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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 5
II. Die Bewaffneten Organe der DDR. 8
III. Wörterbuch. 10
Abteilung für Sicherheitsfragen im ZK der SED 10
Abschnittsbevollm ächtigter (ABV) 10
Antifaschistischer Schutzwall 11
Armeeangeh örige(r) (AA) 11
Armeesportvereinigung Vorwärts (ASV) 11
Asche. 12
Bausoldat (en) 12
Bereitschaftspolizei / Bereitschaften der Volkspolizei 12
Berufskader 13
Berufsoffizierbewerber (BOB) / Berufsunteroffizierbewerber (BUB) 13
Bewerberkollektiv für militärische Berufe. 13
Bezirk / Bezirkseinsatzleitung (BEL) 14
Deutsche Grenzpolizei (DGP) 14
Deutsches Rotes Kreuz der DDR (DRK) 15
Deutsche Volkspolizei (DVP) 16
Dienst -, Arbeits- und Lebensbedingungen (DALB) 17
Dienstgradgruppen in der NVA 17
Diensthabendes System der Luftverteidigung (DHS) 17
Diensthalbjahr (DHJ) 17
Einheit 17
EK -Bewegung 18
Entlassungskandidat (EK) 18
Erweiterte Oberschule (EOS) 18
Erziehung zum Hass. 19
F ähnrich (Fä) 19
Fluktuation 19
Freie Deutsche Jugend (FDJ) 20
Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB) 21
Freiwillige Helfer der Grenztruppen (FHG) 22
Freiwillige Helfer der Volkspolizei 22
2
Freiwilliges Reservistenkollektiv. 23
Freunde. 23
Gefechtsbereitschaft 23
Genosse 24
Gesellschaft für Sport und Technik (GST) 25
Gesellschaftlicher Mitarbeiter für Sicherheit (GMS) 26
Grenzregime der DDR 26
Grenztruppen (GT) 27
Grundwehrdienstleistender (GWDL) 29
Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) / Westgruppe der Truppen
(WGT) 29
Hauptabteilung I des MfS (HA I) 30
Hauptfeldwebel 31
Hinterland. 31
Inoffizieller Mitarbeiter des MfS (IM) 31
Kader 31
Kampfgruppen der Arbeiterklasse (auch Betriebskampfgruppen) 32
Kasernierte Volkspolizei (KVP) 32
Klassenauftrag. 34
Klassenfeind / Klassenkampf 34
Kommandant 35
Kommandeur. 35
Kontaktperson / Kontakttätigkeit (KKG) 35
Kontrolldurchlass (KDL) 35
Kreis / Kreiseinsatzleitung (KEL) 35
Landstreitkr äfte (LaSK) 36
Luftstreitkr äfte / Luftverteidigung (LSK / LV) 36
Medizinischer Punkt / Med. Punkt. 36
Milit ärbezirk (MB) 37
Milit ärhandelsorganisation (MHO) 37
Milit ärische Disziplin und Ordnung (MDO) 37
Militarismus / Militarisierung (nach DDR-Definition) 38
Milit ärpolitische Öffentlichkeitsarbeit (MPÖ) 38
Milit ärpolitisches Kabinett 39
3
Milit ärreform. 39
Ministerium für Abrüstung und Verteidigung (MfAV) 40
Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) 40
Ministerium für Staatssicherheit (MfS) 41
Ministerium für Volksbildung (MfVb) 44
Nachwuchsgewinnung 44
Nachwuchssicherung. 45
Nationale Volksarmee (NVA) 45
Nationaler Verteidigungsrat (NVR) 47
Negative Traditionspflege 48
Nomenklatur. 48
Nomenklaturkader. 49
Norm 49
Oberoffizier 49
Objekt 49
Ortsunterkunft (OU) 49
Park 49
Patenschaft 50
Pionierman över 50
Politische Hauptverwaltung (PHV) 51
Politisch Ideologische Diversion (PID) 52
Politische Untergrundtätigkeit (PUT) 52
Polytechnische Oberschule (POS) 52
Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) 53
Rat des Bezirkes (RdB) 53
Rat des Kreises (RdK) 53
Reservisten 53
Schwedt (an der Oder) 54
Sichtagitation. 55
Soldat (en) 55
Sozialistischer Wettbewerb 55
Sozialistische Persönlichkeit 56
Sozialistische Soldatenpersönlichkeit 56
Stabsoffizier (e) 57
4
System der sozialistischen Landesverteidigung. 57
Teilstreitkraft. 57
Traditionszimmer 58
Truppenteil 58
Unteroffizier auf Zeit (UaZ) / Soldat auf Zeit (SaZ) 58
Verband 58
Volkseigener Betrieb (VEB) 58
Volksmarine (VM) 59
Wachregiment Feliks E. Dzierzynski (WR) 59
Waffenbr üderschaft. 60
Waffengattung. 61
Wehrausbildungslager. 61
Wehrbezirkskommando (WBK) 61
Wehrerziehung , sozialistische Wehrerziehung (SWE) 61
Wehrkreiskommando (WKK) 62
Wehrkunde 62
Wehrpflicht. 62
Wehrunterricht 63
Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (ZK der SED) 63
Zivilverteidigung (ZV) 64
Abk ürzungsverzeichnis 66
Literaturverzeichnis. 69
Anhang und Bildteil 82
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I. Einleitung
Die DDR war nach bisherigem Forschungsstand die am meisten militarisierte Gesellschaft der Welt 1 . Daher ist ohne Kenntnis der Zusammenhänge und Strukturen der bewaffneten Organe des SED-Regimes auch das Gesamtgebilde DDR kaum zu verstehen oder gar zu vermitteln 2 . Zu sehr war die gesamte Gesellschaft von militärischen oder paramilitärischen Organen durchdrungen und von den Sicherheitsvorstellungen des SED-Regimes nach Innen und Außen bestimmt. Uniformen prägten das alltägliche Leben fast jeden DDR-Bürgers 3 . Dass das Wissen um diesen Charakterzug des DDR-Staates, ebenso wie über das System DDR an sich, immer mehr zu verblassen beginnt und kaum Informationen in Gestalt zuverlässiger Fakten hinzugewonnen werden, zeigte erst kürzlich eine Studie, die unter Jugendlichen im Alter von 16 bis 17 Jahren in vier verschiedenen Bundesländern im Osten und Westen Deutschlands durchgeführt wurde 4 . Dies ist einerseits in einer fehlenden Vermittlung durch die Schule begründet sowie besonders im Osten Deutschlands in der Weitergabe eines positiven, unkritischen DDR-Bildes durch Eltern und Verwandte. Zusätzlich wird die Geschichte der DDR in Schulbüchern nur am Rande behandelt, eine Darstellung ihrer militärischen und paramilitärischen Formationen fehlt völlig. Lediglich das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wird immer wieder thematisiert 5 .
