Inhaltsverzeichnis: I
Inhaltsverzeichnis :
INHALTSVERZEICHNIS: I
LITERATURVERZEICHNIS : III
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS: V
A. VORBEMERKUNGEN 1
B. EINFÜHRUNG IN SPIRAL DYNAMICS 2
I. GRUNDLAGEN 2
W MEME DIE ACHT STUFEN 3
II. DIE ACHT
III. EINSATZMÖGLICHKEITEN IN DER MEDIATION 6
C. EINFÜHRUNG IN KEN WILBERS AQAL-MODELL 8
I. GRUNDLAGEN 8
II. DIE VIER QUADRANTEN 11
III. EINSATZMÖGLICHKEIT IN DER MEDIATION 14
D. VORSTELLUNG EINES INTEGRIERTEN ANSATZES BEIDER MODELLE FÜR DEN EINSATZ IN
DER MEDIATION 19
I. GRUNDÜBERLEGUNGEN 19
II. ENTWICKLUNG DES MODELLS 20
III. EINSATZMÖGLICHKEITEN IN DER MEDIATION 25
E. DARSTELLUNG DER EINSATZMÖGLICHKEITEN DES MODELLS AM BEISPIEL EINES
KONKRETEN FALLES 28
I. VORBEMERKUNGEN 28
II. VORGESCHICHTE 28
III. DER KONFLIKT 29
i. Die Konfliktparteien 29
1. Leander Der Teamleiter 29
2. Charis, Ture und Mian 'LHÄDOWHQ DVHQ 30
3. Bernward und Co. 'LHÄ1HXHQ 30
ii. Der Konfliktgegenstand 31
Inhaltsverzeichnis: II
IV. DIE KONFLIKTLÖSUNG 31
i. Wie ich von dem Konflikt erfuhr 31
ii. Warum ich letztlich in dem Konflikt vermittelte 32
iii. Wie ich den Konflikt beilegte 33
1. Vorgespräche 33
a. Charis 33
E 'LHDQGHUHQÄDOWHQ DVHQ 35
c. Leander 35
d. Resultate der Vorgespräche 38
2. Einzelgespräche, Dokumentation der Positionen 38
a. Charis 38
b. Ture 39
c. Mian 40
d. Leander 40
e. Resultat der Einzelgespräche, Einschätzung der Konfliktkompetenz der Beteiligten 41
aa. Charis 41
bb. Ture 43
cc. Mian 44
dd. Leander 45
3. Aufbauphase 47
a. Charis 48
b. Leander 53
c. Mian 55
d. Resultat der Aufbauphase 55
4. Einzelgespräche, Analyse der Positionen und Herausarbeiten der Motive und Interessen 56
a. Charis 56
aa. Einsatz bei Voxacom Arbeitsplatz 56
bb. Reine Testerin ohne Zusatzaufgaben. 57
b. Ture 58
c. Mian 58
d. Leander 58
e. Resultat der Einzelgespräche 59
5. Aufbau von Verständnis für die anderen Positionen und Motive durch Rollentausch und die Entwicklung
von Lösungsoptionen 59
a. Charis 59
b. Ture 59
c. Mian 60
d. Leander 60
6. Finden einer gemeinsamen Lösung für die Zukunft 60
7. Überprüfung der Qualität und Nachhaltigkeit der Lösung mittels AQAL 61
iv. Regelmäßige Erfolgskontrolle der Konfliktlösung 61
V. RESÜMEE 61
F SCHLUSSBEMERKUNGEN 63
Literaturverzeichnis: III
Literaturverzeichnis:
Bandler, Richard / Grinder, John: Metasprache & Psychotherapie ± Struktur der Magie I, Pa-derborn 2005 (zit.: Bandler/Grinder, Magie I)
Bandler, Richard / Grinder, John: Kommunikation & Veränderung ± Struktur der Magie II, Pa-derborn 2001 (zit.: Bandler/Grinder, Magie II)
Beck, Don Edward / Cowan, Christopher C.: Spiral Dynamics ± Leadership, Werte und Wandel, Bielefeld 2007 (zit.: Beck/Cowan, Spiral Dynamics)
Dilts, Robert B.: Die Veränderung von Glaubenssystemen ± NLP-Glaubensarbeit, Paderborn 1993 (zit.: Dilts, Veränderung)
Dilts, Robert B.: Professionelles Coaching mit NLP ± Mit dem NLP-Werkzeugkasten geniale Lösungen ansteuern, Paderborn 2005 (zit.: Dilts, Coaching)
Grinder, John / DeLozier, Judith: Der Reigen der Daimonen ± Vorbedingungen persönlichen Genies, Paderborn 1995 (zit.: Grinder/DeLozier, Daimonen)
