Vorwort:
Die Gesellschaft wird sich immer mehr zur Wissensgesellschaft entwickeln. Diese Aussage ist wohl unumstritten. Die Generation von morgen ist somit aufgefordert, sich für die zukünftigen Anforderungen zu rüsten. Die Verantwortung für diese Entwicklung tragen nicht nur die jungen Menschen und die Eltern, sondern auch die Gesellschaft. Der Grundstein für die erfolgreiche Zukunft wird zweifelsohne mit der Ausbildung der jungen Menschen gelegt. Wie weit können die Unternehmen diese Entwicklung bestmöglich unterstützen? Ist die Ausbildungsqualität in den Unternehmen ausreichend gesichert? Im Rahmen dieser Arbeit werden diese grundlegenden Gedanken auf die Praxis übertragen. In allen Unternehmen wird das Humankapital für die Wettbewerbsfähigkeit zur Voraussetzung. Nur durch höchsten qualitativen Anspruch an die Ausbildung ist der Bedarf an Fachkräften gesichert. Der Ansatz, bei den Unternehmen die Beurteilung im Ausbildungswesen einmal anders herum durchzuführen, ist ausgesprochen zukunftsweisend. Aktiv werden die angehenden Fachkräfte ihre Interessen vertreten. Sie werden sich stärker als je zuvor mit den Ausbildungsprozess identifizieren können.
In der vorliegenden Ausarbeitung wird auf die Beurteilung der Ausbilder, Ausbildungsbeauftragten und Ausbildungsabteilungen im kaufmännischen Bereich eingegangen. Die Beurteilung in gewerblichen, technischen oder anderen Bereichen sollte somit entsprechend angepasst werden.
Im Februar 2009
Die Beurteilung der Ausbilder und Ausbildungsbeauftragten
in der Praxis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Das Ausbildungs- und Beurteilungswesen. 2
2.1 Historischer Rückblick 2
2.2 Aktuelle Entwicklung. 2
2.3 Zukunftsvisionen. 4
3 Grundlagen der erfolgreichen Beurteilung 5
3.1 Pädagogik 5
3.2 Didaktik 5
4 Ziele der Beurteilung 6
4.1 Kompetenzentwicklung 6
4.2 Überprüfung der Ausbildung im Unternehmen 9
5 Auswirkungen auf das Ausbildungsverhältnis 10
5.1 Soft facts 10
5.1.1 Identifikation 10
5.1.2 Gerechtigkeitsempfinden 11
5.1.3 Vorbildfunktion 12
5.1.4 Motivation. 12
5.1.5 Führungsverhalten und Autorität. 14
5.2 Hard facts. 15
5.2.1 Qualitätssicherung bezüglich der internen Ausbildungsfaktoren. 15
5.2.2 Qualität der Ausbildung bezüglich der Ausbildungsleistung 18
6 Aufbau der Beurteilung 18
6.1 Einführung 18
6.2 Auswahl des Beurteilungsverfahrens 19
6.3 Gliederung der Beurteilung 20
6.3.1 Abteilung. 21
6.3.2 Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte. 22
6.3.3 Arbeitsmittel. 23
6.3.4 Arbeitsplatz 24
6.3.5 Gesamturteil, Vorschläge und Abschluss 24
7 Einführung der Beurteilung im Unternehmen. 25
7.1 Rechtlicher Aspekt 25
7.2 Dokumentenmanagement 26
7.3 Beurteilungsmodus. 26
7.4 Beurteilungsprozess. 26
7.4.1 Beobachten. 26
7.4.2 Dokumentieren 27
7.4.3 Beurteilen 27
7.4.4 Weiterleiten und Besprechen. 28
7.5 Kick-Off-Meeting. 28
7.6 Feedback-Veranstaltung und Informationsrückfluss 28
8 Mögliche Probleme der Beurteilung. 29
8.1 Grundlegende Beurteilungsfehler 29
8.2 Objektivität 31
8.3 Akzeptanz 31
9 Mögliche Maßnahmenableitung. 32
10 Ausblick und Diskussion 33
Anhang :
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Anlage 1: Praxisorientierter Vorschlag zum Beurteilungsbogen
Die Beurteilung der Ausbilder und Ausbildungsbeauftragten
in der Praxis
1 Einleitung
Das Ziel jeder Beurteilung ist es, die Kommunikation zwischen dem Beurteilten und dem Beurteiler zu verbessern. Die in vielen Unternehmen eingeführte Beurteilung der Auszubildenden gibt dem Auszubildenden allerdings selten die Gelegenheit, eine Gegendarstellung einfließen zu lassen. Bei dem Beurteilungsgespräch zeigen viele Auszubildende vermutlich aus psychologischen Gründen zu wenig Selbstvertrauen, um Schwachstellen oder eventuelle Probleme anzusprechen. Außerdem ist es für die Auszubildenden schwer, sich einem Ausbilder oder einem Ausbildungsverantwortlichen anzuvertrauen. Die Sorge, dass die Äußerung über mögliche Defizite sich negativ auf das Ausbildungsverhältnis auswirken könnte, ist in vielen Köpfen vorhanden. Deshalb wird eine Weiterentwicklung des Beurteilungswesens gefordert, um auch den Auszubildenden die Möglichkeit zu verschaffen, Probleme zu äußern, ohne mit eventuellen negativen Konsequenzen rechnen zu müssen. Das Ziel dieser Arbeit ist, alle beteiligten Personengruppen bei der Einführung der neuen Beurteilung der Ausbilder, Ausbildungsbeauftragten und Ausbildungsabteilungen aktiv zu unterstützen.
