Inhalt
1. Einleitung 2
2. Der Plural im Deutschen 3
2.1 Bildung Allgemein (DUDEN) 3
2.2 Systematisierung nach WEGENER 4
2.3 Zwischenfazit 5
3. Die Optimalitätstheorie 6
3.1 Begriffsdefinition 6
3.2 Ein nicht-linguistisches Beispiel 8
3.3 A constraint-based analysis von DIETER WUNDERLICH 9
3.3.1 Die einzelnen Beschränkungen 10
3.3.2 Hierarchie für die deutsche Pluralbildung 12
3.3.3 Anwendung der Optimalitätstheorie von WUNDERLICH 13
3.3.4 Versuch, durch neues Ranking Probleme zu lösen 16
3.4 Zwischenfazit: Kritik an WUNDERLICHS constraint-based analysis 18
4. Fazit 19
5. Quellenverzeichnis 20
1. Einleitung
„Die Pluralbildung im Deutschen ist nicht chaotisch, aber komplex.
Unabhängig davon, ob man für die Pluralbildung Regeln, Schemata oder die Wortstruktur als Erklärungsmodell benutzt, bleibt die Tatsache einer beachtlichen Zahl miteinander
Das deutsche Pluralsystem ist nach morphologischen und silbenphonologischen Beschränkungen aufgebaut. Somit lässt es sich an Hand eines Systems beschreiben, das Optimali-tätstheorie genannt wird. Die Optimalitätstheorie nimmt an, dass Wortformen universalen Beschränkungen unterliegen, welche prinzipiell verletzbar und untereinander hierarchisiert sind. Ziel dieser Arbeit soll es sein, diese Beschränkungen zu erläutern und auf eventuelle Erklärungslücken der Optimalitätstheorie hinsichtlich der deutschen Pluralformen hinzuweisen. So kann man mit dieser Theorie zwar beispielsweise zwischen n-Plural und Umlaut problemlos unterscheiden, allerdings ergeben sich Schwierigkeiten bei der Wahl des für die deutsche Sprache relativ jungen s-Plurals, worauf ich ab Kapitel 3.3 näher eingehen werde.
Zunächst erläutere ich jedoch allgemeintheoretisch die Pluralbildung des Deutschen. Im Anschluss daran definiere ich im dritten Kapitel die Optimalitätstheorie sowie die für die Pluralbildung relevanten Beschränkungen, um mit diesem Wissen das Zusammenwirken an einigen Beispielen zeigen zu können. Als Grundlage dazu dient das 1999 veröffentlichte Manuskript German Noun Plural Reconsidered von DIETER WUNDERLICH. Schließlich versuche ich, vorhandene Zweideutigkeiten bei der Pluralwahl mit Hilfe einer neuen Hierarchisierung der Beschränkungen einzudämmen. Eine kritische Bewertung dieser Theorie wird den Abschluss der Arbeit bilden.
2. Der Plural im Deutschen
2.1 Bildung Allgemein
Der deutsche Plural wird im Allgemeinen mit den Endungen -e, -s, -(e)n, -er oder mit einem Umlaut gebildet. Bereits der Sprach- und Literaturwissenschaftler JACOB LUDWIG KARL GRIMM (1819) stellte fest, dass die Pluralbildung im Allgemeinen vom Genus des Wortes abhängig ist und meist Maskulina die Endung -e, Neutra die Endung -er und Feminina die Endung -(e)n erhalten. Die Distribution der einzelnen Allomorphe ist aber morphologisch bedingt, d.h. es kann keine allgemeingültige Regel angegeben werden, mit der man von dem Aussehen des Singulars auf den Plural schließen könnte. Nur die Wahl zwi-schen -n und -en ist phonetisch bedingt. 1
Im Folgenden werden die Regeln für die Endungen und die Umlaute laut DUDEN (GALL- MANN 2007)genannt: Für Plural-Endungen wurden Grund- und Zusatzregeln aufgestellt sowie Sonderfälle berücksichtigt. Die drei Grundregeln sind:
G1. Maskulina und Neutra werden mit der Endung -e gebildet oder sind endungslos (Regel G3). Bsp.: der Hund - die Hunde
G2. Feminina werden mit der Endung -en oder -n gebildet (Regel G3). Bsp.: die Frist - die Fristen
G3. (e-Tilgungsregel) Keine Endung (bei Maskulina und Neutra) oder statt -en
Die drei Zusatzregeln sind Folgende:
Z1. Ein en-Plural wird bei Substantiven verwendet, die auf -e ausgehen. Bsp.: der Zeuge - die Zeugen
Z2. Der s-Plural wird bei Substantiven gebraucht, die auf einen unbetonten Vollvokal enden. Bsp.: das Auto - die Autos
Z3. Der s-Plural tritt auch bei Fremdwörtern auf, die auf einen betonten Vollvokal enden. Bsp.: das Büro - die Büros
Neben diesen Regeln werden im Duden fünf Sonderfälle berücksichtigt:
