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I
INHALTSVERZEICHNIS
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
1 Einleitung 1
2 Lerntheorien, Lernprozesse Lernformen 5
2.1 Lerntheorien 5
2.1.1 Behaviorismus. 6
2.1.2 Kognitivismus 7
2.1.3 Konstruktivismus 8
2.1.4 Konnektivismus 8
2.2 Lernprozesse 10
2.2.1 Individuelles Lernen 10
2.2.2 Organisationales Lernen 10
2.3 Lernformen 13
2.3.1 Dimension I 15
2.3.1.1 Formales Lernen. 16
2.3.1.2 Nicht-formales (non-formales) Lernen 16
2.3.1.3 Informelles Lernen 16
2.3.2 Dimension II 18
2.3.2.1 Fremdorganisiertes und fremdgesteuertes Lernen 18
2.3.2.2 Mischformen 19
2.3.2.3 Selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen 19
2.3.3 Dimension III 20
2.3.3.1 Präsenzveranstaltung 21
2.3.3.2 E-Learning 22
2.3.3.3 Blended Learning. 24
2.3.4 Dimension IV 25
2.3.4.1 Beispiele 25
2.3.5 Spezialform „New Blended Learning“ 27
3 Web 2.0 und Social Software 30
3.1 Einführungsbeispiel 30
3.2 Begriffsklärungen 31
3.2.1 Web 2.0. 31
3.2.2 Social Software 34
II
3.3 Beispiele von Anwendungen im Unternehmenskontext 35
3.3.1 Weblogs 36
3.3.2 Social Networks 38
3.3.3 RSS 41
3.3.4 Social Tagging 43
3.4 Enterprise 2.0 im Kontext des Lernens 45
3.4.1 Learning 1.0 vs. Learning 2.0 46
3.4.2 Defizite bestehender Unternehmensinfrastrukturen 48
3.4.3 Mehrwert durch Learning 2.0 49
3.4.3.1 Schnelle und transparente Kommunikation 49
3.4.3.2 Professionelles Wissensmanagement 51
3.4.3.3 Lernen Kompetenzentwicklung 53
3.4.3.4 Ausreizung von Netzwerkeffekten 56
3.5 Allgemeine Rahmenbedingungen 57
4 Net Generation 60
4.1 Begriffsklärung 60
4.2 Charakterisierung 61
4.3 Generationeneinteilungskriterien 62
4.4 Lernverhalten Anforderungen an Lernsettings 63
4.5 Kritik 65
5 ALPLA-Werke GmbH Co KG 66
5.1 Firmenportrait. 66
5.2 Wie Lehrlinge bei ALPLA bisher lernen 66
6 Konzeption der Untersuchung - Forschungsdesign 68
6.1 TeilnehmerInnen 68
6.2 Thema 70
7 Erhebungsinstrumente 71
7.1 Das Experiment 71
7.1.1 Die Fragestellungen 72
7.1.2 Hypothesen 72
7.1.3 Rahmenbedingungen 73
7.1.4 Vorbereitungen. 75
7.1.4.1 Didaktisch-methodisches Konzept 75
7.1.4.2 Erstellung des Schulungsplanes 82
7.1.4.3 Erstellung der Informationsplattform mit „Webnode“ 83
7.1.4.4 Erstellung von Web Based Trainings mit „Articulate“ 85
III
7.1.4.5 Einrichtung des Projektmanagement 2.0-Werkzeug „Zcope“ 87
7.1.5 Durchführung 90
7.1.5.1 Kick-off Veranstaltung - Vorstellung Experiment 91
7.1.5.2 Erlernen der Theorie mit E-Learning - „Abschnitt 1 - Pneumatik“ 91
7.1.5.3 Stecken mit der Simulationswand von „FESTO“ 92
7.1.5.4 Erlernen der Theorie mit E-Learning - „Abschnitt 2 - E-Pneumatik“ 93
7.1.5.5 Zeichnen mit „FluidSIM“ 93
7.1.6 Prüfungen 94
7.2 Fokussierte Leitfadeninterviews 95
7.2.1 Struktur und Fragenstellungen des Interviewleitfadens 96
7.2.2 Durchführung 97
7.3 Online-Befragung 99
8 Auswertung des Experiments mit Schlussfolgerung 100
8.1 Objektive Auswertung der Ergebnisse 100
8.1.1 Nutzungsstatistiken 100
8.1.1.1 Web Based Trainings - „Articulate-Online 100
8.1.1.2 Informationsplattform - „Webnode“ 101
8.1.1.3 Virtuelle Projektarbeit - „Zcope“ 102
8.1.2 Testergebnisse. 103
8.1.3 Beurteilung der virtuellen Projektarbeit „Flaschenentnahme Zange“ 104
8.2 Subjektive Auswertung der Ergebnisse 105
8.2.1 Zugehörigkeit zur Net Generation. 105
8.2.2 Evaluationen mit dem Ausbildner 105
8.3 Schlussfolgerung 106
9 Auswertung der Interviews 108
9.1 Schritt 1 - Transkription der Tonaufnahmen 108
9.2 Schritt 2 - Kategorisierung und Codierung 109
9.3 Schritt 3 - Paraphrasierung 110
9.4 Ergebnisse 111
10 Fazit 117
Literaturverzeichnis 120
Anhangsverzeichnis 129
IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 1: Lerntheorien in Anlehnung an Erpenbeck Sauter
Abb. 2: Dimensionen der Lernformen
Abb. 3: Grundkonzept eines Blended Learning Lernarrangements
Abb. 4: Entwicklungsstufen des E-Learning
Abb. 5: Web 1.0 vs. Web 2.0
Abb. 6: Das „Social Software Dreieck“
Abb. 7: Integrativer Prozess von Learning 2.0 Wissensmanagement
Abb. 8: Wissen, Qualifikationen Kompetenzen
Abb. 9: Kreislauf der Kompetenzentwicklung
Abb. 10: Forschungsdesign
Abb. 11: Kreislauf der didaktisch-methodischen Konzeptionsentwicklung
Abb. 12: Schulungsplan des Lernexperiments
Abb. 13: Screenshot der Informationsplattform des Lernexperiments erstellt mit „Webnode“
Abb. 14: Bereitgestellte Linksammlung auf der Informationsplattform
Abb. 15: Screenshot unterschiedlicher Web Based Trainings erstellt mit „Articulate“
Abb. 16: Screenshot der Projektmanagement 2.0 Plattform erstellt mit „Zcope“
Abb. 17: New Blended Learning-Setting des durchgeführten Lernexperiments
Abb. 18: Fotos einer abgehaltenen Präsenzveranstaltung - Stecken mit „FESTO“
Abb. 19: Screenshot der Software „FluidSIM 4“
Abb. 20: Beispiel für Nutzungsstatistiken der Web Based Trainings
Abb. 21: Nutzungsstatistik der Informationsplattform „Webnode“ im April 2009
Abb. 22: Kombiniertes deduktiv-induktives Kategoriensystem
V
TABELLENVERZEICHNIS
Tab. 1: Potenziale und Gefahren der Präsenzveranstaltung ..................................................... 21 Tab. 2: Potenziale und Gefahren von E-Learning ..................................................................... 23 Tab. 3: Learning 1.0 vs. Learning 2.0 ....................................................................................... 47 Tab. 4: Generationeneinteilung nach Oblinger & Oblinger ........................................................ 62 Tab. 5: Liste der TeilnehmerInnen ............................................................................................ 69 Tab. 6: Ergebnisse der Theorieprüfungen .............................................................................. 104 Tab. 7: Kreuztabelle „primäre Ursachen“ ................................................................................ 112
VI
1 EINLEITUNG
Um in Zukunft überleben zu können, müssen Organisationen in der Lage sein, mindestens so schnell zu lernen, wie sich deren Umfeld verändert. Dabei werden Unternehmen zunehmend mit schnelleren und intensiveren Veränderungen und Turbulenzen in ihrem Handlungsumfeld konfrontiert. Um jedoch ihre Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten zu können, müssen sie sowohl mithilfe antizipativer als auch reaktiver Veränderungsstrategien den neuen ökonomischen, politischen und technologischen Umweltanforderungen in stets neuer Weise gerecht werden (vgl. u.a. Dierkes 2003; Argyris, Schön & Rhiel 2006). Gemäß Zahn (1996) sowie Vera & Crossan (2004) wurde vor dem Hintergrund sich zunehmend dynamisch verändernder Umweltbedingungen, die Fähigkeit zum Lernen für Organisationen gar zur sichersten Quelle für eine dauerhafte Aufrechterhaltung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit.
Nach Sauter, Sauter & Bender (2004) wird der effiziente Umgang mit intellektuellem Kapital progressiv zum Schlüssel für den Unternehmenserfolg. Laut Dierkes u.a. (2003) muss das Wissen, welches sich Einzelne im Rahmen individuellen Lernens angeeignet haben, durch aktive Maßnahmen auf der Ebene der gesamten Organisation kollektiviert, vernetzt und zugänglich gemacht werden, um letztendlich organisationales Lernen zu ermöglichen. Des Weiteren ist festzustellen, dass sich die Anforderungen an zukünftige Mitarbeiter fundamental wandeln. Klassische Qualifizierungssysteme auf der Basis von fest vorgegebenen Curricula bilden zwar nach wie vor die notwendige Voraussetzung, decken aber nur noch Teile dieses Bedarfes ab. Qualifikationen sind nicht mehr als Endprodukt von Lernprozessen gefragt, sondern als Eintrittskarte für eine Kompetenzentwicklung, d.h. ihre Fähigkeit, Problemstellungen selbstorganisiert zu lösen, ohne bekannte Lösungswege „qualifiziert“ abzuarbeiten, ohne das Resultat schon von vornherein zu kennen (vgl. Erpenbeck & Sauter 2007b).
Um dies realisieren zu können, bedarf es grundlegend veränderter Lernformen. Innovative Lernkonzeptionen wie „New Blended Learning“, welche immer stärker eine informelle, selbstgesteuerte und Web-basierte Wissensaneignung forcieren und sich gleichzeitig die Fortschritte der Informations- und Kommunikationstechnologien (kurz „IKT“) zu Nutze machen, ermöglichen letztendlich den notwendigen Wandel hin zum kontinuierlichen, lebenslangen Lernen, um schließlich den wachsenden Anforderungen der Wissensgesellschaft gerecht zu werden. Peter F. Drucker (1994:8) stellte bereits 1994 eine Tendenz der formellen zur informellen Wissensaneignung fest und beschreibt, dass die Lernprozesse der Zukunft nicht jener traditionellen Schulungen entsprechen werden.
