Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Darstellung der Heiden und Christen im Rolandslied. 5
2.1. Die Handlungsmotivation der Heiden und Christen 5
2.2 Die konkrete Gestaltung der heidnischen und christlichen Krieger. 7
2.3 Der Polytheismus der Heiden und die Personifizierung des Teufels in ihren Göttern 8
2.4 Die Figur Geneluns als Verräter der Christen. 10
2.5. Auffällige Veränderungen im Rolandslied im Vergleich mit dem Chanson de Roland10
3. Vergleich der Darstellung von Heiden und Christen im Rolandslied und im
Willehalm 13
4. Schlussbetrachtung 16
Literaturverzeichnis. 17
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung von Heiden und Christen im „Rolandslied“ 1 des Pfaffen Konrad. Ausgehend von meinem Referat im Hauptseminar „Das Rolandslied des Pfaffen Konrad“, möchte ich diese Thematik in der vorliegenden Arbeit vertiefen und ausführlicher darstellen. Die Darstellung von Heiden und Christen ist Teil des Schwerpunktes „Das Rolandslied als Kreuzzugepos“ im Hauptseminar gewesen, der mit dem Versuch einer Standortbestimmung (Staatsroman - Geschichtsdichtung - Kreuzzugsepik) seinen Abschluss fand. Folglich steht meine Arbeit unter der Fragestellung, welche Darstellungsabsicht der Pfaffe Konrad mit seiner Gestaltung der Heiden und Christen im Rolandslied verfolgt hat. Ist der starke Kontrast zwischen den Heiden und Christen nur reine Darstellung der zeitgenössischen Vorurteile oder verfolgt der Autor damit das klare Ziel, den Kampf gegen die Heiden zu legitimieren und zu unterstützen.
Um die Fragestellung beantworten zu können, ist es nötig, zunächst die konkrete Darstellung der Heiden und Christen im Rolandslied näher zu beleuchten und einige Beispiele für die typische Gestaltung der beiden Gruppen durch den Pfaffen Konrad darzulegen. Ebenfalls Beachtung finden muss hierbei, dass der Kampf der Christen gegen die Heiden durch göttlichen Auftrag legitimiert wird, der zugleich die Motivation der Christen für den Kampf darstellt. Auch muss die Darstellung der heidnischen Religion näher beleuchtet werden, da sie besonders prägend für das (negative) Bild der Heiden ist. Genelun, als Verräter der Christen, bedarf besonderer Beachtung, da in ihm die schlechten Tugenden der Heiden, wie z.B. die superbia, gut sichtbar werden und er auch symbolisch als Antichrist von Konrad gestaltet wurde. Da Konrad das Rolandslied nach einer alt-französischen Vorlage gestaltet hat, muss natürlich auch seine Quelle das „Chanson de Roland“ 2 auf die Darstellung der Christen und Heiden hin beleuchtet werden, um zu sehen welche Veränderungen Konrad in diesem Teilaspekt vorgenommen hat.
Im letzten Schritt möchte ich dann das „Rolandslied“ mit dem „Willehalm“ 3 von Wolfram von Eschenbach auf die Darstellung von Heiden und Christen hin vergleichen. Dieses Werk bietet sich für einen solchen Vergleich an, da es ebenfalls auf einer französischen Vorlage basiert und zudem Anleihen beim Rolandslied nimmt. Es ist jedoch ca. 50 Jahre später entstanden, so dass man einen Eindruck von der Entwicklung des Heidenbildes in dieser Zeit
1 Im Folgenden zitiert nach: Kartschoke, Dieter (Hrsg.), Das Rolandslied des Pfaffen Konrad.
Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart 1996.
2 Im Folgenden zitiert nach: Klein, Hans Wilhelm (Hrsg.), La Chanson de Roland (altfranz. u. dt.), München
1963.
3 Im Folgenden zitiert nach: Kartschoke, Dieter (Hrsg.), Willehalm (mittelhochdt. u. neuhochdt.) Text der 6.
Ausgabe von Karl Lachmann‚ Berlin 1968.
3
bekommt. In der Forschungsliteratur hat die Darstellung der Heiden und Christen im Rolandslied in der jüngeren Vergangenheit recht wenig Beachtung gefunden, weshalb vor allem Literatur aus der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts zu diesem Thema zu konsultieren ist.
