Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.1
2. Gottfrieds Fragmentschluss des „Tristan“ S.1
2.1. Mögliche Gründe S.1
2.2. Methodische Überlegungen zur Fortsetzung der Erzählung S.2
3. Ulrich von Türheim S.5
3.1. Inhalt S.5
3.2. Quellenfrage und Legitimierung S.9
3.3. Beurteilung des Inhalts S.10
4. Heinrich von Freiberg S.15
4.1. Inhalt S.15
4.2. Quellenfrage und Legitimierung S.22
4.3. Beurteilung des Inhalts S.24
5. Zusammenfassung S.28
Literaturverzeichnis S 29
1. Einleitung
Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Hypothesen über den geplanten Schluss von Gottfrieds „Tristan“. Nach der Erläuterung möglicher Gründe für die Torsohaftigkeit des Romans folgen methodische Überlegungen zur Rekonstruktion des Fortgangs der Erzählung sowie eine Zusammenfassung und Analyse deren Inhalts.
2. Gottfrieds Fragmentschluss des „Tristan“
2.1. Mögliche Gründe
Gottfrieds „Tristan“ bricht an einer Stelle ab, an der man sich ernstlich fragen könnte, ob der Autor nicht hier das eigentliche Ende seiner Erzählung gewollt habe. Es wäre die paradoxe Umkehr des glücklichen Abschlusses der Artusromane, deren Ziel die Vereinigung der Liebenden nach Mühen und Trennungen ist, während hier die letzte Einswerdung gerade in der endgültigen Trennung geschieht. 1 Es wurde aber auch versucht, aus diesem Tiefpunkt die Falsifizierung aller vorher aufgebauten Minnewerte des Romans zu lesen. 2 So sehr sich die Interpreten auch darüber einig sind, dass das Werk de facto an einer entscheidenden Stelle abbricht, so wenig darf außer acht gelassen werden, dass es ja tatsächlich um rund 1500 Verszeilen in den letzten Teil hineinragt. 3 Des Weiteren findet auch die umarmende Initialenreihe des gliedernden Akrostichons mit den ineinander verschlungenen Buchstaben T-R-I-S und I-S-O-L ein vorzeitiges Ende. 4 Demnach ist Ansichten, wie etwa dass Gottfrieds Fragment „vollendete Dichtung“ sei, von der es als „ausgeschlossen“ gelten dürfe, dass Gottfried den Tristanroman „bis zum Ende habe nacherzählen wollen“ 5 oder dass seine „Vollendung in der Versehrung“ liege und er „vollkommen in der Brüchigkeit des weiterweisenden, des über sich hinausweisenden Defektes“ sei 6 , zu widersprechen. Vielmehr wird heute mehrheitlich davon ausgegangen, dass das
1 vgl. De Boor, Helmut: Die höfische Literatur. Vorbereitung, Blüte, Ausklang 1170-1250. (De Boor, Helmut; Newald, Richard [Hg.]: Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bd. 2). München: C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung 1991, S.133f. Im Folgenden abgekürzt als: De Boor: Höfische Literatur
2 vgl. Huber, Christoph: Gottfried von Strassburg. In: Killy, Walther [Hg.]: Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Bd. 4. Gütersloh: Bertelsmann 1989, S.277-281, hier S.280. Im Folgenden abgekürzt als Huber: Gottfried
3 vgl. De Boor: Höfische Literatur, S.134
4 vgl. Scholte, Jan Hendrik: Gottfrieds von Straßburg Initialenspiel. In: Wolf, Alois [Hg.]: Gottfried von Straßburg. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1973, S.74ff.