1
Kapitel 1 - Einleitung
Bei der Betrachtung von Weiterentwicklungen in den IKT begegnet man immer wieder Schlag- wörternwie „Web 2.0“, „Social Software“ etc. Während Millionen von InternetnutzerInnen 1 „Wikis“, „Weblogs“, „Social Networks“ usw. bereits tagtäglich u.a. für individuelle Lernzwecke nutzen, stellt sich gleichzeitig für Unternehmen die Frage, inwiefern sie diese Affinität in der Aus-und Weiterbildung ihrer MitarbeiterInnen nutzen können. Derzeit (Juni 2009) werden Schulun- gendurch das „formale“ und fremdgesteuerte Lernen mit Hilfe eigens dafür konzipierter Schulungen beherrscht. Weniger berücksichtigt werden jedoch Instrumente, die ein informelles, selbstgesteuertes und konnektives Lernen ermöglichen. Dafür scheinen gerade „Web 2.0“ sowie „Social Software“ prädestiniert zu sein. Unter dem Begriff „Learning 2.0“ wird letztendlich das Lernen unter Zuhilfenahme von „Web 2.0“-Elementen verstanden, die eine Verknüpfung der individuellen und organisationalen Lernprozesse sowie die Integration formeller als auch informeller Lernformen zu einem ganzheitlichen Lernprozess ermöglichen. Kennzeichnend für das „Web 2.0“ kommt es dabei zu einem Wandel des Lernens, das von den LernerInnen gelebt und nicht von oben verordnet wird. Dieses veränderte Lernverhalten ist insbesondere bei der sogenannten „Net Generation“ beobachtbar, d.h. Personen einer „Generation“, welche in einem vernetzten Umfeld von Internet sowie mobiler Kommunikation aufgewachsen ist und für welche diese IKT in ihrer Lebensweise nicht mehr wegzudenken sind. Dabei kann besonders bei jungen MitarbeiterInnen eine Nähe zur „Net Generation“ festgestellt werden (vgl. u.a. Oblinger & Oblinger 2005b).
Was unterscheidet letztlich „Learning 1.0“ von „Learning 2.0“? Wie sieht eine innovative Lern- konzeptionaus? Wie kann organisationales Lernen mit Hilfe von „Web 2.0“ stattfinden? Welche Mehrwerte ergeben sich für Unternehmen durch die Förderung von „Learning 2.0“? Diese und andere Fragen werden im Rahmen dieser Arbeit geklärt, wobei der Fokus in der Identifizierung von Unterschieden zwischen „Learning 1.0“ und „Learning 2.0“ liegt, um anschließend Potenziale des „Learning 2.0“ ableiten zu können. Diese theoriegeleiteten Potenziale sollen dann in ei- nerempirischen Untersuchung der sozialen Realität konfrontiert und geprüft werden.
Geplant war, die Untersuchung mit ProbandInnen durchzuführen, welche der bereits erwähnten „Net Generation“ zugeordnet werden können, zumal diese aufgrund der täglichen Anwendung mit dem Umgang unterschiedlichster „Social Software“ bereits vertraut sind. Da auch Lehrlinge nach Oblinger & Oblinger (2005a) zur „Net Generation“ zählen, wurde beschlossen, die empirische Untersuchung mit ihnen durchzuführen.
1 Einem Bericht von Heise Online zufolge, werden alleine bei Wikipedia 10 Milliarden Abrufe pro Monat registriert. -http://www.heise.de/newsticker/meldung/117619, Stand [2009-05-25]
2
Kapitel 1 - Einleitung
Die daraus abgeleitete Forschungsfrage lautet:
Um diese Forschungsfrage beantworten zu können, waren im Rahmen einer Triangulation qualitativer Forschungsmethoden ein über einen Monat dauerndes Experiment mit 20 Lehrlingen und einem Ausbildner, Online-Befragungen, sowie fokussierte Leitfadeninterviews vorgesehen.
Um schließlich mögliche Potenziale des selbstgesteuert-konnektiven Lernens von Lehrlingen ermitteln zu können, war vorgesehen, ein „New Blended Learning“-Szenario, bestehend aus einer hybriden Lernumgebung („E-Learning“ & Präsenzveranstaltung) sowie „Social Software“, im Rahmen des Experiments durchzuführen, welches anschließend sowohl objektiv als auch subjektiv evaluiert und analysiert werden sollte. Der objektiven Evaluierung methodologischer Erfolge sollten Nutzungsstatistiken der bereitgestellten Werkzeuge dienen, während inhaltliche Erfolgskontrollen durch theoretische als auch praktische Prüfungen vorgesehen waren. Für die subjektive Evaluierung waren einerseits Online-Befragungen zu Beginn und während des Experiments geplant und andererseits fokussierte Leitfadeninterviews aller TeilnehmerInnen nach Abschluss des Experiments angedacht, in welchen das didaktisch-methodische Konzept aus der Perspektive der Befragten beurteilt, sowie subjektive Hintergründe der Ergebnisse erfasst werden sollten.
Es war davon auszugehen, dass die Widerstände der Nutzung von „E-Learning“ und „Social Software“ bei den Lehrlingen - charakteristisch für die „Net Generation“ - eher gering sind. Im Gegenteil, zu erwarten war, dass die Anpassung des Lernsettings an die Anforderungen der „Net Generation“ die Lehrlinge folglich motiviert, bereitgestellte Werkzeuge ausgiebig zu nutzen.
Die Arbeit ist in insgesamt zehn Kapitel aufgeteilt. Während die ersten vier davon den theoretischen Teil darstellen, befassen sich die Kapitel fünf bis neun mit dem empirischen Teil dieser Arbeit. Das folgende Kapitel, Kapitel zwei, setzt sich mit Lerntheorien, Lernprozessen sowie unterschiedlichen Lernformen auseinander. Dabei werden Begriffe gegeneinander abgegrenzt, sowie die jeweiligen Merkmale genauer betrachtet.
3
Kapitel 1 - Einleitung
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Thematik des „Web 2.0“ und der „Social Software“. Es werden darin neben Begriffsklärungen einzelne Anwendungen im Lern- und Unternehmenskontext erläutert, als auch mögliche Potenziale bzw. Mehrwerte durch deren Nutzung aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Jene Anwendungen, die in diesem Kapitel beschrieben werden, waren anschließend auch Teil der durchgeführten Empirie, d.h. Elemente wie bspw. „Wikis“, welche gleichermaßen als potenzielle „Learning 2.0“-Anwendungen zu betrachten sind, in der Empirie jedoch nicht zum Einsatz kamen, wurden letztlich aufgrund des Umfanges und der damit steigenden Komplexität nicht näher betrachtet.
Das vierte Kapitel, das zugleich das letzte des Theorieteiles dieser Arbeit darstellt, befasst sich mit der „Net Generation“. Darin werden Charakteristika, Einteilungskriterien, Lernverhalten sowie Anforderungen dieser „Generation“ an Lernsettings aufgezeigt. Dieses Kapitel schließt mit einer kritischen Auseinandersetzung mit der Thematik „Net Generation“.
Einleitend in den empirischen Teil dieser Arbeit, werden in Kapitel fünf das Unternehmen „ALPLA-Werke GmbH & Co KG“ (kurz „ALPLA“) vorgestellt, sowie deren bisherigen Lernprozesse der Aus- und Weiterbildung kurz geschildert. ALPLA wird dabei als multinationales Unternehmen betrachtet. Anzumerken ist, dass in der vorliegenden Arbeit jedoch keine Differenzierung nach Bartlett & Ghoshal (2007) zu globalen sowie internationalen Unternehmen vorgenommen wird.
Die darauffolgenden Kapitel sechs bis neun setzen sich mit der Konzeption, Erhebungsinstrumente und Auswertungen der Empirie auseinander. Diese Empirie hatte zum Ziel, theoriegeleitete Potenziale sowie erforderliche Rahmenbedingungen für den Lernerfolg in einer Konfrontation mit der sozialen Realität zu untersuchen.
Insgesamt ist das Ziel der Arbeit, einen Überblick über veränderte Lernprozesse im Kontext mit aktuellen Entwicklungen der IKT zu geben, deren Implikationen auf Unternehmen hervorzuheben, sowie fundierte Empfehlungen für eine erfolgreiche Umsetzung innovativer Lernkonzeptionen herauszuarbeiten, deren Ergebnisse abschließend in Kapitel zehn in Form eines Fazits resümierend zusammengefasst werden.
4
Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
2 LERNTHEORIEN, LERNPROZESSE & LERNFORMEN
In diesem Kapitel werden zuerst insgesamt vier unterschiedliche Lerntheorien gegeneinander abgegrenzt. Anschließend soll ein Überblick über die zwei Lernprozesse „individuelles Lernen“ und „organisationales Lernen“ gegeben werden, ehe abschließend ausgewählte, für die vorliegende Arbeit relevante Lernformen genauer erläutert werden.
2.1 Lerntheorien
In den letzten Jahrzehnten haben sich aus der pädagogischen Sicht vor allem drei Lerntheorien herauskristallisiert, die den Lernprozess nach Erkenntnissen in der Psychologie, Verhaltensforschung und der Soziologie jeweils unterschiedlich erklären: Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus. Diese für die Gestaltung von didaktisch-methodischen Konzepten meistverwendeten Lerntheorien, betrachten vorwiegend den Lernprozess selbst und stellen das intrinsisch individuelle Lernen in den Mittelpunkt. Dabei wird weniger berücksichtigt, dass es in der globalen Wissensgesellschaft 2 für Einzelne kaum möglich ist, alle notwendigen Erfahrungen selber sammeln zu können. Um Probleme in der Praxis lösen zu können bzw. Aufgaben erfüllen zu können, bedarf es den Erfahrungen und Eindrücke von PartnerInnen, ExpertInnen, KollegInnen und Führungskräften. Wissen wird dabei über Netzwerke, Datenbanken und Organisationen besorgt und anschließend für die individuelle Problemstellung angepasst (vgl. Erpenbeck & Sauter 2007a:151f.; Siemens 2004).
Die Vernetzung und die Motivation der individuell Lernenden, also extrinsische, technische und soziale Aspekte, werden von George Siemens in seiner Theorie des „Connectivism“, zu Deutsch „Konnektivismus“, betrachtet (vgl. Siemens 2004; Siemens 2006). Besonders erwähnenswert ist, dass die drei zuvor genannten meistverwendeten Lerntheorien technologische Entwicklungen und deren Folgen für das Lernen nur bedingt miteinbeziehen sowie Anforderungen des digitalen Zeitalters kaum berücksichtigen. Um aktuelle Veränderungen des Lernens durch den Einsatz von Social Software (vgl. Abschnitt 3.2.2) verstehen zu können, sind vor allem die Erkenntnisse des Konnektivismus entscheidend und somit ist auch die Erweiterung der drei Lerntheorien um eine weitere erforderlich. Es gilt schließlich, die Erkenntnisse der entsprechenden Lerntheorien in der Planung und Gestaltung des Lernkonzeptes zu berücksichtigen.
2 Peter Ferdinand Drucker (vgl. Drucker 1969:261ff) spricht bereits 1969 von einem Wandel zu einer weltweiten Wissensgesellschaft. Des Weiteren finden sich zahlreiche weitere Publikationen zu dieser Thematik (vgl. u.a. Bittlingmayer & Bauer 2006).
5
Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Die folgende Abbildung soll zuerst Unterschiede der vier Lerntheorien Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus und Konnektivismus übersichtlich darstellen und diese gleichzeitig bezüglich deren Ansätze, Rolle der Lehrenden und Lehrmodellen gegeneinander abgrenzen. Anschließend werden die einzelnen Lerntheorien jeweils kurz erläutert.