Haft, Fritjof / Schlieffen, Katharina Gräfin von: Handbuch der Mediation ± Verhandlungstechnik Strategien Einsatzgebiete, 2. Auflage, München 2009 (zit.: Haft/Schlieffen, Handbuch)
Ponschab, Reiner / Schweizer, Adrian: Schlüsselqualifikationen ± Kommunikation · Mediation · Rhetorik · Verhandlung · Vernehmung, Köln 2008 (zit.: Ponschab/Schweizer, Schlüsselqualifikationen)
Wilber, Ken: Eine kurze Geschichte des Kosmos, Frankfurt am Main 1997 (zit.: Wilber, Geschichte)
Wilber, Ken: Eros, Kosmos, Logos ± Eine Jahrtausend-Vision, Frankfurt am Main 2001 (zit.: Wilber, Eros, Kosmos, Logos)
Wilber, Ken: Integrale Psychologie ± Geist, Bewußtsein, Psychologie, Therapie, Freiamt 2001 (zit.: Wilber, Integrale Psychologie)
Literaturverzeichnis: IV
Wilber, Ken: Das Wahre, Schöne, Gute ± Geist und Kultur im 3. Jahrtausend, Frankfurt am Main 2002 (zit.: Wilber, Das Wahre, Schöne, Gute)
Wilber, Ken: Integrale Spiritualität ± Spirituelle Intelligenz rettet die Welt, München 2007 (zit.: Wilber, Integrale Spiritualität)
Abkürzungsverzeichnis: V
Abkürzungsverzeichnis:
3PI Third Party Integration AG Aktiengesellschaft AQAL alle Quadranten, alle Level, alle Linien, alle Zustände und alle Typen BAU Business as usual bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise CC Content Connector DNA Desoxyribonukleinsäure dt. deutsch f. folgende ff. fortfolgende ggf. gegebenenfalls GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung GSP Global Service Plattforms ISA Integraler Ansatz aus Spiral Dynamics und AQAL NLP Neurolinguistische Programmierung ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr Rn. Randnummer s. siehe S. Seite/Seiten s.a. siehe auch SMS Short Message Service SPG Service Partner Group SPMI Single Portal Management Interface u.a. unter anderem US United States usw. und so weiter vgl. vergleiche z.B. zum Beispiel zit. zitiert
A. Vorbemerkungen 1
A. Vorbemerkungen
Die hier vorliegende praxisorientierte Arbeit vermittelt dem Leser einen integralen Ansatz aus Spiral Dynamics und AQAL für den Einsatz in der Mediation. Hierzu werden zunächst die beiden grundlegenden Theorien Spiral Dynamics (B.) und AQAL (C.) vorgestellt. Diese notwendigerweise recht kurzen Vorstellungen vermitteln dem Leser die erforderlichen Grundkenntnisse für die nächsten Abschnitte; die weiterführenden Literaturhinweise ermöglichen dem interessierten Leser, sich ein tieferes Wissen zu erarbeiten. Der dann folgende Abschnitt (D.) entwickelt aus beiden Theorien einen integralen Ansatz und zeigt auf, wie sich dieser für die Medianten und den Erfolg des Mediationsverfahrens Gewinn bringend in der Mediation einsetzen lässt. Den eigentlichen Hauptteil der Arbeit bildet der anschließend vorgestellte Praxisfall (E.), der dem Leser aufzeigt, wie ± in welchen Phasen und in welchen Konstellationen ± der vorgestellte integrale Ansatz nun seine Wirkung entfalten kann. Um dies möglichst plastisch zu gestalten, wurde die auf einem tatsächlich von mir begleiteten Fall basierende Schilderung in Form einer Geschichte verfasst. Den Abschluss bilden einige Schlussbemerkungen (F.), die die möglichen Risiken beim Einsatz des integralen Ansatzes beleuchten.
