Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Polen 3
3. Bolschewisten. 6
4. Alliierten. 11
5. Juden 12
6. Deutsche 16
7. Literaturverzeichnis. 20
2
1. Einleitung
Wörter können das Bewusstsein prägen und Wirklichkeit schaffen. In totalitären und autoritären Systemen ist die Rolle der Sprache von besonderer Bedeutung. Die Nationalsozialisten haben sich, wie wohl keine anderen Politiker im 20. Jahrhundert, auf die Kraft ihrer Sprache berufen, die sich in ihren Augen höchste Priorität verdient. Sie waren wohl die ersten, die die politische Bedeutung der Sprache nicht nur durchschauten, sondern unter dem Aspekt der Massenbeeinflussung auch nutzten. Sie räumten der Sprache in ihren politischen Handlungen eine besondere Bedeutung ein, die ihr lange niemand mehr eingeräumt hatte. 1
Die „Krakauer Zeitung“ lässt im Allgemeinen drei Grundtypen von Wörtern durch die vergleichende Methode isolieren: Erstens sind es Wörter, die von den Nationalsozialisten neugeprägt wurden. Zweitens können hier Wörter erwähnt werden, die umgedeutet wurden oder eine zusätzliche spezifische Bedeutung erhielten. Und schließlich sind es auch Wörter, die sehr häufig verwendet wurden und durch die hohe Gebrauchsfrequenz ihren hohen Stellenwert im NS-Sprachgebrauch signalisierten. 2
Die „Krakauer Zeitung“ scheint hier ein musterhaftes Beispiel für die von den Nationalsozialisten betriebene Sprachmanipulation zu sein. Nach der Lektüre des Tagesblattes wird man sich dessen bewusst, wie mit Hilfe von spezifischem Sprachgebrauch eine Beeinflussung der Meinungen der Gesellschaft unter der Besatzung durchgesetzt und auf welche Art und Weise ein präpariertes Bild der politischen Geschehnisse sprachlich „verkauft“ werden konnte.
2. Polen
Die Presse galt dem Regime als ein bereites Propagandainstrument. Viel Platz wurde in der „Krakauer Zeitung“ den ehemaligen polnischen Regierungsschichten eingeräumt. Man versprach der Bevölkerung die Befreiung von „entsetzlichen Missständen“ und „Folgen einer unglaublichen Misswirtschaft“ der bisherigen Verwaltung 3 , einer gewissenlosen Clique („Die Warschauer Zivilbevölkerung leidet noch schlimmer als im September 1939, wo ebenfalls
1 vgl. Grieswelle 1984, S. 18f.
2 vgl. Jockheck 1006, S. 178f.
3 Jeder Pole muss arbeiten, in: KrZ, Nr. 2, 14. November 1939, S. 3
3
Tausende für den Leichtsinn einer gewissenlosen Clique büßen mussten.“ 4 ), die „das Land von Katastrophe zu Katastrophe geführt“ hätte. 5
Nicht nur die ehemalige Führungsschicht, sondern auch die sich am 30. September 1939 in Paris gebildete polnische Exilregierung („Politischer Witz“, „Hasardeure und Deserteure“, „Emigrantencliquen“, „fiktive polnische Regierung“ 6 , „die so genannte polnische Emigrantenregierung“ 7 , „Gruppe polnischer Reaktionäre“ 8 ) in Misskredit zu bringen, war eines der grundsätzlichen Anliegen deutscher Propaganda im Generalgouvernement.
Zahlreiche Berichte in der „Krakauer Zeitung“ warnten auch wiederholt vor dem „verbrecherischen Verhalten“ 9 , das angeblich nicht nur vom regulären polnischen Militär, das die Deutschen „in viehischer Weise zu Tode gequält hätte“ 10 , sondern auch von verschiedensten Banden ausging („Unzahl bewaffneter Banden, die die kleinen Ortschaften, Dörfer und einzelnen Katen überfielen und rücksichtslos mordeten und raubten“ 11 ; „bewaffnete Aktionen politisch motivierter Banden“ 12 ; „Eine Bande von zehn Männern hat einen Volksdeutschen brutal zusammengeschlagen.“ 13 ). Das Land litt unter den Verbrechern („unser Kampf gilt vor allem dem Verbrecherbandentum, [...] mit dem die polnische Polizei allein nicht fertig geworden ist.“ 14 ), Banditen („Endlos ist die Kette der gemeinsamen Verbrecher, die von den polnischen Banditen vor und während des deutsch-polnischen Krieges [...] begangen wurden“ 15 ; „Die andauernden Kämpfe gegen die Banditen“ 16 ; „mehrere der Tat dringend verdächtige polnische Banditen sind festgenommen worden“ 17 ), Untermenschen („dass polnisches Untermenschentum die Ukrainer (ähnlich wie die Volksdeutschen) als weit höher stehende Volksgruppen vernichten wollen.“ 18 ), dem polnischen Fremdvolk, untergeordneten und fremden Volkstum („Gerade die Besten sind gut genug, gegenüber dem polnischen Fremdvolk deutsches Ansehen und deutsche Würde zu
