Modelle zum Entscheiden unter Risiko mit Seitenblick auf Geschlechtsunterschiede im Entscheidungsverhalten
Abstract: Im folgenden Artikel werden, unter der Perspektive des
informationsverarbeitenden Ansatzes, Modelle über das Entscheiden unter Risiko im Zusammenhang mit Geschlechtsunterschieden beleuchtet. Im allgemeinen Kontext besteht die Auffassung Frauen würden weniger risikofreudig entscheiden als Männer. Obwohl diese Auffassung von zahlreichen Studien belegt werden konnte, verschwindet der Unterschied wenn man die unterschiedlichen Kombinationen von Faktoren und Kontexten, die das Entscheidungsverhalten beeinflussen, berücksichtigt. Nach einer Einführung in den Gegenstandsbereich werden die Subjektiv Expected Utility –Theory. die Rank Dependent Utility-Theory, die Prospect-Theory, die Dissapointment-Theory und die Regret –Theory näher beleuchtet und mit Geschlechtsunterschieden im Entscheidungsverhalten in Zusammenhang gebracht.
1. Gegenstandsbereich Entscheiden
Entscheiden kann durch einen informationstheoretischen Ansatz definiert werden, der den Mensch als informationsverarbeitendes System beschreibt. Entscheiden wird als eine kognitive Funktion gesehen werden, stellt einen zielgerichteten, nach Regeln operierenden Prozess dar.
Die Entscheidung besteht darin, eine von mehreren Optionen auszuwählen. Jungermann, Pfister, & Fischer (2005) sprechen von „einem Prozess der vergleichenden Beurteilung und Wahl.“ Die Wahl einer Option führt zu einer Konsequenz. Oft wählt man nicht die Option an sich, sondern die Konsequenz die auf die Option folgt.
Optionen können Objekte sein (z.B. welche Automarke bei der Anschaffung eines neuen Autos), Handlungen (z.B. Einführung eines neuen Studiensystems vs. das bisherige System beibehalten), Regeln (z.B. wird eine Entscheidung intuitiv getroffen vs. wird eine Situation genauer geprüft, unter Einbezug von Beratung und Evaluation) oder Strategien (z.B.
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Auswahl von Studienanfängern durch Aufnahmeprüfung vs. Knock-Out Prüfungen während der Studieneingangsphase) .
Externe Ereignisse (z.B. die Anmeldezahl von Studienanwärtern) und Interne Ereignisse ( z.B. Motiv nur die Personen mit dem höchsten Intelligenzquotienten für ein Studium auszuwählen ) beeinflussen die Wahl von Optionen (z.B. ob und für welches Auswahlverfahren man sich entscheidet) Ein bei der Entscheidung verfolgtes Ziel grenzt die unendliche Menge an Optionen ein. Beispielsweise wird das Ziel t, an der Universität Wien nur die kompetentesten Studienabsolventen der Psychologie auszubilden, verfolg, was die unendliche Menge an Optionen zu möglichen Optionen ( Anzahl der zugelassenen Studenten, Aufnahmeklausur, Studieneingangsphase, Themenbereich) eingrenzt.
Gründe für eine Optionswahl stimmen nicht zwingend mit den Zielen und der Wertigkeit der Konsequenzen überein. So kann jemand das Ziel verfolgend nur die kompetentesten Studienabsolventen auszubilden, der Grund für die Wahl einer Studieneingangsphase kann jedoch sein , dass auf Grund der großen Menge an Studienanfänger nicht genügend Ressourcen zur Verfügung stehen um jeden Studienanwärter aufzunehmen , gleichzeitig das Gesetz eine Mindestanzahl an Studienanfängern vorschreibt und dadurch trotz der Studieneingangsphase eine optimale Ausbildung mit ausreichend Ressourcen nicht möglich ist ( Jungermann, Pfister, & Fischer, 2005).
1.1 Entscheiden unter Unsicherheit
Vom Entscheiden unter Unsicherheit spricht man, wenn die Konsequenz, die auf eine gewählte Option folgen soll, nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden kann. Mit dieser Art von Entscheidungen beschäftigen sich die Subjektiv Expected Utility- Theory(SEU – Theory), die Rank Dependent Expected-Utility Theory, die Prospect Theory und die Security Potential /Aspiration Theory .
