Definition Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit ist eine theoretische Vorgehensweise die sich primär an den AdressatInnen der Sozialen Arbeit orientiert. Wichtige Ansatzpunkte sind die Auslegungen ihrer Lebensverhältnisse, Lebensschwierigkeiten und ihren Ressourcen. Das zentrale Thema der Lebensweltorientierung ist die Stärkung der Lebensräume und des sozialen Umfelds der KlientInnen sowie das Nutzen der vor-handenen Ressourcen und Hilfe- bzw. Selbsthilfemöglichkeiten. Als primären Aufgaben der Lebensweltorientierung zeichnen sich die Gestaltung der sozialräumlichen Verhältnisse und das politische Engagement für die Realisierung einer sozialen Gerechtigkeit. Die Soziale Arbeit an sich begleitet ihre AdressatInnen in der Ressourcenwelt und in der Vielschichtigkeit des Alltags, sie agiert unter anderem unterstützend, provozierend, kritisch sich und der Außenwelt gegenüber, mit dem Ziel soziale Räume so zu gestalten, dass Menschen als Subjekte ihrer eigenen Lebenswelt wahrnehmen können.
Neben der Hilfestellung, die die Lebensweltorientierung leistet, spricht sie auch eine Kritik an die gegebenen gesellschaftlichen wie institutionellen Strukturen und versucht die Integration institutioneller sowie professioneller Handlungsmuster im Alltag der AdressatInnen. Der Ansatzpunkt der Kritik ist der individuelle Alltag der AdressatInnen mit seinen Widersprüchen und Hoffnungen, die in der bewältigungsorientierten Unterstützung zur Selbsthilfe thematisiert werden.
Der Bereich der Lebensweltorientierung bedeutet heute eine neue Entwicklung in der Sozialen Arbeit, denn sie übernimmt die Aufgaben zur Lebensbewältigung, die bis dato nicht als Aufgabe der Sozialen Arbeit galten. Bewältigung meint das sozialstrukturelle Problem der Freisetzung. Bezogen auf die Soziale Arbeit kann man Lebensbewältigung als eine Intention nach subjektiver Handlungsfähigkeit in kritischen Lebenslagen, in denen eine Gefährdung des psychosozialen Gleichgewichts vorhanden ist. Lebensbewältigung existiert in Zusammenhang mit einer Risikogesellschaft und Sozialisationsmodus, der nach gesellschaftlichen Offenheit und Verfügbarkeit verlangt.
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Thesen zur Lebensweltorientierung und Lebensbewältigung These: Alltag als Schnittstelle der objektiven gesellschaftlichen Strukturen und normativen Aussichten mit den subjektiven Bewältigungsmustern der Klienten Nach Thiersch u. a. basiert diese Argumentation auf vier wichtigen Traditionen und Diskursen. Die hermeneutisch-pragmatische Tradition orientiert sich stark an Bildung, taktvoller sozialpädagogischer Praxis und respektiert die Individualität der KlientInnen. Der sozialwissenschaftlich-phänomenologischer Diskurs weist einerseits auf die Unmittelbarkeit (Rahmenbedingungen) des Alltags und andererseits auf die pragmatische Seite und Unerlässlichkeit der Routine im Alltag. Einen differenzierten Blick bietet die kritische Tradition, in dem sie den Alltag so wie er ist gleichzeitig annimmt und zerstört, um danach einen funktionierenden Alltag zu schaffen. Zuletzt ist eine Analyse der gesellschaftlichen und historischen Kontexte (modernisierungstheoretischer Diskurs) des Alltags notwendig. (C. Füssenhäuser, Text aus der Lehrveranstaltung, S. 6)