B. Einführung in Spiral Dynamics 2
B. Einführung in Spiral Dynamics
I. Grundlagen
Spiral Dynamics ist eine kultursoziologische Theorie, die Don Beck und Chris Cowan auf Basis der Arbeiten von Clare W. Graves 1 , einem US-amerikanischen Psychologen, entwickelt haben. Graves hatte auf Basis von weltweit gesammelten Forschungsdaten aus den Jahren 1952 bis 1959 eine unter anderem als Ä7KH (PHUJHQW &\FOLFDO /HYHOV RI ([LVWHQFH 7KHoU\³ 2 (ECLET) bezeichnete Theorie entwickelt; diese geht davon aus, dass der Mensch in Folge der zwischen äußeren Bedingungen und innerem neuronalen System stattfindenden Interaktion neue biopsycho-soziale Aktionssysteme bildet, die fähig sind, aufgetretene existenzielle Probleme zu lösen und zudem in der Lage sind, das neue Szenario zu verstehen. Beck und Cowan bezeichnen diesen ZusamPHQKDQJDOVGLH$EIROJHYRQÄ1HXH=HLWHQQHXHV'HQNHQ³ was zum Ausdruck bringen will, dass neue Herausforderungen zu einer kontroversen, ja vielleicht sogar revolutionären Sicht der menschlichen Natur führen 3 . Graves Model der Ebenen der menschlichen Existenz setzen Beck und Cowan nun in Zusammenhang mit dem Konzept der ÄMeme³, das durch den britischen Biologen Richard Dawkins 4 eingeführt und durch den Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi 5 erweitert wurde. Der von Dawkins eingeführte Begriff der Meme ist als psychologisches Gegenüber zu den biochemischen Genen zu verstehen: was Gene für unsere biochemische DNA sind, sind Meme für unsere psychologische DNA. Danach umfassen Meme Verhaltensanweisungen, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden 6 . In Spiral Dynamics wird zudem noch ein wellenartiges Meta-Mem angenommen, ein Ä6\VWHP³ E]Z Ä:HUWH-0HP³ 'LHVH NXU] DOV W Meme bezeichneten Meme sind Organisationsprinzipien, die auf die von Dawkins und Csikszentmihalyi beschriebenen, inhaltlich angereicherten Meme wie Attraktoren wirken. Nach Beck und Cowan strukturieren W Meme das Denken, die Wertesysteme und die politische Form sowie Weltsichten ganzer Zivilisationen 7 . Die W Meme verfügen über fünf zentrale Eigenschaften 8 :
1. W Meme bringen die zentralen Intelligenzen zum Ausdruck, die Systeme bilden und menschliches Verhalten bestimmen.
2. W Meme beeinflussen alle Lebensentscheidungen.
1 * 21. DezePEHULQ1HZ5LFKPRQG,QGLDQDJanuar 1986.
2 Dt.: Die zyklisch auftauchenden Ebenen der Existenztheorie.
3 Siehe Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 29.
4 * 26. März 1941 in Nairobi, Kenia.
5 * 29. September 1934 in Fiume (Rijeka), damals Italien, heute Kroatien.
6 Ausführlich hierzu Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 33f.
7 Siehe auch Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 34.
8 Ausführlich zu den fünf zentralen Eigenschaften s. Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 48ff.
B. Einführung in Spiral Dynamics 3
3. W Meme bringen sowohl gesunde (verbessernde) als auch ungesunde (verschlechternde) Eigenschaften hervor.
4. W Meme sind Denkstrukturen.
5. W Meme können sich mit veränderten Lebensbedingungen verstärken oder abschwächen.
Eine Betrachtung dieser fünf Eigenschaften lässt erkennen, dass W Meme hiernach keine starren oder sich nur langsam verändernden Strukturen sind, vielmehr sind die W Meme ständig in Veränderung, egal, ob in einem einzelnen Menschen oder in gesellschaftlichen Strukturen. Auch existieren in einem Menschen mehrere W Meme nebeneinander, nicht nur das zuletzt erreichte 9 . Trotz dieser unbestreitbaren Koexistenz mehrerer W Meme lässt sich festhalten, dass bei einer Momentaufnahme einer Person häufig ein das Denken dominierendes W Mem identifiziert werden kann, aber auch, dass eine Jahre später vorgenommene Momentaufnahme ein anderes W Mem als dominierend wird aufzeigen können oder gerade keine Veränderung im Denken zeigen kann 10 .
