und nach dem Ersten Weltkrieg einbüßen und an die USA abgeben (Abb. 1). 4 Vor allem der Aufbau einer eigener Elektroindustrie in den anderen Ländern, womit eine stärkere ausländische Konkurrenz einher ging, und die zahlreichen Einschränkungen des
Versailler Vertrages, 5 die deutsche Unternehmen hinzunehmen hatten, waren dafür verantwortlich. 6 Zudem war die Industrie von wissenschaftlichen Forschungen im Ausland während des Krieges abgeschnitten, so dass bestimmte Anforderungen anfangs überhaupt nicht erfüllt werden konnten, und auch der Mangel Rohstoffen, der in den Gebietsverlusten, ebenfalls durch den Versailler Friedensvertrag festgeschrieben, begründet war, war eines der größten Probleme: In den verlorenen Gebieten befanden sich etwa 50 Prozent der Eisenhüttenwerke und 40 Prozent der Stahl- und Walzwerke, die von der deutschen Elektroindustrie genutzt wurden. 7 Die Zahlen machen deutlich, dass diese Verluste die Rohstoffersorgung, nicht nur die der AEG, stark erschütterten und durch Importe nicht so leicht ausgeglichen werden konnten. Um im Ausland wieder Fuß fassen zu können, wären jedoch kurze Lieferzeiten und günstige Angebote nötig gewesen, die unter diesen Umständen nicht möglich waren. 8 Allerdings ging die innerdeutsche Nachfrage stark zurück: zum einen waren plötzlich die beiden Hauptabnehmer der Elektricitäts-Gesellschaft, die Heeresverwaltung und die Rüstungsindustrie, nicht mehr vorhanden, zum zweiten war die zukünftige inländische Nachfrage kaum abzuschätzen und es war nicht klar, ob die während des Krieges stark
erweiterten Kapazitäten ausgelastet werden würden. 9 Dennoch ist die Konzernleitung in Hinblick auf die Zukunft optimistisch und begrüßte, dass die Produktion nicht mehr von
Kriegsnotwendigkeiten abhängig war. 10
2.2.Der Wiederaufbau des Konzerns bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise Dass dieser Optimismus keineswegs unbegründet war, zeigt sich in den Wiederaufbaubestrebungen des Konzerns und den erneuten Erfolgen in der Weimarer Republik.
Schon von seiner Geburt an verkörperte der Firma AEG mehr als nur ein einziges Unternehmen. Durch den Kauf von zahlreichen Beteiligungen hatte sie sich schnell
4 Vgl. Abbildung 1 im Anhang.
5 LEIBROCK, Otto (Hrsg.): Deutschland und die Weltwirtschaft. Berlin/Frankfurt am Main 1954, S.9.
6 Deutsche Unternehmen hatten u.a. den Vertragspartnern die einseitige unbedingte Meistbegünstigung zu gewähren; dies verhinderte den Abschluss günstiger Verträge auf Seiten der deutschen Industrie. Die Einschränkungen wurden erst im Jahr 1925 aufgehoben.
7 HAUTSCH: Der Elektrokonzern AEG-Telefunken, S.28.
8 KASSERRA, Manfred: Die elektrotechnischen Fachverbände. Erlangen/Nürnberg 1967, S.21.
9 Ebd., S.21.
10 http://www.gerdflaig.de/AEG_Geschichte/AEGindex.htm.
4
unterschiedliche Tochter- und Enkelunternehmen unter ein gemeinsames Kapitaldach
einverleibt: 11 bereits 1912 war die AEG an 187 Firmen und Gesellschaften beteiligt. 12 Mit dieser Strategie fuhr sie auch nach dem Krieg fort. Zugute kam ihr dabei die rasante Geldentwertung im Jahre 1923. Durch die Hyperinflation konnten viele Gesellschaften vergleichsweise günstig aufgekauft werden; das Geld bezog die AEG aus den Profiten, die sie im Krieg erzielt hatte. Auch sogenannte „Interessengemeinschaften“, die geschlossen wurden, um die Steuerbelastungen von Unternehmenszusammenschlüssen zu umgehen, wurden eingegangen. So schaffte es die AEG zahlreiche Rohstoffvorkommen unter ihre Kontrolle zu bekommen und das große Problem der
Rohstoffversorgung zu lösen. 13
Auch der Wiederaufbau der Auslandsorganisationen wurde mit der Materialsicherung durch Aufkäufe anderer Firmen finanziert. Um hier allerdings konkurrenzfähig zu bleiben und wenigstens eine Annährung an die Monopolstellung der Vorkriegszeit zu erreichen, musste der technologische Vorsprung, den sich die ausländischen Konkurrenzunternehmen erarbeitet hatten, ausgeglichen werden. Dies geschah durch
Vorkriegsabkommen mit der ehemaligen Mutterfirma General Electric Co. 14 , die erneuert werden konnten. 15 Dennoch konnte die führende Position des Monopols AEG/Siemens auf dem Weltmarkt nicht mehr aufgeholt werden; nur bei einigen Produkten konnten sie ihre Vorherrschaft noch behaupten. 16 Die neu aufgekommenen, kleinen Betriebe, die für die beiden großen Unternehmen durch eine hohe Spezialisierung eine ernsthaft Konkurrenz bedeutenden, wurden durch
Gemeinschaftsgründungen von AEG/Siemens vom Markt verdrängt. 17 Diese gaben schon allein von ihrer Größe her den kleinen Firmen keine Chance auf dem Markt. Andere, die trotz dieser massiven Expansion nicht aufgaben, wurden aufgekauft und
