Inhaltsverzeichnis VII
Inhaltsverzeichnis
Vorwort IX
Verzeichnis der verwendeten Symbole XI
1 Betrachtung der Lernschritte des Unterrichtsmodells zum
H örfertigkeitstraining:
linguistisch -lernpsychologische Überlegungen. 1
2 Internationales Phonetisches Alphabet 3
3 Diphthonge 9
4 Diphthonge 13
4.1 Übungen zu den „ei-Lauten“ 13
Übungen zum Diphthong “ au “ ɑu 26
4.2
Übungen zum Diphthong “ eu “ ɔø 37
4.3
4.4 Übungen zu Diphthongshäufungen 50
4.8 Wiederholungsübungen 59
Literaturverzeichnis 81
Vorwort
Wichtige Ziele in der gegenwärtigen Fremdsprachendidaktik sind die Aussprache und die kommunikative Kompetenz. Die kommunikativ-pragmatische Orientierung des Fremdsprachenunterrichts erfordert den Einsatz spezieller Lehrmaterialien und Übungen zur deutschen Aussprache. Die „Übungs- und Aufgabensammlung zur Phonetik/Sprecherziehung der deutschen Gegenwartssprache - Teil II. Diphthonge“ ist ein Folgeteil meines Buches „Übungs-und Aufgabensammlung zur Phonetik/Sprecherziehung der deutschen Gegenwartssprache - Teil I. Vokoide.“ Beide Werke sind so erarbeitet worden, dass sie unabhängig voneinander benutzt werden können. Sie wenden sich primär an ausländische Lerner der Fachrichtung „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ in allen Studienrichtungen zur Vorbereitung auf ihre Prüfungen, aber auch an alle anderen Interessierten, die fachliche und komprimierte Informationen schätzen, beispielsweise Personen mit künftigen oder bereits gegenwärtig sprachbezogenen Berufen. Dennoch ist es auch nach mehrjähriger Erfahrung als Lehrbeauftragter empfehlenswert, die einzelnen Teile der Aufgabensammlung zu erwerben und die Ausspracheregeln mit dieser Hilfe somit vollständig zu erlernen.
Das vorliegende Material ist für Studenten und Arbeitsgruppen mit durchaus unterschiedlichen Vorkenntnissen und Fähigkeiten erarbeitet worden. Durch die Einführung des von mir vorgeschlagenen und zum ersten Mal an der Pädagogischen Fakultät der Universität Hradec Králové in Tschechien realisierten Laborunterrichts wurde es seit 2005 zu einem wichtigen Bestandteil des Phonetikunterrichts zur deutschen Sprache an dieser Universität. Meine Inspiration und die damit gewonnenen positiven Erfahrungen, für die ich meinen damaligen Professoren sehr dankbar bin, habe ich im Jahr 1994 als Studentin an der Humboldt Universität zu Berlin erworben.
Das Buch vermeidet bei der Einführung der jeweiligen Laute bzw. Lautverbindungen die Häufung vielfältiger und zumindest am Anfang vorhandener Lautbildungsschwierigkeiten. Jeder Laut wird in einer rhythmischen Gruppe, einer Wortgruppe, einem Satz und in kognitiven Texten dargeboten. Zielsprachenorientiert geht diese Arbeit von den Gesetzmäßig-keiten der deutschen Standardaussprache aus und ist als Arbeitsmaterial konzipiert.
1 Betrachtung der Lernschritte des
Unterrichtsmodells zum Hörfertigkeitstraining:
linguistisch-lernpsychologische Überlegungen
Bevor wir zu den eigentlichen Hör- und Ausspracheübungen kommen, halte ich es für notwendig, dass die Betrachtung der Lernschritte, die zum gewünschten Erfolg führen sollen, aus der Lernerperspektive vorgenommen wird. Dies soll die einzelnen Phasen der Lerneraktivität näher bestimmen, die eigentliche Aufgabe des Lerners in diesem Unterricht definieren sowie gegebenenfalls seinen späteren Beruf als DaF- Lehrer unterstützen. Aufnahme → Festigung → Anwendungsphase
Erläuterungen
Schritt 1: stellt die Fähigkeit zum kursorischen Textverständnis dar, dem die
Lehrerrolle
(hier das Vorlesen des Textes, Erklärung etc.)