Nach dieser kurzen Darstellung der Grundlagen von Spiral Dynamics soll nun eine Vorstellung der acht charakteristischen W Meme erfolgen, die bisher in Erscheinung getreten sind.
II. Die acht W Meme ± Die acht Stufen
Nach Beck und Cowan sind bisher acht charakteristische W Meme in Erscheinung getreten, um die herum sich Ideen und Glaubensvorstellungen gruppieren 11 .
Die folgenden Tabellen geben eine Übersicht über diese acht W Meme, wobei die erste Tabelle neben der grundlegenden Einführung der Bezeichnungen bzw. Farbcodes 12 auch einen groben Zeitrahmen für das erste Auftreten der W Meme sowie den geschätzten Anteil an der Bevölkerung, bei dem das jeweilige W Mem dominiert und eine Beschreibung der gesellschaftlichen Organisationsstruktur in durch das jeweilige W Mem beherrschten Gesellschaften, gibt. Der Fokus der ersten Tabelle ist damit eher global, während derjenige der zweiten eher auf Individuen gerichtet ist. Die zweite Tabelle gibt dementsprechend Auskunft über die Form der Ich-Identität, den entwicklungspsychologischen Zeitpunkt des Inerscheinungtretens des W Mems, das Grundthema, welches Menschen im Zustand eines dominierenden W Mems primär bewegt sowie Antrieb und Haupttätigkeit dieser Individuen.
Anzumerken bleibt, dass beide Tabellen nur einen kurzen Ausblick gewähren können, die erste auf der gesellschaftlich, historisch, globalen Ebene, die zweite auf der Ebene des Individuums. Eine umfassende Beschreibung der acht W Meme findet sich im dritten Teil des Buches von
9 Siehe hierzu auch das 6. Prinzip in Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 84f.
10 Siehe auch die sechs Beispiele hierzu in Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 39ff.
11 Siehe die erste kurze Vorschau hierzu in Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 49.
12 Zur Frage der Bezeichnung s.a. Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 90f.
B. Einführung in Spiral Dynamics 4
Beck und Cowan 13 , dem interessierten Leser sei die Lektüre empfohlen, insbesondere wenn er eine praktische Anwendung in Erwägung zieht.
13 Siehe Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 295ff.
14 Die Prozentwerte wurden Beck/Cowan, Spiral Dynamics, S. 458f. entnommen und ergeben auch dort mehr als 100
%.
15 Nach Beck/Cowan, Spiral Dynamics, S. 49, 55ff., 64f., Lesezeichen zum Buch.
B. Einführung in Spiral Dynamics 5
16 bewegt
16 Nach Schweizer in Ponschab/Schweizer, Schlüsselqualifikationen, S. 56ff.; Beck/Cowan, Spiral Dynamics, S. 55ff.,
Lesezeichen zum Buch.
B. Einführung in Spiral Dynamics 6
Bevor ein Blick auf die Einsatzmöglichkeiten in der Mediation geworfen wird, sei der geneigte Leser noch auf einige verbreitete Illustrationen im Anhang hingewiesen, die auf das spiralförmige Emergieren der W Meme hinweisen, dem Spiral Dynamics seinen Namen verdankt.
Die Spirale hat zwei Pole, einen individuellen, einen Elitepol und einen gemeinschaftlichen, einen Kollektivpol. Dies zeigt sich deutlich in den Eigenschaften der W Meme, wie sie in den Tabellen 1 und 2 vorgestellt wurden. So sind die W Meme des warmen Farbspektrums 17 stets auf das Ich ausgerichtet und repräsentieren Selbstausdruck, unterteilen soziale Einheiten in Hierarchien, während die W Meme des kühlen Farbspektrums 18 auf das Wir ausgerichtet sind, eine Repräsentation der Selbstaufopferung darstellen und Gruppen bilden, in denen Hierarchien verflachen und Ressourcen umverteilt werden 19 .