Doch nicht nur unter Schülern ist das Wissen über die zweite deutsche Diktatur beschränkt oder lückenhaft, auch unter Studierenden ist dieser Fakt immer wieder festzustellen. Vor allem zum militärischen Apparat und der alle Lebensbereiche erfassenden und beeinflussenden Militarisierung fehlen vielen der Zugang und die Fakten 6 . Dies liegt nicht zuletzt daran, dass in für das Studium relevanten wissenschaftlichen Überblickswerken zur Geschichte der DDR die bewaffneten Organe kaum Berücksichtigung finden 7 . Selbst die großen paramilitärischen Organisationen wie die Kampfgruppen der Arbeiterklasse, die Zivilverteidigung oder die Gesellschaft für Sport und Technik werden übergangen. Häufig werden die bewaffneten Organe bzw. die Militarisierung in der DDR mit der NVA und den Grenztruppen gleichgesetzt 8 , eine
1 Ehlert/Wagner, Äußere Sicherheit und innere Ordnung, S. 150.
2 Bröckermann/Diedrich/Heinemann/Rogg/Wenzke, Die Zukunft der DDR-Militärgeschichte, S. 73.
3 Grimm, Zwangshemd, S. 9f.
4 Deutz-Schroeder/Schroeder, Soziales Paradies oder Stasi-Staat?.
5 Ebd., S. 134.
6 Erfahrungen des Autors als Teilnehmer am Haupt-/Masterseminar von Matthias Rogg »Einführung in die Militärgeschichte der DDR« im Wintersemester 2007/2008 an der Universität Potsdam, Historisches Institut.
7 Beispielhaft: Ihme-Tuchel, Die DDR; Bauerkämpfer, Sozialgeschichte der DDR; Heydemann, Die Innenpolitik der DDR.
8 Heydemann, Die Innenpolitik der DDR, S. 86f. Diese Abhandlung kommt ohne jegliche Erwähnung der Volkspolizei aus. Heydeman benutzt den Begriff sogar als Bezeichnung für KVP und setzt damit DVP und KVP
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die Realität auf fatale Weise verkürzende Sichtweise. Es scheint, als würde die Behandlung der militärischen Formationen in Staat und Gesellschaft der DDR sei es aus Scheu vor einer Auseinandersetzung mit ihr oder aus mangelndem Bewusstsein um ihre Bedeutung in erster Linie der amtlichen Militärgeschichtsschreibung und einigen wenigen »zivilen« Wissenschaftlern der universitären Forschung überlassen 9 . Eine Ausnahme bildet auch hier wieder das MfS, zu dem verschiedene Institutionen und Autoren eine Vielzahl von Veröffentlichungen vorgelegt haben 10 .
Obwohl, wie Heiner Bröckermann, Torsten Diedrich, Winfried Heineman, Matthias Rogg und Rüdiger Wenzke in einem Aufsatz darstellen 11 , Universitäten und Öffentlichkeit militärgeschichtlichen Themen zunehmend Interesse entgegen bringen, scheint die Randlage der DDR-Militärgeschichte bzw. der NVA-Forschung in der Bundesrepublik Deutschland, die Bruno Thoß Mitte der 90iger Jahre feststellte 12 , also noch immer nicht vollends überwunden. Militärgeschichtliche Aspekte und Themen werden nach wie vor nur vereinzelt in die Gesamtgeschichte der DDR eingebettet etwa in Darstellungen des Juniaufstandes 1953, des Mauerbaues 1961 oder des Prager Frühlings 1968 oder sie werden knapp unter dem weitgefassten Begriff Militarisierung der Gesellschaft abgehandelt. Diese Feststellung ist insofern überraschend, als gerade das »System der sozialistischen Landesverteidigung« sehr anschaulich den Versuch des SED-Regimes zeigt, sich über eine Vielzahl von Organisationen Zugriff auf die Bevölkerung zu verschaffen, diese zu indoktrinieren und nach den Machtinteressen der Partei zu steuern.
Wer sich ernsthaft mit dem Thema Militär und Gesellschaft in der DDR auseinandersetzen und sich zu diesem Zweck ein Minimum an Informationen über die wichtigsten Organisationen des SED- Staates aneignen möchte, stößt bereits im Bereich der Handbücher auf Grenzen. Zwar bieten die vorhanden Lexika und Wörterbücher nach wie vor wichtige Grundinformationen zum System DDR. Viele besitzen jedoch einen begrenzten Fokus, der die bewaffneten Organe, die militärischen und paramilitärischen Organisationen, lediglich oberflächlich oder lückenhaft behandelt. Zudem entsprechen die Publikationen mittlerweile in einigen Teilen nicht mehr dem aktuellen Stand der Forschung 13 . Zur Erläuterung von Begriffen aus dem
gleich. Dies ist höchst unverständlich da er sogar das Standardwerk (Diedrich/Wenzke, Die getarnte Armee) als Gesamtdarstellung angibt.
9 Siehe dazu die Veröffentlichungen des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) in Potsdam, vor allem die Reihe »Militärgeschichte der DDR«.
10 Siehe dazu: Gieseke, Die Geschichte der Staatssicherheit.
11 Bröckermann/Diedrich/Heinemann/Rogg/Wenzke, Die Zukunft der DDR-Militärgeschichte, S. 98.
12 Thoß, Einführung, S. 15.
13 Herbst/Ranke/Winkler, So funktionierte die DDR u. DDR-Handbuch. Auch die bekannte und vielgenutzte Online-Enzyklopädie Wikipedia kann keine Abhilfe schaffen, da ein Großteil der betreffenden Artikel schlecht recherchiert und häufig politisch und ideologisch tendenziös ist.
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»Kaderwelsch« 14 , der Sprache in Partei und Militär, steht bisher nur das Wörterbuch von Birgit Wolf zur Verfügung. Da ihm jedoch ein wissenschaftlicher Apparat fehlt und die Mehrzahl der Begriffe nicht belegt ist, ist es nur eingeschränkt zu Forschungs- und Studienzwecken nutzbar 15 . Zusätzlich liegt sein Schwerpunkt eher auf der Alltagssprache in der DDR, auch wenn der Sprachgebrauch der SED mit eingeschlossen ist 16 .