5 Mergell, Bodo: Tristan und Isolde. Ursprung und Entwicklung der Tristansage im Mittelalter. Mainz: Kirchheim 1949, S.188
6 Wapnewski, Peter [Zitiert nach]: Krohn, Rüdiger: Gottfried von Straßburg. Tristan. Kommentar, Nachwort und Register. (Gottfried von Straßburg: Tristan. Nach einem Text von Friedrich Ranke. Neu herausgegeben, ins Neuhochdeutsche übersetzt, mit einem Stellenkommentar und Nachwort von Rüdiger Krohn, Bd. 3). Stuttgart: Reclam 2005, S.270
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Ende von Gottfrieds Werk tatsächlich ein unvermittelt jäher Abbruch ist und von einer dahingehenden Absicht des Autors im engeren Sinn nicht gesprochen werden kann. 7
Stellt man die Frage nach möglichen Gründen, so mag es sein, dass Gottfried gemerkt hat, dass er mit seiner modifizierenden Darstellung immer mehr von dem Weg abdriftete, den ihm die Tradition und Thomas vorgezeichnet hatten. Dies würde die Vermutung nahe legen, dass er seinen Roman bewusst abgebrochen hat - nicht weil er ihn für vollendet hielt, sondern weil er die Unvereinbarkeit seines eigenen schöpferischen Wollens mit der literarischen Konvention, wie sie sich in dem Stoff verdinglicht hatte, erkennen musste. 8 Darüber hinaus verstieß der Tristan-Stoff, dessen moralische wie gesellschaftliche Sprengkraft schon in seiner überlieferten Fassung beträchtlich war, in der verschärften Bearbeitung Gottfrieds so eklatant gegen geltende Normen und Vorstellungen, dass wohlmöglich auch dieser Widerspruch eine Weiterführung des Werkes verhinderte. Der Autor hat eine Version der Romans geschrieben, die sowohl mit den Vorgaben seiner Quelle als auch mit den Gesetzen und Übereinkünften seiner Zeit zu kollidieren drohte. 9 Die sicher profanste Erklärung für die Torsohaftigkeit des „Tristan“ ist schlichtweg Gottfrieds plötzlicher Tod und beispielsweise De Boor sieht keinen Anlass an dieser Begründung - die auch von seinen späteren Fortsetzern gegeben wurde - zu zweifeln. 10 Letztlich muss man jedoch bekennen, dass die Frage nicht eindeutig zu beantworten ist. 11
2.2. Methodische Überlegungen zur Fortsetzung der Erzählung
Will man Hypothesen über den geplanten Schluss von Gottfrieds Tristan erörtern, erscheint es mir durchaus sinnvoll auf die Antworten derer zurückzugreifen, die sich mit dieser Frage bereits vor Jahrhunderten - noch dazu tatsächlich literarischbefassten: Ulrich von Türheim und Heinrich von Freiberg. Ein solches Vorgehen muss wohl zunächst auf Widerspruch stoßen und bedarf daher einiger Erläuterung.
7 vgl. De Boor: Höfische Literatur, S.134
8 vgl. Schwietering, Julius: Der Tristan Gottfrieds von Straßburg und die Bernhardische Mystik. In: Schwietering, Julius: Philologische Schriften. Herausgegeben von Friedrich Ohly und Max Wehrli. München: Fink 1969, S.337-345, hier S.338ff.
