Inhaltsverzeichnis
Einf ührung 3
1 Jüdisches Leben unter Stalins Terrorherrschaft. 4
1.1 Jüdische Autonomie in Birobidshan. 5
1.2 Kein „jüdisches Problem“ oberflächlich. 6
2 Der Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion (1941) 8
3 Die Verfolgung der Juden nach dem Zweiten Weltkrieg. 11
4 Der Einfluss der stalinistischen Haltung in der „jüdischen Frage“ auf die
sowjetische Literatur. 13
4.1 Die Darstellung der jüdischen Thematik und des Holocaust in der sowjetischen
Literatur. 14
4.1.1 Grossman und Ehrenburg „Schwarzes Buch“ 16
4.1.2 Grossman „ Die Hölle von Treblinka“ 17
4.1.3 Margarita Aliger „Dein Sieg“ 18
4.1.4 Evgenij Evtusenko „Babij Jar“ und „Stalins Erben“ 20
Schluss 23
Literaturverzeichnis. 24
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Einführung
Das Thema des Holocaust wird aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert und bleibt trotz allen Untersuchungen und Vermutungen ein Geheimnis. Man fragt sich immer noch, wie es zu solchen Ereignissen der Geschichte kommen konnte. Wenn man das Wort Holocaust hört, dann denkt man gleich an die Opfer, die unter Hitler umgekommen sind. Es gab aber auch Opfer der Stalindiktatur. Diese Ereignisse werden auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion bis jetzt verschwiegen.
In den ersten vier Punkten dieser Hausarbeit wird die Vernichtung der Juden, während der Terrorherrschaft Stalins beschrieben. Es wird die objektive Situation der dreißiger und vierziger Jahren dargestellt und die Ursachen der Judenvernichtung festzuhalten. Ab dem vierten Punkt wird der Einfluss der stalinistischen Haltung in der „jüdischen Frage“ auf die sowjetische Literatur hin untersucht. Die bedeutenden Werke der sowjetischen Schriftsteller wie „Schwarzbuch“, „Die Hölle von Treblinka“, „Dein Sieg“, „Babij Jar“ und „Stalins Erben“ werden hier analysiert. Zuletzt werden die Einflüsse des stalinistischen Regimes in diesen Werken offensichtlich gemacht.
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1 Jüdisches Leben unter Stalins Terrorherrschaft.
Wenn man das Wort Holocaust hört, denkt man zuerst an die Juden, die durch Nazis getötet wurden. Die Opfer unter der sowjetischen Regierung in den vierziger Jahren werden meistens verschwiegen. Ein Drittel der Juden, die während des Holocaust getötet wurden, wohnten in der Sowjetunion. Anderthalb Millionen sowjetischer Juden wurden durch Nazis getötet und 200.000 sind im Krieg gefallen. Die restlichen Opfer waren Juden unter der sowjetischen Regierung in 1939-40, nach dem Schluss des Hitler-Stalin-Paktes. Der Antisemitismus auf dem Territorium der Sowjetunion hat schon viel früher angefangen. Markantes Signal für neue Akzente in der Nationalpolitik Stalins war die Auflösung der Jewsekzija und der Parteisektionen anderer Nationalitäten ohne eigenes Territorium im Jahre 1930.
Stalins Standpunkt war: „Die Juden seien vor allem deshalb keine Nation, weil sie keine Bauernschicht hätten. Seine Losung war: „Werdet Bauern, dadurch erwerbt ihr das Recht einer Nation. Der Sowjetstaat bot den Juden „großzügig“ eine Chance, wobei von vornhinein einkalkuliert war, dass ein Scheitern der Agrarisierung und ein Sieg der Assimilierung die „zionistischen“ Bestrebungen ein für allemal diskreditieren würde. (vgl. Lustiger 1998: 78) Auch nach der Auflösung der Jewsekzii galten Juden innersowjetisch als Nation. Als Inlandspässe eingeführt wurden, trug man jedem Jude - ob er dies wollte oder nicht - seine nationale Zugehörigkeit (jewrej) in die Papiere ein.