4 Schreckensszenen im brennenden Warschau, in: KrZ, Nr. 218, 22. August 1944, S. 2
5 Programmatische Erklärung Dr. Franks, in: KrZ, Nr. 1, 12. November 1939, S. 1
6 Rydz-Śmigły im Gefängnis, in: KrZ, Nr. 254, 26. Oktober 1940, S. 1
7 Ein neues Opfer der englischen Politik: Emigrantengeneral Sikorski beseitigt, in: KrZ, Nr. 159, 6. Juli 1943, S. 1
8 Die exzentrischen Polen, in: KrZ, Nr. 255, 24. Oktober 1943, S. 1f.
9 Polnisches Flintenweib hetzte zum Mord, in: KrZ, Nr. 4, 6. Januar 1940, S. 1
10 Sondergericht Lodz gegen zwei Deutschenmörder, in: KrZ, Nr. 13, 18. Januar 1940, S. 1
11 Unter Wojts, in: KrZ, Nr. 303, 24. Dezember 1941, S. 5f.
12 Flüchtlinge, Banden, Juden - so fing es an, in: KrZ, Nr. 254, 26. Oktober 1940, S. 18
13 Ende einer Verbrecherlaufbahn, in: KrZ, Nr. 185, 7. August 1942, S. 5
14 Banden überfallen Bauernkaten, in: KrZ, Nr. 10, 23. November 1939, S. 5
15 Todesurteil gegen zwei polnische Deutschenmörder, in: KrZ, Nr. 13, 18. Januar 1940, S. 1f.
16 Banditennester ausgehoben - bei 30 Grad unter Null, in: KrZ, Nr. 33, 8. Januar 1942, S. 5f.
17 Politische Soldaten, in: KrZ, Nr. 18, 2. Dezember 1939, S. 1f.
18 Weit über 1 Million Ukrainer Opfer des polnischen Terrors, in: KrZ, Nr. 56, 7. März 1940, S. 1f.
4
vertreten.“ 19 ; „Solch ein geschlossenes Auftreten stärkt auch die deutsche Autorität gegenüber dem fremden Volkstum“ 20 ; „indem sie sich nicht der breiten Masse eines fremden, uns untergeordneten Volkstums zuwandte, sondern allein für die Deutschen, die in diesem Lande führenden Männer, da sein wollte.“ 21 ), dem hasserfüllten polnischen Staat („der hasserfüllte polnische Staat die Vernichtung dieser jahrhundertealten deutschen Kulturzeugen und ihrer Träger angestrebt hat“ 22 ), dessen „bestialische Grausamkeiten“ 23 den Deutschen im besetzten Polen zu einer „starken seelischen Belastung“ wurde. 24 Man beschuldigte die mordgierige Menge („Feldwebel H. war bei dem Dorfe Merdheim niedergekommen und wurde ebenfalls von einer mordgierigen Menge umringt“ 25 ) zahlreicher „Gewalttätigkeiten“ 26 , „sadistischer Grausamkeit“, „blindwütenden Hasses“ 27 , blutigen Ausschreitungen („Polnische Soldaten, Polizisten, besonders aber Zivilisten seien schuld an zahllosen blutigen Ausschreitungen gegen Kriegsgefangene aus den Reihen der Wehrmacht und gegen die deutsche Bevölkerung in Polen“ 28 ), unmenschlichsten Grausamkeiten und Bestialitäten („in einem Kriege, der begleitet war von den unmenschlichsten Grausamkeiten und Bestialitäten gegen die volksdeutsche Zivilbevölkerung“ 29 ) und „satanischer Taten“ 30 . Auch solche Begriffe wie „Polengräuel“, „Gräueltaten“ 31 , Mörder („fand die erste Verhandlung gegen drei polnische Mörder an Volksdeutschen statt, die mit Todesurteilen endete“ 32 ; „als Deutschenmörder aus den blutigen Septembertagen 1939 zum Tode verurteilt worden“ 33 ), Peiniger („Seine Peiniger schleppten den Halbbewussten bis zur Scheune und auf dieser kurzen Strecke hagelten fruchtbare Schläge auf den Bedauernswerten hernieder“ 34 ), polnische Barbaren („Westmächte, die für die Überlassung des unglücklichen Volkes an die polnischen Barbaren verantwortlich waren“ 35 ), Ungeziefer („bis jeder in Deutschland jeden Polen, gleichgültig ob
