Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die Ostpolitik aus transatlantischer Sicht 2
2.1 Zweifel am amerikanischen Partner 2
2.2 Neue Wege unter Brandt und Bahr 3
2.3 Die Reaktion der USA 5
3 Ein amerikanischer Machtverlust? 6
3.1 Das Ende von Bretton Woods 6
3.2 Die Krise von 1973 7
3.3 Innenpolitische Herausforderungen 8
4 H ohepunkt und Verfall der Beziehungen 9
4.1 Das Verh altnis Schmidt/Ford 10
4.2 Der Idealist aus Georgia 10
4.2.1 Brasiliengesch aft und deutsche Wirtschaftskraft 11
4.2.2 Milit arpolitische Unterschiede 12
4.2.3 Der NATO-Doppelbeschluss 12
4.3 Offene Gegens atze 13
4.3.1 Die zweite
Olkrise 13
4.3.2 Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan 14
5 Fazit 15
6 Literaturverzeichnis 16
1
1 Einleitung
Im Versuch, die aktuellen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den USA zu analysieren, wird die Regierungszeit der sozialliberalen Koalition gerne als eine Art Schl¨ ussel¨ ara angef¨ uhrt. 1 Ganz offensichtlich taugen die Jahre unter Willy Brandt und Helmut Schmidt
wie kein anderer Abschnitt bundesrepublikanischer Geschichte zum heutigen Verst¨ andnis eines Verh¨ altnisses, das seit dem Ende des zweiten Weltkriegs im Spannungsfeld einer bipolaren Welt geschichtliche Sonderstellung genossen hat. Tats¨ achlich lassen sich die lang-Klassenprimus“ 2 und der schließ-same Emanzipation des einstigen Vasallenstaates bzw. ”
liche Bruch mit dem transatlantischen Lehrmeister auf die Kanzlerschaften Brandt und Schmidt eindampfen, ohne allzu viel der kurz- und mittelfristigen historischen Ereignisse zu verlieren. Trotzdem l¨ auft eine solche Sichtweise Gefahr, Einzelereignisse als vom historischen Kontext losgel¨ ost, d.h. individuell darzustellen und damit Aktionen, die im l¨ angerfristigen Zusammenhang eher als reactio erscheinen, unter handlichen Schlagworten mit einer Innovationskraft auszustatten, die sie vielleicht ¨ uberhaupt nicht oder nur kaum besaßen.
neuen“ 3 Ostpolitik kommt zugute, dass im allgemeinen Verst¨ andnis auf die ers-Der ”
ten Vorst¨ oße des Idealpolitikers Brandt Richtung Osten eine reflexartige Ablehnung von Seiten der Nixon-Administration erfolgte. 4 Das passt gut ins Bild einer neuen, selbstbe-
wussten Bundesrepublik, die sich vom westlichen Partner wenigstens abnabelt und den Blick hinter den Eisernen Vorhang wirft, um sich l¨ angerfristig außenpolitischen Spielraum zu verschaffen und eine Verhandlungsbasis f¨ ur eine neue Deutschlandpolitik zu bekommen. Die den USA zugeschriebene Angst vor einem m¨ oglichen ” Rapallo-Syndrom“ wird jedoch fast einstimmig belegt durch entsprechende Passagen in Kissingers Memoiren. 5 Sei-
ne kritische Grundhaltung wird als stellvertretend f¨ ur die gesamte Nixon-Administration genommen, obwohl Nixon selbst, der schon aus innenpolitischen Gr¨ unden eine D´ etente-Politik wie sie bereits unter Kennedy und Johnson begonnen wurde, weiterf¨ uhren und ausbauen wollte, auch im Hinblick auf die nach ihm benannte Doktrin einer eigenst¨ andigen Ostpolitik Brandts eher zustimmend gegen¨ uber stand. 6
Es stellt sich die Frage, inwieweit Brandts Ostpolitik eine tats¨ achliche Belastung der transatlantischen Beziehungen gewesen war und gar als Wegbereiter f¨ ur die sp¨ atere Zerr¨ uttung
1 So auch in: Weidenfeld, Werner: K¨ uhles Kalk¨ ul, Die neue ¨ Ara der transatlantischen Beziehungen, in: Internationale Politik, 6/2001, S. 1-10.