Dieser Ansatz versucht unserer Meinung nach eine Verbindung zwischen den Klienten und seiner sozialen Umwelt herzustellen. Wichtig ist hierbei, dass die Individualität des Klienten beachtet wird, denn dadurch hat man einen Anblick in seinen Alltag und hat in den gleichen Maßen die Möglichkeit den Alltag des Klienten in Sinne der Lebensweltorientierung zum positiven hin zu verändern. Die Schwierigkeit der Umsetzung dieser Theorie besteht in der Realität darin, dass die Sozialarbeiter/Sozialpädagogen mit der Menge der zu betreuenden Fälle überfordert sind und somit die propagierte intensive Betreuung der Klienten nicht erfüllt werden kann. These: Soziale Gerechtigkeit ist nur durch Einmischung der Sozialen Arbeit in die politischen Verhältnisse der Gesellschaft möglich
Integration ist eine der zentralen Aufgaben der Sozialen Arbeit, die sich mit Annerkennung der unterschiedlichen Menschen und ihren individuellen Problemlagen beschäftigt. Gleichzeitig schafft die Integration eine Basis für Gleichheit und Gerechtigkeit, wobei der Einmischung in die Politik hier die wichtigste Rolle zugesprochen wird. Um Veränderungen in der Sozialpolitik zu erreichen, von denen nicht nur Klien-
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ten, sondern auch die professionelle Soziale Arbeit profitieren, muss die Soziale Arbeit die Interessen der AdressatInnen vertreten, in dem sie von ihrem sozialpolitischen Mandat Gebrauch macht.
Die Partizipation der Klienten bedeutet die Beteiligung und Mitbestimmung des Hilfesuchenden. Dies jedoch, kann nur unter der Prämisse der Gleichheit zwischen dem Klienten und der hilfeleistenden Institution stattfinden, also unter der Anerkennung der Rechtsposition der AdressatInnen und Institutionalisierung von Einspruchs- und Beschwerderechten. (ebd., S. 14-16)
Die Idee der Einmischeung der Sozialen Arbeit in die Politik ist zwar ein positiver Aspekt der Sozialpolitik, in der Umsetzung jedoch eher utopisch. So sehen wir, dass das Bemühen der Sozialpolitik hohe Ziele anstrebt, am Ende jedoch das Minimale erreicht. Anhand von ALG II (ug. Spr. Hartz IV) ist deutlich geworden, wie Menschen durch das Gesetz um das Überleben am Existenzminimum kämpfen. Als Reaktion auf diesen Überlebenskampf sind z.B. Lebensmitteltafeln in ganz Deutschland ent-standen, die die Betroffenen mit der Grundversorgung an Lebensmitteln ausstattet. Das Problem hierbei ist, dass den Tafelkunden das Potenzial zu eigener Versorgung genommen wird. Es gibt jedoch auch positives anzumerken, wie zum Beispiel der Anspruch auf einen Krippenplatz ab zwei Jahren, der 2010 durch ein Gesetz in Kraft tritt.
These: Janusgesicht der Lebensweltorientierung birgt Hilfe einerseits und Verlust der Objektivität anderseits
Ein Kritikpunkt in der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit ist die zweiseitige Gefahr, die sie mit ihrer Vorgehensweise hervorruft. Einerseits bedeutet eine lebens-weltorientierte Arbeit Unterstützung im unmittelbarem Alltag, was mehr Kontrolle erzwingt, anderseits begibt sich der Hilfeleistende in die Gefahr in die Alltagsstruktur der AdressatInnen so hineingezogen zu werden, dass ein Abstand für eine kritische Haltung und Reflektion der Situation gegenüber verwehrt bleibt. (ebd., S. 10) Prinzipiell trifft diese These nicht nur die MitarbeiterInnen der Sozialen Arbeit, sondern auch viele andere Professionelle, wie Psychologen, Mediziner, Lehrer usw. Unserer Meinung nach kann man daraus schließen, dass die Fähigkeit Distanz zu be-
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Arbeit zitieren:
2009, Argumentatives Thesenpapier zur Lebensweltorientierung und Professionstheorien der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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