Schritt 2: stellt die eigentliche Festigungsphase dar, bei der die Entwicklung
Schritt 3: stellt die spontane Realisierung der Kommunikationsstrategie sowie des flüssigen und angemessenen Artikulationsmodus und
Folgende Übungstypen werden angewandt und bei den einzelnen Übungen empfohlen:
T Transformation (Umformungsübung) 1. - der Lerner formt einen
vorgegebenen Stimulus nach dem Muster eines vorgegebenen Satzmodells um (z. B. „Dies hat dem Motor den Rest gegeben.“ - „Nein, sie haben dem Motor nicht den Rest gegeben.“).
Substitution (Ersetzungsübung) 2.
oder Wortverbindungen vor, die kursiv gekennzeichnet sind. Der Lerner setzt selbst zu bestimmende Elemente in ein vorgegebenes Satzmodell ein (z. B. „Sie sind mein rettender Engel!“ - „Er hält mich für seinen rettenden Engel.“).
Kontextualisation 3.
substantivische Muster auf seine zuvor formulierte Frage (z. B. „der Feldweg“ - Was für ein Land befindet sich hinter den Hügeln? Da liegt nur das Feld mit dem „Feldweg“). Die Kontextualisation ist erst dann zu empfehlen, wenn die Artikulation des Vokals vom Lernenden eingeprägt wurde. Sie sollte der Überprüfung der richtigen Beherrschung der Artikulation dienen.
R Repetition (Wiederholungsübung als Kommentarübung) 4. - der
Lerner wiederholt vorgegebene Wörter, Wortverbindungen und Wortgruppen wörtlich und erläutert, welcher Laut der IPA benutzt wird. Im nächsten Schritt beginnt er mit der eigentlichen Aufnahme.
2 Internationales Phonetisches Alphabet
Das Internationale Phonetische Alphabet ist ein phonetisches Alphabet, das aus phonetischen Zeichen besteht, mit deren Hilfe die Laute aller menschlichen Sprachen präzise beschrieben werden können. Das IPA (international benutzte Abkürzung für den oben genannten Fachterminus) verwendet in seiner Zeichentabelle teilweise abgewandelte und ergänzte Buchstaben, die aus dem lateinischen und dem griechischen Alphabet stammen. Folgende Übersicht zur artikulatorischen Beschreibung der im Deutschen unterscheidbaren Diphthonge soll die von mir behandelten „Diphthonge“ zuerst spezifizieren. Hierbei werden auch Vokoide, zwecks Wiederholung, im Hinblick auf die Zungenstellung und den Öffnungsgrad, möglichst genau noch einmal angesprochen.
Phonetische Zeichen für:
Beispiele für neuhochdeutsche Diphthonge
[ɑi] für Diphthong “ ei “ (z. B. in „die Seife, das Bein, der Keim, der Geist, etc.“). Der Zweitbestandteil erreicht kaum einmal die Höhe von [ i ]. Plausibler erscheint [ i ] oder [ə ].
[ɔy] für Diphthong “ äu “ (z. B. in “ bläulich, die Bäume, etc.“). Der Zweitbestandteil erreicht kaum einmal die Höhe und die Lippenrundung von [ y ]. Plausibler erscheint hier [ i ] oder [ ə ]. [ɑu] für Diphthong “ au “ (z. B. in “ der Baum, die Laute, das Haus, sauer etc.“). Der Zweitbestandteil erreicht kaum einmal die Höhe von [ u ] Plausibler erscheint [ʊ] oder [ ɔ ].