2 Vgl. Heuser, Beatrix: Nuclear Mentalities?, London 1998, S. 204
3 Siehe zu dieser Problematik Fuchs, Stephan: ”Dreiecksverh¨ altnisse sind immer kompliziert”. Kissinger, Bahr und die Ostpolitik, Hamburg 1999, S. 29.
4 Vgl. Fuchs, S. 59-64.
5 Ebd., S. 64.
6 Vgl. Schwabe, Klaus: Weltmacht und Weltordnung. Amerik. Außenpolitik von 1898 bis zur Gegenwart, Paderborn 2006, S. 366f.
2
des deutsch-amerikanischen Verh¨ altnisses unter Schmidt und Carter angef¨ uhrt werden kann. War sie Meilenstein oder gibt es eine Kontinuit¨ at ¨ uber alle Krisen hinweg? Welche
Rolle spielen die unterschiedlichen Charaktere Egon Bahr, Henry Kissinger, Brandt und vor allem Schmidt und Carter in dem Prozess, den Klaus Wiegrefe in seinem gleichnami-Zerw¨ urfnis“ zwischen den USA und der Bundesrepublik genannt hat? 7 Und gen Buch das ”
schließlich: Inwiefern kann die Zeit der sozialliberalen Koalition als Wendepunkt in den deutsch-amerikanischen Beziehungen gewertet werden? Zur Beantwortung soll vor allem die Zeit von 1969 bis zur Abwahl Jimmy Carters betrachtet werden.
2 Die Ostpolitik aus transatlantischer Sicht
Die Westbindung der Bundesrepublik ist untrennbar verkn¨ upft mit Konrad Adenauer. Seine Kanzlerschaft ist gepr¨ agt ist von einer relativen konstanten Zusammenarbeit auf transatlantischer Ebene. Eine Abkehr selbst bei strittigen Fragen w¨ are f¨ ur die Regierung auch wenig sinnvoll gewesen. Die USA galten als eine Art ” Ersatzvaterland“, das die
moralisch zerbrochene Republik in den Nachkriegsjahren einte, weltanschaulichen Halt auf der Gegenseite der ” Kommunisten“ bot und diese Position politisch und milit¨ arisch zu verteidigen versprach. 8 Einem Umdenken der Bundesrepublik vor allem auch in der
Deutschlandpolitik mussten daher Ver¨ anderungen im B¨ undnisklima vorausgehen.
2.1 Zweifel am amerikanischen Partner
Nach Hans-Peter Schwarz gr¨ undete die enge deutsch-amerikanische Nachkriegspartnerschaft haupts¨ achlich auf vier S¨ aulen 9 : Die Entscheidung f¨ ur ein demokratisches Regie-
rungssystem erforderte konstante Unterst¨ utzung der Bundespolitik von amerikanischer Seite, denn das neue Regierungssystem war anfangs in einer Bev¨ olkerung, die den Untergang der Weimarer Republik miterlebt hatte, keineswegs unumstritten. Dieser R¨ uckhalt ist eng verflochten mit einer kulturellen Dimension der Westbindung, die sich durch den eingangs beschriebenen moralischen Halt und eine psychologische Komponente erweitern l¨ asst 10 . Anders ausgedr¨ uckt: Innen- wie Außenpolitik mussten nach amerikanischen Ka-
tegorien gestaltet werden. Wer in den USA anerkannt wurde, war auch auf Bundesebene geachtet. Inwieweit hier tats¨ achlich von kulturellen ¨ Ubereinstimmungen die Rede sein
kann oder ob die Bedrohungslage des Kalten Krieges Differenzen und Uneinigkeiten ein-
7 Wiegrefe,Klaus: Das Zerw¨ urfnis. Helmut Schmidt, Jimmy Carter und die Krise der deutschamerikanischen Beziehungen, Propyl¨ aen 2005.