Diese Arbeit will den Anstoß dazu geben, die aufgezeigten Lücken in der wissenschaftlichen Literatur über Militär, Staat und Gesellschaft in der DDR zu schließen. Sie stellt eine ausgewählte Sammlung der wichtigsten Begriffe des Bereichs Militärgeschichte der DDR dar, soll eine erste Orientierung im Thema bieten und den Einstieg erleichtern. Gleichzeitig dient sie als Gedankenstütze für alle jene, die sich eingehend mit der Materie beschäftigen, um so die wichtigsten Daten und Zahlen aller mit der Militarisierung der Gesellschaft verbundenen Organisationen möglichst schnell zur Hand zu haben. Die einzelnen Artikel enthalten das Mindestmaß an Information und beschreiben in einem geschichtlichen Abriss die Entwicklung der Organisationen bzw. definieren Begrifflichkeiten aus der Partei-, Militär- oder Soldatensprache. Zum besseren Verständnis steht dem Lexikon ein kurzer Überblick über die bewaffneten Organe der DDR voran. Abgerundet wird die Arbeit durch eine Bibliographie, die die benutzte Literatur wiedergibt und alle relevanten Titel zu den jeweiligen Themen enthält. Diese repräsentieren in den meisten Fällen den derzeitig aktuellsten Stand der Forschung. Der Autor versteht diese Arbeit als Gegenentwurf zu der Masse an verschiedenen Wörterbüchern und Lexika, die in der DDR erschienen sind und die unter anderem als ideologischer Unterbau für die Wehrerziehung und Wehrhaftmachung der Bevölkerung dienten 17 .
14 Der Begriff wurde von Matthias Rogg übernommen. Vgl. dazu: Rogg, Armee des Volkes?, S. 65, 269 u. 338.
15 Wolf, Sprache in der DDR.
16 Ebd., S. VII-IX. Artikel mit militärischem Bezug sind oft fehler- und lückenhaft, vgl. dazu S. 88, 150.
17 Beispielhaft seien hier genannt: Militärlexikon; Berger/Wünsche, Jugendlexikon Militärwesen; Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte; Wörterbuch zur sozialistischen Jugendpolitik.
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II. Die Bewaffneten Organe der DDR
Der Militär- und Sicherheitsapparat der DDR verfügte neben der Nationalen Volksarmee (NVA) und den Grenztruppen (GT) über eine Vielzahl militärischer, militärisch organisierter oder paramilitärischer Organisationen, die alle mehr oder weniger offen zur Abwehr innerer und äußerer Feinde vorgesehen waren. Zu ihnen zählten die Einheiten des Ministeriums des Innern (MdI) Deutsche Volkpolizei (DVP), Bereitschaftspolizei, Transportpolizei (6 400 Angehörige) 18 und die Einheiten des Ministeriums für Staatssicherheit mit seinem militärischen Arm, dem Wachregiment »Felix Dzierzynski«, ebenso wie die Zollverwaltung der DDR (10 000 Angehörige) 19 . Ebenfalls zu den bewaffneten Organen zu zählen sind die paramilitärischen Kampfgruppen der Arbeiterklasse, da sie bereits in Friedenszeiten über Waffen verfügten. Als unterstützende bzw. entlastende Massenorganisationen gehörten zusätzlich die Zivilverteidigung (ZV), die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) und das Deutsche Rote Kreuz der DDR (DRK) zum Sicherheitsapparat des SED-Regimes. Teilweise waren diese Organisationen militärisch strukturiert und sollten im Konfliktfall nachgeordnete militärische Aufgaben, wie Sanitätsdienst, wahrnehmen. Alle genannten Organisationen waren Teil des »Systems der sozialistischen Landesverteidigung« 20 und dienten der Mobilisierung der Bevölkerung zur Sicherung der Machtinteressen der SED nach innen und außen. Insgesamt waren in den bewaffneten Organen der DDR über 430 000 Männer und Frauen als hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt, dazu kommen die hauptamtlichen Mitarbeiter der Mas-senorganisationen. Summa summarum ist davon auszugehen, dass rund zwei Millionen DDR-Bürger in irgendeiner Weise als mehr oder weniger freiwillige oder hauptamtliche Mitarbeiter in einer der militärischen, paramilitärischen oder das Militär unterstützende Organisationen eingebunden waren. Hinzu kommen noch die freiwilligen Helfer der Volkspolizei und der GT sowie die inoffiziellen Mitarbeiter des MfS, die aber aufgrund der nicht ganz eindeutigen gleichzeitigen Zuordnung zu einem der bewaffneten Organe in der Rechnung fehlen. Das bedeutet, dass gut ein Fünftel der 9 475 000 erwerbstätigen DDR-Bürger im Sicherheitsapparat der DDR erfasst war, mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung 21 . Zu berücksichtigen ist hier natürlich, dass in erster Linie die männliche Bevölkerung von dem umfassenden Versuch einer Militarisierung betroffen war, da nur auf sie die Wehrpflicht angewandt wurde. Mit dem DRK, dem Luftschutz und seiner Nachfolgeorganisation, der Zivilverteidi-
18 Mittmann,Die Transportpolizei, S. 547f (Stand 1990).
19 Suwalski, Die Entwicklung der Zollverwaltung, S. 590 (Stand 1990).
20 Siehe dazu: Diedrich/Ehlert/Wenzke, Die bewaffneten Organe, S. 1-67.
21 Rogg, Armee des Volkes?, S. 6f.
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gung, wurde dagegen explizit der weibliche Teil der Bevölkerung angesprochen. Diese Aufteilung hatte zwei Vorteile: Einerseits konnten so die Männer bevorzugt zum Dienst in den eigentlichen bewaffneten Organen herangezogen werden, sodass der Staat keine wehrfähigen, männlichen Bürger für unbewaffnete Unterstützungs- und Sanitätsdienste abstellen musste. Anderseits konnten aber auch die Frauen über den Einsatz bei ZV und DRK im Sinne der Staatspartei organisiert, indoktriniert und konditioniert werden 22 . Bei der Herausbildung und Entwicklung der bewaffneten Organe spielen die politischen und militärischen Krisen in der DDR eine herausragende Rolle. Die Jahre 1953, 1961 und 1968 sind die maßgeblichen Wegmarken in der Militärgeschichte der DDR 23 . Doch auch internationale Ereignisse und Krisen beeinflussten die Entwicklung. Dazu zählen etwa der Aufstand in Ungarn und die Suezkrise 1956 24 , der Sechs-Tage-Krieg im Nahen Osten 1967, die Solidarnosc-Bewegung in Polen 1980/81 und die Aufrüstungsphase zu Beginn der 80er Jahre 25 . All diese Ereignisse führten jeweils zu einem Wandel in der Sicherheitsarchitektur der DDR, der meist mit einer Verschärfung der Militarisierung und dem Ausbau der militärischen Macht einherging. Erst im Zuge des politischen und militärischen Reformkurses in der UdSSR unter Gorbaþev und dem damit einhergehenden Übergang zu einer neuen, defensiven Militärdoktrin innerhalb des Warschauer Paktes 1987 setzte zwangsweise auch in der DDR ein Umdenken ein, da u.a. das bisher propagierte Feindbild verloren ging. Der Wandel im sicherheitspolitischen System der DDR erfolgte langsam, Anfang 1989 wurde eine einseitige Truppenreduzierung verkündet 26 . Den Sturz des Regimes konnte dies jedoch nicht aufhalten. In der größten Krise des Regimes offenbarte sich im Herbst 1989 die innere Erosion des Sicherheitsapparates, der den Sturz der SED nicht aufhalten konnte 27 .