Quelle: Erpenbeck & Sauter (2007a:152)
2.1.1 Behaviorismus
Die Theorie des Behaviorismus wurde vor allem durch John B. Watson (John B. Watson 2007:29ff.) geprägt und leitet sich von dem englischen Wort „behavior“, welches nach Deutsch übersetzt „Verhalten“ bedeutet, ab. Wie in der Abb. 1 ersichtlich, beruht der Ansatz des Beha-viorismus auf ein „Reiz-Reaktions-Modell“. Der Mensch, genauer formuliert das Gehirn, wird beim Behaviorismus als „Black Box“ angesehen, bei der nur der Input (Reiz) und Output (Reaktion) in Form von erzielten Lernergebnissen, unberücksichtigt von Bewusstsein und Gefühlen bzw. den aktiven Lernprozessen, zählt.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Es herrscht eine klare Rollenverteilung, bei der die Lehrenden eine hohe Aktivität in Form von „erklären“ bzw. „darbieten“ beispielsweise mittels Frontalunterricht und Folienvorträgen zeigen, während die Lernenden eher passiv agieren. Es besteht schließlich eine relativ einseitige Sender-Empfänger-Beziehung, bei der in erster Linie die Vermittlung von relativ abstraktem „Fak- tenwissen“ imMittelpunkt steht. Die Rolle der Lehrenden ist somit eine klassische „LehrerIn“- Rolle,bei der jene das zu vermittelnde Wissen im Rahmen vorgegebener Curricula strukturieren und schließlich über aufbereitete Anreize lehren. Die gewünschten richtigen Verhaltensweisen werden dabei durch adäquates Feedback verstärkt bzw. gesteuert (vgl. u.a. Baumgartner & Payr 1999:101).
Das Lehrmodell des Behaviorismus geht schließlich von einer „Initiierung von Verhalten“ aus, bei dem „befähigte, wissende Personen“, sprich Lehrende, „noch nicht befähigte, nicht wissende Personen“, sprich Lernende, zu einem bestimmten Verhalten bringen (vgl. u.a. Erpenbeck & Sauter 2007a:153f.).
2.1.2 Kognitivismus
Im Gegensatz zum Behaviorismus, spielen beim Kognitivismus vor allem das Bewusstsein, die Gefühle und die aktiven Denk- und Verstehensprozesse, die im menschlichen Gehirn zwischen Input und Output stattfinden, eine zentrale Rolle. Dabei gibt es beim Kognitivismus verschiedene Ausprägungen, auf welche in dieser Arbeit nicht näher eingegangen wird. Im Wesentlichen ist ihnen jedoch allen gemeinsam, dass der Ansatz des „Lernen durch Einsicht und Denken“ das Lernen als einen Prozess des Erfahrens und Erlebens sowie des aktiven Wahrnehmens beschreibt, d.h. bilden von neuem Wissen auf der Basis bestehender Wissensstrukturen. Im Mittelpunkt steht der Lernprozess, also das Lösen vorgegebener Problemstellungen unter Verwendung unterschiedlicher Strategien und Methoden. Gegensätzlich zum behavioristischen Ansatz, dessen Lernergebnisse im Vordergrund stehen, wird das Gehirn nicht mehr lediglich als passiver Speicher gesehen, sondern dient der Verarbeitung aufgenommener Informationen (vgl. u.a. Baumgartner & Payr 1999:103ff.).
Lehrende nehmen beim Kognitivismus die Rolle eines/einer „Tutors/Tutorin“ ein, welche die Lernprozesse begleiten, steuern und durch laufendes Feedback optimieren. Sie stellen bereits aufbereitetes Material zur Verfügung, „beraten“ die Lernenden bei der „Erarbeitung“ deren Lösungswege und greifen bei Bedarf aktiv in Lernprozesse ein. Im Gegensatz zum Behaviorismus wird anstatt fachlichen Wissens vor allem prozedurales Wissen (vgl. Baumgartner & Payr 1999:24) aufgebaut, welches beim Erlernen der richtigen Verfahren und Methoden entsteht, die Individuen zur Lösung von Problemen nutzen (vgl. u.a. Erpenbeck & Sauter 2007a:155f.).
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Das Lehrmodell des Kognitivismus geht schließlich von „zielgerichteten Handlungen“ aus. Lehrende dienen Lernenden im Lernprozess als „TutorInnen“, die dabei unterstützen, Ziele durch entsprechendes Steuern der Handlungen zu erreichen. Im Unterschied zum Behaviorismus kommt es beim Kognitivismus außerdem zu einer wechselseitigen Kommunikation.
2.1.3 Konstruktivismus
Eine eindeutige, unabhängige und somit objektive Beschreibung der Realität ist gemäß der Theorie des Konstruktivismus nicht möglich. Zu komplex, dynamisch, spezifisch und unübersichtlich sind Entscheidungssituationen im realen Leben. Der zentrale Ansatz des Konstruktivismus ist deshalb das „Lernen durch persönliche Erfahrungen“, ein aktiver bzw. konstruktiver Prozess, bei dem die Lernenden ihr Wissen in Beziehung zu früheren Erfahrungen konstruieren. Im Mittelpunkt steht also nicht das autoritäre Lehrermodell (Behaviorismus), aber auch keine TutorInnen, die beobachten und beraten (Kognitivismus), sondern die Frage, wie Lernende zu einer „eigenständigen Identifikation und Lösung von Problemen geführt werden können.“ (Erpenbeck & Sauter 2007a:156).
Lehrende nehmen beim Konstruktivismus die Rolle eines „Coaches“ ein. Deren Aufgabe ist vorwiegend die „Begleitung“ und „Unterstützung“ der Lernenden mit Hilfe „sozialer Praktiken“ wie z.B. Lernende zu ermutigen, zu bestärken und trösten, aber ihnen auch durch Reflexion und Exploration der Inhalte zu helfen (vgl. u.a. Baumgartner & Payr 1999:107f.).
Das Lehrmodell des Konstruktivismus geht schließlich von „individueller Problemlösungen“ aus. Lernende entwickeln individuelle Erkenntnisse bzw. Problemlösungen aus Konstruktionsprozessen, bei denen die Wirklichkeit operativ und subjektiv erzeugt wird. Dabei begleiten Lehrende, ausgestattet mit vielen Erfahrungen, diesen Prozess in Form von „Coaches“ (vgl. u.a. Foerster 1997:26).
2.1.4 Konnektivismus
George Siemens (2004, 2006) hat in verschiedenen Publikationen, ansetzend an den Grenzen des Konstruktivismus, eine „learning theory for the digital age“ beschrieben, die er als „Connectivism“ (dt. „Konnektivismus“) bezeichnet. Sowohl Behaviorismus, Kognitivismus als auch Konstruktivismus betrachten vorwiegend den Lernprozess selbst und stellen das intrinsisch individuelle Lernen in den Mittelpunkt. Des Weiteren wurden diese Lerntheorien in einer Zeit entwickelt, in welcher das Lernen noch nicht in dem Ausmaß wie heute (Juni 2009) durch Technologie beeinflusst war (vgl. Siemens 2006:42). Die theoretischen Überlegungen des Konnektivis-
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
mus berücksichtigen die aktuellen Einflüsse des Lernens - Lernen entwickelt sich zunehmend zu einem technisch geprägten Prozess, bei dem die Zugänge zu Wissen immer entscheidender werden - und stellen deshalb extrinsische, technische und soziale Aspekte als Einflussfaktoren des Lernens in den Mittelpunkt.
Beim Ansatz des Konstruktivismus konstruieren Lernende ihr Wissen in Beziehung zu früheren Erfahrungen. Wie bereits einleitend erwähnt wurde, ist es für individuell Lernende in der globalisierten Welt und der damit verbundenen Wissensgesellschaft kaum möglich, alle notwendigen Erfahrungen selber sammeln zu können. Beim Ansatz des Konnektivismus kommt es deshalb zum „Lernen durch Erfahrungen in Netzwerken“. Ansetzend an den Grenzen des Konstruktivismus wird das Lernen als „network creation“ betrachtet. Wissen wird dabei über verschiedenste Informationsquellen besorgt und anschließend für die individuellen Problemstellungen angepasst. Siemens schreibt “The connections that enable us to learn more are more important than our current state of knowing.“ bzw. “Know-where and know-who are more important today that knowing what and how” (Siemens 2006:44).
Beim Konnektivismus nehmen die Lehrenden die Rolle eines/einer „Trainers/Trainerin“ ein. Sie hören den Lernenden aktiv zu, beobachten und beraten diese bzw. geben ihnen Feedback. Ne- beneiner „Reflektion“ von Methoden der Wissens- und Wertkommunikation ist deren Aufgabe, aktiv „Netzwerke zu bilden“. Da Lernen nach der Theorie des Konnektivismus nicht nur von der eigenen Person abhängig ist, sondern auch stark von deren Umfeld, wird der größte Teil des Wissens von Personen, Organisationen, Bibliotheken, Bücher, Datenbanken usw. angeeignet (vgl. Erpenbeck & Sauter 2007a:161; Siemens 2006:22).
Das Lehrmodell des Konnektivismus geht schließlich von „Problemlösungen in und mit Netzwerken“ aus. Der Ansatz beschreibt, dass der Lernprozess immer mehr technisch geprägt wird und das „Verknüpfen von Lernern“ bzw. Verknüpfen von weiteren Zugängen zu Wissen wie z.B. Datenbanken über Netzwerke immer entscheidender wird. Dabei berücksichtigt der Ansatz „die wachsende Tendenz der Lerner zu informellem, vernetztem und elektronisch gestütztem Lernen.“ (Erpenbeck & Sauter 2007a:159) Dieses veränderte Lernverhalten ist besonders bei der “Net Generation” beobachtbar, denn “As long as they’ve been alive, the world has been a connected place, and more than any preceding generation they have seized on the potential of networked media.” (Oblinger & Oblinger 2005b:16) 3 . Die Thematik „Net Generation“ wird später noch genauer behandelt (vgl. Kapitel vier - Net Generation).
3 Diese Aussage wurde nach Scott Crittenden (fall 2002) “Silicon Daydreams: Digital Pastimes of the Wired Generation,” zitiert.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
2.2 Lernprozesse
Wie alle Prozesse, können auch Lernprozesse gemanagt werden. Lernprozesse können sich bspw. hinsichtlich deren Lernorte, Methoden, basierende Theorien usw. unterscheiden. Folgend werden die beiden Lernprozesse „Individuelles Lernen“ bzw. „Organisationales Lernen“ gegen-einander abgegrenzt und deren Merkmale sowie deren Bedeutung für Unternehmen näher erläutert.
2.2.1 Individuelles Lernen
Individuelles Lernen kann als Lernprozess betrachtet werden, bei dem aufbauend auf vorhandene Erfahrungen neues Wissen generiert wird. Lernende werden dabei als aktive und selbstreflexive Subjekte behandelt, bei welchen sich das Lernen in einer nachhaltigen Veränderung des Handelns niederschlägt (vgl. Erpenbeck & Sauter 2007a:169f.). Sauter, Sauter & Bender (2004) beschreiben individuelles Lernen als
“ein Prozess, bei dem Daten aus der Umwelt als Informationen wahrgenommen werden und in Form einer neuen Vernetzung als Wissen gespeichert werden.” (Sauter, Sauter & Bender 2004:28)
Marlene C. Fiol (1994) beschreibt individuelles Lernen folgendermaßen:
„[…] an individual learns through developing different interpretations of new or existing information and thereby developing a new understanding of surrounding events.“ (Fiol 1994) zit. nach (Lyles 1999:83)
Abschließend möchte erwähnt werden, dass individuelles Lernen außerdem als Voraussetzung für organisationales Lernen betrachtet wird. Dies beschreiben folgende Auszüge:
„Damit sich die Organisation als Ganzes verändern kann, muss sich zunächst der einzelne Mitarbeiter ändern. Das Lernen der Unternehmung ist damit abhängig vom individuellen, aufgabenbezogenen Lernen.“ (Erpenbeck & Sauter 2007a:175f.)