„Der Stalinismus schlug also in zweifacher Form auf die Juden ein: jenen, die sich assimilieren wollten, zwang er ein untilgbares Stigma auf, und jenen, die nationale jüdische Formen behalten wollte, wurde dies unmöglich gemacht.“ (Lustiger 1998: 81) Die jüdische und hebräische Blüte der Kultur und der Literatur in den zwanziger Jahren ging zu Ende. Dichter und Schriftsteller wie Issak Babel, Ossip Mandelstam, Boris Pasternak, Eduard Bagrizki, Wassili Grossman, Ilja Ilf wie auch die zeitweise emigrierten Schriftsteller Ilja Ehrenburg, Viktor Schlowski oder Wladislaw Chodasewisch, die Kinderbuchautoren Lew Kassi und Samuil Marschak und die Lyriker Swetlow, Samejlow, Sluzki, Kogan sowie nicht zuletzt der Nobelpreisträger Jossif Brodski haben die russische Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts durch große Werke bereichert.
In den Jahren zwischen der Ermordung Kirows 1934 und dem Großen Terror mit den Schauprozessen 1937/38 wurden alle Errungenschaften des kulturellen und gesellschaftlichen Aufschwungs der zwanziger Jahre ausgelöscht. Ein Beispiel dafür ist das „Massensterben“ der Presse in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre, selbst zum Teil eigens zur Propagierung der Parteipolitik unter den Juden aufgebaute Zeitungen und Zeitschriften wurden viele Jahre
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dezimiert. Zug um Zug liquidierten die Organe jüdische Institutionen, Verlage und Kultureinrichtungen. Oft wurden sie geschlossen, weil man alle ihre Mitarbeiter verhaftet hatte. Auch die jiddischen Schulen außerhalb Birobidshans und das Kiewer Institut für Jüdische Kultur fielen diesem Kahlschlag zum Opfer.
Die Judenverfolgungen Ende der dreißiger Jahre basierten nicht auf einer expliziten antisemitischen Propaganda oder Hetze. An den Denunziationen und öffentlichen Angriffen auf die „nationalistischen Abweichler“ beteiligten sich auch jüdische Kommunisten, die trotz ihrer Dienste häufig selbst Opfer der Säuberungen wurden.
Molotow äußerte seine Meinung über Stalin: „ [...] Stalin war kein Antisemit, wie manche bisweilen suggerieren. Er registrierte am jüdischen Volk viele Eigenschaften: Tüchtigkeit, Geschlossenheit, politische Aktivität. Sie sind ganz sicher aktiver als der Durchschnitt. Deshalb gibt es solche, die sehr leidenschaftlich in eine Richtung tendieren, und solche, die leidenschaftlich in die andere gehen.[....]“ (Lustiger 1998: 90) Im Gegensatz zu Deutschland zur selben Zeit gab es in der Sowjetunion keine Anordnung Juden festzunehmen. Hunderttausend Sowjetbürger gerieten in die Fänge des NKWD, weil ihre Verwandte ins Ausland verreisten, weil sie in den zwanziger Jahren Westeuropa bereisten oder in Spaniens Bürgerkrieg mitgekämpft hatten oder sich vor der Revolution in anderen Parteien engagiert hatten. Neben anderen Vorwürfen traf der letzte auf die Juden stärker zu als auf die anderen nationalen Minderheiten. Da Juden auch in der KpdSU überproportional vertreten waren, standen sie im Verdacht, irgendwann mal Ansichten der „trotzkistischen“ Fraktion vertreten zu haben. Weitere Abweichungen waren „Bundismus“, „jüdischer Nationalismus“, „Zionismus“.
Das sowjetische System hat den Faschismus dem Zionismus gleichgestellt. Die Anhänger des Zionismus wollten einen eigenen Staat in Palästina gründen.
1.1 Jüdische Autonomie in Birobidshan.
Später wurden auch jüdische Politiker in Birobidshan vernichtet. Der Traum von der jüdischen Autonomie existierte nur kurze Zeit.