9 vgl. Krohn, Rüdiger: Gottfried von Straßburg. Tristan. Kommentar, Nachwort und Register. (Gottfried von Straßburg: Tristan. Nach einem Text von Friedrich Ranke. Neu herausgegeben, ins Neuhochdeutsche übersetzt, mit einem Stellenkommentar und Nachwort von Rüdiger Krohn, Bd. 3). Stuttgart: Reclam 2005, S.271. Im Folgenden abgekürzt als: Krohn: Kommentar
10 vgl. De Boor: Höfische Literatur, S.134
11 vgl. Krohn: Kommentar, S.272
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Vor allem Ulrichs Fortsetzung lastet der häufig wiederholte Makel an bloßer Anhang, ein rascher stofflicher Abschluss in leidlicher Form, der missglückte Versuch eines Mannes zu sein, der sich mit seinen Ergänzungen zu „Tristan“ und „Willehalm“ anmaßt zwei so verschiedenen Dichtern wie Gottfried und Wolfram gerecht werden zu können und dabei letztlich keinem gerecht wird. 12 Auch wenn Heinrich konstatiert wird, mit seiner Tristan-Fortsetzung eine „tüchtige Arbeit“ abgeliefert und zumindest eifrig versucht zu haben den Stil Gottfrieds „mit Geschick nachzubilden“ 13 so muss er sich doch gemeinsam mit Ulrich die Kritik gefallen lassen, dass ihm „Gottfrieds Denken aber ebenfalls fremd“ 14 , er selbst bloß „Trittbrettfahrer der Dichtungsgeschichte“ sei, der sich einem klassischen Epos von weltliterarischen Ruhm angeschlossen habe, ohne freilich dessen ästhetische Qualität zu erreichen. 15 Schwerer wiegt hier noch der Vorwurf, beide hätten mit dem Tristan Eilharts auf eine Quelle zurückgegriffen, gegen die Gottfried selbst nachdrücklich polemisierte. 16
Für eine Seminararbeit wäre es jedoch zu billig, eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Ulrich und Heinrich allein aufgrund dieser Behauptung von vornherein abzulehnen. Zum einen stellt sich die Frage wann, wenn nicht gerade im Zusammenhang mit Gottfrieds Torso sich die Forschung diesen beiden Autoren widmen soll. Zum anderen ist der Verweis auf Eilhart als Quelle ein Gemeinplatz der Mediävistik 17 , der im Zuge dieser Arbeit weitergehender Überprüfung bedarf. Viel wichtiger noch ist jedoch die Tatsache, dass Gottfrieds Tristan nur ein einziges Mal ohne eine der Fortsetzungen aufgezeichnet wurde und umgekehrt kein einziges Manuskript vorliegt, das die Ergänzungen isoliert zum Inhalt hätte. Dabei ist auffallend, wie deutlich manche Handschriften die Texte der unterschiedlichen Autoren als optische Einheit überliefern, so dass die Textgrenze zu einer unter
12 vgl. De Boor: Höfische Literatur, S.179f.
13 De Boor, Helmut: Die deutsche Literatur im späten Mittelalter. (De Boor, Helmut; Newald, Richard [Hg.]: Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bd. 3). München: C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung 1997, S.80. Im Folgenden abgekürzt als: De Boor: Literatur im späten Mittelalter
14 Huber: Gottfried, S.280
15 vgl. Strohschneider, Peter: Gotfrit-Fortsetzungen. Tristans Ende im 13. Jahrhundert und die Möglichkeiten nachklassischer Epik. In: (Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, 65. Band). Stuttgart: Metzler 1991. S.70-98, hier: S.72. Im Folgenden abgekürzt als Strohschneider: Gotfrit-Fortsetzungen
16 vgl. Schausten, Monika: Erzählwelten der Tristangeschichte im hohen Mittelalter. Untersuchungen zu den deutschsprachigen Tristanfassungen des 12. und 13. Jahrhunderts. (Bumke, Joachim u.a. [Hg.]: Forschungen zur Geschichte der älteren deutschen Literatur, Bd. 24). München: Fink 1999, S.203f. Im Folgenden abgekürzt als Schausten: Erzählwelten
17 vgl. Strohschneider, Peter: Ulrich von Türheim. In: Wachinger, Burghart u.a. [Hg.]: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Bd. 10. Berlin: De Gruyter 1999, S.27-39, hier S.32