In der Spirale entstehen die W Meme wellenförmig, dadurch gliedert sich das aktive Leben eines W Mems in die drei Phasen: Eingangsphase, Höhepunkt und Ausgangsphase 20 . In diesem Zusammenhang soll noch auf die Bezeichnungen dieser Abschnitte hingewiesen werden, wie sie später im Praxisfall zur Anwendung kommen. Der Höhepunkt wird dadurch kenntlich gemacht, dass das jeweilige W Mem allein in Großbuchstaben geschrieben wird (z. B. ORANGE); wird eine Eingangs- bzw. Ausgangsphase beschrieben, so wird dem in Großbuchstaben geschriebenen W Mem das W Mem der Vorphase in Normalschrift voran bzw. das W Mem der Folgephase hinten angestellt (z. B. Eingangsphase: Blau/ORANGE, Ausgangsphase: ORANGE/Grün). Bei der Beteiligung mehrerer W Meme, werden sie in ihrer relativen Bedeutung für die konkret untersuchte Situation aufgeführt (z. B. ORANGE-ROT/Blau) 21 .
III. Einsatzmöglichkeiten in der Mediation
Nach der Vorstellung der acht W Meme und einiger wichtiger Grundlagen bleibt noch die Frage zu beantworten, wie sich Spiral Dynamics in der Mediation einsetzen lässt. Zunächst lässt sich hierzu sagen, dass auch Spiral Dynamics ein wirksames Hilfsmittel dabei ist, als Mediator effektiver kommunizieren zu können, denn wenn man erst erkannt hat, welches W Mem einen Medianten gerade dominiert, kann man sich hierauf einstellen und somit Missverständnissen in der Kommunikation vorbeugen.
Neben diesem eher allgemeinen Anwendungsfeld lässt sich aber auch ein konkreterer Ansatz finden, wenn man einen Blick auf die klassischen Konfliktlösungsformen wirft und hinterfragt, welche W Meme mit welcher Konfliktlösungsform kompatibel sind. Klassischerweise lassen sich fünf bzw. sechs Konfliktlösungsformen unterscheiden, welche sich danach einteilen lassen, ob
17 Beige, Rot, Orange, Gelb.
18 Purpur, Blau, Grün, Türkis.
19 Siehe hierzu das 3. Prinzip in Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 74ff.
20 Siehe hierzu das 4. Prinzip in Beck/Cowan, Spiral Dynamics S. 79ff.
21 Mit dieser Notation folge ich Beck/Cowan, Spiral Dynamics, S. 91.
B. Einführung in Spiral Dynamics 7
sie auf Macht, Recht oder Interessen basieren 22 . Ein Blick auf die W Meme bzw. auf deren Moti-vatoren lässt erkennen, dass nicht jedes W Mem mit jeder Konfliktlösungsform kompatibel sein kann. Vielmehr lässt sich festhalten, dass Individuen auf den ersten drei Stufen nur Konfliktlö-sungsformen zugänglich sind, die auf Macht basieren, auf den zwei folgenden Stufen können die Konfliktlösungsformen auf Macht und Recht basieren. Will man hingegen, wie es in der Mediation der Fall ist, Konflikte auf der Basis von Interessen lösen, so sind dem nur Individuen zugänglich, die bereits das grüne W Mem oder ein höheres für sich erschlossen haben 23 . Eine grafische Darstellung der Zusammenhänge zeigt Tabelle 3.
Hält man sich nun diesen Zusammenhang vor Augen, wird deutlich, dass Spiral Dynamics dem Mediator eine Hilfe bei der Methodenwahl sein kann, denn Medianten, die einer Konfliktlösung auf Basis von Interessen an sich noch nicht zugänglich sind, erfordern eine andere Methodik als Medianten, die ohnehin Interessenausgleich praktizieren. Auch kann Spiral Dynamics helfen, Fälle zu identifizieren, die einer Mediation nicht zugänglich sind, da die Konstellation aus den Beteiligten und ihrer fehlenden Akzeptanz für eine Lösung auf Basis von Interessen und dem Konfliktgegenstand eine Klärung durch Recht sprich eine juristische Lösung verlangen.
22 (LQHDOVÄ5DGGHUNODVVLVFKHQ.RQIOLNWO|VXQJVIRUPHQ³EH]HLFKQHWHJUDILVFKH'DUVWHOOXQJILQGHWVLFKEHL6FKZHizer
in Ponschab/Schweizer, Schlüsselqualifikationen, S. 55.