Eine der ersten Arbeiten zu diesem Thema stammt von Hans Naumann 4 , der in seinem Aufsatz „Der wilde und der edle Heide“ eine Übersicht über die Entwicklung des Heidenbildes in der mittelalterlichen deutschen und auch lateinischen Literatur versucht hat. Besonders für den Vergleich des Rolandsliedes mit dem Willehalm ist seine Arbeit durchaus ergiebig. Ein umfangreicheres Werk stellt die Dissertation von Siegfried Stein 5 dar, die ebenfalls einen Überblick über einen großen Zeitraum der mittelhochdeutschen Literatur gibt. Der einzige moderne Aufsatz zur Darstellung der Heiden im Rolandslied stammt von Herbert Backes 6 , der jedoch keinen Bezug auf die Arbeiten Steins oder Naumanns nimmt. Backes geht anhand vieler Beispiele auf das Heidenbild ein und nimmt hierbei auch Bezüge zu geistlicher Literatur bis hin zum 2. Jh. n. Chr.
Die Literatur zum „Willehalm“ von Wolfram von Eschenbach fällt deutlich umfangreicher aus. Zum einen behandeln, wie bereits erwähnt, Naumann und Stein dieses Werk ebenfalls und zum anderen existieren zum Heidenbild im Willehalm mehrere (auch moderne) Arbeiten. Einen Überblick über die Handlung des „Willehalm“ und einzelne Aspekte der Heidendarstellung und der Problematisierung des heidnischen Glaubens sind in Joachim Bumkes Buch über Wolfram von Eschenbach 7 zu finden.
Ebenso hat Ludwig Wolff in seinem Aufsatz über den „Willehalm“ 8 diesen Aspekt mitbehandelt. Carl Lofmark hingegen beschäftigt sich in seinem Aufsatz „Das Problem des Unglaubens im ‚Willehalm’ “ 9 speziell mit der Darstellung des heidnischen Glaubens und dem Versuch Wolfram von Eschenbachs das Verhältnis zwischen den Christen und den Heiden auf eine neue Basis zu stellen.
4 Naumann, Hans, Der wilde und der edle Heide. Versuch über die höfische Toleranz, in: Paul MERKER,
Wolfgang STAMMLER (Hrsg.), Vom Werden des deutschen Geistes. Festgabe Gustav Ehrismann zum 8. Okt.
1925 dargebracht von Freunden u. Schülern, Berlin-Leipzig 1925, S. 80-101.
5 Stein, Siegfried, Die Ungläubigen in der mittelhochdeutschen Literatur um 1050-1250, Heidelberg 1933.
6 Backes, Herbert, Teufel, Götter und Heiden in geistlicher Ritterdichtung. Corpus Antichristi und
Märtyrerliturgie, in: Albert Zimmermann (Hrsg.), Die Mächte des Guten und Bösen. Vorstellungen im XII.
und XIII. Jh. über ihr Wirken in der Heilgeschichte, Berlin-New York 1977, S. 417-441.
7 Bumke, Joachim, Wolfram von Eschenbach, Stuttgart 1991 6 .
8 Wolff, Ludwig. Der ‚Willehalm’ Wolframs von Eschenbach, in: Deutsche Vierteljahresschrift für
Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, 12 (1934), S. 504-539.
9 Lofmark, Carl, Das Problem des Unglaubens im Willehalm, in: Kurt Gärtner, Joachim Heinzle (Hrsg.), Studien
zu Wolfram von Eschenbach. Festschrift für Werner Schröder zum 75. Geburtstag, Tübingen 1989, S. 399-
413.
4
2. Die Darstellung der Heiden und Christen im Rolandslied
Dem Leser des Rolandsliedes fällt bei der Lektüre des Textes schnell auf, dass die Darstellung der Heiden und Christen in einer Art Schwarz-Weiß-Malerei geschieht, d.h. die Heiden werden vom Pfaffen Konrad überwiegend negativ dargestellt, wohingegen die Christen, bis auf den Verräter Genelun, überwiegend positiv dargestellt werden. Da das Werk rund 9000 Verse umfasst, können im Folgenden nur einige besonders auffällige Beispiele für diese Charakterisierung, die das gesamte Werk durchzieht, dargestellt werden.
