A.) Feindbild als Begriff......................................................................................................1 B) Definitionsversuche: Vorurteil, Stereotyp, Feindbild ......................................................2
a) Das Vorurteil ...............................................................................................................2
b) Stereotyp .....................................................................................................................3
c) Feindbild......................................................................................................................5
A) Entstehung von Feindbildern ..........................................................................................6 B) Konstruktion von Feindbildern .......................................................................................8 C) Warum werden Feindbilder eingesetzt? ........................................................................10 D) Beispiele für Feindbilder im politischen Diskurs Italiens ..............................................10 ! "
A) Sprache und Feindbild..................................................................................................15 B) Der Diskurs der Differenz entsteht - Gruppenbildung und Wir-Diskurs ........................16
a) Kategorisierung und Evaluierung ...............................................................................16
b) Wir-Diskurs ...............................................................................................................16 C) Argumentationsstrategien und -techniken .....................................................................18
a) Beispiele: Strategien der Verantwortungs- bzw. Schuldzuschreibung .........................18
b) Beispiele: Techniken der Argumentation: Verantwortungs- bzw. Schuldleugnung .....19
D) Umsetzung der Strategien.............................................................................................21 # $ % & ' %(
In vorliegender Arbeit habe ich versucht dem Phänomen Feindbild auf die Spur zu kommen. Die zentrale Frage dieser Arbeit lautet: Was ist ein Feindbild und in Zusammenhang damit wie entsteht es, wie, wo und warum wird es eingesetzt und in weiterer Folge wie kann es abgebaut werden?
Zunächst wird mittels einer inhaltlichen Analyse versucht den Begriff Feindbild genauer zu definieren, im Anschluss daran erfolgt ein Diskurs über die Entstehung des Feindbildes, wie wird es konstruiert und aus welchen Gründen wird es überhaupt eingesetzt. Nächster Punkt bildet eine rhetorische Analyse, in der die sprachliche Umsetzung des Feindbildes anhand konkreter Beispiele untersucht wird. Das letzte Kapitel meiner Arbeit befasst sich schließlich mit dem Prozess des erfolgreichen Abbaus von Feindbildern.
Vor Jahren verpönt, ist das Wort Feindbild heute in der Politik und in den Medien im ständigen Gebrauch. Bei genauerer Betrachtung wird allerdings deutlich, dass in der Regel unter dem Wort Feindbild nicht immer dasselbe verstanden wird.
Am Beginn meiner Arbeit muss also der Versuch einer Definition des Begriffes Feindbild stehen. Kurz und bündig urteilte Alexander Solschenizyn über die Ursachen von Hass und Feindbild: „Die Menschen vergaßen Gott, daher kommt alles“. 1
Zunehmend beschäftigt sich die Wissenschaft mit dem Bild, das sich zwischen die Menschen schiebt. So kommt Hans Dieckmann bei dem Versuch, historische Bezüge der psychologischen Analyse zu unterwerfen, zu der Folgerung:
1 Wagenlehner 1989, S. 6
„Unter Feindbild verstehen wir nicht den Feind oder den Gegner selbst, sondern etwas Drittes, das sich zwischen ihn und uns selbst schiebt, ein Bild, das sich wie alle Bilder aus einer ganzen Anzahl von Komponenten zusammensetzt, die mit dem eigentlichen Objekt oft sehr wenig oder kaum etwas zu tun haben.“ 2
In einem Lehr- und Arbeitsbuch „Politik“ heißt es zum Feindbild: „Das feindliche System erscheint als das Böse schlechthin, es dient als plausible Erklärung und Rechtfertigung für die Missstände in der eigenen Gesellschaft und als Vorwand für die Unterdrückung von Kritik und Opposition. Informationen vom Gegner werden unter diesen Voraussetzungen nur verzerrt wahrgenommen und so ausgewählt, dass sie das Vorurteil, das ‚Feindbild’ bestätigen .... eine angemessene Erkenntnis der politischen Realität wird verhindert, die Lernfähigkeit eingeschränkt ... 3 .
Um die Begriffsverwirrung von Vorurteil, Stereotyp und Feindbild aufzulösen und um die Begriffe zu präzisieren, möchte ich im folgenden versuchen eine Definition dieser Termini zu geben.
Der Begriff Vorurteil beinhaltet alles, was einem Urteil vorhergeht und nicht schon als Hypothese artikuliert worden ist, also eine Kategorie des Denkens, vorgegebene Klassifizierungen und Bedeutungsinhalte, die unsere Sprache aufbewahrt und an Heranwachsende abgibt. Vorurteile zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine vorläufigen Urteile sind, die korrigierbar wären, oder Setzungen, von der Tradition als Sprache über uns verhängt, sondern „im voraus erfolgte Aburteilungen bei praktischem Ausfall intellektueller Kontrolle“ 4 . Nach Ginsberg 5 lassen sich folgende Phänomene der Vorurteilsforschung festmachen:
Meinungen und Überzeugungen, die ohne Prüfung oder sorgfältige Überlegung gebildet und ohne jede Kritik angenommen werden, wo Zweifel oder Kritik vernünftigerweise erwartet werden könnten.
