1
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II.1. Einordnung Xenophons und seines Werks 4
II.2. Rollen, Räume und Aufgaben der Ehefrau 7
II.3. Aufgaben des Kyrios im antiken Oikos 18
II.4. Xenophons Oikonomikos im Spiegel des Faktors Gender 21
III. Schlussbetrachtung 25
IV. Bibliographie 27
Im Rahmen dieser Hausarbeit soll ein aus dem vierten Jahrhundert vor Christus stammender Text, der Oikonomikos von Xenophon, in Bezug auf Rollen und Räume von Mann und Frau ausgewertet werden. Pomeroy hat den Oikonomikos vom Griechischen ins Englische übersetzt und diese Übersetzung bietet die Grundlage der vorliegenden Arbeit. 1 Sicherlich ist zu beachten, dass es tendenziell einer gewissen Vorsicht bedarf, wenn man mit Übersetzungen arbeitet, da bestimmte Wortbedeutungen in einer anderen Sprache nicht so präzise ausgedrückt werden können oder es durchaus sein kann, dass kein sprachliches Äquivalent vorhanden ist. Hinzu kommt, dass hier mit einer englischen Ausgabe gearbeitet werden wird und es daher wiederum zu Problemen im Textverständnis kommen kann. Da Pomeroy aber nicht nur eine überzeugende Übersetzung abgeliefert hat, sondern auch einen ausführlichen Kommentar zu Xenophons Oikonomikos, erschien es trotzdem sinnvoll, ihre Übersetzung im Rahmen dieser Arbeit zu verwenden.
Im ersten Kapitel des Hauptteils wird der Autor Xenophon und sein Werk Oikonomikos näher betrachtet, um zu erfahren um welche Art von Text es sich handelt, wie der Quellenwert einzuschätzen ist und welchen Bios der Autor hat. Nur so lässt sich die Autorintention im Vorfeld der eigentlichen Arbeit absichern und einschätzen. Diese ist wichtig, da jedes Werk durchzogen ist von persönlichen Einstellungen eines Autors. Jeder Historiker macht sich die Vergangenheit mittels Dokumenten einer anderen Zeit zugänglich:
For the historian who approaches his subjects through a documentary filter it is just as vital to come to terms with cognition and meaning, since the documents themselves are a product of the writers‘ perceptions and interpretations of their world from within their own culture. 2 Aus diesem Grund erscheint es sinnvoll, Vorüberlegungen zum Geschlechterverhältnis im Oikonomikos zu treffen, um dann im zweiten Kapitel dieser Arbeit mit der Analyse des Textes in Bezug auf die Rolle der Frau im antiken Oikos zu beginnen. Zentral für diese Beleuchtung sind die Kapitel III sowie VII bis X des Oikonomikos. Darauf aufbauend sollen die Pflichten des Kyrios Ischomachos nähere Betrachtung finden. Diese wird jedoch insgesamt kürzer ausfallen, da sein Rollenbild auf Grund der Quellenstruktur teilweise bereits im zweiten Kapitel mit charakterisiert werden wird.
1 Pomeroy, Oeconomicos, 1994.
2 Foxhall, Household, S. 23.
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Im letzen Teil der Arbeit werden die Erkenntnisse zu den Rollen und Räumen von Mann und Frau im Oikonomikos in den Spiegel der Gender Studies gestellt. Es soll untersucht werden, welchen gendertheoretischen Ansatz man in Xenophons Werk nachweisen kann und wie sich diese antike Einschätzung zu modernen Ansätzen verhält. Wichtig zu erwähnen ist zudem, dass diese Hausarbeit nicht die generelle Geschlechterdynamik im antiken Oikos beschreibt und analysiert; vielmehr beziehen sich die hier gemachten Thesen nahezu ausschließlich auf Xenophons Werk Oikonomikos. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Autor in seinem Werk ein Modell der geschlechtlichen Arbeitsteilung entwirft, welches modernen Ansichten zu Ehe und Haushalt widersprechen mag. Dieses wird dargestellt und mit Hilfe der Forschungsliteratur von Föllinger, Foxhall und Pomeroy interpretiert. Jedoch erscheint es insgesamt schwierig, einen Text aus dem vierten Jahrhundert vor Christus an heutigen Perspektiven und generellen Maßstäben zu messen. Diese Tatsache soll im folgenden ebenso Berücksichtigung finden.