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zahlreichen Zäsuren des narrativen Kontinuums heruntergespielt oder ganz ignoriert wird. Dies unterstreicht, dass die Texte nicht zufällig oder aus nur pragmatischen, sondern aus Gründen literarischer Konzeption gemeinschaftlich überliefert sind. 18 Somit müssen die Fortsetzungen in ihrer Zeit eine weit größere Akzeptanz gefunden haben, als bei den Literaturwissenschaftlern der Gegenwart. 19 Die in der editorischen und interpretatorischen Praxis der Germanistik sukzessiv vollzogene Herauslösung der Texte Gottfrieds, Ulrichs und Heinrichs aus ihren gut bezeugten integralen Erzählzusammenhängen ist daher überlieferungsgeschichtlich nicht zu
rechtfertigen. 20 Der Behauptung, die Fortsetzer hätten Gottfried nicht verstanden ist zu entgegnen, dass sie ihn sogar sehr gut verstanden haben. Es mangelt den Texten ebenso wenig an struktureller Komplexität wie an einer sinntragenden Makrostruktur 21 und geht ihnen entgegen vielfach wiederholtem Vorurteil nicht um einen blinden handlungslogischen Abschluss des „klassischen“ Fragments, nicht ums Zuendekommenwollen mit dem Stoff, sondern ums Weitererzählenwollen. Nicht das Ende der Geschichte steht auf dem Programm, sondern dessen Verzögerung durch die Entfaltung eines neuen Erzählprozesses. 22 Das vermeintliche Unverständnis des Gottfriedschen Epos, das schiere Unvermögen wird so zur programmatischen Distanznahme 23 , zur literarischen Stellungnahme, der eine angemessene Wertung Rechnung tragen wird müssen. 24 Im Zuge dieser Arbeit wird daher Gottfrieds Torso den beiden deutschsprachigen Fortsetzungen - nach deren überblicksmäßiger Zusammenfassung - kontrastierend gegenübergestellt und nach Gründen möglicher Abweichungen gefragt.
18 vgl. Strohschneider: Gotfrit-Fortsetzungen: S.75ff.
19 vgl. Schausten: Erzählwelten, S.202ff.
20 vgl. Strohschneider: Gotfrit-Fortsetzungen, S.77
21 vgl. Schulz, Armin: Die Spielverderber. Wie ‚schlecht’ sind die Tristan-Fortsetzer? In: (Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes, Heft 3/2004, 51. Jg.). Bielefeld: Aisthesis 2004, S.262-276, hier S.275. Im Folgenden abgekürzt als Schulz: Spielverderber
22 vgl. Strohschneider: Gotfrit-Fortsetzungen, S.77
23 vgl. ebd., S.93
24 vgl. De Boor: Literatur im späten Mittelalter, S.81
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3. Ulrich von Türheim
3.1. Inhalt 25
Ulrich von Türheim, der seinen Namen nicht nennt, beklagt, dass Meister Gottfried, der diese Geschichte so unübertrefflich zu erzählen begann, starb, bevor er sie vollenden konnte. Nun will der Fortsetzer das Werk nach bestem Können beenden.
Tristan beschließt, sich Isolde Weißhand zuzuwenden. Er teilt dies seinem Freund Kaedin mit und bittet ihn, sich bei seinen Eltern und seiner Schwester für ihn einzusetzen. Seine Werbung wird freudig angenommen - unter der Bedingung, dass Tristan auf immer in Karke bleibt. In der Hochzeitsnacht befallen Tristan von neuem schwere Skrupel wegen seiner Treulosigkeit gegenüber der blonden Isolde. Er vollzieht deshalb die Ehe nicht, was seine enttäuschte Braut jedoch niemandem verrät. Nach einiger Zeit aber fragt sie ihn doch nach den Gründen für sein merkwürdiges Verhalten. Tristan bringt als Ausrede vor, ein heiliges Gelübde verlange von ihm, dass er, wenn er sich eine Frau nehme, diese ein Jahr lang nicht berühren dürfe. Isolde aber erkennt, dass niemand anderes als die blonde Isolde ihm dieses Versprechen abgenommen haben kann. Dennoch lässt sie sich auf diese Abmachung ein, verspricht die Jahresfrist abzuwarten und niemandem davon zu erzählen.