1.2 Geschlechtsunterschiede beim Entscheiden unter Risiko
Im allgemeinen Kontext werden Frauen als weniger risikofreudig bezeichnet als Männer. Diese Auffassung wird von zahlreichen Studien unterstützt ( Levin et al., 1988; Johnson und Powell, 1994; Powell und Ansic, 1997; Powell und Ansic, 1999). Unter bestimmten
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Gesichtspunkten konnte dieser Unterschied allerdings widerlegt werden (Johnson und Powell, 1994; Schubert et al., 1999).
Das Entscheidungsverhalten ist von zahlreichen Faktoren und Kontexten abhängig. Die Frage ob sich Frauen weniger risikofreudig verhalten als Männer wird auf Grund unterschiedlicher Kombinationen von Faktoren und Kontexten und in Anlehnung an unterschiedliche Entscheidungsmodelle auch unterschiedlich beantwortet. Zum Beispiel konnte gezeigt werden, dass Geschlechtsunterschiede verschwinden, wenn es sich um Entscheidungsprobleme handelt, die ein hohes Maß an Vertrautheit aufweisen (Johnson und Powell, 1994).
Allgemeine Übereinstimmung besteht in der Annahme, die sagt, dass Männer ein höheres Selbstvertrauen im Entscheidungsverhalten unter Risiko zeigen als Frauen (Estes und Hosseini, 1988; Stinerock et al., 1991; Zinkhan und Karnade, 1991; Beyer und Bowden,1997). Dieses Phänomen wurde jedoch mehrfach auf den Grad der Mehrdeutigkeit, der Präsentation der Wahrscheinlichkeiten im Entscheidungsproblem, zurückgeführt ( Powell und Ansic, 1999).
2. Subjektiv Expected Utility Theory
Die Subjektiv Expected Utility –Theory (Edwards, 1954) geht von der Maximierung des subjektiven Nutzens aus, d.h. es wird jene Option gewählt, von deren Konsequenz am meisten Nutzen erwartet wird.
Der Nutzenwert einer Option ist die Summe der Nutzenwerte der einzelnen möglichen Konsequenzen gewichtet mit den Wahrscheinlichkeiten ihres Eintretens ( Savage, 1954).
SEU = Summe pj* uj
uj= Nutzen der Konsequenz j
pj = Wahrscheinlichkeit des Eintretens der Konsequenz j
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Beispielsweise steht Student A vor der Wahl ein unattraktives Jobangebot anzunehmen um die Miete für seine Wohnung bezahlen zu können.
Folgende Handlungsalternativen stehen ihm zur Verfügung: H1: unattraktives Jobangebot nicht annehmen und dafür mehr Zeit ins Studium investieren H2: unattraktives Jobangebot annehmen und dafür weniger Zeit ins Studium investieren Die Konsequenzen sind:
C1: in Wohngemeinschaft ziehen, wo Miete leistbar ist C2: Miete für ursprüngliche Wohnung zahlen können C3: Restriktion Die Nutzenwerte lauten, wie folgt:
U1: U (c1) = Nutzenwert für das Einziehen in eine Wohngemeinschaft = 7 U2: U (c2) = Nutzenwert für Miete für ursprüngliche Wohnung zahlen können = 8 U3: U (c3) = Nutzenwert für Restriktion = -3 Wahrscheinlichkeiten lauten, wie folgt:
P (11) = Wahrscheinlichkeit man nimmt unattraktiven Job nicht an und zieht in eine Wohngemeinschaft, wo Miete leistbar ist = 0,9 P ( 12) = Wahrscheinlichkeit man nimmt unattraktiven Job nicht an und kann die Miete für ursprüngliche Wohnung bezahlen = 0,5
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Barbara Scheibner, 1999, Modelle zum Entscheiden unter Risiko fokusiert auf Geschlechtsunterschiede im Entscheidungsverhalten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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