„[…] individual learning is the fundamental building block of organizational learning.“ (Lyles 1999:82)
2.2.2 Organisationales Lernen
In der Literatur trifft man auf eine Vielzahl von Definitionen zum Thema „Organisationales Lernen“, je nach dem, in welchem Kontext Psychologen und Systemtheoretiker dies betrachten.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Bereits in den 1960er Jahren erkannten Argyris, Schön & Rhiel (2006) die Notwendigkeit des organisationalen Lernens und betonen in ihrer Studie, dass Organisationen, da sie innerhalb ökonomisch, politisch und technologisch instabiler Umwelten agieren, zur Sicherung ihrer Überlebensfähigkeit stets dazu gezwungen sind, sich in einem kontinuierlichen Veränderungsprozess an diese Umwelten anzupassen. Sie beschreiben den Prozess folgendermaßen:
„Organisationales Lernen findet statt, wenn einzelne in einer Organisation eine problematische Situation erleben und sie im Namen der Organisation untersuchen. Sie erleben eine überraschende Nichtübereinstimmung zwischen erwarteten und tatsächlichen Aktionsergebnissen und reagieren darauf mit einem Prozess von Gedanken und weiteren Handlungen; dieser bringt sie dazu, ihre Vorstellungen von der Organisation oder ihr Verständnis organisationaler Phänomene abzuändern und ihre Aktivitäten neu zu ordnen, damit Ergebnisse und Erwartungen übereinstimmen, womit sie die handlungsleitende Theorie von Organisationen ändern.“ (Argyris, Schön & Rhiel 2006:31-32)
Bo Hedberg (1981:222f.) beschreibt den Prozess des organisationalen Lernens wiederum als ein experimentales Lernen, ein Lernen durch Imitation, bei welchem Organisationsmitglieder Informationen aus ihrer Umwelt akquirieren, das Verständnis der Umwelt erhöhen und das Resultat ihrer Handlungen beobachten. Basierend auf den einzelnen Definitionen verschiedener AutorInnen definieren Probst & Büchel (1998) den Prozess des organisationalen Lernens zusammenfassend folgendermaßen:
"Unter organisationalem Lernen ist der Prozeß der Veränderung der organisationalen Wissensbasis, die Verbesserung der Problemlösungs- und Handlungskompetenz sowie die Veränderung des gemeinsamen Bezugsrahmen von und für Mitglieder der Organisation zu verstehen." (Probst & Büchel 1998:17)
Die Thematik „Organisationales Lernen" befasst sich somit mit der Lernfähigkeit von Organisationen als Ganzes, im Gegensatz zum Lernen von Individuen. Organisationales Lernen ist somit als eine unternehmenseigene Größe zu betrachten, für welche es bedeutet, „[…] dass das Lernen im quantitativen sowie qualitativen Sinne verschieden von der Summe des individuellen Lernens ist.“ (Probst & Büchel 1998:19)
Ähnlich argumentieren Sauter, Sauter & Bender (2004) und schreiben gleichfalls von einer unternehmenseigenen Größe:
„Gelingt es, die Synergieeffekte in einer Organisation aktiv zu fördern und zu nutzen, können die Fähigkeiten eines Unternehmens größer sein, als die Summe der Fähigkeiten der einzelnen Mitarbeiter.“ (Sauter, Sauter & Bender 2004:29)
Wie zuvor bereits erwähnt ist das Ziel Organisationalen Lernens schließlich, dass nicht nur Mitglieder individuell zum Zwecke von Effizienzsteigerungen lernen, sondern dass die Organisation
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
als Ganzes lernt um neue Problemlösungs- und Handlungskompetenzen zu schaffen, indem die organisationale Wissensbasis bestehend aus individuellen und kollektiven Wissensbestandteile wie bspw. Fähigkeiten, Erfahrungen, Qualifikationen und Werthaltungen, kontinuierlich und zielgerichtet erweitert und den wandelnden Umweltanforderungen angepasst werden und so schließlich neues organisationales Wissen initiiert wird (vgl. u.a. Sauter, Sauter & Bender 2004:27).
Wie bereits einleitend in diese Arbeit erwähnt wurde, müssen Organisationen in Zukunft in der Lage sein, mindestens so schnell zu lernen, wie sich deren Umfeld verändert. Zahlreiche AutorInnen verweisen dabei auf die Wichtigkeit Organisationalen Lernens:
„Unternehmen, die zukünftig am Markt bestehen wollen, müssen organisationales Lernen ermöglichen. Die intelligente Nutzung des Wissens aller Mitarbeiter entscheidet zukünftig darüber, wer am Markt erfolgreich ist.“ (Sauter, Sauter & Bender 2004:29)
Sowohl Zahn (1996) als auch Vera & Crossan (2004) beschreiben Organisationales Lernen dabei als einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil von Organisationen: „Organizational learning has been proposed as a fundamental strategic process and the only sustainable competitive advantage of the future.“ (Vera & Crossan 2004:222)
Bevor sich jedoch ein Unternehmen verändern kann, müssen sich zuerst die Einzelnen verändern. Individuelles Lernen stellt somit eine notwendige, jedoch allein nicht ausreichende Bedingung für ein Lernen von Organisationen. Dierkes u.a. (2003) fordern dafür aktive Maßnahmen, welche das Wissen Einzelner auf der Ebene der gesamten Organisation kollektivieren, vernetzten und zugänglich machen. Unternehmen müssen gleichzeitig für Wissensmanagement sensibilisiert werden, außerdem bedarf es der Konzeption integrierter Lern- und Wissensmanagementsysteme. Der Ansatz eines „New Blended Learning-Settings“ (vgl. Abschnitt 2.3.4.2 - New Blended Learning) erscheint dabei als zielführend.
Um Organisationales Lernen ermöglichen zu können, bedarf es nach Prange (2002:91)
einer offenen Unternehmenskultur
flacher Hierarchien und informeller Strukturen.
Eine Organisation, welche den Anspruch erhebt Organisationales Lernen zu ermöglichen, sollte diese Ansätze nicht nur aufgreifen, sondern in ihrer Unternehmenskultur verankern und diese schließlich auch leben.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
2.3 Lernformen
Als „Lernform“ werden in der Literatur unterschiedlichste Begriffe mit einem jeweils anderen Kontext beschrieben. Da unter dem Begriff „Lernform“ Organisationsformen, Art und Weise der Auseinandersetzung mit Lerninhalten bzw. weitere Merkmale des Lernens subsumiert werden, ist dieser Begriff als sehr unscharf zu betrachten (Zürcher). Einerseits werden die „Lernformen“ formales, nicht-formales und informelles Lernen im Memorandum über Lebenslanges Lernen der Europäischen Union (vgl. Kommission der europäischen Gemeinschaften 2000:9,10) unter- schieden,welche darin auch als „grundlegende Kategorien zweckmäßiger Lerntätigkeiten“ beschrieben sind. Lebenslanges Lernen impliziert schließlich die Komplementarität von formalem, nicht-formalem und informellem Lernen.
Andererseits können die „Organisationsformen“ des Lernens in fremdorganisiertes bzw. fremdgesteuertes, selbstorganisiertes bzw. selbstgesteuertes Lernen und Mischformen derer von anderen Lernformen abgegrenzt werden, da sie sich vorwiegend auf die Herstellung von Lernbedingungen beziehen. Während bspw. beim fremdgesteuerten Lernen das jeweilige Bildungsbzw. Ausbildungsinstitut das Lernen plant und gestaltet, sind es beim selbstgesteuerten Lernen die einzelnen Lernenden, welche eigenständig entscheiden, ob und zu welchem Zweck sie sich neues Wissen aneignen bzw. was sie wann und wie lernen wollen. Die Mischformen stellen eine Kombination beider Ansätze dar, bei welchen in variierbaren Anteilen sowohl fremd- als auch selbstgesteuert gelernt werden kann.
In der Weise der Auseinandersetzung mit Lerninhalten unterscheiden sich z.B. wiederum Learning by Doing (vgl. u.a. Dewey & Dewey 1915) bzw. handlungsorientiertes Lernen und Case Study Method (vgl. u.a. Gomm, Hammersley & Foster 2002) bzw. problembasiertes Lernen. Während sich E-Learning durch die Verwendung technischer Medien von anderen Lernformen abgrenzt, so handelt es sich beim kooperativen & kollaborativen Lernen (vgl. Abschnitt 2.3.4.1) dagegen um einen anderen methodisch-didaktischen Ansatz als beim situierten Lernen (vgl. Kerres 2001:77ff.).
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass „Lernformen“ von verschiedenen AutorInnen schließlich je nach Kontext unterschiedlich definiert werden. Eine gesamtheitliche Betrachtung der diversen Kontexte, wie sie gerade eben beispielhaft erwähnt wurden, existiert jedoch nicht.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Damit im weiteren Verlauf dieser Arbeit die „Lernformen“ mit deren Kontexte jedoch unterschieden werden können, wurde vom Autor folgende Dimensionierung vorgenommen:
Als Dimension I der Lernformen werden die einzelnen Lernformen „formales“, „nicht-formales“ sowie „informelles“ Lernen im Kontext der „grundlegende Kategorien zweckmäßiger Lerntätigkeiten“ definiert (vgl. Kommission der europäischen Gemeinschaften 2000:9). Diese Dimension kann auch als übergeordnete Dimension betrachtet werden, da diese in allen weiteren Lernformen untergeordneter Dimensionen stets Anwendung findet. So kann beispielsweise beim Lesen eines Buches formal, nicht-formal bzw. in-formell gelernt werden. Gleiches gilt bspw. für Blended Learning, selbstorganisiertes Lernen und Web Based Training (vgl. Abschnitt 2.3).
In der Dimension II werden die unterschiedlichen „Organisationsformen“ bzw. „Steue-rungsformen“ des Lernens untergliedert. Jegliche Arten des Lernens basieren somit ebenfalls auf einer dieser „Organisationsformen“ bzw. „Steuerungsformen“. Unterschieden wird zwischen fremdorganisiertes & fremdgesteuertes Lernen, selbstorganisiertes & selbstgesteuertes Lernen sowie Mischformen.
Dimension III definiert die Lernumgebungen (vgl. Seufert & Euler 2005:7), die für die Realisierung der Dimensionen I & II verantwortlich sind. So geschieht formales fremdorganisiertes Lernen bspw. zumeist in Form von Präsenzveranstaltungen. Blended Learning als hybride Lernumgebung, stellt eine Kombination der Lernformen Präsenzveranstaltung und E-Learning dar, bei der fremd- als auch selbstgesteuert sowie formal, nicht-formal als auch informell gelernt werden kann. Während in konventionellen Lernumgebungen vorwiegend formal bzw. nicht-formal und fremdgesteuert gelernt wird, können Lernende in virtuellen Lernumgebungen in Form von E-Learning ihre Lernaktivitäten großteils selber steuern. Dies kann formal, nicht-formal als auch informell geschehen.