Die Aufwärtsbeurteilung wird noch nicht in allen Unternehmen angewandt wird. Allerdings ist die grundlegende Überlegung der Aufwärtsbeurteilung durchaus wichtig für den Lernprozess im Unternehmen, da es zur Verbesserung des Führungsverhaltens und der Zusammenarbeit führen kann.
Diese Arbeit richtet sich speziell nach den Anforderungen und organisatorischen Grundlagen der kaufmännischen Ausbildung.
Alle in der Arbeit verwendeten männlichen Sprachformen schließen Frauen mit ein.
1
2 Das Ausbildungs- und Beurteilungswesen
2.1 Historischer Rückblick
Die Berufsausbildung hat in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter reicht. Das Bildungssystem wurde damals von Klosterschulen und Zünften getragen. Jedoch war zu dieser Zeit die Bildung ein Privileg der Oberschicht. Der heute noch weit verbreitete Gedanke, dass die geistige Arbeit eine größere Attraktivität vorweist, findet hier seine Wurzeln. Seit Beginn des 19ten Jahrhunderts gibt es bereits erste Ansätze der dualen Ausbildung und somit zur Verzahnung von Theorie und Praxis. Die duale Berufsausbildung, so wie wir sie heute kennen, ist seit 1969 durch das Berufsbildungsgesetz geregelt.
In den 70er Jahren erlebte die Entwicklung der Beurteilungssysteme seinen Höhepunkt. Da die oft sehr standardisierten Verfahren der Beurteilungen zur Unzufriedenheit in vielen Unternehmen führten, wurden diese um Beurteilungsgespräche zwischen den Auszubildenden und deren Ausbilder erweitert. Zur Einführung von Beurteilungen der Ausbilder, Ausbildungsbeauftragten und Ausbildungsabteilungen liegen keine historischen Verweise vor. Die Qualifizierung der Ausbilder wurde erstmals in den 70er Jahren untersucht. Allerdings war bis in die 90er Jahre die Diskussion um die Qualität der Ausbildung nur auf einen kleinen Kreis von Spezialisten beschränkt.
Am 1.April 2005 ist das Berufsbildungsgesetz in neuer Fassung in Kraft getreten. Hier wird der Qualitätssicherung der dualen Berufsausbildung ein hoher Stellenwert eingeräumt. Außerdem ist das Ziel der Reform, die Chancengleichheit für alle jungen Menschen unabhängig von sozialer Herkunft sicherzustellen. Grundgedanke ist nicht zuletzt, die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland mit qualifizierten Fachkräften zu sichern.
2.2 Aktuelle Entwicklung
„Qualität muss oberstes Ziel betrieblicher Ausbildung sein“ (Ebbinghaus, 2007, S. 1). Solche Forderungen prägen die aktuelle Diskussion rund um die Berufsbildung. Der Fachkräftemangel, der derzeit in vielen Branchen existiert, bewegt die Unternehmen, die innerbetriebliche Bildungspolitik neu zu strukturieren. Nicht
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nur die Unternehmen selbst sehen den Handlungsbedarf. Vielmehr drängen Jugend- und Auszubildendenvertretungen von Unternehmen auf eine Neufassung der oft verstaubten Systeme. Auch die Finanzkrise, die viele Branchen getroffen hat, löst erneut Diskussionen über die betriebliche Aus- und Weiterbildungspolitik aus.
In Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit mit anderen Ländern zeigt sich Deutschland nicht von der besten Seite. Im Ranking bei verschiedenen Faktoren
bezüglich der Bildungspolitik mit den OECD-Ländern 1 liegt unser Land im unteren Bereich. Als Beispiel sei hier auf die PISA-Studie 2 verwiesen, mit der aufgezeigt werden soll, in wie weit die jungen Menschen die Fähigkeiten und Kenntnisse für die Beteiligung an der Gesellschaft erworben haben. Ein weiteres Problem der deutschen Bildungspolitik ist die Chancenungleichheit. Benachteiligt sind Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen und junge Menschen mit Migrationshintergrund. Schon im Berufsbildungsbericht des Bundesministerium für Bildung und Forschung (1999) wird festgehalten: „Die Aktivitäten von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sollten darauf gerichtet sein, Chancengleichheit in einem umfassenden Sinne zu ermöglichen.“ (S. 1). Trotz umfassender Maßnahmen ist dies bis heute nicht gelungen. Des Weiteren wurde durch die Bildungspolitik noch kein durchlässiges Bildungssystem erreicht. Bisher ist die duale Ausbildung von der Hochschulbildung mehr oder weniger abgeschottet. Es gilt, erfolgreiche Absolventen der dualen Ausbildung einen unkomplizierten und fairen Zugang zu den Hochschulen zu gewähren. Das Bildungswesen ist nicht für eine Zeit gerüstet, in der die Bedeutung von Wissen ohne Zweifel zunehmen wird.
Trotz allen Miseren der Politik sollten sich die Unternehmen ihrer Verantwortung bewusst sein: Die Bereiche Ausbildung und Weiterbildung müssen groß geschrieben werden. Durch stetige Verbesserungsprozesse kann die Qualität der Ausbildung aufrecht gehalten und weiterentwickelt werden. Nicht nur die Auszubildenden, sondern auch die Ausbilder und Ausbildungsbeauftragten sollen in regelmäßigen Abständen ein Feedback über ihre Leistung erhalten.
1 Organisation for Economic Co-Operation and Development
2 Programme for International Student Assessment
3
2.3 Zukunftsvisionen
Längst beweisen zahlreiche Studien, dass die deutsche Bevölkerung wird immer älter wird und die Geburtsraten über einen längeren Zeitraum stetig sinken.
Dieser Strukturwandel wird sich gravierend auf das Ausbildungswesen in Deutschland auswirken. Obwohl der Gedanke nahe liegt, zieht die Verschiebung der Bevölkerungsschichten nicht generell eine Verbesserung der Ausbildungsquote nach sich. Weit reichende Probleme auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, die tagtäglich auf die Bevölkerung prasseln, verhindern die positive Entwicklung. Es ist notwendig, dass junge Menschen in feste Ausbildungsverhältnisse untergebracht werden. Das Abstellen der jungen Menschen in Warteschleifen, die nicht entsprechend vermittelt werden können, kann sich das Land nicht mehr leisten. Viel zu oft landen diese jungen Menschen ohne verwertbare Qualifikation bei der Agentur für Arbeit. Trotz mannigfaltigen Versuchen der Politik liegt der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss seit Jahren bei 9-10%. Die Vermittlung in den Arbeitsmarkt ist bei diesen Schulabgängern mehr als problematisch.
Dem nationalen Pakt vom Jahre 2004 für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs von der Wirtschaft und der Bundesregierung gelang es nur in Teilbereichen, nachhaltig eine Trendwende bei der Ausbildungssituation zu erreichen. Im März 2007 wurde dieser Pakt für drei Jahre verlängert. Das hier enthaltene Förderprogramm Jobstarter des Bundesministeriums für Forschung und Bildung soll auch in den nächsten Jahren Ausbildungsplätze schaffen. Die Bildungspolitik muss in der Zukunft dafür Sorge tragen, dass allen Jugendlichen die gleichen Möglichkeiten der beruflichen Bildung offen stehen. Die soziale Herkunft oder womöglich die Bildung der Eltern dürfen nicht länger ein Hindernis für junge Menschen sein. Auch der Wandel zur Informations- und Wissensgesellschaft wird in den nächsten Jahren immer schneller fortschreiten. Jedoch macht es dar zunehmende Umfang an anzueignendem Wissen notwendig, lebenslang zu lernen. Neue Medien werden in der Zukunft das Lernen grundsätzlich verändern. Die umfassende Beurteilung der Beteiligten wird durch die gestiegenen Anforderungen künftig noch wichtiger.
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Arbeit zitieren:
Monika Dimpflmaier, 2009, Die Beurteilung der Ausbilder und Ausbildungsbeauftragten in der Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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