11 Vgl. Abbildung 2 im Anhang.
12 HAUTSCH: Der Elektrokonzern AEG-Telefunken, S.19.
13 Unter anderem aufgekauft wurden: Kupferwerke Deutschland AG (1918), Elektro- Stahl- und Walzwerke (1918), Anteile der Felten & Guillaume Carlswerke AG und Kuhn, Loeb & Co. Guggenheim & Co. (1920). „Interessengemeinschaften“ entstanden mit den Linke-Hoffmann-Lauchhammer-Werken in Breslau und der Oberschlesischen Eisenindustrie AG (1923). Vgl. HAUTSCH: Der Elektrokonzern AEG-Telefunken, S.28 - 29.
14 Die Edison Company hatte der französischen Filiale „Compagnie Continentale Edison” die Auswertung der Patente für den europäischen Raum überlassen. Diese gründete im 1883 die Tochtergesellschaft „Deutsche Edisongesellschaft für angewandte Elektrizität“, die später in die „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ umbenannt wurde. Edison Co. wurde später zu General Electric Co. Vgl. HAUTSCH: Der Elektrokonzern AEG-Telefunken, S.7 - 8.
15 ZIPFEL, Astrid: Public Relations in der Elektroindustrie - Die Firmen Siemens und AEG 1847 bis 1939. Köln 1997, S.25.
16 Diese Produktbereiche waren: elektromedizinische Apparate, Kraftfahrzeugelektrik, Messinstrumente, Elektrowärmegeräte und elektrotechnische Kohleerzeugnisse. Vgl. HAUTSCH: Der Elektrokonzern AEG-Telefunken, S.30.
17 KASSERRA: Fachverbände, S.28 - 29.
5
dadurch neue Märkte erobert oder ausgebaut; so sollte die Monopolstellung auf
möglichst viele Einzelmärkte ausgedehnt werden. 18
Mit dieser Strategie wurde die Hyperinflation des Jahres 1923 überwunden und die AEG ging gestärkt aus ihr hervor. Nicht zu vernachlässigen ist hierbei allerdings die konjunkturelle Erholung, die nach der Inflation in ganz Deutschland einsetzte und somit
auch der AEG einen nicht zu unterschätzenden Vorteil brachte. 19 Schließlich war die alte Führungsposition mit dem Abschluss der Konzentrationswelle 1928 wieder
aufgebaut; 20 zudem war sie mit einem Wandel der Geschäftsstruktur einhergegangen. Eine Trennung vom Dienstleistungssektor der Elektroindustrie, der
Elektrizitätswirtschaft, war vollzogen worden und die AEG konzentrierte sich nun auf ihr Kerngeschäft, nämlich der elektrotechnischen Industrie und baute in diesem
Geschäftsbereich vornehmlich Großkraftwerke und Anlagen zur Energieversorgung. 21 Zudem führte der Konzern als einer der ersten im Jahr 1925 die Fließfertigung, zunächst nur im Berliner Zählerwerk, ein. Durch diese Arbeitsform konnte die AEG höhere Gewinne durch höhere Produktion und gesunkene Kosten erzielen, so dass die
Fließbandarbeit bis 1928 im gesamten Unternehmen Standard war. 22 Dieser Umorientierung ist wohl, neben den diversen Aufkäufen, zu verdanken, dass der Umsatz des AEG-Konzerns im Geschäftsjahr 1927/28 die 500 Millionen Reichsmark-Grenze überschritt. 23
3. Die AEG während der Weltwirtschaftskrise
3.1.Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die Elektroindustrie und die AEG Auch im Jahr 1929 steigerte der Konzern seine Umsätze erneut um 15 % auf über 580
Millionen Reichsmark 24 während gleichzeitig die Beschäftigtenzahl schrumpfte. Durch die starke Rationalisierung der Produktionsprozesse und dem Rückgang der
