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Die Quellen der Zeitungsartikel
Journalismus aus zweiter Hand?
Ein Vergleich der Süddeutschen Zeitung und des Münchner Merkurs
1 Einleitung. 2
2 Forschungsfrage 3
3 Anlagen zur Untersuchung 4
3.1 Methode. 4
3.2 Anmerkungen zu Grenzen und Gültigkeit der Methode. 6
3.3 Hinweise zur verwendeten Literatur. 7
4 Ergebnisse. 7
4.1.1 Quellenangaben der Zeitungsbeiträge 7
4.1.2 Quellenangaben in den Ressorts. 10
4.2 Agenturpräferenzen. 13
4.2.1 Agenturpräferenzen der SZ und des Münchner Merkurs 14
4.2.2 Agenturpräferenzen in den Ressorts. 15
5 Zusammenfassung und Fazit 17
6 Anhang: Tabellen 19
7 Literaturverzeichnis. 24
1 Einleitung
„Die Frage, auf welche Quellen sich die Medien stützen und welche Bezugsgruppen bei
der Medienkommunikation wirksam werden, hat schon früh die Neugier der
Kommunikationsforschung geweckt“ 1 Schon 1910 sprach Max Weber beim 1. Deutschen
Soziologentag von der „ Stoffbeschaffung’“ im Zeitungswesen, nachdem die
Nachrichtenagenturen bei Zeitungen vermehrt zu „ Journalismus aus zweiter Hand’“
1 Siegfried Weischenberg: Journalistik: Theorie und Praxis aktueller Medienkommunikation. Band 2:
Medientechnik , Medienfunktion, Medienakteure Opladen: Westdeutscher Verlag 1995 S 190
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geführt hatten 2 . Bis heute haben Nachrichtenagenturen als Informationslieferanten für Zeitungen und andere Massenmedien an Bedeutung hinzu gewonnen 3 . Denn ungefähr 800 bedruckte Zeitungsseiten 4 mit Agenturmeldungen erreichen eine große deutsche Tageszeitung täglich aufgrund moderner Technik, die zu noch schnellerer Übermittlung von noch umfangreicherem Textmaterial führt als damals 5 . Immerhin stehen in Deutschland fünf große Nachrichtenagenturen und weitere Spezialagenturen mit gesonderten Themengebieten für die Informationsbeschaffung zur Verfügung. Zusammen mit anderem Nachrichtenmaterial, wie z.B. Pressemitteilungen, sorgen die Agenturen also für eine regelrechte Informationsflut in den Zeitungsredaktionen 6 . Und es ist Aufgabe der Redakteure, die Masse von Informationen zu selektieren und zu bearbeiten. Dabei bleibt offen, inwieweit die eigene Recherchetätigkeit der Journalisten darunter zu leiden hat 7 oder gar gelähmt wird, wie Barbara Baerns behauptet: „Da Informationen ohnedies, mediengerecht, geliefert werden, fehlt es am »äußeren« Zwang, Motivation mit Sachkompetenz und Ressourcen auszustatten und in die Form von Handlungen zu übersetzen“ 8 .
Daher erscheint es mir aus Sicht der Nachrichtenforschung interessant zu untersuchen, wieviel „Fremdbeiträge“ zu Lasten der Beiträge, die von eigenen Journalisten geschrieben werden, nun tatsächlich in den Tageszeitungen abgedruckt werden. Die vorliegende Studie soll am Beispiel der Süddeutschen Zeitung und des Münchner Merkurs darüber Aufschluss geben.
2 Forschungsfrage
Aus den oben geschilderten Beweggründen wurde folgende Forschungsfrage ableitet, die Gegenstand der Untersuchung sein soll:
Woher beziehen die Süddeutsche Zeitung und der Münchner Merkur ihre Zeitungsbeiträge den eigenen Angaben zufolge und wie unterscheiden sie sich darin?
2 ebd.
3 ebd.