1 Vgl. www.germazope.uni-trier.de; Stand: 14.05.2008.
S1. Die Feminina mit e-Plural. Bsp.: die Hand - die Hände
S2. Die Maskulina und Neutra mit n-Plural. Bsp.: der Staat - die Staaten S3. Fremdwörter mit en-Plural und Änderung des Wortausgangs. Bsp.: das Albumdie Alben
S4. Substantive mit konsonantischem Ausgang und s-Plural. Bsp.: das Hoteldie Hotels
S5. Die Maskulina und Neutra mit er-Plural. Bsp.: der Wurm - die Würmer Für die Umlaute gelten weitere fünf Regeln. Diese sind U1. Einen Umlaut erhalten Feminina mit e-Plural. Bsp.: die Wand - die Wände U2. Einen Umlaut erhalten Substantive mit er-Plural. Bsp.: das Fass - die Fässer U3. Neutra mit e-Plural oder endungslos haben NIE Umlaut. (Bsp.: das Bootdie Boote)
U4. Substantive mit s-Plural und -en/-n erhalten NIE Umlaut. (Bsp.: die Taschedie Taschen)
U5. Maskulina des Typs G1 bzw. G1/3 haben ca. 50% Umlaut. (Bsp.: der Gartendie Gärten vs. der Balken - die Balken)
Der s-Plural ist historisch eigentlich untypisch und für die deutsche Sprache relativ jung. Heute wird die s-Endung als Standard zur Plural-Bildung angesehen. Sie kann als „eine Art Behelfspluralform angesehen werden, [die] bei (noch) nicht lexikalisierten Elementen wie Zitatnominalisierungen, Buchstaben oder frisch eingeführten Fremdwörtern (auch aus Sprachen, die keinen s-Plural kennen) auftritt.“ (GALLMANN 2008, 7). Der s-Plural wird demnach immer dann verwendet, wenn keine andere Möglichkeit vorhanden ist. Dies kann unteranderem die fehlende Analogie zu anderen Pluralformen sein, wie z. B. bei Akronymen (die CDs, die GmbHs, die Akkus) und bei vielen Abkürzungen, die unverändert bleiben, jedoch durch ein „s“ verlängert werden (die LKWs, die KWs).
2.2 Systematisierung nach WEGENER
Die Linguistin HEIDE WEGENER nimmt an, dass es für jede Flexionsklasse (FK) eine vorhersagbare reguläre Pluralbildung gibt. Sie vereinfacht das komplexe Pluralsystem, indem sie sich darum bemüht, „den Zugriff auf die deutsche Nominalflexion aus einer neuen Perspektive heraus [zu eröffnen]: aus der Lernerperspektive.“ (FREY 2002: 22). Sie geht von insgesamt neun Pluralklassen aus: -(e)n für die Feminina und die schwachen Maskuli- na (die Feminina bilden ihren Plural zu 96,6 % auf -(e)n, die schwachen Maskulina zu 100
%) sowie -(e) für die starken Maskulina und Neutra (zu 70 %). Darüber hinaus gibt es jeweils konkurrierende Formen in Nebenklassen. Daraus ergeben sich drei Pluralformen für die Feminina, eine für die schwachen Maskulina und fünf für die starken Maskulina und Neutra (WEGENER 1999: 8). Die folgende Übersicht stellt dies noch einmal grafisch dar:
2.3 Zwischenfazit
An Hand dieser Abbildung und aus den Regeln laut Duden wird deutlich, dass sich nicht eindeutig feststellen lässt, welche Flexionsklasse welche Endung verlangt. Gerade die Ausnahmen und Nebenklassen sind das Schwierige an der komplexen deutschen Pluralsystematik. Auch die von WEGENER ermittelten Vereinfachungen schaffen keine wirkliche Erleichterung. Ein neues System, das auf einer einfachen Art und Weise ermöglicht, den optimalen Pluralkandidaten heraus zu finden, wäre die perfekte Lösung. Die Optimalitäts-theorie scheint in diesem Zusammenhang die erfolgversprechendste Methode zu sein und soll Grundlage der folgenden Kapitel sein.
Arbeit zitieren:
Ellen Thießen, 2008, Die Pluralbildung im Deutschen: Eine Untersuchung an Hand der Optimalitätstheorie , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
The use of Optimality Theory in Word-Formation
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater (1774)
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Die Substantivflexion im Deutschen in verschiedenen Grammatiken
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Verfahrensmanagement: Werkstättenfertigung versus Fließfertigung
Führt ein Wechsel der Fertigun...
Unterrichtsentwurf, 19 Seiten
'Wie sollte der Staat auf den steigenden Cannabiskonsum reagieren?...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Unterrichtsentwurf, 17 Seiten
Personaleinstellung (Unterrichtsentwurf)
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Unterrichtsentwurf, 32 Seiten
Von Pizzas zu Pizzen oder von Pizzen zu Pizzas? Schwankende Pluralform...
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Ellen Thießen's Text Die Pluralbildung im Deutschen: Eine Untersuchung an Hand der Optimalitätstheorie ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Ellen Thießen hat den Text Die Pluralbildung im Deutschen: Eine Untersuchung an Hand der Optimalitätstheorie veröffentlicht
Ellen Thießen hat einen neuen Text hochgeladen
Die Geschichte des Genie-Gedankens in der deutschen Literatur, Philoso...
Bd. 1: Von der Aufklärung bis ...
Jochen Schmidt
0 Kommentare