Als Elemente der Dimension IV der Lernformen werden schließlich einzelne Medien, Sozialformen und Aktionsformen verstanden (vgl. Euler & Wilbers 2002:11; Seufert & Euler 2005:23), die in verschiedenen Kombinationen Strategien darstellen und wiederum der Realisierung der Dimension III dienen. So kann E-Learning bspw. mithilfe von Rapid E-Learning (vgl. Abschnitt 2.3.4.1), Tutoriellen Systemen (vgl. u.a. Schulmeister 2007:171ff.) oder Virtual Classroom (vgl. u.a. Clark & Kwinn 2007) basierend auf der Ak-tionsform „selber erarbeiten“ durch Einzellernen erfolgen, während Präsenzveranstaltungen bspw. in Workshops basierend auf der Aktionsform „im Dialog entwickeln“ durch Gruppenlernen durchgeführt werden können.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Folgende vom Autor erstellte Abbildung soll die vorgenommene Einteilung der Dimensionen grafisch darstellen:
Quelle: eigene Darstellung
2.3.1 Dimension I
Grundsätzlich werden in dieser Dimension formales, nicht-formales (auch als non-formales bezeichnet) und informelles Lernen unterschieden, wobei dabei von fließenden Übergängen ausgegangen wird. Das bedeutet, dass beispielsweise während nicht-formalem Lernen auch informell gelernt wird. Auch bei formalem Lernen ist es denkbar, dass dabei gleichzeitig informell gelernt wird, d.h. dass neben den kurrikular geplanten Lernzielen, die individuellen Lern- und Lebenserfahrungen einzelner Personen erweitert und somit informell erlernt werden.
Beispiele:
Ein Student nimmt neben den regelmäßigen Vorlesungen (formal) an einem extern organisierten Nachhilfeunterricht „Grundlagen der Statistik“ (nicht-formal) teil und befragt seine MitstudentInnen, wenn er bei den Hausübungen nicht weiterkommt (informell - intentional).
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Während einer Vorlesung zum Thema „Kommunikation“ (formal) wird einer Studentin bewusst, dass sie auf ihre zurückliegenden Erfahrungen ihrer Tätigkeit als Klassensprecherin zurückgreifen (informell - inzidentell) und diese in eine Diskussion einbringen kann, um Vorgehensweisen, Verhalten und Verbesserungsmöglichkeiten zusammen mit dem Lektor und den MitstudentInnen diskutieren zu können (informell - intentional).
2.3.1.1 Formales Lernen
Über den Begriff „Formales Lernen“ sind sich AutorInnen der Fachliteratur grundsätzlich einig. Formales Lernen findet prinzipiell in Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen statt, ist strukturiert und führt zu anerkannten Abschlüssen, Zertifikaten und Qualifikationen. Aus der Sicht der Lernenden ist formales Lernen zielgerichtet (vgl. u.a. Kommission der europäischen Gemeinschaften 2000:9).
Kappelhoff (2007) definiert formales Lernen folgendermaßen:
„Formales Lernen findet in einem institutionellen Rahmen (z.B. Schule) statt, in dem das Lernen durch professionelles Personal organisiert, gesteuert, bewertet und zertifiziert wird. Die vergebenen Zertifikate, Zeugnisse, Diplome uÄ werden staatlich anerkannt und verleihen im Regelfall Berechtigungen für den Einstieg in andere Bildungsgänge bzw. die Ausübung einer Berufstätigkeit.“ (Kappelhoff 2007:117)
2.3.1.2 Nicht-formales (non-formales) Lernen
Das nicht-formale bzw. non-formale Lernen findet in der Regel außerhalb der Hauptsysteme der allgemeinen und beruflichen Bildung statt und führt nicht zwingend zu einem formalen Abschluss. Es kann somit als gezieltes, geplantes Lernen, welches jedoch nicht unbedingt zu Zertifikaten, Abschlüssen und Qualifikationen führt, definiert werden. Gleich wie beim formalen Lernen ist nicht-formales Lernen aus der Sicht des Lernenden zielgerichtet, intentional und unterliegt einer eigenen Systematik und ist somit kein „beliebiges Lernen“. Nicht-formales Lernen kann bspw. bei jeglichen Vereinen, am Arbeitsplatz, in politischen Parteien usw. stattfinden (vgl. u.a. Kommission der europäischen Gemeinschaften 2000:9).
2.3.1.3 Informelles Lernen
Über den Begriff informelles Lernen gibt es zahlreiche Interpretationsansätze unterschiedlicher AutorInnen. Günther Dohmen ist ein anerkannter Bildungsexperte und wissenschaftlicher Bera-
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
ter des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der EU, des Europarates, der OECD, und weiteren europäischen Organisationen. Er schreibt, der
„Begriff des informellen Lernens wird auf alles Selbstlernen bezogen, das sich in unmittelbaren Lebens- und Erfahrungszusammenhängen außerhalb des formalen Bildungswesens entwickelt“ (Dohmen 2001:25)
Dohmen argumentiert weiter, dass informelles Lernen aus Neugier oder Notwendigkeit - des Lösens eines Problems oder Aufgabenstellung oder einfach sich „schlau machen“ über etwasgeschieht. Deshalb wird es auch häufig nicht als bewusst wahrgenommen (vgl. Dohmen 2001).
Das informelle Lernen kann zielgerichtet sein, ist jedoch in den meisten Fällen weder strukturiert noch intentional und wird häufig gar nicht als Prozess der Wissens-, Qualifikations- und Kompetenzerweiterung wahrgenommen. Es ist in hohem Maße selbstgesteuert und findet im Alltag z.B. beim Lösen von Problemen bei der Arbeit oder in der Freizeit statt. Gleich wie beim nicht-formalen Lernen führt auch das informelle Lernen in der Regel nicht zu Zertifizierungen (vgl. u.a. Kommission der europäischen Gemeinschaften 2000:9; Björnavold 2001). Kappelhoff (2007) definiert informelles Lernen wiederum als rein intentionales Lernen:
„Informelles Lernen ist intentional: Die Lernenden wissen, dass sie lernen, sie haben konkrete Lernabsichten und können die Lernhandlung von anderen Aktivitäten abgrenzen.“ (Kappelhoff 2007:118)
Laur-Ernst (1999) definiert es als einen intentionalen - also bewusst aufgrund einer persönlichen Wissenslücke - und inzidentellen - also unbewusst, beiläufig, implizit und latent 4 - Prozess. Sie argumentiert, dass informelles Lernen primär aufgrund individueller Nachfrage in Gang gesetzt wird. Dabei ist es prinzipiell nicht zu verhindern, kann sich überall ereignen und wird individuell gesteuert, hängt jedoch in hohem Maße von Merkmalen der individuellen Persönlichkeit und von der persönlichen Lern- und Lebensbiografie ab. Ein Beispiel dafür ist die alltägliche Nutzung von Computern. Durch das alltägliche Arbeiten mit dem Medium wird sowohl bewusst als auch unbewusst, z.B. durch das Lösen von Problemen gelernt. Dieses Lernen ist dabei selten geplant noch strukturiert und die Ergebnisse oft unbekannt. Die Vorgehensweise wird individuell festgelegt und das Erreichen von Zertifikaten, Qualifikationen bzw. Abschlüssen steht dabei im Hintergrund.
4 Lernprozesse, die sich nicht unmittelbar in einem bestimmten Verhalten ausdrücken
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Zusammenfassend handelt es sich beim informellen Lernen also um die älteste Form des Lernens, das sowohl intentional als auch inzidentell stattfinden kann, welches in der Regel nicht geplant, nicht strukturiert, in hohem Maße selbstgesteuert und im Rahmen von Lebens- und Erfahrungszusammenhängen außerhalb des formalen Bildungswesens entwickelt und somit eine Begleiterscheinung des alltäglichen Lebens ist, welches üblicherweise zu keiner Zertifizierung führt.
2.3.2 Dimension II
In dieser Dimension wird zwischen fremdorganisiertem & fremdgesteuertem Lernen, selbstorganisiertem & selbstgesteuertem Lernen und deren Mischformen unterschieden. Eine Misch-form stellt eine Kombination der beiden Lernformen dar d.h., dass ein Teil des Lernens auf Fremd- und ein Teil auf Selbstorganisation & -steuerung beruht. Die Lernformen lassen sich in der Praxis nur schwer voneinander unterscheiden, da beispielsweise selbst in Phasen des Frontalunterrichts, das in der Regel durch ein hohes Maß an Fremdsteuerung gekennzeichnet ist, selbstgesteuertes Lernen stattfindet, da es Lernen ohne ein Mindestmaß an Selbststeuerung gar nicht gibt (vgl. Weinert 1982).
Eine Generalisierung, dass fremdgesteuertes Lernen prinzipiell institutional und selbstgesteuertes Lernen nur nicht-institutional stattfindet, ist nicht möglich. So argumentieren Erpenbeck u.a. (2007), dass selbstorganisiertes Lernen durchaus im institutionellen Rahmen stattfinden und nichtinstitutionelles Lernen durchaus fremdgesteuert sein kann.
2.3.2.1 Fremdorganisiertes und fremdgesteuertes Lernen
Während es sich beim fremdorganisierten Lernen um die Vorgabe von Lern- und Arbeitssituationen handelt, bestimmen beim fremdgesteuerten Lernen die „LehrerInnen“ vor allem Lernziele, Operationen/Strategien, Kontrollprozesse und deren „Offenheit“ (vgl. Erpenbeck u.a. 2007). Je weniger Einfluss Lernende also auf deren Lernprozess haben, desto mehr gilt der Prozess als fremdgesteuert. Die Vorgabe von Lern- und Arbeitssituationen wird dabei so vorgegeben,
„dass sie im lernenden System Selbstorganisationsprozesse in Gang setzen und erwünschte fachliche, methodische, soziale und personale Dispositionen zur Folge haben. (Insofern baut auch fremdorganisiertes Lernen immer auf die Selbstorganisationsfähigkeit des lernenden Systems).“ (Erpenbeck u.a. 2007:132-133)
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Abgrenzungsmerkmale eines fremdgesteuerten Lernens im Vergleich zum selbstgesteuerten Lernen können
der Aktivitätsgrad
die zeitliche und räumliche Flexibilität Entscheidungsfreiheit über Lernziele und -inhalte Geschwindigkeit und Intensität der Bearbeitung von Inhalten und die Form der Überprüfung des Lernerfolgs der Lernenden
sein. So werden bspw. agierende bzw. konsumierende Lernende, flexible bzw. gebundene Lernzeiten, variable bzw. feste Lernorte unterschieden. Eine Überprüfung des Lernerfolges kann entweder durch eine Selbstkontrolle oder durch eine Fremdkontrolle geschehen usw. (vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 1998).