4 Vgl. Peter Zschunke: Agenturjournalismus. Nachrichtenschreiben im Sekundentakt. Konstanz: UVK
Medien 2000 (Reihe praktischer Journalismus; Band 12). S. 47
5 Vgl. Zschunke 2000. S. 42-48
6 Vgl. Mast, Claudia Mast (Hrsg.): ABC des Journalismus. Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit. Konstanz:
UVK Medien 2000 (Reihe praktischer Journalismus; Band 1). S.194-197
7 Vgl. Mast 2000. S. 207
8 Barbara Baerns: Öffentlichkeitsarbeit oder Journalismus? Zum Einfluß im Mediensystem. Köln: Nottbeck
1985. S.99
4
Es gilt demzufolge quantitativ zu erforschen, inwieweit sich die Süddeutsche Zeitung (SZ) als überregional verbreitete Qualitätszeitung und der Münchner Merkur als Lokalzeitung aufgrund ihrer jeweiligen Machart, ihrer Möglichkeiten und auch je nach Ressort unterscheiden und zwar hinsichtlich:
1. des Anteils der abgedruckten Agenturbeiträge (fremdbeschaffte Beiträge) bzw. der „Eigenen Berichte“ (von eigenen Journalisten verfasste Beiträge) und 2. der Verwendung verschiedener Nachrichtenagenturen.
Dabei liegt die Annahme zugrunde, dass die SZ aufgrund ihres größeren ökonomischen und personellen Hintergrunds, sowie höherer Reichweiten 9 mehr Möglichkeiten hat und als Qualitätszeitung auch größeren Wert darauf legt, mehr „Eigene Beiträge“ zu veröffentlichen als der Münchner Merkur. Eine geringe Anzahl von Agenturbeiträgen zugunsten mehr Eigener Berichte wird hier als Indikator für Leistung und Qualität gesehen 10 . Zum zweiten wird vermutet, dass die SZ für ihre fremdbeschafften Beiträge aus qualitativen und finanziellen Gründen mehr verschiedene Nachrichtenagenturen verwendet als der Münchner Merkur. Hier gilt die Nutzung mehrerer Agenturen als Qualitätsmerkmal, weil diese für publizistische Vielfalt sorgen 11 .
3 Anlagen zur Untersuchung
3.1 Methode
Der oben beschriebenen Fragestellung möchte ich im Folgenden in einer quantitativen Inhaltsanalyse nachgehen. Untersuchungsgegenstand dieser Analyse sind die Münchenausgabe der Süddeutschen Zeitung und der Münchner Merkur. Bei beiden handelt es sich um Abonnementzeitungen, die aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Auflagenhöhe, ihrer Verbreitung und Qualität verschiedene Merkmale aufweisen, die mir für die Untersuchung bzgl. der Fragestellung interessant erschienen. So gilt die SZ als überregional verbreitete
9 vgl. S. 3; 7
10 Es ist darauf hinzuweisen, dass Agenturartikel nicht unbedingt schlechter sein müssen als die Artikel der
Zeitungsjournalisten, schließlich sind auch Agenturen auf Qualität bedacht (vgl. Zschunke 2000. Kap.3). Auf
der anderen Seite können auch Eigenberichte der Zeitungen „nur“ fremdbeschafft sein, wenn z.B. kaum
veränderte Pressemitteilungen einfach abgedruckt werden (vgl. Studien von Baerns ´85, Saffarina ´93,
Donsbach/Wenzel 2002). In dieser Arbeit soll aber davon ausgegangen werden, dass sich die Zeitungen mit
Autorennamen statt Agenturkürzeln in der Byline der Zeitungsartikel schmücken wollen, weil sie darin selbst
ein Zeichen von Qualität sehen (vgl. Zschunke 2000. S.58).
11 Denn mehrere Agenturen liefern ein breiteres und differenzierteres Informations- und Meinungsangebot
und die Meldungen können miteinander bzgl. ihres Inhalts und ihrer Quellenangaben verglichen und
überprüft werden. Außerdem können die verschiedenen Akzente der Agenturen, sowie Spezialdienste
bestimmte Anforderungen einer Zeitung wohl besser befriedigen als nur eine Nachrichtenagentur allein. (vgl.