Auf der Jagd, die der Herzog mit seinem Gefolge veranstaltet, reitet Isolde durch eine Pfütze, und das Wasser spritzt unter ihrem Gewand in die Höhe. Lachend sagt sie daraufhin zu sich selbst, dieses Wasser sei kühner als Tristan. Ihr Bruder Kaedin hört diese Bemerkung, verlangt und erhält schließlich eine Erklärung. Er erfährt von Tristans Verhalten, berichtet seinen Eltern davon und stellt seinen Schwager zornig zur Rede. Tristan gesteht ihm seine Liebe zur blonden Isolde und preist ihre Schönheit. Kaedin will sie unbedingt sehen, um Tristans Behauptung selbst überprüfen zu können, und ihn, sollte er gelogen haben, mit dem Tode bestrafen. Während die Jagdgesellschaft sich mit Spielen die Zeit vertreibt, erscheint vor Tristan und Kaedin ein seltsam buntfarbenes Reh und überbringt einen Ring und einen Brief von der blonden Isolde, in dem diese den Geliebten zurückzukehren bittet. Die
25 vgl. Ulrich von Türheim: Tristan und Isolde. Fortsetzung des Tristan-Romans Gottfrieds von Straßburg. Originaltext nach der Heidelberger Hs. Pal. Germ. 360. Herausgegeben von Wolfgang Spiewok in Zusammenarbeit mit Danielle Buschinger. (Greifswalder Beiträge zum Mittelalter, Bd.37). Greifswald: Reineke 1994. Im Folgenden abgekürzt als Ulrich: Tristan-Fortsetzung
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Freunde erhalten des Herzogs und der weißhändigen Isolde Erlaubnis, nach Irland zu reisen. Mit Kurvenal und Paligan sowie zwanzig Knappen machen sie sich prächtig ausgerüstet auf die Fahrt. Tristan bittet beim Abschied seine Frau um Vergebung.
Zunächst reist die Gesellschaft nach Litan, wo Tinas, der Seneschall des Königs und ein Freund Tristans, herrscht. Dieser geht nach Tintajol und richtet der blonden Isolde heimlich aus, Tristan werde am nächsten Tag im Wald auf sie warten. Isolde überredet Marke, eine Jagd zu veranstalten. Während dieser Jagd kommt das heimliche Treffen mit Tristan zustande. Kaedin, der Isolde ebenfalls sieht, ist nun von ihrer Schönheit überzeugt. Die Königin bittet ihren Geliebten, in ihr Zelt zu kommensie werde Unwohlsein vortäuschen. Ihr Neffe, der falsche Antret, schöpft Verdacht.
Kurvenal kommt, um Kaedin und Tristan zur Rückfahrt abzuholen. Sie schicken ihn nach Litan zurück und bitten ihn, ihnen am nächsten Morgen entgegenzukommen. Marke kehrt von der Jagd zurück und erfährt von Antret, Brangäne und Paranis, dass Isolde krank sei. Man rät ihm, nicht zu ihr zu gehen. Währenddessen kommen Tristan und Kaedin zu Isolde. Kaedin bemüht sich um ihr Hoffräulein Kamele, die ihn zunächst zurückweist. Auf Isoldes Zureden gibt sie dem Drängen Kaedins dann aber vermeintlich doch nach und schläfert ihn mit Hilfe eines Zauberkissens ein, so dass er am nächsten Morgen unverrichteter Dinge erwacht. Von den Damen verspottet, nimmt er zornig Abschied.