2.3.2.2 Mischformen
Es wird davon ausgegangen, dass Lernen immer sowohl selbst- als auch fremdgesteuert ist. Externe Einflüsse werden vom/von der Lerner/in kognitiv verarbeitet, eine reine Fremdsteuerung ist daher nicht denkbar. Auch selbstgesteuertes Lernen ist nur bedingt in Reinform realisierbar. Ziel bei der Konzeption von Mischformen ist schließlich, eine intentionale Mischung bzw. Kombination von fremdorganisiertem, fremdgesteuertem sowie selbstorganisiertem, selbstgesteuertem Lernen vorzunehmen d.h., dass bspw. der gesamte fremdorganisierte Lernprozess teilweise fremdgesteuert, wie z.B. durch Frontalunterricht, und teilweise selbstgesteuert, wie z.B. durch E-Learning oder Gruppenarbeiten erfolgt.
2.3.2.3 Selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen
Für die Begriffe selbstorganisiertes Lernen und selbstgesteuertes Lernen existieren keine einheitlichen, allgemein akzeptierten Begriffsverwendungen. Zahlreiche AutorInnen führen eine ausgeprägte Debatte über diese Thematik und verwenden dabei unterschiedliche, zum Teil konkurrierende Begriffe. Malcolm Knowles (1975) war einer der ersten, der den Begriff "selfdirected learning" verwendet hat und versteht darunter "[…] a process in which individuals take the initiative, with or without the help of others." (Knowles 1975:18)
Der Prozess des "self-directed learning" beinhaltet dabei, dass die Lernenden ihre eigenen Lernbedürfnisse diagnostizieren, ihre Lernziele formulieren, eigenständig Ressourcen organisieren, eine passende Lernstrategie auswählen und schließlich ihren Lernprozess selbst evaluieren (vgl. Knowles 1975).
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Nach Weinert (1982) ist selbstgesteuertes Lernen eine
„Tätigkeit bei der der Handelnde die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann“. (Weinert 1982:102)
Auch Tobin (2000) argumentiert ähnlich. Dabei vergleicht er selbstgesteuertes Lernen mit fremdgesteuertem Lernen, indem er bewusst Negationen verwendet. Er beschreibt, dass beim selbstgesteuerten Lernen im Gegensatz zum fremdgesteuerten Lernen niemand Lerninhalte, Lernzeiten, usw. vorgibt.
„Self-directed learning implies that you are deciding for yourself what you will learn and how you will learn it. You are directing your own learning activities. You are in charge. No one tells you what you must learn or decides which method is the best one for you to use. No one dictates when and where you must be in class. No one decides what is im-portant for you to learn or what is not important.“ (Tobin 2000:12-13)
Weitere mehr oder weniger synonym verwendete Begriffe sind selbstbestimmtes Lernen (vgl. u.a. Bannach 2002), selbstreguliertes Lernen (vgl. u.a. Götz & Ganser 2006), autonomes Lernen (vgl. u.a. Weltner 1978), eigenständiges Lernen (vgl. u.a. Pallasch, Hameyer & Flittiger 2008), „self-regulated learning“ (vgl. u.a. Schunk & Zimmerman 1998), autodidaktisches Lernen (vgl. u.a. Arnold u.a. 2001) sowie Selbstlernen (vgl. u.a. Clement & Kräft 2001).
Während sich beim selbstorganisierten Lernen die Lernenden die Lern- und Arbeitssituationen - Medien, Orte, Zeiten, usw. - gegensätzlich zum fremdorganisierten Lernen eigenständig bestimmen, kommt es beim selbstgesteuerten Lernen zur individuellen, selbstständigen Gestaltung von Lernprozessen bei vorgegebenen Zielen und Inhalten.
Abschließend möchte festgestellt werden, dass manche AutorInnen selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen auch synonym verwenden, AutorInnen in der Regel jedoch selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen gegeneinander abgrenzen (vgl. Erpenbeck & Sauter 2007a:172), selbstgesteuertes Lernen dabei jedoch eine untergeordnete Form des selbstorganisierten Lernens darstellt.
2.3.3 Dimension III
Wie bereits einleitend in den Abschnitt 2.3 - Lernformen erwähnt, definiert der Autor die Dimension III als Lernumgebungen, die für die Realisierung der Dimensionen I & II verantwortlich sind. Dabei können die Formen Präsenzveranstaltung und E-Learning sowie deren Kombination Blended Learning gegeneinander abgegrenzt werden. Die Präsenzveranstaltung als konventio-
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
nelle Lernumgebung ermöglicht bspw. die Realisierung der Dimension I in Form von formalem Lernen, sowie die Realisierung der Dimension II in Form eines fremdorganisierten Lernens. Umgekehrt kann z.B. nicht-formales, selbstgesteuertes Lernen in virtuellen Lernumgebungen in Form von E-Learning stattfinden. Es besteht also eine wechselseitige Abhängigkeit der Dimensionen. Die Lernformen der Dimension III weisen jeweils Potenziale bzw. Gefahren auf, welche in den jeweiligen Abschnitten erläutert werden. Dabei erscheinen die Begriffe „Potenziale“ bzw. „Gefahren“ aus jenem Grund als angemessener als Vor- bzw. Nachteile, zumal erst bei der „Anwendung“ von Potenzialen bzw. Gefahren von Vor- bzw. Nachteilen die Rede sein kann. Der Vorteil „Möglichkeit des selbstständigen Lernens“ ergibt sich demnach erst, sofern die TeilnehmerInnen bspw. auch entsprechend motiviert sind dies zu tun und somit das Potenzial nützen bzw. anwenden.
2.3.3.1 Präsenzveranstaltung
Synonym zum Begriff „Präsenzveranstaltung“ wird der Begriff „Präsenzlernen“ verwendet und bezeichnet jene Art der Wissensvermittlung, „[…] bei denen sowohl die Lehrenden als auch die Lernenden physisch (räumlich) und psychisch präsent sind“ (Böhm 2006:8) und sich somit in unmittelbar räumlicher Nähe befinden. Dies kann etwa ein Klassenzimmer oder ein Schulungsraum sein, in dem eine wechselseitige synchrone Kommunikation (vgl. Abschnitt 3.4.3.1) zwischen den Lehr- und Lernenden ermöglicht wird. Klassische Präsenzveranstaltungen sind bspw. Seminare, Exkursionen, Coaching usw.
Tab. 1: Potenziale und Gefahren der Präsenzveranstaltung
Quelle: eigene Auflistung (vgl. u.a. Greif, Mitrea & Werner 2008)
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
2.3.3.2 E-Learning
"We need to bring learning to people instead of bringing people to learning." (Masie 1999)
Der Begriff „E-Learning“ 5 existiert schon seit vielen Jahren, jedoch gibt es noch keine einheitlich anerkannte Definition dafür. E-Learning bedeutet für unterschiedliche Personen jeweils etwas anderes. Synonym verwendet werden Begriffe wie bspw. „Telelernen“, „multimediales Lernen“, „Online-Lernen“ und „computergestütztes Lernen“.
Für viele AutorInnen ist der Begriff E-Learning ausschließlich mit dem Medium Internet verbunden und grenzt sich von weiteren Medien wie etwa CD-ROM und DVD ab. Sie verstehen darunter ein rein netzgestütztes Lernen, welche bspw. Computer Based Trainings (CBTs) nicht berücksichtigen. "Elearning wird schließlich als Oberbegriff für alle Varianten internetbasierter Lehr- und Lernangebote verstanden" (Kerres 2001:14).
Andere AutorInnen nehmen sehr umfangreiche Definitionen vor, die sämtliche Produkte und Dienstleistungen der kompletten E-Learning-Branche inkludieren. Berücksichtigt werden dabei Anbieter von PC-, satelliten- und netz-gestützten Lernprogrammen sowie Firmen, die Lern- und Wissensmanagement-Software, Technologie für virtuelle Klassenräume, Entwicklungstools und kollaborative Anwendungen sowie damit verbundene Services für Implementierung, Beratung und Training offerieren (vgl. Wang 2001:122).
Die folgende Definition von Back, Bendel & Stoller-Schai (2001) bezieht sich auf das St. Galler E-Learning-(Referenz-)Modell, das aus einer Technologie- und Systemebene, einer Strategie-und Prozessebene sowie einem Management der Veränderung besteht:
„E-Learning kann begriffen werden als Lernen, das mit Informations- und Kommunikationstechnologien (Basis- und Lerntechnologien) respektive mit darauf aufbauenden (E-Learning-)Systemen unterstützt bzw. ermöglicht wird. Der Begriff »E-Learning« ist aber keineswegs auf diese Ebenen beschränkt, sondern vermag ebenso auf ganz unterschiedliche Aspekte und Phänomene auf der Prozess- und Strategieebene sowie auf der Ebene des Managements der Veränderung abzuzielen.“ (Back u.a. 2001:28)
Schließlich ist jedoch festzustellen, dass keine einheitliche Definition von E-Learning existiert bzw. Definitionen je nach Kontext unterschieden werden, so kann bspw. bereits das Bereitstellen von Printmaterialien in digitaler Form als E-Learning verstanden werden (vgl. Abschnitt 2.3.4.1). In der vorliegenden Arbeit wird E-Learning im Kontext der Technologie- und Systemebene betrachtet und beschränkt sich somit auf Lehr- und Lernprozesse, die Informations- und
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Für diesen Begriff bestehen unterschiedliche Schreibweisen wie bspw. „eLearning“ und „Elearning” usw.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Telekommunikationstechnologien, insbesondere das Internet, wesentlich zur Unterstützung nutzen (vgl. Arnold u.a. 2004).
"Unter E-Learning verstehen wir alle Lehr- und Lernaktivitäten, die durch die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) unterstützt werden. Wir sehen E-Learning als eine unter vielen sich ergänzenden Möglichkeiten zur Gestaltung der Lehre." (Troitzsch u.a. 2006:6)
In der folgenden Tabelle werden Potenziale und Gefahren des E-Learning aufgelistet.
Quelle: eigene Zusammenstellung
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
2.3.3.3 Blended Learning
Eine besondere Ausprägung der Mischformen der Dimension II stellt die Lernform Blended Learning dar, welche als Lernform in dieser Arbeit der dritten Dimension zugeordnet wird. Beim Blended Learning, in der Fachliteratur auch als „integriertes Lernen“, „vermischtes Lernen“ und „hybrides Lernen“ 6 bezeichnet, handelt es sich um ein Lernkonzept, bei welchem die jeweiligen Vorteile von Präsenzveranstaltungen mit den Vorteilen des E-Learning kombiniert werden.
„Blended Learning (engl. blender = Mixer) ist ein integriertes Lernkonzept, das die heute verfügbaren Möglichkeiten der Vernetzung über Internet oder Intranet in Verbindung mit «klassischen» Lernmethoden und -medien in einem sinnvollen Lernarrangement optimal nutzt. Es ermöglicht Lernen, Kommunizieren, Informieren und Wissensmanagement, losgelöst von Ort und Zeit in Kombination mit Erfahrungsaustausch, Rollenspiel und persönlichen Begegnungen in klassischen Präsenztrainings.“ (Sauter, Sauter & Bender 2004:68)
Die Anteile des konventionellen „face-to-face“ Lernens und des computergestützten E-Learnings können dabei inhaltlich, zeitlich und mengenmäßig beliebig variiert und funktional aufeinander abgestimmt werden. Dazu ist die Lernkonzeption bewusst so zu gestalten,
„[…] dass einerseits möglichst viel Lernzeit individuell gestaltet werden kann, anderer- seitsaber sehr viel getan wird, um die Lerner in ihrem einzigartigen Lernprozess möglichst umfassend zu unterstützen.“ (Sauter, Sauter & Bender 2004:80)
Es werden Lernmethoden, Medien und lerntheoretische Ausrichtungen mit dem Ziel der Verstärkung der Vorteile einzelner Medien und Methoden, sowie gleichzeitiger Minimierung der Nachteile derer, miteinander kombiniert.