Xenophons Oikonomikos lässt sich nicht eindeutig datieren; der Autor soll jedoch circa 430 vor Christus in Attika geboren worden und um 355 vor Christus verstorben sein. 3 Folglich muss diese Schrift irgendwann innerhalb seiner Lebenszeit entstanden sein, jedoch sollen die Hauptwerke Xenophons, zu denen sicherlich auch der Oikonomikos zählt, erst relativ spät entstanden sein 4 , wahrscheinlich in Skillus. Föllinger geht davon aus, dass das Werk aus dem ersten Drittel des vierten Jahrhunderts stamme, sich aber nicht näher datieren lasse. 5 Einige Daten und Fakten aus Xenophons Leben lassen sich an Hand der Darstellung des Diogenes Laertios nachvollziehen und mit Hilfe seiner Schriften abgleichen. Pomeroy ist der Überzeugung, dass eine Überprüfung auch durchaus notwendig sei, da viele antike Biographien unzuverlässig und naiv dargestellt seien, wozu man auch diese zählen müsse. 6 Der Athener Xenophon war Sohn des Gryllos und gehörte dem wohlhabenden Ritterstand an. 7 Das komplette Schaffen des Atheners soll laut dem Verzeichnis der antiken Schriften vollständig erhalten sein. 8 Im Jahr 401 nahm Xenophon am Zug gegen den Perserkönig Kyros teil- als unbeteiligter Beobachter. Nachdem er 394 auf Seite der Spartaner gegen die Boioter -Verbündete Athens- kämpfte, wurde er aus Athen verbannt. Jedoch ist der wahre Grund für den Ausschluss Xenophons aus Athen durchaus umstritten. 9 Jahre später hatte man seine Verbannung aus Athen aufgehoben, dennoch sei der Gelehrte in Korinth geblieben und nicht wieder nach Athen zurückgekehrt. 10
Seine Hauptwerke lassen sich in vier Kategorien einteilen: Historiographische, politischdidaktische, sokratische Schriften sowie Lehrschriften. Der Oikonomikos gehört zu den sokratischen Schriften. Darin wird vornehmlich die Privatökonomie und die Landwirtschaft besprochen. Gleich im ersten Teil der Schrift wird geklärt, worum es im folgenden gehen soll: Um die Oikonomia- die Lehre der Hauswirtschaft. Im Rahmen des sokratischen Dialoges zwischen Sokrates und dem Gutsbesitzer Kritobulos wird auch der richtige Umgang mit der Ehefrau sowie das richtige und angemessene Verhalten des Mannes thematisiert. So zum Beispiel, wovon ein Mann sich besser fernhielte und wie eine junge Ehefrau sich innerhalb
3 Nickel, Art. Oikonomikos, S. 591f.
4 Schütrumpf, Art. Xenophon aus Athen, Sp. 634.
5 Föllinger, Frau und Techne, S. 50.
6 Pomeroy, Oeconomicos, S. 1.
7 Schütrumpf, Art. Xenophon aus Athen, Sp. 633f.
8 Ibidem.
9 Ibidem.
10 Ibidem.
5
des Hauses betätigen sollte.
Ferner nimmt man an, dass der griechische Schriftsteller, Geschichtsschreiber und spätere Sokratiker sich um 410 dem Philosophen Sokrates angeschlossen habe. 11 So scheint es nicht verwunderlich, dass ein fiktiver Sokrates auch in den Lehrgesprächen des Oikonomikos auftritt. Diese philosophischen Gespräche sind folglich angeregt durch den Gelehrten Sokrates, den Xenophon nach eigenen Angaben persönlich kannte. 12 Man mag daher vermuten, dass die fiktionalen Figuren des Oikonomikos von realen Personen adaptiert sind. Xenophon beziehungsweise die Hauptfigur Sokrates sieht Frauen und Männer immer im Vergleich und betrachtet sie in der Regel nicht getrennt voneinander. Es sollte ferner Erwähnung finden, dass im Oikonomikos ein Idealfall beschrieben wird, der unter Umständen wenig mit den realen Begebenheiten der Guts- oder Landbesitzer zu tun hat. Bei Xenophons Werk Oikonimikos handelt es sich, wie bereits in diesem Kapitel erwähnt, um eine fiktionale Darstellung mit ebensolchen Charakteren: Im ersten Abschnitt wird ein Lehrgespräch zwischen Sokrates und Kritobulos in dialogischer Form wieder gegeben. Darauf folgt dann eine Unterhaltung zwischen Sokrates und dem gentleman Ischomachos, die aus der Retrospektive erzählt wird. Sowohl von der Nacherzählung dieses Gesprächs als