23 Vgl. Schweizer in Ponschab/Schweizer, Schlüsselqualifikationen, S. 56ff.
24 Angelehnt an Schweizer in Ponschab/Schweizer, Schlüsselqualifikationen, S. 55.
C. Einführung in Ken Wilbers AQAL-Modell 8
C. Einführung in Ken Wilbers AQAL-Modell
I. Grundlagen
Ken Wilber 25 ist US-amerikanischer Philosoph und gilt als einer der Hauptvertreter der integralen Theorie, die als systematisches Modell für eine holistische Welterklärung verstanden werden kann; er ist zudem Autor zahlreicher Bestseller. Die Zielsetzung der integralen Theorie besteht darin, durch die Integration von östlichen und westlichen Weltsichten sowie spirituellen Einsichten und wissenschaftlichem Denken eine umfassende Sicht des Menschen und der Welt zu entwickeln. Zentrale Grundannahme hierbei ist, dass es nicht darum geht, aus den vielfältigsten Theorien, die in Wissenschaft, Kunst und Spiritualität existieren, die richtige auszuwählen, sondern vielmehr herauszuarbeiten, in welchem Kontext die Gesamtheit all dieser Theorien richtig sei, denn letztlich existieren sie ja bereits und sind zu einem großen Teil fundiert begründet, sodass sie nicht wirklich falsch, wohl aber unvollständig und nur ein Teil des Ganzen sein können. Die integrale Theorie befasst sich DXFK PLW GHP 0HQVFKHQ VHOEVW PLW GHP Ä,FK³ VLH VWHOOWNODUGDVVGDVÄ,FK³GLH]HQWUDOH,QVWDQ]LQGLYLGXHOOHU+DQGOXQJVIlKLJNHLWGDUVWHOOWNRQVWa- tiertjedoch auch, dass es nicht die höchste Qualität menschlicher Handlungsfähigkeit offenbart. Vielmehr kDQQGDVÄ,FK³LQHLQHPNRPSOH[HUHQWUDQVSHUVRQDOHQ6HOEVWDXIJehen, welches fähig ist, andere Wesen in das eigene Denken, Fühlen und Handeln einzubeziehen. Da eine umfassende Darstellung der integralen Theorie und insbesondere der Arbeit Wilbers, der in seinen Werken Ansätze zur Integration unterschiedlichster Wissenschaftsdisziplinen und Theorien entwickelt, den Rahmen bei Weitem sprengen würde, sei der interessierte Leser an dieser Stelle auf die Literaturhinweise verwiesen 26 .
Vielmehr soll nun die Entwicklung des AQAL-Modells in ihren Grundsätzen umrissen werden, um dann einen genaueren Blick auf dieses Modell werfen zu können. $4$/VSULFKÄDK-NZDO³ ist eine Abkürzung, GLHIUÄDOOH4XDGUDQWHQ alle Level, alle Linien, alle Zustände und alle Ty- SHQ³VWHKW. In Wilbers AQAL-Modell bilden diese fünf Kategorien die zentralen Elemente zur Navigation in der Welt für seinen Vorschlag einer integralen, umfassenden Karte der Wirklichkeit.
Bei der Darstellung dieses Modells wird insbesondere auf das häufig als Wilbers Hauptwerk EH]HLFKQHWHÄ(URV.RVPRV/RJRV³DXVGHP-DKUH%H]XJJHQRPPHQLQGHP:LOEHUHLQH
Theorie von allem entwickelt. Hierzu befasst er sich vornehmlich mit Systemtheorien und Philosophiegeschichte, in welche er Erkenntnisse aus Biologie, Physik, Soziologie oder Psychologie,
25 Kenneth ÄKen" Earl Wilber Jr. (* 31. Januar 1949 in Oklahoma City, Oklahoma).
26 Zur Integration von Systemtheorien und Philosophiegeschichte: Wilber, Eros, Kosmos, Logos; zu Psychologie,
Anthropologie, Kunst und Kunstkritik, Feminismus: Wilber. Das Wahre, Schöne, Gute; Psychologie: Wilber, Integrale
Psychologie; Spiritualität: Wilber, Integrale Spiritualität.