Aus der folgenden Abbildung ist ersichtlich, dass in der Regel zuerst eine Kick-off Präsenzveranstaltung abgehalten wird, bei welcher organisatorische Maßnahmen wie beispielsweise eine Partner- und Gruppenbildung vorgenommen werden bzw. bei Bedarf auch der Umgang mit den verschiedenen bereitgestellten Medien erklärt werden. Anschließend kommt es zu einer selbst-organisierten Lernphase in Form von E-Learning. Abschließend findet wiederum eine Präsenzveranstaltung statt, bei der Ergebnisse präsentiert werden, Feedback über den Lernprozess gegeben bzw. Diskussionen geführt werden können.
6 vgl. Reinmann-Rothmeier (2003:28). Sie übersetzt Blended Learning als „gemischtes, in der deutschen Fachübersetzung, ‚hybrides Lernen„“.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Kuhlmann & Sauter (2008:7)
Beim Konzept des Blended Learning kann jedoch nach Bedarf beliebig konzipiert werden, d.h. es können Präsenzveranstaltungen und E-Learning-Phasen beliebig kombiniert werden. So kann bspw. auch nur zu Beginn von Lernszenarien eine Präsenzveranstaltung abgehalten werden, bei der Aufgaben und Ziele erläutert werden, während die Abarbeitung und Abgabe über eine Plattform passiert.
2.3.4 Dimension IV
In der Dimension IV der Lernformen definiert der Autor jene Lernformen, die der Realisierung der Dimension III dienen. Diese Lernformen stellen unterschiedliche Sozialformen, Medien und Aktionsformen dar, die für die Art der Vermittlung von Inhalten zwischen Lehr- und Lernenden verantwortlich sind und in Kombination mit weiteren Lernformen der Dimension IV als Strategien betrachtet werden können. So kann bspw. E-Learning im Rahmen von Einzellernen basierend auf der Aktionsform selber erarbeiten in Form von Web Based Training erfolgen. Im folgenden Abschnitt werden ausgewählte „Lernformen“ kurz erläutert.
2.3.4.1 Beispiele
Web Based Training (WBT) - Bei Web Based Trainings werden multimedial aufbereitete Lerninhalte gegensätzlich zum Computer Based Training (CBT), deren Lerneinheiten auf einem Datenträger verbreitet werden, den Lernenden via Internet bzw. Intranet zur Verfügung gestellt. Es kennt dabei verschiedene Formen, die sich jeweils durch ihre lerntheoretischen Ansätze unterscheiden (vgl. u.a. Gadamer & Dottori 2002:198).
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Gruppenlernen - In der Fachliteratur existiert für den Begriff „Gruppenlernen“ keine einheitliche Definition. Mehr oder weniger synonym verwendete Begriffe sind „kollaboratives Lernen“, „kooperatives Lernen“, „Teamlernen“ sowie „kollektives Lernen“ (vgl. Arnold 2003:33,34). Lern-theoretisch und didaktisch betrachtet,
„[…] ist Gruppenlernen das Lernen einer Gruppe als soziales System, d.h. Lernen wird von einem individuellen zu einem kollektiven Vorgang, wobei die kollektiven Lernprozesse entscheidend durch individuelle Lernpotenziale und -prozesse konstituiert werden.“ (Schelten, Sloane & Straka 1999:199)
Es wird ein gemeinsam geteiltes Verständnis einer Situation bzw. eine gemeinsame Lösung eines Problems entwickelt, während eine gegenseitige Korrektur, wertvolles Feedback, wechselseitige Motivation und Kreativität zur Konstruktion von Problemlösungen ermöglicht werden (vgl. Reinmann-Rothmeier 2003:93). Es umfasst ein breites Lernspektrum und enthaltet soziale und methodische Lernpotenziale durch Gruppengespräche, Abstimmung und Rotation, Vertretung der Gruppe durch einen Sprecher, Dispositionsfreiräume und Eigenverantwortlichkeit (vgl. Schelten, Sloane & Straka 1999). Des Weiteren werden Problemlöse- und Sozialkompetenzen aufgebaut. Michael Kerres, anerkannter Medienpädagoge, argumentiert ähnlich:
„Gruppenarbeit […] wird als wesentliches Element nicht nur für den Aufbau kommunikativer sondern auch kognitiver Kompetenzen aufgefasst. Zusammenarbeit in Gruppen fördert soziale Schlüsselqualifikationen wie Gruppenorganisation und Teamfähigkeit.“ (Kerres 2001:281)
Resultierend aus dem Gruppenlernen ergeben sich veränderte Wirkungen nach außen und veränderte Wahrnehmungen der Gruppe als soziale Identität nach innen.
Game Based Learning - Durch Game Based Learning bzw. die synonym betrachteten „Serious Games“ wird ein spielerisches Erlernen nach dem Motto: „Der Mensch lernt besser, wenn das Lernen Spaß macht“ ermöglicht.
“Wenn Menschen einmal angefangen haben digitale Spiele zu spielen, bleiben sie dabei. Dieser Zielgruppe fällt es entsprechend leichter, Lerninhalte spielerisch aufzunehmen. Gamer sind daher auch immer potenzielle Nutzer von Serious Games.” (Ritterfeld 2008)
Es beruht auf der Überlegung, das intrinsisch motivierende Potenzial der Spiele für ernsthafte Inhalte zu nutzen, denn noch immer ist es schwer, die Motivation der TeilnehmerInnen zu erzeugen, wenn es nicht um Inhalte geht, die ein absolutes "Muss" sind, während Computer- und Videospiele dagegen reißenden Absatz finden (vgl. Ritterfeld 2008). Zahlreiche AutorInnen (vgl. u.a. Burmester 2006:166; Naidu 2003:105) ordnen auch Quizzes dem Game Based Learning zu.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Coaching - Beim Coaching begleiten „Coaches“ Lernende bei der Realisierung eines Anliegens oder der Lösung eines Problems. „Coaching ist Begleitung, Reflexion und Unterstützung im beruflichen Alltag durch eine darin erfahrene Beratungskraft.“ (Fallner & Pohl 2005:228).
2.3.5 Spezialform „New Blended Learning“
New Blended Learning wird in dieser Arbeit als Spezialform der Lernformen verstanden und besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten. Zum einen aus einem Blended Learning-Konzept, das wie bereits beschrieben eine Mischform einzelner zuvor angeführter Lernformen darstellt, und zum anderen aus Web 2.0-Anwendungen für eine verbesserte Kommunikation bzw. einen optimierten Austausch zwischen den Lehr- und Lernenden (vgl. Kapitel drei). Der Begriff „New Blended Learning“ wurde dabei vor allem durch Erpenbeck & Sauter (2007a) in deren Publikation „Kompetenzentwicklung im Netz: New Blended Learning mit Web 2.0“ geprägt.
Betrachtet man das New Blended Learning als eine Entwicklungsstufe des E-Learnings, so kann man dieses als vierte und aktuellste Entwicklungsstufe betrachten. Wie der folgenden Abbildung zu entnehmen ist, beschränkt sich New Blended Learning nicht auf eine alleinige Qualifizierung von MitarbeiterInnen, sondern hat eine Kompetenzentwicklung derer zum Ziel, die ei-genverantwortliches Denken und Handeln ermöglichen und durch deren operationales Umsetzen ein Wettbewerbsvorteil generiert werden kann (vgl. Abschnitt 3.4.3.3).
Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Sauter, Sauter & Bender (2004:21)
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Die „neue“ Rolle der Lernenden beschreiben Seufert, Euler & Brahm (2007a) folgendermaßen:
"Die Rolle im neuen Lernparadigma zu beschreiben, ist zunächst eindeutig: anstelle von passiven Rezipienten wird von aktiven, selbstorganisierten und auf sozialen Austausch interessierte Lernende beziehungsweise Wissenskonstrukteuren ausgegangen." (Seufert, Euler & Brahm 2007a:5)
Lernarrangements beschränken sich somit nicht mehr ausschließlich auf formale sowie non-formale Lernformen (vgl. Abschnitt 2.3.1.1 & 2.3.1.2), bei der Lernende passive Rezipienten darstellen, sondern es wird zusehends versucht, informelles Lernen mit formellem sowie non-formellem Lernen mit Hilfe von Social Software zu integrieren und bewusst zu fördern. Ziel ist somit ein „Lebenslanges Lernen“ (vgl. Abschnitt 2.3.1). Der Ansatz des New Blended Learning verfolgt neben der Kompetenzentwicklung außerdem eine Verknüpfung von Lernen mit Wissensmanagement zu einem ganzheitlichen Lernprozess (vgl. 3.4.3.2).
Im Vergleich zu traditionellen Lernsettings - sprich formales bzw. non-formales Lernen (Dimension I) in Form von fremdorganisiertem (Dimension II) Frontalunterricht (Dimension IV) - sowie klassischen E-Learning Schulungen (Dimension III) - z.B. CBTs und WBTs - unterscheidet sich ein New Blended Learning-Setting von diesen vor allem durch folgende Merkmale:
Im Sinne des Konnektivismus kommt es zu einem Erfahrungsaustausch, zu Problemlösungen in Netzwerken und somit zum Netz(-werk)lernen durch die virtuelle Zusammenarbeit unterschiedlicher LernerInnen, sowie deren Wissensteilung. Instrumente des Web 2.0 bzw. Social Software unterstützen diese Prozesse (vgl. Abschnitt 2.1.4).
Sowohl individuelle als auch organisationale Lernprozesse werden ermöglicht. Social Software unterstützt die Erfassung von Wissen einzelner, sowie eine Vernetzung der Lernenden und deren individuellen Wissens. Erfahrungen, Erkenntnisse usw. werden dokumentiert, anschließend reflexiert und diskutiert sowie kontinuierlich erweitert, bzw. an die sich laufend ändernden Umweltanforderungen angepasst. Dieser Prozess initiiert schließlich organisationales Lernen (vgl. Abschnitt 2.2).
Formale, non-formale sowie informelle Lernprozesse verschmelzen zusehends mitei-nander und ermöglichen letztendlich ein lebenslanges Lernen (vgl. Abschnitt 2.3.1).
Es wird ein Mix aus Sozialformen - Einzellernen, Lerntandems, Lerngruppen sowie die Nutzung sozialer Netzwerke - mit dem Ziel der Kompensierung von Nachteilen einzelner Sozialformen durch die Vorteile anderer Sozialformen angewandt.
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Kapitel 2 - Lerntheorien, Lernprozesse & Lernformen
Im Gegensatz zu fremdorganisiertem sowie fremdgesteuertem Lernen, übernehmen die Lernenden die Verantwortung durch aktive Nutzung verschiedenster, bereitgestellter Instrumente sowie des Netzwerkes aus LernpartnerInnen, KollegInnen, TrainerInnen, Tu-torInnen usw. (vgl. Abschnitt 2.3.2)
Einseitige Kommunikation bzw. Monologe, die in der Regel von klassischen E-Learning Schulungen praktiziert werden, werden durch Dialoge bzw. wechselseitige asynchrone sowie synchrone Kommunikation ersetzt (vgl. Abschnitt 3.4.3.1).