Zschunke 2000. S. 59,60 und Hansjoachim Höhne: Wenig Spielraum. In: journalist, Heft 4/1995. S.19-23)
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Qualitätszeitung (mit regionalem/lokalen Schwerpunkt) 12 und hat mit 547209 Exemplaren eine wesentlich höhere Auflage 13 als der lokal/regional verbreitete Münchner Merkur (Auflage: 309768). Als Stichprobe 14 dienten jeweils die drei Ausgaben der SZ und des Münchner Merkurs vom 19.2. bis zum 21.2.2003. Darin wurden folgende Ressorts mit den entsprechenden Seiten 15 in die Analyse aufgenommen:
Innerhalb dieser Ressorts wurden alle Artikel - gemeint sind alle thematisch abgegrenzten Beiträge 17 - auf ihre jeweilige Quellenangabe hin untersucht. Dazu wurde zuerst die Anzahl aller Beiträge erfasst. Anschließend wurden die Beiträge verschiedenen Kategorien zugeordnet. Die Kategorien entsprachen den spezifischen Quellenangaben der Beiträge, die sich aus der Kennzeichnung in der Kopfzeile (Byline) bzw. am Anfang oder am Ende eines Textes ergaben. Unterschieden wurden die Kategorien „Eigener Bericht“, „Agentur“, „2-3 Agenturen“, „ohne Angabe“ und „Sonstige“. Die Berichte, welche mit dem Autorennamen, dessen Kürzel oder dem Namen der Zeitung gekennzeichnet waren, wurden in die Kategorie „Eigener Bericht“ eingeteilt, diejenigen, welche mit dem Kürzel einer Nachrichtenagentur bzw. eines Pressedienstes versehen waren, in die Kategorien „Agentur“ oder „2-3 Agenturen“ (wenn zugleich 2 oder 3 Agenturen als Quelle angegeben waren). Die Fälle, die am Anfang oder Ende des Textes keine Quellenbezeichnung trugen,
12
Vgl. Hans-Bernd Brosius, Friederike Koschel: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung.
Eine Einführung. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2001. S. 169; Mast 2000. S. 19
13 Quelle: IVW, Quartal 4/2002
14 Die Stichprobenziehung unterlag wegen der eingeschränkten zeitlichen Möglichkeiten im Rahmen dieser
Hausarbeit nicht den wissenschaftlichen Kriterien einer Zufallsauswahl oder einer Quotenstichprobe.
15 Dabei wurde darauf geachtet, dass die Seiten beider Zeitungen im jeweiligen Ressort inhaltlich bzw.
thematisch übereinstimmen, um die späteren Ergebnisse nicht zu verzerren. So entspricht z.B. die Seite
„Weltspiegel“ des Merkurs thematisch den beiden Seiten „Themen aus dem Ausland“ und „Panorama“ in der
SZ, weshalb diese zum Ressort Ausland und Buntes zusammengefasst wurden. Die „Meinungen“, bei der SZ
als eigene Seite vertreten, sind beim Merkur als Unterrubrik auf der Politik-Seite untergebracht, usw.
16 Auf der 1. Seite wurden die Beiträge, die im Zeitungsinneren fortgesetzt wurden, nicht extra gezählt.
17 Die Begriffe „Artikel“, „Beitrag“, „Bericht“, und „Text“ werden in dieser Arbeit synonym für alle Arten
journalistischer Darstellungsform verwendet, unter dem Begriff „Meldung“ ist in der Regel ein kürzerer
Beitrag zu verstehen.
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wurden der Kategorie „ohne Angabe“ 18 zugeordnet. In die Kategorie „Sonstige“ kam jeder Beitrag, dessen Kürzel weder als das eines Autoren noch als das einer Nachrichtenagentur identifiziert werden konnte 19 . Die Beiträge, die zugleich auf einen Zeitungsjournalisten und eine Agentur zurückgingen (von eigenen Journalisten ergänzte Agenturmeldungen), wurden mit je 0,5 Bewertungspunkten beiden Kategorien zugeteilt. In einem weiteren Schritt wurden alle Beiträge auf Zeilenebene gebracht, indem die Zeilen der Beiträge ausgezählt wurden. Dies schien erforderlich, um eventuelle Unterschiede im Umfang der kategorisierten Beiträge feststellen zu können.
Für den zweiten Teil der Analyse, in dem die Nutzung der Nachrichtenagenturen genauer untersucht werden sollte, wurden die Beiträge, die mit dem Kürzel einer Nachrichtenagentur gekennzeichnet waren, den verschiedenen Agenturen dpa, AP, Reuters, AFP, sid und KNA zugeordnet.