auch vom Dialog selbst soll der Gutsbesitzer Kritobulos gute Lehre ziehen, um seinen Besitz zu vermehren und besser verwalten zu können als es- in den Augen Sokrates‘- bisher der Fall war. Sokrates stellt fest, dass er selbst bisher ausreichend Reichtümer angesammelt habe, wohingegen ihm Kritobulos zuweilen arm vorkäme: However, you, Critobulus, seem to me very poor, and, by Zeus, there are times when I greatly pity you. 13 Die Lehrfigur Sokrates analysiert im folgenden die Haushaltsführung des Kritobulos. In diesem Lehrgespräch geht es vornehmlich um die Vermehrung des eigenen Besitzes sowie um das Thema Ehe und darum, wie eine junge Frau von ihrem Ehemann angelernt werden sollte. Im zweiten Abschnitt, nämlich im Gespräch mit dem Edelmann Ischomachos, wird der richtige Umgang und die Anforderung an eine gute Ehefrau zunehmend konkretisiert und durch die Verwendung von Gleichnissen sollen die Thesen der Hauptfigur Unterstützung finden. Als Beispiel ist hier der Vergleich mit der Bienenkönigin 14 anzuführen, welcher im Kapitel II.2. noch ausführlich thematisiert werden wird. Der Mann, Ischomachos, führt die
11 Ibidem.
12 Ibidem.
13 Xen. oik. II, 2.
14 Xen oik. VII, 32.
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Parabel der Bienenkönigin ein, um seine junge Ehefrau davon zu überzeugen, dass es von entschiedener Wichtigkeit sei, im Haus die nötigen Arbeiten zu verrichten. Auch hier wird das Frage- und Antwortspiel, welches Xenophon dem gesamten Text angedeihen lässt, deutlich. Die Frau stellt Fragen zum besseren Verständnis, der Mann gibt die Antworten- allerdings zuhauf in verschlüsselter Form- mit dem Ziel, seine Gattin zum Mitdenken anzuregen: My wife asked, “ How does the work of the queen bee resemble that which I must perform?” 15 Ebenso wie lehrhafte Konzeptionen in der Gesprächsführung durchziehen auch sokratische Prinzipien den Text wie ein roter Faden, denn Sokrates gibt im Dialog mit Kritobulos zu verstehen, dass nur das als Besitz gilt, was jemand zu seinem Vorteil zu nutzen versteht: You appear to be saying, Socrates, that even money isn’t wealth unless a person knows how to use it. 16 Demnach ist deutlich, dass es Sokrates in erster Linie um den gewinnbringenden und effektiven Einsatz der eigenen Ressourcen geht, nicht aber um die Finanzierung schlechter Angewohnheiten, die den Charakter eines Mannes verderben lassen:
If, at any rate, someone were to use wealth to buy a hetaira, for example, and because of her he becomes worse in body, worse in soul, and worse in regard to his estate, how could money be beneficial to him in that case? 17
Es ist insgesamt auffällig, dass Sokrates, wie auch Ischomachos, in der Tat als lehrerhaft wirkende Figuren auftreten, die eher Fragen stellen als Antworten geben und den Sokrates- Schüler Kritobulos beziehungsweisedie junge Ehefrau des Edelmanns Ischomachos mit Gleichnissen zum Nachdenken anregen. 18
Die oben bereits erwähnten zwei Passagen beschäftigen sich eingehend mit der Rollenverteilung im antiken Oikos: Für diese Arbeit sollen daher Kapitel III (Unterhaltung mit Kritobulos) sowie Kapitel VII bis einschließlich Kapitel X des antiken Werkes, in denen das Gespräch zwischen Sokrates und Ischomachos wieder gegeben wird, im Zentrum der Betrachtung stehen. Im darauf folgenden Kapitel XI. werden die Aufgaben beziehungsweise der Tagesablauf des Mannes, in diesem Fall Ischomachos, geschildert. Dieses Kapitel wird dann im Abschnitt II.3. in Bezug auf die Fragestellung ausgewertet werden.
15 Xen. oik. VII, 32.
16 Xen. oik. I, 12.
17 Xen. oik. I, 13.
18 Xen. oik. III, 11.
Arbeit zitieren:
Anne-Catherine Steen, 2002, Rollen und Räume von Mann und Frau: Tätigkeitsfelder der Geschlechter in Xenophons "Oikonomikos", München, GRIN Verlag GmbH
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