2.1. Die Handlungsmotivation der Heiden und Christen
Der erste zu behandelnde Punkt ist die Frage nach der Handlungsmotivation der Heiden und Christen. Diese gibt im Prinzip schon die Charakterisierung der beiden Gruppen vor, da Konrad die Heiden als Kämpfer des Teufels darstellt und sie nach weltlichen Gütern streben lässt und im Gegensatz dazu, die Christen als Kämpfer Gottes dargestellt werden, die keine materiellen Gründen für den Kampf haben, sondern nur die Christenheit verteidigen wollen. Auch die Anführer der beiden Gruppen, auf der Seite der Heiden Marsilie und auf der Seite der Christen Karl der Große, werden dementsprechend dargestellt. Wo der eine Herrscher auf eigenen Ruhm und Schätze hin seine Männer kämpfen lässt, tritt der andere als uneigennütziger Vollstrecker des göttlichen Willens auf. Diese unterschiedliche Motivierung der beiden Anführer ist auch der Grund für ihr unterschiedliches Verhalten nach einer Niederlage, so zertrümmert Marsilie nach der Niederlage die Götterbilder, da sie ihm nicht geholfen hätten. Genauer heißt es bei Konrad:
„Er sagte: „Wie könnten mir die Götter noch helfen?/ Ich ließ sie unter die Schweine werfen/ und ihre Tempel niederreißen,/ denn sie haben mich nicht gerächt./ Sie hatten mir den Sieg verheißen./ Nun seht selbst wie ich darniederliege/ nach dem Verlust meines Arms./ Sie haben sich meiner nicht erbarmt,/ indem sie mich etwa gerächt/ oder irgendeine Verheißung gegeben hätten./ Sie schwiegen, als seien sie stumm./ Wären sie doch alle verbrannt,/ soviel es in der Welt auch geben mag!/ Es sind alles Trugbilder!“ 10
Karl hingegen macht nicht Gott zum Schuldigen für die vielen Toten, sondern seine Sünden und erhält dafür von Gott neue Kräfte geschenkt, so dass er den Kampf gegen die Heiden mit neuem Mut fortsetzen kann. So heißt es:
10 RL vv. 7277-7290.
5
Arbeit zitieren:
Fabian Rühle, 2007, Die Darstellung von Heiden und Christen im Rolandslied , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Satanisierung des Fremden im "Rolandslied" des Pfaffen K...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 15 Seiten
Vorläufer der Sprechakttheorie - Von Platon bis Austin: ein Überblick
Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Der Totentanz im Mittelalter - eine monumentale Bußpredigt
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 19 Seiten
Gender und Medien - Ein Überblick
Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Hausarbeit, 19 Seiten
Selbstbild und Feindbild im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 21 Seiten
Das Palais-Royal in der Französischen Revolution
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 20 Seiten
Sprachkritik in den Sprachwissenschaften am Beispiel der Fachsprache
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
"Es ist ein eigentümlicher Apparat" - Schuld und Strafe im ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Demokratie, Politik, Recht und Religion - Wie aufgeklärt ist der Isla...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 33 Seiten
Le Roman d'Eneas und Veldekes Eneasroman
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 20 Seiten
Die Darstellung der Artusgesellschaft in Wolfram von Eschenbachs "...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Hausarbeit, 22 Seiten
Auto- und Heterostereotypen im Rolandslied des Pfaffen Konrad
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 26 Seiten
Die Funktion Keies in der Artusgesellschaft
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
„Der blonde Eckbert“ von Ludwig Tieck - Eine Erzähltextanalyse
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 12 Seiten
Der Ständekonflikt in Emilia Galotti
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Martyrium in Rolandslied und Neuem Testament - Ein Vergleich
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 22 Seiten
Die Mordserie in "Crímenes de Oxford" als katalysenumrankte ...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Fabian Rühle's Text Die Darstellung von Heiden und Christen im Rolandslied ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Fabian Rühle hat den Text Die Darstellung von Heiden und Christen im Rolandslied veröffentlicht
Fabian Rühle hat einen neuen Text hochgeladen
El Islam y el Grial : : estudio sobre el esoterismo del Parzival de Wo...
Pierre Ponsoye, Jordi Quingles Fontcuberta
German Poetry from the Beginnings to 1750: Hartmann Von Aue, Wolfram V...
Ingrid Walsoe-Engel, Wolfram Von Eschenbach, George C. Schoolfield
0 Kommentare