19 Deutsches Beamtentum im Osten, in: KrZ, Nr. 254, 26. Oktober 1940, S. 1f.
20 Der Blick aufs Ganze, in: KrZ, Nr. 17, 23. Januar 1941, S. 1f.
21 Die Partei - Mahner und Führungsfaktor, in: KrZ, Nr. 254, 26. Oktober 1940, S. 7f.
22 Die deutsche Mission im Weichselraum, in: KrZ, Nr. 123, 26. Mai 1940, S. 6
23 Die Reklameleiche, in: KrZ, Nr. 20, 25. Januar 1940, S.1f.
24 Arbeiter und Künstler im grünen Rock, in: KrZ, Nr. 45, 23. Februar 1940, S. 6
25 Sühne für abscheuliche Misshandlung abgestürzter Flieger, Krakauer Zeitung 16, 20. Januar 1940, S. 1f.
26 Von der Kirche zum Deutschenmord, in: KrZ, Nr. 39, 16. Februar 1940, S. 1
27 Sühne für abscheuliche Misshandlung abgestürzter Flieger, in: KrZ, Nr. 16, 20. Januar 1940, S. 1
28 Die „Jüdische Weltpest“ in Tschenstochau, in: KrZ, Nr. 124, 17. Mai 1944, S. 8
29 Die Ankläger, in: KrZ, Nr. 93, 17. April 1943, S. 1f.
30 Von der Kirche zum Deutschenmord, in: KrZ, Nr. 39, 16. Februar 1940, S. 1
31 Jetzt über 58 000 Morde an Deutschen festgestellt, in: KrZ, Nr. 35, 11. Februar 1940, S. 1
32 Galizien vor einem Jahr und heute gesehen. Erfolge deutscher Führung auch in diesem Raum, in: KrZ, Nr. 187, 9. August 1942, S. 3
33 Wie war es doch damals?, in: KrZ, Nr. 19, 22. Januar 1944, S. 1f.
34 Sühne für abscheuliche Misshandlung abgestürzter Flieger, in: KrZ, Nr. 16, 20. Januar 1940, S. 1f.
35 Weit über 1 Million Ukrainer Opfer polnischen Terrors, in: KrZ, Nr. 56, 7. März 1940, S. 1f.
5
Landarbeiter oder Intellektuellen, als Ungeziefer ansieht“ 36 ), Drangsalierung („Auch hier befinden sich die Volksdeutschen in einem jahrelangen Zustand polnischer Drangsalierung“ 37 ), „Misshandlung“, „Vergewaltigung“ 38 usw. waren in den Artikeln der „Krakauer Zeitung“ an der Tagesordnung.
Die Polen, wie auch weitere andersartige, zu verdrängen oder sogar zu vernichten, wurde zu einer nationalen Aufgabe von existentieller Bedeutung erklärt. Mit radikal antipolnischen Äußerungen wollte die NSDAP ihre politischen Gegner übertrumpfen und weitere nationalistisch gesonnene Kreise mobilisieren und integrieren. Immer wieder schlachtete die Propaganda antideutsche Tendenzen jeder Art in Polen aus, um nach innen die Gesellschaft angesichts der behaupteten Bedrohung zu einigen und nach außen Polen als eine Gefahr für den Frieden in Europa darzustellen.
3. Bolschewisten
Nachdem Deutschland die Sowjetunion überfallen hatte, waren neben den Polen auch die Sowjets Objekt der nationalsozialistischen Propaganda. So sprach man beispielsweise nach der Entdeckung der Massengräber in Katyn von einer „Blutschuld des Bolschewismus“ 39 und stellte Deutschland als möglichen Ausweg von der mörderischen Sowjetherrschaft („Einzig realistische Alternative zum deutschen Regime sei eine mörderische Sowjetherrschaft, die kein Pole wünsche“ 40 ).
Seit dem Angriff der Wehrmacht gegen die Sowjetunion und besonders nach der offenkundigen Kriegswende nutzten die deutschen Propagandisten im Generalgouvernement zudem antisowjetische Stimmungen, indem sie behaupteten, nur Deutschland, als die stärkste Militärmacht der Welt, könne die Polen von einer zukünftigen sowjetischen Dominanz bewahren. Solche Drohungen mit einer Vorherrschaft der Sowjetunion über ganz Mitteleuropa richteten sich mehr und mehr aber auch an das deutsche Publikum, das so für weitere und verstärkte Kriegsanstrengungen mobilisiert werden sollte. Nur Deutschland könne also, der nationalsozialistischen Propaganda zufolge, die Polen vor dem raffinierten System („Dieses System ist so raffiniert und so subtil, dass seine Behandlung einen eigenen
36 Die Judengesetze in Frankreich, in: KrZ, Nr. 185, 7. August 1942, S. 2
37 Das Reich gibt Arbeit und Brot, in: KrZ, Nr. 186, 8. August 1942, S. 10
38 Jetzt über 58 000 Morde an Deutschen festgestellt, in: KrZ, Nr. 35, 11. Februar 1940, S. 1
39 Die Ankläger, in: KrZ, Nr. 93, 17. April 1943, S. 1f.
40 Diesmal ein moralisches Katyn, in: KrZ, Nr. 290, 4. Dezember 1943, S. 3
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Radoslaw Lis, 2009, Propagandistische Aussagen in der deutschsprachigen Presse im Generalgouvernement 1939-1945, München, GRIN Verlag GmbH
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