[ui] für Diphthong “ ui “ (z. B. in “ pfui etc.“). In der Standardsprache kommt dieser Diphthong nur in wenigen expressiven Interjektionen vor. Der Zweit-bestandteil erreicht kaum einmal die Höhe von [ i ]. Plausibler erscheint [ ɪ ] oder [ ə ]. Inventar der Vokalphoneme (Monophthonge)
[ i: ] gespanntes, geschlossenes, langes, vorderes, ungerundetes “ i “ (z. B. in „die Wiese, die Biene, etc.“)
[ ɪ ] ungespanntes, offenes, kurzes, vorderes, ungerundetes “ i “ (z. B. in „die Mitte, die Kippe, etc.“)
[ y: ] gespanntes, geschlossenes, langes, gerundetes, vorderes “ ü “ (z. B. in „die Mühle, die Bühne, etc.“)
[ Y ] ungespanntes, offenes, kurzes, gerundetes, vorderes “ ü “ (z. B. in „die Schüssel, schütteln, etc.“)
[ ʊ ] ungespanntes, offenes, kurzes, gerundetes, hinteres “ u “ (z. B. in „die Schuld, der Schuß, etc.“)
[ e: ] gespanntes, geschlossenes, langes, ungerundetes, vorderes “ e “ (z. B. in „die Hefe, die Lehne, etc.“)
[ ɛ ] ungespanntes, offenes, kurzes, ungerundetes, vorderes “ e “ (z. B. in „die Zelle, die Helle, etc.“)
[ ɛ: ] ungespanntes, offenes, langes, ungerundetes, vorderes “ e “ (z. B. in „die Mägde, die Fäden, wählen, etc.“)
[ ə ] ungespanntes, offenes, kurzes, ungerundetes, zentrales “ e “ (z. B. in „die Rose, sagen, öffnen etc.“)
[ ɑ ] kurzes, dunkles, zentrales, ungerundetes “ a “ (z. B. in „einsam, hatte etc.“)
[ a ] kurzes, helles, ungerundetes, vorderes “ a “ (z. B. in „der Bann, die Matte, etc.“)
[ ɑ: ] langes, zentrales, ungerundetes, “ a “ (z. B. in „die Bahn, die Made, etc.“)
[ o: ] gespanntes, geschlossenes, langes, gerundetes, hinteres “ o “ (z. B. in „der Ton, der Sohn, etc.“)
[ ɔ ] ungespanntes, offenes, kurzes, gerundetes, hinteres “ o “ (z. B. in „der Schotte, die Posse, etc.“)
[ ø: ] gespanntes, geschlossenes, langes, gerundetes, vorderes “ o “ (z. B. in „die Schöße, schön, etc.“)
[ œ ] ungespanntes, offenes, kurzes, gerundetes, vorderes “ o “ (z. B. in „der Schöffe, die Stöcke, etc.“)
[ ɐ ] tiefes, zentrales, ungerundetes “ r “ (Vokalisierungsprodukt), (z. B. in
„das Haar, der Bart, der Lehrer, etc. “)
Für die Beschreibung der deutschen Vokale sind jeweils vier artikulatorische Kategorien relevant:
Vokale können ganz genau durch die Annäherung eines Artikulators (das artikulierende Organ), in diesem Fall des Zungenrückens, an eine Artikulationsstelle (ohne Engebildung wie bei den Frikativen) spezifiziert werden.
Im Bereich des Palatums (harter Gaumen) wird der Mund-/Rachenraum in zwei Resonanzräume geteilt, die den im Kehlkopf erzeugten Grundton in charakteristischer Weise modulieren:
1. Vorderzungenvokale [ i: , ɪ , y: , Y , e: , ɛ , ɛ:, œ , ø ]: Hier liegt die Zungenaufwölbung im Bereich der Vorderzunge und nähert sich dem vorderen harten Gaumen (Palatum), wobei die Höhe der Zungenaufwölbung bei [ i: ] am höchsten, bei [ ɛ , ɛ:, ø , œ ] am niedrigsten ist.