Mit dem Ende des SED-Regimes ab November 1989 kam auch das Ende seiner bewaffneten Organe. Ein Teil der Angehörigen, etwa der NVA, der GT und der DVP, wurde ab dem 3. Oktober 1990 in bewaffnete Organe der Bundesrepublik Deutschland übernommen.
22 Heitmann, Schützen und Helfen?, S. 274-279.
23 Bröckermann/Diedrich/Heinemann/Rogg/Wenzke, Die Zukunft der DDR-Militärgeschichte, S. 77; Vgl. dazu bezüglich der Wirkung des Volksaufstandes 1953 und des Mauerbaus 1961 auf die Sicherheitsarchitektur der DDR den Sammelband: Staatsgründung auf Raten?; Zu den Ereignissen 1968 und ihrer Wirkung: Wenzke, Die NVA und der Prager Frühling.
24 Siehe dazu: Diedrich/Wenzke, Mit »Zuckerbrot und Peitsche«.
25 Wenzke, Die Nationale Volksarmee, S. 487-489.
26 Siehe dazu: Diedrich/Ehlert/Wenzke, Die bewaffneten Organe, S. 24-59.
27 Görtemaker/Wenzke, Zwischen Konfrontation und Entspannung, S. 204f.
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III. Wörterbuch
Alle Begriffe in diesem Nachschlagewerk beziehen sich auf die Deutsche Demokratische Republik und den dazugehörigen Partei- und Staatsapparat, deshalb wurden Verweise darauf meist weggelassen. Abkürzungen, die im Verzeichnis nicht erläutert werden, sind im Abkürzungsverzeichnis aufgelistet. Die in den Artikeln zitierten Abbildungen (Abb.), Organigramme und Karten befinden sich im Anhang am Ende der Arbeit.
Abteilung für Sicherheitsfragen im ZK der SED (auch: Sicherheitsabteilung)
Spezielles Gremium innerhalb des Apparates des Æ ZK der SED, zur Durchsetzung der Politik und Beschlüsse der SED für die bewaffneten Organe. Es leitete und kontrollierte die armeeinternen Polit- und Parteiorgane und widmete sich fachlichen Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Innerhalb der Abteilung gab es Sektoren, die für die verschiedenen Organe zuständig waren (Nationale Verteidigung, Staatssicherheit, Ministerium des Innern, Sport und Technik / GST, Sport). Fast die gesamte Kommunikation zwischen dem Parteiapparat und dem Æ MfNV fand über die Leitung der Sicherheitsabteilung statt 28 . Eine der wichtigsten Aufgaben der Abteilung war seit 1971 die Besetzung der Æ Kader in den Sicherheits-organen. Sämtliche Entscheidungen über Beförderungen zum Oberst oder höher wurden hier getroffen 29 .
Abschnittsbevollmächtigter (ABV)
Angehöriger der Schutzpolizei der Æ Deutschen Volkspolizei (DVP) auf der untersten Hierarchieebene. Der ABV nahm in einem festgelegten Abschnitt mit durchschnittlich 4 000 Einwohnern eine Vielzahl vorbeugender, ordnungssichernder und polizeilicher Aufgaben wahr. Er sollte eine enge Bindung zwischen DVP und Bevölkerung herstellen und Informationen über alle wirtschaftlichen, politischen und sozialen Belange in seinem Abschnitt sammeln. Der ABV arbeitete dabei eng mit anderen regionalen Organisationen der Partei und mit Staatsorganen zusammen, um mit Hilfe der Æ freiwilligen Helfer der Volkspolizei nicht nur Ordnung und Sicherheit in seinem Abschnitt herzustellen, sondern zugleich zur Verwirkli-
28 Hagemann,Parteiherrschaft in der Nationalen Volksarmee, S. 24-27.
29 Fingerle, Waffen in Arbeiterhand, S. 15f.
11
chung der politischen Ziele der SED beizutragen 30 . Das ABV-System war ein wichtiges Mittel der sozialen Überwachung durch den Staat, dessen sich auch das Æ MfS bediente 31 .
Antifaschistischer Schutzwall
Propagandistisch-euphemistische Bezeichnung für die am 13. August 1961 errichtete Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze vonseiten des SED-Regimes (Æ Grenzregime). Der Begriff wurde Mitte der 60er Jahre eingeführt und als Gegenstück zu der als »feindlich« emp-fundenen Bezeichnung Mauer gesetzt. Damit versuchte die SED-Propaganda, den eigentlichen Grund für die Errichtung des »Schutzwalles« zu verschleiern, den zunehmenden Exodus der DDR-Bevölkerung in den Westen, und suggerierte das Bedrohungsbild eines bevorstehenden faschistisch-imperialistischen Angriffs durch die Bundesrepublik Deutschland und ihre westlichen Verbündeten 32 .
Armeeangehörige(r) (AA)
Alle aktiv in der Æ NVA dienenden Wehrpflichtigen, Æ Soldaten auf Zeit, Æ Unteroffiziere auf Zeit, Offiziere auf Zeit und Berufssoldaten. Die Angehörigen der Æ Grenztruppen hießen, unabhängig vom Dienstgrad »Angehörige der Grenztruppen« (AGT).
