an die kirchliche Tradition, kennen lernen von gottesdienstlichen und Andachtselementen und Bewusstwerdung, dass die Konfirmandenstunde nun für alle gemeinsam beginnt) mit der Parallelgruppe, werden die Konfis in ihrem Gruppenraum begrüßt und Frau Professorin Dr. theol. Keßler als Gast vorgestellt. Sodann werde ich die Anwesenheit überprüfen und fragen, ob jemand seit der letzten Konfirmandenstunde im Hauptgottesdienst / Jugendgottesdienst / Familiengottesdienst gewesen ist.
Die Konfirmanden sind bis auf wenige Ausnahmen noch nicht religionsmündig, weshalb bei mehr als zehnmaligem Fehlen in den zwei
Konfirmandenunterrichtsjahren und weniger als zwanzig Gottesdienstbesuchen in dieser Zeit dann Kontakt mit den Erziehungsberechtigten aufzunehmen ist, um abzuklären, ob eine Konfirmation tatsächlich gewünscht ist. Eine Konfirmation entgegen des Willens des Konfis ist generell abzulehnen.
Ich werde mittels kurzer Wiederholung unter Einbeziehung der Konfis den Bezug zur Einheit der vergangenen Woche herstellen (Erinnerungsfunktion, Anknüpfungspunkt herstellen).
10 Gedanken / Assoziationen und Analogien entnommen aus: Becker, Ulrich, Johannsen, Friedrich, Noormann, Harry (1997): Seite 63ff.
11 Zitiert nach Wilckens, Ulrich (1974): Seite 191.
12 Vergleiche Schnelle, Udo (2002): Seite 269 und Wilckens, Ulrich (1974): Seite 72.
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Arbeit zitieren:
Diplom-Religionspädagoge (FH) Andreas Bloch, 2005, Unterrichtsstunde: Erzählungen - Gleichnisse von und über Jesus im Evangelium nach Matthäus, München, GRIN Verlag GmbH
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