In der Früh kommt Kurvenal den Freunden, wie verabredet entgegen, aber er hat ein Pferd verloren. Pleherin, ein Gefolgsmann Markes, hatte ihn in der Annahme, er sei Tristan, unterwegs gestellt. Aus Furcht vor Entdeckung war Kurvenal ihm jedoch unerkannt entkommen. Pleherin brüstet sich an Markes Hof vor Isolde mit Tristans vermeintlicher Feigheit. Die Königin ist über das Verhalten ihres Geliebten ergrimmt und schickt den Knappen Paranis mit schweren Vorwürfen zu ihm. Tristans Beteuerungen bleiben ohne Wirkung. Verzweifelt kehrt er nach Litan zurück und berichtet Tinas von seinem Kummer. Kaedin schickt er heim nach Karke. Unterstützt von Kurvenal, beschließt er, am nächsten Tag, als kranker Mann verkleidet, nach Tintajol zu fahren, um Isoldes Gunst zurückzuerlangen.
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In Lumpen gehüllt und mit entstelltem Gesicht begibt sich Tristan nach Tintajol. Isolde aber erkennt ihn an seinem Ring und befiehlt Paranis zornig, den vermeintlichen Aussätzigen zu schlagen. Durch drei Knappen lässt sie den scheinbar Fremden verprügeln und hinauswerfen. Tristan kehrt traurig zu Kurvenal zurück, der ihm rät, alsbald zu seiner Frau, Isolde Weißhand, heimzufahren und die Geliebte endlich zu vergessen. Darauf aber will Tristan sich nicht einlassen. Er sinnt auf Vergeltung. Am nächsten Tag geht er, begleitet von Kurvenal, in neuer Verkleidung abermals nach Tintajol. Auf Isoldes Frage nennen sie Arundel als ihren Herkunftsort. Als die Königin sich daraufhin nach einer Dame namens Isolde erkundigt, erbleicht Tristan, und sie erkennt ihren Geliebten, der seine anfängliche Behauptung, er heiße Plot, nun aufgibt. Nach erfolgter Versöhnung bittet Isolde, Tristan möge fortgehen und auf Nachricht von ihr warten, die sie ihm durch ihren Knappen Peliot zukommen lassen werde. Tristan teilt ihr mit, dass er sich im Hafen von Tribalesen aufhalten werde. Die Königin rät ihm, er solle hinter der Maske eines Narren Rache an seinen Feinden nehmen. Tristan macht darauf einen so gewaltigen Freudensprung, dass alle Ritter sich wundern, dass ein einfacher Knappe einer solchen Kraftleistung fähig ist. Auch Marke erfährt von dem erstaunlichen Sprung und lässt nachforschen, wer die beiden Fremden waren. Antret und Melot äußern sogleich den Verdacht, die beiden kämen wohl von Tristan. Marke jedoch schilt seine Ratgeber wegen solcher Verleumdungen seines Neffen Tristan.
Isolde lässt Tristan ausrichten, er solle in vierzehn Tagen in Narrenverkleidung zu ihr kommen. Mit einem grauen Mantel, in dessen Kapuze zwei Käse liegen, und einem schweren Kolben erscheint er unerkannt bei Hofe. Als er gar zu vertraulich mit der Königin plaudert, will Marke ihn entfernen lassen. Tristan aber streckt Antret, der ihn ergreifen will, mit einem Keulenschlag nieder und malträtiert den Zwerg Melot so sehr, dass niemand, selbst der König nicht, ihm nahe zu kommen wagt. So verschafft er sich Narrenfreiheit. In der Nacht legt er sich vor Isoldes Gemach und tut, als schliefe er. Brangäne gegenüber gibt er sich zu erkennen. Als Isolde und Marke kommen, stimmt er einen Klagegesang in Torenweise an und erschreckt alle durch sein wildes Wesen. Dem garstigen Melot schlägt er ein Auge aus. Am nächsten Tag reitet Marke für zwei Wochen zur Jagd. Tristan kann seine Geliebte nun ungehindert treffen. Tags spielt er den Narren, und nachts ist er mit Isolde zusammen. Dann aber werden sie von Antret ertappt, und Tristan flieht, um der drohenden Strafe des
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Andreas Szalai, 2007, Gottfried von Straßburg: Tristan – Hypothesen über den geplanten Schluss, München, GRIN Verlag GmbH
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