8 Vgl. ebd., S. 26-29.
9 Vgl. Schwarz, Hans-Peter: Die Politik der Westbindung und die Staatsraison der Bundesrepublik, Zeitschrift f¨ ur Politik 22/1975, S. 310-325.
10 Vgl. Wiegriefe, Zerw¨ urfnis, S. 27.
3
geebnet hat, wird sp¨ ater noch zu entscheiden sein. Sicherheitspolitische Abh¨ angigkeit in einer vom Ost-West-Konflikt bestimmten Welt und ein an den Westen gekoppelte Wirtschaftssystem bildeten das weitere Fundament. Alle vier Bereiche waren seit etwa 1960 einem Wandel unterworfen.
Die globale amerikanische Sicherheitspolitik begann sich mit Kennedy von deutschen Interessen zu l¨ osen. Einen Atomkrieg vor Augen, dr¨ angten die USA nach der harten Gangart der f¨ unfziger Jahre auf eine Eind¨ ammung des Wettr¨ ustens. 11 Verhandlungen mit der
Sowjetunion dar¨ uber waren in der Dynamik gegenseitiger Aufr¨ ustung nicht denkbar. Es galt, den Status Quo zu sichern. Diese Konsolidierung des Kalten Krieges stand nicht nur im Widerspruch zu Adenauers Politik der St¨ arke, an deren Ende bekanntlich eine Wiedervereinigung stehen sollte. Sie ging auch scheinbar r¨ ucksichtslos ¨ uber bundesdeutsche
Interessen hinweg, wie sich beim Bau der Berliner Mauer zeigen sollte, auf den die USA aus deutscher Sicht nicht angemessen reagierten. 12
Kennedy forderte die Anerkennung nicht nur der DDR, sondern auch der Oder-Neiße-Linie als integralen Bestandteil einer zuk¨ unftigen erfolgreichen Politik der Entspannung. Sein Nachfolger Johnson f¨ uhrte diese Politik fort. Der Atomwaffensperrvertrag schließlich, der die Verbreitung (Proliferation) von Atomwaffen verhindern sollte, wurde von deutscher Seite kritisch aufgenommen. Er schloss die Bundesrepublik ein f¨ ur alle Mal von der Teilhabe an nuklearen Waffen aus und verhinderte eine gemeinsam kontrollierte NATO-Atomstreitmacht. Im Hinblick auf st¨ arker werdende Zweifel innerhalb der Bundesrepublik an der amerikanischen Bereitschaft, im Falle eines Atomkrieges zur Verteidigung Mitteleuropas bereitzustehen, bot das neuen b¨ undnispolitischen Z¨ undstoff. 13 Die
Superm¨ achte schienen immer ¨ ofter ¨ uber die K¨ opfe der Europ¨ aer hinweg zu verhandeln.
Einer der Hauptkritikpunkte am Atomwaffensperrvertrag war schließlich, dass er auch von der DDR unterzeichnet wurde. Faktisch bedeutete dies die v¨ olkerrechtliche Anerkennung des ostdeutschen Staates. 14
2.2 Neue Wege unter Brandt und Bahr
Schon seit 1960 entwickelten sich abseits der Verfahrenheit der CDU-Regierung in Bonn, die sich erst w¨ ahrend der großen Koalition unter Kiesinger einer selbstbewussteren Haltung der USA gegen¨ uber ¨ offnete 15 , ein neues Denken im Umgang mit dem Ostblock. Von
einem der Brennpunkte des Kalten Krieges aus schafften es Willy Brandt und Egon Bahr
11 Vgl. Sch¨ ollgen, Gregor: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, M¨ unchen 1999, S. 57ff.
12 Vgl. Schwabe, S. 362ff.
13 Vgl. Sch¨ ollgen, S. 95ff.
14 Vgl. Schwabe S. 364.
15 Vgl. Bender, Peter: Die ”Neue Ostpolitik¨ und ihre Folgen, M¨ unchen 1995, S. 105f, 138-142.
Arbeit zitieren:
Patrick Brosi, 2008, Die deutsch-amerikanischen Beziehungen während der sozialliberalen Koalition, München, GRIN Verlag GmbH
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