2. Hinterzungenvokale [ ɔ , o: , ʊ , u: ]: Hier liegt die Zungenaufwölbung im Bereich der Hinterzunge und nähert sich dem hinteren Palatum, wobei die Höhe der Zungenaufwölbung bei [ u: ] am höchsten, bei [ ɔ ] am niedrigsten ist. Die Lage der Zunge ändert sich durch die Position der Aufwölbung. Bei [ u: ] zieht sie sich nach hinten zurück, bei [ i: ] steckt sie sich nach vorne.
Zentrale Vokale [ ɑ: , ɑ , ɐ , ə ]: Keine Zungenaufwölbung ist vor- 3.
handen, die Zunge ist löffelförmig nach unten gewölbt. Eine Modulation der Vokalen kann durch Lippenrundung erfolgen [ y: , Y , ø , œ , o: , ɔ, u: , ʊ ].
Die Hinterzungenvokale sind im Deutschen immer gerundet. Ferner kann eine Modulation durch Nasalierung erfolgen, Nasalvokale gibt es aber im Standarddeutschen nicht und das Mittelbairische hat die Nasalvokale ebenso verloren (ab ca. 1960).
Im Fremdsprachenunterricht sind besonders Laute, die artikulatorisch in Ausgangs- und Zielsprache voneinander abweichen, mit besonderer Sorgfalt zu beachten, zu lernen und einzuüben.
Die in Kapitel 4 folgenden Übungen sollen den didaktischen Aspekt der kommunikativen Kompetenz bei den Fremdsprachenlernern unterstützen und beeinträchtigende lautliche Abweichungen ausschließen.
3 Diphthonge
Alle deutschen Diphthonge sind sogenannte ausgleitende Diphthonge. Die auditiven Eigenschaften bei dem ersten Bestandteil eines Diphthongs bleiben über die gesamte Artikulationszeit relativ konstant. Der zweite Bestandteil ist als Gleitlaut realisiert, dies bedeutet, dass seine auditiven Eigenschaften sich sehr rasch ändern.
Die Transkription von Diphthongen ist nicht besonders leicht. Zur Vereinfachung der Verständigung wird die im Aussprache-Duden übliche Transkription verwendet. Der Bogen oberhalb oder unterhalb der beiden Vokalzeichen wird dafür verwendet, um eine Folge von Monophthongen auszuschließen. Beispiele für nhd. Diphthonge: [ ɑi ] [ bɑil ] in Beil [ ɑu ] [ bɑum ] in Baum
[ ɔy ] [ ´mɔysə ] in Mäuse
[ ui ] [ pfui ] in pfui
[ ɑi ] [ bɑil ] in Beil: Der Zweitbestandteil erreicht kaum einmal die -Höhe vom Vokal [ i ]. Plausibel erscheint hier [ ɪ ] oder [ ə ].
[ ɑu ] [ bɑum ] in Baum: Der Zweitbestandteil erreicht kaum einmal -die Höhe von [ u ]. Plausibel erscheint hier [ ʊ ] oder [ ɔ ].
[ ɔy ] [ ´mɔysə ] in Mäuse: Der Zweitbestandteil erreicht kaum einmal -die Höhe und die Lippenrundung von [ y ]. Plausibel erscheint hier [ ɪ ]
oder [ ə ].
[ ui ] [ pfui ] in pfui: Der Zweitbestandteil erreicht kaum einmal die -Höhe und die Lippenrundung von [ i ]. Plausibel erscheint hier [ ɪ ] oder
[ ə ].
Diphthonge können auch sekundär durch die Vokalisierung postvokalischer Konsonanten entstehen, z. B. durch die Vokalisierung des [ r ] wie etwa in Bier, wobei [ r ] als schwacher Laut ausgesprochen wird.
Arbeit zitieren:
Dr. phil. Stepanka Neumann, 2006, Das Lernziel „Aussprache“ als Bestandteil der kommunikativen Kompetenz, Teil II. „Diphthonge“, München, GRIN Verlag GmbH
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