Armeesportvereinigung »Vorwärts« (ASV)
Militärsportorganisation der DDR, entstanden am 1. Oktober 1956 aus der militärsportlichen Vereinigung »Vorwärts« heraus, die im Zuge der verdeckten Aufrüstung bereits im November 1950 gegründet wurde. Die ASV war innerhalb der Æ NVA, der Æ GT und der Æ ZV zuständig für den Leistungs- und Freizeitsport und sollte für die »Stärkung der militärischen Kampfkollektive« sorgen. Die ASV war Mitglied des DTSB und unterwarf sich dessen Vorgaben und Weisungen. Zum Aufbau der ASV, dem die militärische Struktur zugrunde lag, gehörten die Armeesportklubs (ASK), in denen Leistungssportler von der Kindheit an gefördert wurden. Damit bildeten sie eine wichtige Stütze im System des DDR-Leistungssports. Die bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften erzielten sportlichen Erfolge der ASV sind jedoch teilweise auf den massiven Einsatz von Doping zurückzuführen. Beinahe jeder Standort der NVA verfügte über einen ASV 33 .
Mitglieder: 244 300, davon 32 200 Kinder und Jugendliche (Stand Ende der 80er Jahre).
30 Lindenberger, Der ABV als Landwirt, S. 169f; ders., Die Deutsche Volkspolizei, S. 115-117.
31 Marquardt, Menschenrechtsverletzungen durch die Deutsche Volkspolizei, S. 661f.
32 Herbst/Ranke/Winkler, So funktionierte die DDR, Bd. 2, S. 890.
33 Balbier, Kampf um Gold, S. 19-21; Rogg, Armee des Volkes?, S. 96; So funktionierte die DDR, Bd. 1, S. 81; Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte, S. 30f.
12
Asche
In der Soldatensprache der DDR häufig benutzter, allgemeiner Begriff für das Militär bzw. den Wehrdienst. Im Sinne von zur Asche gehen benutzt. Ähnlich verwendet wurde der Begriff Fahne. Meist bezogen auf die NVA und die GT. (Synonym mit Barras für die Bundeswehr) 34
Bausoldat(en)
Wehrpflichtige, die aus religiöser, politischer oder pazifistischer Überzeugung den Dienst an der Waffe verweigerten. Ein waffenloser Dienst wurde 1964 auf Drängen der evangelischen Kirchen bei der Æ NVA eingeführt und die Bausoldaten wurden seitdem in sogenannten Baueinheiten zusammengefasst. Hauptsächlich wurden sie zum Bau von zivilen und militärischen Anlagen eingesetzt 35 . In den 1980er Jahren wurden die Baussoldaten in erster Linie zur Unterstützung der Volkswirtschaft in der Produktion und bei Großprojekten eingesetzt, beispielhaft dafür sind der Bau des Fährhafens Mukran und der Einsatz in der chemischen Industrie in Bitterfeld, Merseburg und Leuna 36 . Als äußeres Erkennungszeichen trugen Bausoldaten den Spaten auf der Schulterklappe 37 . Als nicht systemkonform eingestuft, waren sie bei der Berufs- und Studienwahl häufig Diskriminierungen ausgesetzt 38 .
Bereitschaftspolizei / Bereitschaften der Volkspolizei (auch: VP-Bereitschaften)
Vollmotorisierte, kasernierte Einheiten des Ministeriums des Innern der DDR (MdI). 1955 aufgestellt als Reaktion auf den Volksaufstand vom 17. Juni 1953, waren sie zur Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung (z.B. bei Großereignissen) und zur Niederschlagung von inneren Unruhen vorgesehen. Die Bereitschaften waren militärisch strukturiert, ausgebildet und ausgestattet. Neben Infanteriebewaffnung verfügten sie auch über Artillerie, Schützenpanzerwagen, Panzer- und Luftabwehrwaffen. So waren die Einheiten der Bereitschaftspolizei in der Lage, im Krisenfall Æ NVA und Æ Grenztruppen militärisch zu unterstützen. Seit 1962 bestanden 21 Bereitschaften, wovon 14 in den jeweiligen Bezirken eingesetzt werden sollten und sechs direkt dem MdI unterstellt waren.
34 Möller, Der wahre E., S. 45 u. 89; Müller, Tausend Tage bei der »Asche«, S. 401.
35 Schicketanz, Die Entstehungsgeschichte der Bausoldaten, S. 24.
36 Rogg, Armee des Volkes?, S. 464-473 u. 478-484.
37 Ebd., S. 465.
38 Koch, Bausoldaten im Wandel der Geschichte, S. 42f.
13
Einsätze außerhalb ihres Aufgabenbereichs (z.B. in der Volkswirtschaft) führten seit Ende der 1970er Jahren zu einer nachlassenden Einsatzbereitschaft der Einheiten und verhinderte ihren erfolgreichen Einsatz während der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 39 . Personalbestand: ca. 14 000 Mann (Stand 1989).
Berufskader
Alle länger dienenden Berufsunteroffiziere, Æ Fähnriche und Berufsoffiziere der Æ NVA und der Æ GT 40 . Maßgebend bei der Auswahl dieser Berufskader waren die Loyalität zu Staat und Partei, fachliche Kompetenz, häufig die Zustimmung seitens des Æ MfS und teilweise auch die »richtige« soziale Herkunft aus der »Arbeiterklasse« 41 .
Berufsoffizierbewerber (BOB) / Berufsunteroffizierbewerber (BUB)
Schüler und Lehrlinge, die sich frühzeitig für eine Karriere als Berufsunteroffizier bzw. Berufsoffizier verpflichteten. Sie wurden in sog. Æ Bewerberkollektiven zusammengefasst und für ihre spätere Laufbahn vormilitärisch ausgebildet.
Betriebskampfgruppen Æ Kampfgruppen der Arbeiterklasse
Bewerberkollektiv für militärische Berufe
Die FDJ-Bewerberkollektive für militärische Berufe dienten seit 1971 der Gewinnung von Nachwuchs für eine Karriere als Berufsunteroffizier, Fähnrich oder Berufsoffizier in der Æ NVA. Unter Führung der Æ FDJ wurden Gruppen für Schüler und Lehrlinge gebildet, die sich bereits bei Beginn der 10. Klasse oder der Lehre für den Soldatenberuf verpflichteten 42 . Diese Bewerberkollektive wurden in Schule und Ausbildung besonders gefördert und erhielten politisch-ideologische und militärpolitische Schulungen. Die Æ GST stellte die vormilitärische Ausbildung der Æ BOBs und Æ BUBs sicher. Zusätzlich sollten Filmabende, Truppenbesuche, Treffen mit Æ AA und Ähnlichem den Entschluss der Bewerber festigen 43 . Da der Beruf des Soldaten wenig attraktiv war, bestanden die Kollektive häufig aus leistungsschwächeren Schülern 44 .