Eine reine Wissensvermittlung und Wissensverarbeitung mit Hilfe von WBTs ist nicht das Ziel, sondern eine Bedingung und Voraussetzung für die Ermöglichung einer Kompetenzentwicklung. Dafür dienen individuelle Projektarbeiten bzw. Praxisaufgaben (vgl. Abschnitt 3.4.3.3).
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Kapitel 3 - Web 2.0 und Social Software
3 WEB 2.0 UND SOCIAL SOFTWARE
3.1 Einführungsbeispiel
Im Februar 2004 entwickelte Mark Zuckerberg, ein Student an der Harvard University ein webbasiertes Soziales Netzwerk namens „Facebook“ für die StudentInnen seiner Hochschule, um ursprünglich Kontakt mit ihnen zu halten. Später wurde die Seite für weitere StudentInnen in den gesamten USA freigegeben sowie High Schools und FirmenmitarbeiterInnen integriert. Seit 2006 können sich auch StudentInnen ausländischer Hochschulen anmelden und dabei die Services neben den Sprachen Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch in insgesamt 40 Sprachen, Tendenz steigend, nutzen (vgl. u.a. Awl 2009:4).
Aktuell (Juni 2009) blickt Facebook laut eigenen Angaben auf eine NutzerInnenanzahl von 200 Millionen und ist laut comScore 7 die am häufigsten besuchte Kontaktwebsite. Darüber hinaus werden täglich 30 Millionen Bilder hochgeladen. Über 100 Millionen Mitglieder melden sich mindestens einmal täglich an. Über 70 % aller NutzerInnen kommen dabei nicht aus den Vereinigten Staaten von Amerika (vgl. Facebook Statistics Juni 2009)
Laut Presseberichten hat Microsoft am 24. Oktober 2007 einen Anteil von 1,6 Prozent der Firma für 240 Millionen US-Dollar erworben. Rechnet man anhand dieses Kaufpreises den Marktwert von Facebook hoch, ergibt dieser ungefähr 15 Milliarden US-Dollar (vgl. Kuri 2007). Laut „New York Times“ ergab sich dieser hohe Kaufpreis allerdings nur, da Microsoft Sonderrechte erworben hat, um Google an einer Beteiligung von Facebook auszuschließen. 8
Wie dieses einführende Beispiel zeigt, ist auch nach dem Platzen der Dotcom-Blase 2001 noch gutes Geld mit dem Internet erwirtschaftbar. Neben dem finanziellen Aspekt lässt aber vor allem die NutzerInnenzahl erkennen, dass derartige „Social Networks“ einen hohen Anklang bei den UserInnen finden und gerne genutzt werden. In den letzten Jahren sind neben Facebook noch viele weitere interaktive und kollaborative Internet-Anwendungen entstanden, welche sehr ähnliche bzw. gleiche Eigenschaften aufweisen. Diese lösten folglich einen zweiten, von vielen unbemerkten Internet-Boom aus, und können dem "Web 2.0" zugeschrieben werden.
7 comScore liefert Einblicke in das Verhalten von Internetnutzern in mehreren Ländern und Regionen weltweit - Weitere Informationen sind online unter http://www.comscore.com/ erhältlich.
8 vgl. u.a. mit einem Artikel vom 3. Juli 2008 der New York Times, Online im Internet: URL: http://bits.blogs.nytimes.com/2008/07/03/what-is-facebook-worth-part-37/, [Stand 2009-04-23]
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Kapitel 3 - Web 2.0 und Social Software
3.2 Begriffsklärungen
Sowohl aus Erfahrungen des Autors als auch in der Fachliteratur wurden und werden die Begriffe „Web 2.0“ und „Social Software“ von verschiedenen AutorInnen sehr unterschiedlich definiert und auch sehr unterschiedlich verstanden. Folgend geht es nicht um absolut trennscharfe Definitionen, sondern vielmehr um die Erfassung der wesentlichen Merkmale aus Sicht des Au-tors. Die Kenntnis dieser soll vor allem der gedanklichen Einordnung der Hintergründe der folgenden Abschnitte dienen.
3.2.1 Web 2.0
Der Begriff „Web 2.0“ entstand in einer Brainstorming-Sitzung, welche sich mit den Veränderungen des Internets beschäftigte und steht im Wesentlichen für eine neue Evolutionsstufe der Internet-Nutzung. Bekannt wurde der Begriff vor allem durch Tim O‟Reilly (2005) mit seinem Ende September 2005 veröffentlichten Artikel „What is Web 2.0“.
"The concept of "Web 2.0" began with a conference brainstorming session between O'Reilly and MediaLive International. Dale Dougherty, web pioneer and O'Reilly VP, noted that far from having "crashed", the web was more important than ever, with exciting new applications and sites popping up with surprising regularity." (O'Reilly 2005)
O‟Reilly beschreibt in seinem Artikel jene Eigenschaften, von denen erfolgreiche Anwendungen wie bspw. „Youtube“ sowie „Facebook“ mindestens eine besitzen und für das Web 2.0 typisch sind:
1) Das Web als Plattform
2) Nutzung kollektiver Intelligenz 3) Daten-getriebene Anwendungen
4) Ende der Softwarelebenszyklen - Permanenter Beta-Status 5) Integrationsmöglichkeiten weiterer Anwendungen 6) Geräte- und Plattformunabhängigkeit 7) Nutzungserlebnis - Anwenderfreundlichkeit
Heute (Juni 2009) kann man Web 2.0 als ein Status des World Wide Web betrachten, das NutzerInnen eigene Inhalte - „user-generated content“ bzw. Nutzer-generierte Inhalte - erstellen lässt. Diese können im Vergleich zum Web 1.0 (erste Evolutionsstufe), welches vorwiegend für die Konsumierung der Inhalte genutzt wurde, folglich auch über das Internet als Plattform anderen zur Verfügung gestellt werden. Unter Web 2.0 wird von PropagandistInnen also die verän-
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Kapitel 3 - Web 2.0 und Social Software
derte Nutzung und Wahrnehmung des Internets verstanden, bei welcher BenutzerInnen die Möglichkeit haben, Inhalte in quantitativ und qualitativ entscheidendem Maße selber zu erstellen, zu bearbeiten und zu verteilen, unterstützt von Instrumenten wie bspw. Wikis, Blogs, Mikroblogs, Foto- und Videoportalen (vgl. u.a. Kirchner 2008).
Am anschaulichsten beschreibt Web 2.0, das des Weiteren auch mit Begriffen wie „Soziales Netzwerk“, „Mitmachweb“, u.v.m. assoziiert wird, die folgende Abbildung, welche vor allem die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale zum Vorgänger Web 1.0 darstellen.
Laut der viel zitierten Abbildung, welche Web 1.0 und Web 2.0 gegenüberstellt (vgl. Wagner Mai 2007), existierten 1996 knapp 250.000 Internetseiten, welche von über 45 Millionen NutzerInnen weltweit hauptsächlich konsumiert wurden, d.h. dass das Web 1.0 (erste Evolutionsstufe) als ein „Nurlese-Web“ bezeichnet werden kann, bei welchem Inhalte überwiegend von Fachleuten der IT herausgegeben wurden. Die Weiterentwicklungen in den Informationstechnologien wie bspw. Datenübertragungsraten und AJAX 9 , die stets sinkenden Internet-Nutzungskosten, die steigende Erfahrenheit von BenutzerInnen usw. (vgl. u.a. 2007:1ff.), ermöglichten schließlich eine Evolution vom „Nurlese-Web“ zu einem „Mitmach-Web“. 2009 besteht das Internet bereits aus über 230 Mio. Seiten (vgl. Netcraft Ltd 2009), welche von über 1,4 Milliarden Inter-
9 „Asynchronous JavaScriptand XML“ steht für ein Konzept der asynchronen Datenübertragung zwischen Servern und Browsern, welche eine HTTP-Anfrage innerhalb einer HTML-Seite ermöglicht, ohne diese neu laden zu müssen.
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Kapitel 3 - Web 2.0 und Social Software
netnutzerInnen (vgl. BITKOM 2009) konsumiert als auch produziert werden. Sowohl dieser Wandel der NutzerInnen von KonsumentInnen zu Produzentinnen, als auch weitere, folgend aufgelisteten Entwicklungen, stellen schließlich eine veränderte Nutzung und Wahrnehmung des Internets dar. Web 2.0 ist somit als eine Kombination aus
einer sozialen Bewegung (Wandel von KonsumentInnen zu ProduzentInnen) neuen Anwendungstypen (Wikis, Blogs, Social Bookmarking, usw.) neuen Techniken (Web Services, RSS, Ajax, usw.) und neuen Geschäftsmodellen (Software as a Service [SaaS], Crowdsourcing)
zu betrachten (vgl. u.a. Richter & Koch Februar 2007:6; Alby 2007:2ff.).
Für KritikerInnen des Begriffs Web 2.0, insbesondere Tim Berners-Lee, Erfinder der HTML und Begründer des World Wide Web (1989), ist Web 2.0 wiederum nur ein Jargonausdruck, bei dem niemand weiß, was er wirklich bedeutet:
„I think Web 2.0 is of course a piece of jargon, nobody even knows what it means. If Web 2.0 for you is blogs and wikis, then that is people to people. But that was what the Web was supposed to be all along.” (Berners-Lee 2006)
Er argumentiert in diesem Interview, dass es für ihn im Web von Anfang an um die Vernetzung von Menschen im interaktiven Raum gegangen ist. Darüberhinaus werden die im sogenannten Web 1.0 geschaffenen Standards wie HTML oder Java Script weiterhin verwendet und so sollte Web 2.0, wenn man es überhaupt als eigenständigen Begriff sehen darf, eher als Evolution und nicht als Revolution gesehen werden (vgl. Berners-Lee 2006).
Abschließend ist festzustellen, dass der Begriff Web 2.0 als solches, und dafür wird er kritisiert, schwammig ist. Es existieren lediglich Prinzipien, Konzepte, Charakterisierungen des Begriffs, jedoch keine DIN ISO-Definition (vgl. Alby 2007:XIII). Ungeachtet dessen ist er in aller Munde 10 und hat außerdem bemerkenswert viele Begriffsprägungen wie bspw. „Learning 2.0“, „Enterprise 2.0“, u.v.m. nach sich gezogen.
Um die umfangreiche Thematik „Web 2.0“ schließlich greifbarer zu machen, werden im Abschnitt 3.3 Beispiele von Anwendungen im Unternehmenskontext erläutert, sowie im Abschnitt 3.4 - Enterprise 2.0 im Kontext des Lernens - der Einsatz von Web 2.0 innerhalb von Unternehmen in Anbetracht des Lernens diskutiert.
10 Bei einer Suche mit Google am 23. Mai 2009 erzielte der Begriff über 480 Millionen Treffer.
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Arbeit zitieren:
Mag. FH Bernd Hopfner, 2009, Learning 2.0 im Unternehmenskontext, München, GRIN Verlag GmbH
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