3.2 Anmerkungen zu Grenzen und Gültigkeit der Methode
Inwieweit die angewandte Methode fähig ist Gültigkeit zu beanspruchen, kann nicht definitiv gesagt werden, da die Auswahl der Stichprobe willkürlich erfolgte und aufgrund des Untersuchungszeitraums von nur drei Tagen deren Repräsentativität bezweifelt werden darf. Wochentags oder saisonal bedingte Schwankungen bei der Anzahl gelieferter und abgedruckter Agenturmeldungen können nämlich nicht ausgeschlossen werden. Ein weiteres Problem stellen die schon erwähnten Kürzel dar, die nicht entschlüsselt werden konnten, weshalb der genaue Anteil der „Eigenen Berichte“ unklar bleibt. Auch kann nicht differenziert werden, inwieweit sich hinter den Autorennamen fest angestellte oder freie Mitarbeiter der Zeitungen verbergen. Diese Punkte können somit zu Schwierigkeiten bei der Interpretation der Ergebnisse führen. Außerdem kann anhand dieser Methode die Ehrlichkeit bei den Quellenangaben nicht überprüft werden. Dazu müssten die Zeitungsbeiträge und alle originalen Agenturmeldungen verglichen werden.
18 Diese Kategorie wird im Rahmen dieser Arbeit allerdings nicht näher betrachtet bzw. interpretiert. Sie
dient nur der Vollständigkeit und wird nur erwähnt, wenn sich deren Anzahl auf die Anteile der anderen
Kategorien auswirkt.
19 Auf Anfrage bei beiden betroffenen Zeitungsredaktionen, ob die Kürzel für diese Analyse entschlüsselt
werden könnten, gab nur (zumindest teilweise) der Münchner Merkur dieser Bitte nach. Alle von der
Redaktion entschlüsselten Kürzel gingen auf Autorennamen zurück. Es ist daher anzunehmen, dass auch bei
der SZ meist eigene Journalisten hinter den unbekannten Kürzeln stehen.
7
3.3 Hinweise zur verwendeten Literatur
Um die Ergebnisse der Untersuchung ergänzen und wissenschaftlich fundieren zu können, wurde unterstützend verschiedene Fachliteratur hinzugezogen. Die Kommunikationswissenschaftler Claudia Mast und Siegfried Weischenberg boten hierfür die Grundlage und gaben eine Einsicht in die journalistische Theorie und Praxis beim Nachrichten-„machen“. Einen Überblick über alle Nachrichtenagenturen aus wissenschaftlicher Perspektive lieferten die Bände von Jürgen Wilke und die darin enthaltenen Untersuchungen verschiedener Autoren, die sich mit den Strukturen der Agenturen, deren Nachrichtenproduktion sowie deren Verwendung und Bewertung durch Zeitungsredaktionen beschäftigen. Um auch die Sichtweise der Agenturjournalisten über die Rolle der Nachrichtendienste im Mediensystem zu berücksichtigen, wurde die Literatur von Peter Zschunke und Hansjoachim Höhne hinzugezogen. Desweiteren diente Christian Resing als Quelle für einige Nutzerdaten der Nachrichtenagenturen. Um die hier erzielten Ergebnisse vergleichen zu können, wäre es sicherlich von Vorteil gewesen, zusätzlich eine ähnlich aufgebaute Studie heranzuziehen. Eine solche konnte aber leider nicht gefunden werden.
4 Ergebnisse
4.1.1 Quellenangaben der Zeitungsbeiträge
In den untersuchten drei Ausgaben der Süddeutschen Zeitung wurden in den oben beschriebenen Ressorts insgesamt 554 Beiträge, verteilt auf 84 Seiten, veröffentlicht. Demgegenüber zählte der weniger umfangreiche Münchner Merkur 526 Beiträge auf 64 Seiten. 20
Von den insgesamt 554 Artikeln der Süddeutschen Zeitung waren der Angabe nach 53,4% von eigenen Journalisten ( Tab.1, 2). Weitere 22,6% aller Beiträge trugen Kürzel, die nicht entschlüsselt werden konnten, aber wahrscheinlich großteils ebenfalls SZ-Journalisten zuzuordnen sind. Mit 100 Beiträgen waren 18,1% aller Artikel mit dem Kürzel einer bzw. mehrerer Nachrichtenagenturen gekennzeichnet. Die letzten 6,0% der Berichte trugen keinerlei Quellenangabe am Anfang oder Ende des Textes. Betrachtet man die Beiträge auf Zeilenebene, schließt man also deren Umfang mit ein, ändert sich das eben dargestellte Bild erheblich. Denn während auf diese Weise sogar 75,8% der abgedruckten Zeilen auf Journalisten der SZ zurückgingen, verminderte sich
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Constanze Fuchs, 2003, Die Quellen der Zeitungsartikel. Journalismus aus zweiter Hand?, München, GRIN Verlag GmbH
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