39 Steike, Von den »Inneren Truppen« zur Bereitschaftspolizei (1953-1990), S. 69-91; Wenzke/Zürndorf, »Ein Eiserner Vorhang ist niedergegangen«, S. 74.
40 Rogg, Armee des Volkes?, S. 79.
41 Fingerle, Waffen in Arbeiterhand?, S. 13-23; Wolf, Das Ministerium für Staatssicherheit und die Überwachung der NVA durch die Hauptabteilung I, S. 326.
42 Berger/Wünsche, Jugendlexikon Militärwesen, S. 71.
43 Fingerle, Waffen in Arbeiterhand?, S. 266-268.
44 Rogg, Armee des Volkes?, S. 236f; Müller, Tausend Tage bei der »Asche«, S, 87.
14
Bezirk / Bezirkseinsatzleitung (BEL)
Die DDR wurde mit der Verwaltungsreform vom 23. Juli 1952 zentralisiert und territorial in Bezirke aufgeteilt, die vorher bestehenden Länder wurden aufgelöst. Es existierten 14 Bezirke: Cottbus, Dresden, Erfurt, Frankfurt (Oder), Gera, Halle, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Magdeburg, Neubrandenburg, Potsdam, Rostock, Schwerin, Suhl und, den Bezirken gleichgestellt, Berlin Hauptstadt der DDR 45 , welches de jure bis 1990 unter alliierter Hoheit stand. Ein Bezirk bestand aus mehreren Æ Kreisen. Die Bezirke bildeten die größten Verwaltungseinheiten und waren nach den jeweiligen Bezirkshauptstädten benannt. Die Bezirke wurden mit der Wiedereinführung der Länder und der Wahl von Länderparlamenten am 14. Oktober 1990 aufgelöst 46 .
Als Reaktion auf den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 begann die Parteiführung der SED, Einsatzleitungen zur zentralen Kontrolle der militärischen und polizeilichen Gewalten aufzubauen. Dies geschah auf der Ebene der Bezirke und Kreise, wo ab 1954 Bezirks- und Kreiseinsatzleitungen entstanden, die im Spannungs- oder Krisenfall für die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit zuständig waren. Von den BEL sollten dann, ab 1960 zentral vom Æ Nationalen Verteidigungsrat aus geleitet, alle bewaffneten Organe und Massenorganisationen auf Bezirksebene gesteuert werden 47 .
Deutsche Grenzpolizei (DGP)
Bewaffnetes Organ zur Überwachung, Sicherung und Kontrolle der Grenzen der SBZ und später der DDR (Æ Grenzregime). Aufgestellt ab November 1946 auf Befehl der SMAD als Hilfsorgan zur Unterstützung der sowjetischen Armee bei der Grenzsicherung 48 . Ab 1948 zentral der Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI), nach Gründung der DDR im Oktober 1949 dem MdI unterstellt. Von August 1952 bis Juni 1953 unterstand die DGP kurzzeitig dem Æ MfS.
Der massive Ausbau der Grenzanlagen an der deutsch-deutschen Grenze ab 1952 führte zur Aufrüstung der DGP und sie erhielt zunehmend militärischen Charakter. Ab Dezember 1955 übernahm die DGP die alleinige Überwachung und Kontrolle der Grenzen der DDR. Durch einen Staatsvertrag mit der UdSSR, hatte die DDR am 20. September 1955 eine gewisse Souveränität erlangte. Dazu wurde die DGP nach sowjetischem Vorbild in eine militärisch struk-
45 Ordnungüber die Aufgaben und die Arbeitsweise der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin und ihrer Organe, Erlass des Staatsrates der DDR vom 7. September 1961, GBl. SDr. 341, S. 3.
46 Herbst/Ranke/Winkler, So funktionierte die DDR, Bd. 1, S. 101f.
47 Wagner, Walter Ulbricht und die geheime Sicherheitspolitik der SED, S. 130-142.
48 Zur genauen Aufgabenregelung siehe: »Richtlinien für die Organe der deutschen Polizei zum Schutz der De- markationslinie und der Grenzen«. In: »Reorganisation der Polizei«, S. 88-92.
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turierte und funktionierende Grenztruppe umgewandelt und in den folgenden Jahren mit schweren Waffen, Panzern und Artillerie ausgestattet. Sie sollte nun auch die vorderste militärische Verteidigung im Falle eines Krieges sicherstellen und dazu eng mit der Æ KVP und ab 1956 mit der Æ NVA zusammenarbeiten. Zusätzlich war die DGP auch für einen Einsatz im Inneren vorgesehen. Als die DDR mit dem Mauerbau am 13. August 1961 zur militärischen Grenzsicherung überging, wurde die DGP am 12. September 1961 als Æ Grenztruppen der DDR dem Æ MfNV unterstellt.
Trotz einer strengen Kaderauswahl seitens der SED nach politischer Zuverlässigkeit der Angehörigen der DGP und der Einführung eines Politoffizierssystems, hatte die DGP bis zu ihrem Ende hohe Desertationsraten zu verzeichnen 49 . Personalbestand: 38 318 (Stand September 1961) 50
Deutsches Rotes Kreuz der DDR (DRK)
Massenorganisation der DDR für Gesundheitsschutz und -vorsorge und Katastrophenschutz. Nach Verbot und Auflösung der Vorgängerorganisation in der SBZ im September 1945 51 wurde das DRK in der DDR erst im Oktober 1952 im Zuge der Militarisierung der DDR auf Anweisung des sowjetischen Staatsführers Josif Stalin neugegründet 52 . Anschließend begann der Aufbau einer flächendeckenden Organisationsstruktur auf der Kreis- und Bezirksebene mit untergeordneten Grundorganisationen in Betrieben, LPGs und Wohngebieten. Neben den typischen Aufgaben im Gesundheits- und Sozialwesen (z.B.: Rettungsdienst, Blutspendewesen, Seuchenschutz, hygienische Vorsorge, Krankenpflege usw.) wurde das DRK eng in den Sicherheitsapparat des SED-Regimes eingebunden, mit der Maßgabe, die bewaffneten Organe zu unterstützen und die sanitätsdienstliche Betreuung sicherzustellen. Zu diesem Zweck wurde das DRK paramilitärisch strukturiert und in Gruppen, Züge und Abteilungen bzw. Bereitschaften organisiert, damit begann die zunehmende Militarisierung der Rotkreuzorganisation. Zusammen mit der Æ Zivilverteidigung, in welche die Rotkreuzorganisation ab 1968 fest eingebunden wurde, sollte das DRK den weiblichen Teil der Bevölkerung erfassen und sie für den Militärapparat nutzbar machen. In den 1980er Jahren wurde das DRK immer mehr zum festen Bestandteil des militärischen Unterstützungsapparates ausgebaut, indem Führungspositionen mit ehemaligen Militärs besetzt wurden und das DRK in Manöver eingebunden wurde. Jedoch litt das DRK bis zum Schluss immer wieder an Ausrüstungs- und Personalmangel,