18 STRUNK, Peter: Die AEG - Aufstieg und Niedergang einer Industrielegende. Berlin 2000, S.48.
19 Ebd., S.50.
20 HAUTSCH: Der Elektrokonzern AEG-Telefunken, S.31.
21 STRUNK: AEG, S.50 - 51.
22 Dass es durch die extreme Rationalisierung zu einer Überproduktion kommen konnte und dadurch die Weltwirtschaftskrise 1929 noch verstärkt wurde, erkannt man zunächst nicht. Allerdings sagt der Geschäftsführer Felix Deutsch 1928: „Ich schätze die industrielle Kapazität der Welt um mindestens 40 -50 Prozent größer als vor dem Kriege. Das bedeutet eine sehr viel größere Produktion gegenüber einer außerordentlich verringerten Kaufkraft [...]“, womit er die ein Jahr später folgende Krise wohl schon zu erahnen glaubte. Vgl. HAUTSCH: Der Elektrokonzern AEG-Telefunken, S.34.
23 STRUNK: AEG, S.50.
24 Laut dem Geschäftsbericht der AEG des Geschäftsjahres 1928/29 war diese Umsatzsteigerung allerdings „weniger auf eine Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage zurückzuführen, als auf die größere Konkurrenzfähigkeit ihrer Erzeugnisse.“. Vgl. http://www.gerdflaig.de/AEG_Geschichte/ AEGindex.htm.
6
Beschäftigten wurde allerdings eine Basis für die Krise, die auch die AEG im gleichen
Jahr treffen sollte, geschaffen. 25
Die bis zu diesem Zeitpunkt größte Weltwirtschaftskrise traf den Konzern also in einer
Zeit, in der er sich gerade erst erholt hatte: die vor der Krieg so hohe Exportquote 26 war noch nicht wieder erreicht 27 und auch die Tatsache, dass sich die AEG gerade erst von der Elektrowirtschaft getrennt hatte, machte sie zunehmend von der inländischen Nachfrage abhängig. Die drohte aber nun wegzubrechen. 28
Die Krise traf die gesamte deutsche Elektroindustrie mit schweren Verluste, sowohl im In- als auch im Ausland. 29 Zunächst ging der Umsatz der AEG im Geschäftsjahr 1929/30 lediglich um 10 Prozent zurück auf 520 Millionen Reichsmark, was in Anbetracht der Tatsache, dass er auf dem Höhepunkt der konjunkturellen Entwicklung bei 580 Millionen Reichsmark lag, noch kein richtig tiefer Einschnitt war. Endgültig angekommen war die Krise jedoch im Geschäftsjahr 1931/32, da nun der Gesamtumsatz nur noch bei 220 Millionen Reichsmark lag. Bei der Betrachtung der drei schlimmsten Krisenjahre, 1929 - 1932 lässt sich eine starke Abwärtsentwicklung, sowohl in der Elektroindustrie Deutschlands allgemein, als auch allein bei dem Unternehmen AEG zeigen: 30
Der Gesamtumsatz des Industriezweiges fiel von 3,2 Milliarden Reichsmark 1929 auf 1,2 Milliarden Reichsmark 1932, der Umsatz der AEG von 580 auf 220 Millionen Reichsmark in nur 3 Jahren. Das bedeutete für den Konzern einen Rückgang von 63,1 Prozent, der damit der Entwicklung der gesamten Elektroindustrie von 62,7 Prozent folgte und nur unwesentlich höher war. Anders sah es bei den Beschäftigtenzahlen aus: während in dem gesamten Industriezweig „lediglich“ ein Rückgang von 45 Prozent im Vergleich zu 1929 zu verzeichnen war, traf es den Berliner Konzern noch um einiges härter. Von 60 000 Erwerbstätigen, die noch 1929 in Lohn und Brot bei der AEG standen, waren 1932 nur noch 27 000 übrig, was einem Rückgang von 55 Prozent (also 10 Prozentpunkte mehr als in der gesamten Elektroindustrie ) entspricht. Das führte außerdem dazu, dass die Arbeitslosenzahl unter Elektroabeitern in Berlin, also in der
25 Die dadurch hervorgerufenen relative Überproduktion war natürlich nicht nur bei der AEG, sondern bei vielen Unternehmen der damaligen Zeit vorhanden.
26 Vgl. hierzu Tabelle 1 im Anhang. Zwar bezieht sich diese auf die gesamte deutsche Elektroindustrie, allerdings war die AEG keine Ausnahme und folgte diesem Trend.
27 STRUNK: AEG, S.51.
28 Ebd.
29 HAUTSCH: Der Elektrokonzern AEG-Telefunken, S.34.
30 Die folgenden Zahlen beziehen sich auf Tabelle 2 im Anhang dieser Arbeit.
7
Arbeit zitieren:
Britta Düvelmeyer, 2009, Die Entwicklung des AEG-Konzerns während der Weltwirtschaftskrise und dem Wirtschaftsaufschwung der NS-Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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