C. Einführung in Ken Wilbers AQAL-Modell 9
aber auch religiöse Gedanken und Elemente der Naturphilosophie einfließen lässt. Wilber stützt sich bei seinen Ausführungen unter anderem auf die Arbeiten und Ideen von Plotin 27 , Meister Eckehart 28 , Sri Aurobindo 29 , Ideen des deutschen Idealismus, des Advaita Vedanta Hinduismus, des tibetischen Buddhismus, so wie Gedanken von Jean Gebser 30 , Ervin Laszlo 31 , Jürgen Habermas 32 , Jean Piaget 33 , Arthur Lovejoy 34 , Lawrence Kohlberg 35 , Teilhard de Chardin 36 , Clare W. Graves 37 , Erich Jantsch 38 , Charles Taylor 39 und Alfred North Whitehead 40 . Bei seiner Arbeit greift Wilber Ideen und Argumentationen auf, bestätigt sie zum Teil, analysiert sie jedoch auch kritisch und weist sie zum Teil als unvollständig oder mit Mängeln behaftet zurück. Nun wollen wir bei unserer Betrachtung von Wilbers Theorie vom Kleinen zum Großen gehen und damit beginnen, woraus die Welt aufgebaut ist: Holone.
Mit dem Begriff Holon 41 greift Wilber einen von Arthur Koestler 42 geprägten Begriff auf, der ein Ganzes meint, das Teil eines Ganzen ist 43 .
Für Wilber besteht die gesamte Welt, die gesamte Realität aus Holons und zwar unabhängig von ihrer Eigenschaft als Materie, Energie, Idee oder Prozess. Wilbers Definition von Holonen als Ganze/Teile kann als Synthese aus dem Atomismus, der davon ausgeht, dass die Welt aus letztlich nicht mehr teilbaren Ganzen besteht und dem Holismus, der davon ausgeht, dass alles nur Teile eines größeren Ganzen sind, verstanden werden; zur Verdeutlichung seien ein paar einfache Beispiele genannt, wobei anzumerken ist, dass diese Beispiele nur Ausschnitte aus der gesamten Kette darstellen, letztlich ließen sie sich in beide Richtungen weiter fortsetzen 44 : D ± «± Atome ± Moleküle ± Zellen ± Organismen ± «± Z
27 & "RGHU& Ù "3OÀWLQRV, * um 205 in Lykonpolis (heute Assiut) in ÄgyptenXP270 in Minturnae, Kam-
panien war ein griechischer Philosoph; er gilt als der Hauptvertreter des Neuplatonismus.
28 Eckhart von Hochheim, * um 1260 bei Gotha - Hochheim, Tambach oder Wangenheim YRU $SULO 1328 in
Avignon oder Köln, bedeutender spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph.
29 Aurobindo Ghose, ã :ò, Arabinda Gho, Arabinda Ghosh; * 15. August 1872 in Kolkata 5. Dezember
1950 in Puducherry, indischer Politiker, Philosoph, Hindu-Mystiker, Yogi und Guru.
30 * 20. August 1905 in Posen14. Mai 1973 in Wabern bei Bern, Philosoph, Schriftsteller, Übersetzer und kultur-
wissenschaftlich orientierter Bewusstseinsforscher.
31 * 1932 in Budapest ist ein ungarischer Vortragsreisender und Autor.
32 * 18. Juni 1929 in Düsseldorf, deutscher Philosoph und Soziologe.
33 * 9. August 1896 in Neuchâtel16. September 1980 in Genf, sEntwicklungspsychologe und Épistémologe.
34 Arthur Oncken Lovejoy, * 10. Oktober 1873 LQ%HUOLQ'H]HPEer 1962 in Baltimore, Maryland, einflussreicher
Historiker und Begründer der Ideengeschichte.
35 * 25. Oktober 1927 in Bronxville, New York17. Januar 1987, US-amerikanischer Psychologe und Professor für
Erziehungswissenschaft.
36 Marie-Joseph Pierre Teilhard de Chardin, * 1. Mai 1881 im Schloss Sarcenat bei Clermont-Ferrand 10. April
1955 in New York, französischer Jesuit, Theologe, Philosoph, Anthropologe, Geologe und Paläontologe.
37 * 21. Dezember 1914 in New Richmond, Indiana; Januar 1986 amerikanischer Professor für Psychologie.
38 * 1929 in Wien1980 in Berkeley, Kalifornien österreichischer Astrophysiker.
39 * 5. November 1931, kanadischer Politikwissenschaftler und Philosoph.
40 * 15. Februar 1861 in Ramsgate30. Dezember 1947 in Cambridge (Massachusetts), englischer Philosoph und
Mathematiker.
41 von griechisch V "hólos und Qon ÄJDQ]HV6HLHQGHV³
42 * 5. September 1905 in Budapest3. März 1983 in London, österreichischer Schriftsteller ungarischer Herkunft.