49 Diedrich, Die Grenzpolizei der SBZ/DDR, S. 201-220; Diedrich, DDR-Grenzausbau 1953, S. 16-21.
50 Diedrich, Die Grenzpolizei der SBZ/DDR, S. 219.
51 Riesenberger, Das Deutsche Rote Kreuz, S. 551f.
52 Heitmann, Schützen und Helfen?, S. 329; Diedrich, Aufrüstungsvorbereitung und -finanzierung in der SBZ/DDR, S. 307.
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sowie an mangelnder Loyalität und Motivation seiner Mitglieder. Der größte Teil der meist ehrenamtlichen Mitglieder und Helfer des DRK war parteilos. Lediglich die Führungskader bestanden überwiegend aus SED-Mitgliedern, sie sicherten damit den führenden Einfluss und die Kontrolle der Staatspartei über die Organisation. Das DRK der DDR war bis zum Ende dem SED-Staat gegenüber loyal und ein wichtiger Bestandteil des Militär- und Sicherheitsapparates 53 .
Mitglieder: 705 000 (plus ca. 555 000 zahlende Förderer; Stand 1989) 54
Deutsche Volkspolizei (DVP)
Organ des Ministeriums des Innern zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung innerhalb der DDR. Die DVP hatte in erster Linie die Interessen und Vorgaben des SED-Regimes zu schützen, dabei sollte sie die sozialistische Entwicklung der Gesellschaft unterstützen und überwachen. Dazu war die DVP integriert in den Militär- und Sicherheitsapparat der DDR, galt jedoch als drittrangig unter den bewaffneten Organen 55 . Als erstes bewaffnetes Organ kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der SBZ aufgestellt, wurde sie ab Mai 1949 auch offiziell »Deutsche Volkspolizei« genannt. Der DVP unterstanden neben der Schutz-, Verkehrs-, Transport-, Æ Bereitschafts- und Kriminalpolizei auch das Pass- und Meldewesen sowie die Feuerwehr und der Strafvollzug. Im Falle eines Inneren oder Äußeren Konfliktes waren die Angehörigen der Volkspolizei als Reserve für die Æ NVA vorgesehen und wurden daher auch militärisch ausgebildet, zusätzlich verfügte die DVP über 179 613 Maschinenpistolen und 5 478 Maschinengewehre (Stand 1971) für einen militärischen Einsatz 56 . Seit 1957 führte die DVP für ihre höheren Dienstgrade (Offiziere) die gleichen militärischen Bezeichnungen wie die NVA und die Æ GT, nur mit dem Zusatz »der VP«. Lediglich bei den Generalen fehlte dieser Zusatz 57 .
Personalbestand DVP: ca. 60 000 (plus ca. 14 500 Mann Feuerwehr / Strafvollzug) (Stand 1987).
53 Heitmann, Schützen und Helfen?, S. 330-357; Riesenberger, Das Deutsche Rote Kreuz, S. 550-637 u. 653f.
54 Riesenberger, Das Deutsche Rote Kreuz, S. 616 u. 630.
55 Lindenberger, Gesellschaft, Staatsgewalt und die Diktatur der Grenze(n): Das Beispiel Volkspolizei, S. 161.
56 Lindenberger, Die deutsche Volkspolizei (1945-1990), S. 98-143.
57 Im Dienste der Partei, S. 506.
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Dienst-, Arbeits- und Lebensbedingungen (DALB)
In der parteiamtlichen Terminologie die Gesamtheit aller beruflichen, gesellschaftlichen und sozialen Vorraussetzungen, positiver und negativer Art, der Angehörigen der Æ NVA und der Æ Grenztruppen 58 .
Dienstgradgruppen in der NVA
Gruppe aller Angehörigen mehrerer bestimmter militärischer Ränge (Dienstgrade), die festgelegt waren. So bildeten alle Æ Stabsoffiziere z.B. die Dienstgradgruppe Stabsoffiziere. Der höchste Dienstgrad war »Marschall der DDR«, der jedoch nie verliehen wurde 59 .
Diensthabendes System der Luftverteidigung (DHS)
Integriertes Luftraumüberwachungssystem des Warschauer Paktes, in dem eine bestimmte Anzahl von Einheiten und Truppenteilen der Æ LSK / LV (z.B. Fla-Raketeneinheiten, Jagdfliegerkräfte) in einer ständigen Æ Gefechtsbereitschaft gehalten werden mussten, um im Konfliktfall sofort einsetzbar zu sein 60 . Dies galt für die Defensive ebenso wie für die Offensive. Die Einheiten der LSK / LV waren seit Anfang 1962 in dieses System integriert und unterstanden seit 1963 dem Oberbefehlshaber der Luftverteidigung der UdSSR 61 .
Diensthalbjahr (DHJ)
Der 18-monatige Grundwehrdienst war aufgeteilt in drei DHJ. Jeweils zu Beginn eines DHJ wurden die neuen Wehrpflichtigen eingezogen. Gleiches gilt für die drei Jahre dienenden Æ Unteroffiziere und Soldaten auf Zeit, deren Dienst auf sechs DHJ verteilt war.
Einheit
Unterste Gliederungsform der Truppen in der Æ NVA und den Æ Grenztruppen der DDR, die zur Erfüllung taktischer Aufgaben die Unterstützung größerer Truppenkörper benötigte. Die weitere Gliederung war: Gruppe (oder Bedienung, Besatzung, Trupps), Zug, Kompanie (oder Batterie), Bataillon (oder Abteilung) 62 .
58 Rogg, »Vor dem Kasernentor macht der Sozialismus halt«, S. 587.
59 DV 010/0/003, S. 167; Militärlexikon, S. 74; Berger/Wünsche, Jugendlexikon Militärwesen, S. 46 u. 57.
60 Militärlexikon, S. 75.
61 Kopenhagen, Die Luftstreitkräfte / Luftverteidigung der NVA, S. 220 u. 242; Sehr anschaulich dargestellt im DEFA-Spielfilm: »Anflug Alpha 1«, DEFA 1971, Regie János Veiczi.