2 Wagenlehner 1989, S.6
3 Sutor 1979, S. 485
4 Brückner 1983, S. 38
5 Brückner 1983, S. 38
%
Überzeugungen oder Ansichten, die von logisch irrelevanten Impulsen, Gefühlen, Emotionen, Stimmungen oder Komplexen beeinflusst werden. Günstige oder nicht günstige Einstellungen zu Personen oder Dingen, die nicht auf Erfahrung oder Kenntnis ihrer Qualitäten beruhen oder die bereits geformt wurden, ehe eine solche Erfahrung oder Kenntnis gegeben war.
Vorurteile helfen auf vielfältige Weise, Orientierung und Bedingungen für das Überleben in der Welt, dem „Überraschungsfeld unvorhersehbarer Struktur“ 6 , zu finden. Kinder lernen dies bereits durch die schon in Sprache und Zeichen vorgegebenen Vor-Urteile und Traditionen, während Erwachsene das Verstehen von Neuem durch Reduzieren auf bereits Vertrautes und Gewohntes bzw. Gelerntes bewerkstelligen; d.h. das vorhandene System von Vorurteilen ermöglicht eine zwar stark vereinfachende, aber praktisch unzureichende Gewissheit und Bewältigung.
Nach Brückner konstruiert sich unsere Sicht der Dinge weniger aus Primärerfahrungen, sondern aus zweiter oder dritter Hand. Betrachtet man unsere Lebenswelt -Politik, Wirtschaft, Soziales - so scheint sie immer weniger einsichtig. Dennoch äußern wir uns, wählen wir und gleichzeitig überblicken wir die wirklichen Zusammenhänge, deren globaler Zusammenhang auch das Schicksal des einzelnen Individuums entscheidet und beeinflusst, nur in kleinen Ausschnitten, in der Reduktion. Daraus kann man folgern, dass es nicht weiter verwundert, dass unsere Welt in starkem Maß von Gepflogenheiten, Meinungen, Urteilen und Wertmustern besetzt ist, die wir nicht selbst erzeugen bzw. haben, sondern die von außen kommen und deren Quelle hauptsächlich das Meinen von anderen ist.
Einer der wichtigsten Vorurteils-Komplexe ist der des sozialen Vorurteil, des Stereotyps. Es beinhaltet eine Schablone von Feindschaft/Gegnerschaft in zwischenmenschlichen Beziehungen, die gegen eine ganze Gruppe oder deren individuelle Mitglieder gerichtet ist. Das Stereotyp erfüllt eine spezifische, irrationale Funktion für seine Träger 7 . Auffallend ist hier, dass das einzelne Individuum nur als Teil des Ganzen auftritt, als ein Glied einer Gruppe.
6 Brückner 1983, S. 35
7 Brückner 1983, S. 38f.
(
Stereotype lassen sich unterscheiden in:
Heterostereotypen: hier beziehen sich die Ansichten/Vorurteile auf eine fremde
Autostereotypen: hier beziehen sich die Ansichten/Vorurteile auf die eigene Gruppe.
Eine der ersten Definitionen des Terminus Stereotyp stammt von Walter Lippmann, der sie als „vom Vor-Urteil bestimmte Vereinfachung der Weltsicht, gängige Modelle und Schemata mit oft emotivem Gehalt, die der raschen Orientierung dienen und als Abwehrmechanismus gegen ungewisse, ungewohnte und unangenehme Informationen wirken“, definierte 8 . Beinahe überflüssig zu sagen, dass soziale Vorurteile Urteile über Gruppen bzw. Menschen enthalten, deren „Erfahrungsgrundlage von peinlicher Spärlichkeit“ 9 ist.
Die Wichtigkeit des Stereotyps liegt einerseits in der Orientierungsfunktion, andererseits aber, insbesondere beim Heterostereotyp, in der Stärkung der eigenen Gruppe und in der Offenlegung des Verhältnisses der eigenen Gruppe zur fremden Gruppe. So liegt der Nutzen sozialer Vorurteile darin, die Wertschätzung der eigenen Gruppe zu erhöhen, damit soziale Stabilität und Zusammenhalt zu gewinnen und den Angehörigen der fremden Gruppe einen sozial niedrigeren Status zuzuweisen.
Man sollte meinen, dass es bei Stereotypen einen Zusammenhang zwischen Vorurteilen und faktischem Wissen gibt. So verweist Brückner auf Untersuchungen, die ergaben, dass „die subjektiven, nicht sachlichen Bestandteile in Urteilen und Einstellungen zu bestimmten Gegenständen anwachsen, wenn die Anzahl der verfügbaren objektiven Informationen über den Gegenstand abnimmt“ 10 . Zum anderen hängt unsere Wahrnehmung von Filtern ab, die wir selbst in diverse Situationen einbringen. Wahrnehmung ist wie das Erinnern selektiv und so verhalten sich auch die Vorurteile als selektive Filter. Verdeutlichen kann man das am Beispiel eines Reisenden: er sieht nicht das, was er in fremden Ländern vorfinden könnte, sondern das, was er erwartet, und diese seine Erwartungen werden von Vorurteilen bestimmt. Auch bei der ganz normalen Wahrnehmung gehen wir so vor: wir beachten zu oft nur solche Vorgänge und Geschehnisse, die unseren Interessen, Einstellungen und Werthal-
8 Lippmann1964, zitiert nach Schulz, S. 9.
9 ebda, S. 40
10 Brückner, S. 42
.
Arbeit zitieren:
Jessica Cathérine Lacha, 2001, Instrumentalisierung von Feindbildern, München, GRIN Verlag GmbH
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