bleibt somit nicht am Grabe Kants stehen, sondern schildert die aus seinem Tode entstehenden Probleme für das kulturelle Königsberg und dessen Universität. Seine Abrundung findet das Buch in einem kurzen Fichte-Exkurs. Fichte wollte nach der Kündigung seiner Jenaer Universitätsprofessur zur königsberger Albertina wechseln und wäre dort eventuell Kants Nachfolger geworden. Doch es sollte nur ein kleiner Aufenthalt im Jahre 1807 werden, währenddessen er eine Vorlesung über die Wissenschaftslehre hält und den Unmut der Bürger auf sich zieht, da er sich abfällig über den Königsberger Weltweisen äußert. Dieser kulturgeschichtliche Rahmen macht dann auch den besonderen Reiz dieses Bandes aus.
Ein Großteil des Buches nimmt somit die ausführliche Beschreibung der Universität und deren Umfeld unter Kant in Anspruch. Auf der einen Seite ist Kant ein sehr liberaler und engagierter Professor, der vehement die Freiheiten der Universität zu wahren sucht und dabei auch Studenten wohlwollend unterstützend gegenübersteht, wenn er sich zum Beispiel für die Befreiung der Studenten vom Militärdienst einsetzt. So auch bei Gottlieb Crispien, dessen Fall der Entrollierung zwar schließlich abschlägig entschieden worden war, aber der dennoch bis zum König hinauf geriet. Auf der anderen Seite aber vertritt Kant als Rektor der Universität ebenso den institutionellen Antikatholizismus und Antijudaismus des protestantisch-preußischen Wissenschaftsbetriebes, obwohl engste Vertraute wie Moses Mendelssohn und Marcus Herz der jüdischen Minderheit angehörten. Mit zunehmendem Alter scheint allerdings das Engagement der frühen Jahre immer mehr geschwunden zu sein. So lesen wir von sporadischen Teilnahmen an Senatssitzungen, „tumultarische(m) Gang der Geschäfte in diesem Rectorat“ (wie sein Kollege Metzger sich auszudrücken pflegt) und lakonischen
Abwesenheitsentschuldigungen wie „Ich bitte, mich als Invaliden zu entschuldigen. Immanuel Kant.“. All dieses ist auch der preußischen Obrigkeit kundig geworden. Ein interessantes Kapitel beschäftigt sich eingehend mit der Aufnahme der „Kritik der reinen Vernunft“ im höfischen Berlin und anderen wichtigen Universitätsstädten Deutschlands zu jener Zeit. Hier wie dort bilden sich Kreise erlauchter Verehrer und scharfer Kritiker. Zuweilen schießen aber einige, „die sich gleichfalls derselben [der kritischen Philosophie] gewidmet hatten, durch zum Teil lächerliche Neuerungssucht zur Originalität“ über das Ziel hinaus. Das Kapitel zur kantischen Tischgesellschaft hingegen
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Sebastian Rinas, 2004, Rezension zu Steffen Dietzsch, Immanuel Kant - Eine Biographie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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