62 Handbuch militärisches Grundwissen, S. 29; Müller, Tausend Tage bei der »Asche«, S. 401.
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EK-Bewegung
Informelles Hierarchiesystem der dienstälteren über die dienstjüngeren Æ Soldaten und Æ Unteroffiziere auf Zeit in der Æ NVA und den Æ GT, die sich an der Zahl der in der Armee verbrachten Tage orientierte und nach Æ Diensthalbjahren gestaffelt war. Wichtige Be-standteile dieser informellen Hierarchie waren feste Rituale und Symbole, die regional und von Einheit zu Einheit variieren konnten (Bsp.: Maßband, EK-Kalender). Die unteren DHJs waren dabei immer wieder Repressalien ausgesetzt, die unter Alkoholeinfluss zu Gewalttätigkeiten oder sexuellen Nötigungen ausufern konnten.
Die »EK-Bewegung« geht vermutlich zurück auf das dedovšþina-System in der Æ Sowjetarmee 63 und trat erstmals mit Einführung der Æ Wehrpflicht ab 1962 in den DDR-Streitkräften, auf, vorerst noch vereinzelt. Ab 1966 war sie in fast allen Teilen der Streitkräfte anzutreffen. Innerhalb der Armee gingen die unmittelbar vorgesetzten Offiziere und Unteroffiziere meist nicht gegen Treiben der Æ EKs vor, teilweise wurde es gar zur Disziplinierung der Soldaten ausgenutzt. Die Armeeführung spielte das Thema »EK-Bewegung« meist herunter und sprach von einer sogenannten Æ »negativen Traditionspflege« oder »gestörten sozialistischen Beziehungen«, ansonsten wurde es tabuisiert. Für das Image der Streitkräfte innerhalb der Gesellschaft wirkten sich die Berichte ehemaliger Wehrpflichtiger über das EK-System sehr negativ aus. Bis zum Ende des SED-Regime konnte das Problem nicht gelöst werden 64 .
Entlassungskandidat (EK)
In der Æ »EK-Bewegung« höchster Rang für alle Wehrpflichtigen im dritten Æ DHJ und für Æ Unteroffiziere / Soldaten auf Zeit des sechsten DHJ. Aus diesem informellen »Rang« leiteten viele EKs ihre Sonderstellung gegenüber den Soldaten des ersten und zweiten DHJ ab 65 .
Erweiterte Oberschule (EOS)
Im Bildungssystem der DDR eine höhere Schule, eingeführt am 2. Dezember 1959, an der die Hochschulreife erlangt werden konnte. Anfangs umfasste die EOS vier Klassen, später jedoch nur die Klassen 11 und 12. Zugelassen wurden meist nur Schüler, welche die Æ POS mit sehr guten Leistungen absolviert hatten und über eine positive politische Grundeinstellung gegenüber dem SED-Staat verfügten. Zusätzlich wurden jene zugelassen, die sich bereits frühzeitig für eine Laufbahn als Berufsoffizier verpflichteten 66 .
63 Rogg, Armee des Volkes?, S. 329f.
64 Müller, Die »EK-Bewegung« in den Kasernen der NVA, S. 559-578; Rogg, Armee des Volkes?, S. 332-341.
65 Müller, Die »EK-Bewegung« in den Kasernen der NVA, S. 561 u. 566; Müller vermutet zudem, die Abkürzung EK könnte sich in Anfängen der »EK-Bewegung« auf das Eiserne Kreuz beziehen.
66 Herbst/Ranke/Winkler, So funktionierte die DDR, Bd. 1, S. 112-117.
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Erziehung zum Hass
Ein wichtiges Element im hypertrophen, dualistischen Feindbild des SED-Regimes, in dem der imperialistische, faschistische Westen das Böse verkörperte und der friedensliebende, sozialistische Osten das Gute. Ziel war es, Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum »Hass gegen den imperialistischen Feind« zu erziehen 67 . Diese Erziehung begann bereits im Kindergarten und setzte sich über die Schule in der dortigen Æ Wehrerziehung fort 68 . Dort war die »Erziehung zum Hass« ein integraler Bestandteil und auch bei der politischen Erziehung in den Streitkräften war sie von herausragender Bedeutung (Abb. 15). So war der »Hass« auf den imperialistischen Gegner Bestandteil der Æ sozialistischen Soldatenpersönlichkeit 69 .
Fähnrich (Fä)
Dienstgrad und Æ Dienstgradgruppe in der Æ NVA und den Æ Grenztruppen. 1973 eingeführt, war der Rang eingeordnet zwischen dem höchsten Unteroffiziersdienstgrad und dem niedrigsten Offiziersdienstgrad. Anfangs lag die Mindestdienstzeit bei 25 Jahren, später bei mindestens 15 Jahren 70 . Voraussetzung zu Erlangung des Dienstgrades Fä war der Abschluss der 10. Klasse und eine Facharbeiterausbildung, danach wurden die Bewerber auf verschiedenen Wegen zum Fä mit Fachschulabschluss ausgebildet und anschließend in speziellen Dienststellungen verwendet. Die Fä bildeten das personelle Rückrat für besonders qualifizierte Spezialverwendungen (z.B.: Leiter von Werkstätten, Leiter von Flugleitstellen, Waffenmeister etc.) und trugen teilweise auch Führungsverantwortung 71 .
FDJ-Bewerberkollektive Æ Bewerberkollektiv für militärische Berufe
Fluktuation
1. Armeeinterne Bezeichnung für den Verlust von Bewerbern als Berufs- oder Zeitsoldaten. Hervorgerufen durch das schlechte Bild der Æ NVA in der Gesellschaft, vermittelt durch ehemalige Wehrpflichtige und Æ Reservisten 72 . 2. Bezeichnung für den häufigen Wechsel der unteren Dienstgrade, bedingt durch die Dienstzeit von 18 bzw. 36 Monaten 73 .
67 Satjukow/Gries, Feindbilder des Sozialismus, S. 55; Rogg, Armee des Volkes?, S. 55f.; Zum Feindbild in der NVA siehe: Müller, »Für den Soldaten des Sozialismus ist der Feind immer konkret«.
68 Schirrmeister, Erziehung zum Hass, S. 34-40.
69 Militärlexikon, S. 349.
70 Wissensspeicher Wehrausbildung, S. 77f.
71 Wörterbuch zur Militärgeschichte, S. 190.
72 Rogg, Armee des Volkes?, S. 269.
Arbeit zitieren:
Denis Strohmeier, 2008, Kleines Wörterbuch zur Militärgeschichte der DDR , München, GRIN Verlag GmbH
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