Birobidshan befindet sich weit im Osten an der chinesischen Grenze, wo die Flüsse Bira und Bidshan in den Amur münden. Im Jahre 1927 überlegte sich die Sowjetführung in diesem Gebiet die Juden anzusiedeln. Die Ansiedlung von Juden versprach daher, drei Probleme mit einem Schlag zu lösen: Eine Grenzregion würde besser gesichert, und dem Streben vieler Juden nach einem „eigenen“ Territorium könnte begegnet werden, ohne in Konflikte mit einer bereits ansässigen Bevölkerung zu geraten. Birobidshan ist ein Gebiet mit katastrophalen Verhältnissen: ewig gefrorener Unterboden, Sumpfgebiete, Insektenplage,
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Überschwemmungen, langdauernde Fröste von minus vierzig Grad, kulturelle Abgeschiedenheit. Es gab nicht so viele jüdische Übersiedler wie man erwartet hatte. 1930 betrug der Anteil der Juden in dem Gebiet 8 Prozent, die Mehrheit waren Russen, auch zahlreiche Koreaner lebten dort, 1933 siedelten trotz materieller Anreize nicht mehr als 3000 Menschen um, ursprünglich wollte man 25 000 gewinnen. Trotz des äußerst mäßigen Zuspruchs innerhalb der Sowjetunion wie auch im Ausland, wurde Birobidshan am 7. Mai 1934 zum Autonomen Jüdischen Gebiet ernannt. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung lag damals bei unter 15 Prozent. Nach Kalinins Worte war die Schaffung Birobidshan die einzige Möglichkeit die jüdische Nationalität zu entwickeln. Außerhalb der Region war der Erhalt der jüdischen Kultur nicht erwünscht.
Zur Zeit Stalins wurde die gesamte Führung des Autonomen Gebiets ermordet. Der Anfang der Vernichtung der jüdischen Kommunisten war der August 1936 - die Tage des Sinowjew-Prozesses. Es kann natürlich niemand genau die Zahlen der unter der Stalindiktatur ermordeten jüdischen Kommunisten nennen. Die bekanntesten ermordeten jüdischen Kommunisten waren: Liberberg, Chawkin, Katel, Gelder, Apschin, Riskin, Ja.Lewin, Schwarzberg, Schweinstein, Guberman, Chasbiski, Lapizki, Idow. Von den 51 Mitgliedern des Gebietskomitees überstanden ganze sechs das Jahr 1937. (vgl. Lustiger 1998: 85)
1.2 Kein „jüdisches Problem“ oberflächlich.
Oberflächlich gab es in der Sowjetunion kein „jüdisches Problem“ mehr. Die Instinkte der Selbsterhaltung trieben viele Juden in den dreißiger Jahren zur Assimilierung voran. In Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft waren Angehörige der zweiten Generation sehr stark vertreten, nicht wenige nahmen bedeutende Positionen ein. Ärzte, Gelehrte und Künstler zählten zur Elite und genossen großes Ansehen. Stalin hatte 1931 in einem schriftlichen Interview für die Jüdische Telegraphen-Agentur erklärt: „[...] Der Antisemitismus als extremste Form des Rassenchauvinismus ist der gefährlichste Überrest des Kannibalismus. [...] Darum sind die Kommunisten als konsequente Internationalisten unversöhnliche und geschworene Feinde des Antisemitismus. In der UdSSR wird der Antisemitismus als eine der Sowjetordnung zutiefst feindliche Erscheinung vom Gesetz aufs strengste verfolgt. Aktive Antisemiten werden nach den Gesetzen der UdSSR mit dem Tode bestraft.“(Lustiger 1998: 87)
Diese Äußerung wurde 1936 erstmals in der Sowjetpresse publiziert. Molotow, der Soldat der bolschewistischen Revolution, war seit 1930 Vorsitzender des Rats der Vollkommissare. Er zitierte Stalin in einer Rede über die neue Verfassung. Der Mann, der den Großen Terror bis
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Arbeit zitieren:
Magister Antonina Funk, 2003, Holocaust im stalinistischen Regime, München, GRIN Verlag GmbH
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