43 Vgl. Wilber, Eros, Kosmos, Logos, S. 36ff., S. 57ff. (erste der 20 Grundaussagen).
44 Zur Verdeutlichung dessen, lasse ich die Beispiele mit Alpha (D) beginnen und mit Omega (Z) enden.
C. Einführung in Ken Wilbers AQAL-Modell 10
D ± Regierungsbezirke ± Bundesländer ± Bundesrepublik Deutschland ± Z
Jedem Holon werden von Wilber vier Grundeigenschaften zuerkannt, die sich in die beiden horizontalen Kräfte ± Agenz (Selbsterhaltung) und Kommunion (Selbstanpassung) ± und die beiden vertikalen Kräfte ± Selbsttranszendenz und Selbstauflösung ± aufteilen. Die Wirkung der vier Grundeigenschaften soll hier nicht weiter vertieft werden, da ihre Kenntnis für die weitere Darstellung nicht zwingend erforderlich ist, zur weiteren Vertiefung sei daher auf Wilber selbst verwiesen 45 .
Wir wollen nun den nächsten Schritt gehen und uns den Holarchien zuwenden. Wie bereits zu-vor anhand der Ausschnitte aus den Ketten der Ganzen/Teile aufgezeigt, bilden Holone Systeme sprich Holarchien 46 . Im Rahmen der Holarchien sind zunächst die beiden Begriffe Tiefe/Höhe und Spanne einzuführen. Der Begriff Tiefe/Höhe bezieht sich auf die Position in der Kette, komplexere Holone haben hiernach eine größere Tiefe/Höhe als die Holone, aus denen sie bestehen. Da es von den komplexeren Holonen jedoch weniger geben kann als von den Holonen, aus denen sie bestehen, ist ihre Anzahl und somit auch ihre Spanne kleiner. Somit lässt sich festhalten, dass die Tiefe/Höhe eines Holons mit zunehmender Komplexität zunimmt, während seine Spanne abnimmt 47 .
Es lässt sich ein weiterer Zusammenhang aufzeigen; lösen sich die Holone (z. B. Moleküle), aus denen ein Holon einer höheren Ebene besteht (z. B. Zelle), auf, so kann auch dieses Holon ± und die noch höheren Holone ± nicht länger existieren, löst sich hingegen das Holon der höheren Ebene (Zelle) auf, so existieren die Holone der niedrigeren Ebene (Moleküle) weiter fort. Wilber sagt daher, dass die Holone der höheren Ebene bedeutender, die Holone der niedrigeren Ebenen hingegen grundlegender sind 48 .
Höhere Ebenen der Evolution umfassen stets ihre niedrigeren Ebenen. Mit der beispielhaften Darstellung dieses Zusammenhangs sollen zudem einige weitere von Wilber durchgehend verwendete Begriffe eingeführt werden. So teilt Wilber die Evolution in drei große Bereiche bzw. Domänen ein, womit er einer auch von Laszlo, Jantsch und Murphy 49 vorgenommen Dreiteilung folgt. Diese drei Ebenen bezeichnet Wilber als Physiosphäre, Biosphäre und Noosphäre 50 und betont, dass diese Ebenen in inneren Wechselbeziehungen stehen und zusammen eine Große
45 Wilber, Eros, Kosmos, Logos, S. 63ff. (zweite der 20 Grundaussagen).
46 Vgl. Wilber, Eros, Kosmos, Logos, S. 42ff., S. 74ff. (Grundaussage 4).
47 Vgl. Wilber, Eros, Kosmos, Logos, S. 83ff. (Grundaussagen 7 & 8).
48 Vgl. Wilber, Eros, Kosmos, Logos, S. 88ff. (Grundaussage 9).
49 * 1930 in Salinas, Kalifornien ist Mitbegründer des Esalen-Instituts.
50 Bei Laszlo finden sich die Begriffe: materiell, biologisch und historisch; bei Jantsch: kosmisch, biosozial und sozio-
kulturell; bei Murphy: physikalisch, biologisch und psychisch; als allgemeinverständliche Varianten nennt Wilber auch
die Begriffe: Materie, Leben und Geist.
Arbeit zitieren:
Michael P. Wurst, 2009, Spiral Dynamics und AQAL in der Mediation, München, GRIN Verlag GmbH
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