1. Einleitung
Schon seit frühster Zeit sind uns Kriege zwischen verschiedenen Völkern, Stämmen oder einzelnen Rivalen bekannt. Schon die alten Griechen verstanden es, ihre Machtkämpfe im Krieg auszutragen. Schon weit vor 500 v. Chr. kam es zu Kampfhandlungen, welche ihren ersten Höhepunkt im Peloponnesischen Krieg fanden 1 . Mit den kriegerischen Auseinandersetzungen gehen aber auch immer technische Entwicklungen einher. Das Heerwesen wurde immer wieder reformiert und mit neuen Ideen versehen. Jede technische Entwicklung, welche im Krieg eingesetzt wurde, baut auf vorhergehenden Methoden und Kenntnissen auf.
Der in dieser Arbeit berücksichtigte Zeitraum von 1500 bis 1918, ist mit seinen vielfältigen Entwicklungen eine Besonderheit. Diese Zeit hat nicht nur das Schießpulver und die damit einhergehende Waffenentwicklung hervorgebracht, sondern vielmehr wurde am Ende dieser Zeit der Übergang von den zahlenmäßig kleinen Einigungsheeren zu den Millionenheeren vollzogen. Dieser Übergang bedeutete nicht nur den Verlust von vielen Soldaten und damit auch ein erster demografischer Einbruch in die Bevölkerungsstatistik, vielmehr vollzog sich zu dieser Zeit ein sprunghafter Wandel des Heereswesens und der damit verbundenen Kriegstechnik.
In dieser Arbeit sollen die fortschrittlichsten und wichtigsten Entwicklungen dieser Epochen dargestellt werden. Dabei kann nicht auf Vollständigkeit Wert gelegt werden, denn das würde den Rahmen der Arbeit bei Weitem übertreffen. Die herausragendsten Techniken sollen dargestellt und näher auf ihre weiteren Entwicklungen eingegangen werden. Doch nicht nur die Waffen, sondern auch die Geschichte der einzelnen Kriege oder der Lebenswandel einer Zeit wird starken Einfluss auf die Arbeit haben. Denn solange man die Art und Weise der Lebensumstände einer Zeit nicht versteht, kann man auch die Kriege und das Heereswesen nicht verstehen. Diese Punkte sind auch für die Fragestellung von enormer Bedeutung. Die Frage, welche am Ende beantwortet werden soll, ist jene nach dem Zusammenhang zwischen der jeweiligen Lebenssituation und der Kriegsentwicklung.
Wichtigste Literatur für diese Ausarbeitung ist zweifelsohne der mehrteilige Band von Georg Ortenburg „Heerwesen der Neuzeit“, welcher präzise die technischen Entwicklungen der Waffen, sowie auch die Änderungen der Taktik im Heerwesen darstellt. Weiterhin wurden wichtige Werke der einzelnen Epochen für die Darstellung der Geschichte benutzt.
1 Dreher: S. 125. 1
2. Das Schießpulver
2.1. Geschichte
Die Frage von wem das Schießpulver erfunden wurde ist bis heute nicht geklärt Zwar gibt es verschiedenen Annahmen, jedoch wird man es nie hundertprozentig herausfinden können, vom wem die erste Nutzung des Schießpulvers stammt. Die ersten Nachrichten von so genannten Brandsätzen, welche den Namen „griechisches Feuer“ erhielten, sind uns bei den Chinesen und aus Byzanz übermittelt. In Byzanz soll das Schießpulver mehrfach die Stadt vor Eindringlingen gerettet haben. Im Hochmittelalter kennen zwei Gelehrte die Rezeptur
für das Schießpulver. Zum Einen ist es Roger Bacon aus England und zum Anderen Albertus Magnus aus Köln. Der deutsche Philosoph und Theologe bezeichnete das Pulver noch als „fliegendes Feuer“ 2 und gibt eine genaue Anleitung für die Gewinnung der Rohstoffe, sowie die Mischung und das Mischungsverhältnis der einzelnen Bestandteile. Dort ist die Rede von: „Und merke, mit Bezug auf Schwefel sollst Du 3 Teile Holzkohle nehmen und mit Bezug auf Holzkohle 3 Teile Salpeter.“ 3 . Daher habe wir in dieser Quelle ein Verhältnis von neun Teilen Salpeter, drei Teilen Kohle und einem Teil Schwefel. Schießpulver war also schon vor 1300 in Europa bekannt und man geht stark davon aus, dass es von China über den Nahen Osten bis nach Europa gelangt ist. Deswegen vermutet man auch den Ursprung des Pulvers in China. Doch die erste Nutzung des explosiven Gemisches war auf keinen Fall darauf ausgelegt Geschosse abzufeuern und damit Schlachten zu gewinnen. Vorerst wurde es dazu benutzt Feuerwerkskörper abzufeuern. Die Benutzung als Antrieb von Geschossen im militärischen Sinn bekam das Schießpulver erst später 4 .
Die Annalen von Gent, welche 1313 entstanden, verweisen das erste Mal darauf, dass man das Pulver zum Betrieb von Geschützen benutzte. Im Laufe des 14. Jahrhunderts sind dann auch die ersten Fabriken, welche das Pulver herstellten urkundlich erfasst. Die Rede ist hier von den beiden Fabriken auf deutschem Boden. Augsburg (1340) und Spandau (1344) 5 . Natürlich stehen die beiden Fabriken nur stellvertretend für unzählige andere
2 Bretscher. 3 Bretscher. 4 Ortenburg: Waffen der Landsknechte. S. 49. 5 Ortenburg: Waffen der Landsknechte. S. 49. 2
Produktionsstätten, welche nach und nach entstanden. Denn nachdem man erkannt hatte, dass das Pulver zur Abschreckung von potenziellen Feinden oder später sogar als richtige Waffe verwendet werden konnte, brauchte man immer mehr Schießpulver und somit auch weitere Fabriken zur Herstellung davon.
Wichtigster Rohstoff zur Herstellung von Waffen und Kriegstechnik war mit weitem Abstand das Eisen. Die bedeutendsten Kriegsinstrumente des Mittelalters waren die Schwerter und somit war es für die damaligen Kriegsherren relevant, wie hart ihr Schwert geschmiedet wurde. Je besser die Schmiedekunst, welche von einem Schmied auf ein Schwert übertragen wurde, desto besser und härter wurde das Schwert. Hier war ganz besonders die technische Fähigkeit der Schmieder gefragt. Die besten Schwerter bekamen schon vor Ruhm und Ehre einen eigenen Namen. In Bezug darauf ist das sagenumwobene Schwert Excalibur als Beispiel anfügen. Das Bergwesen hatte sich in Deutschland in der Neuzeit als führender Wirtschaftssektor hervorgehoben und war Mittelpunkt der Bergbauindustrie in Europa. Die Standorte waren meist deutlich abgesteckt. So fand man die Hauptgebiete der Montanindustrie in Regionen von Österreich, im Erzgebirge, im Harz, in der Oberfalz und im Sauerland 6 .
Das größte Zentrum für den Handel von Waffen in Deutschland war die Stadt Nürnberg gewesen. Neben dem eigenen Metallgewerbe siedelten sich hier auch eine Menge Verkäufer und Zwischenhändler an. Weitere Zentren der Waffenindustrie waren Suhl, Solingen und Essen 7 . Im 17. Jahrhundert verlagerte sich dann das Hauptzentrum der Waffenproduktion von Deutschland nach Schweden. Die dort vorkommenden Kupferlager bei Falun und die vorrätigen Eisenerze konnten unbedenklich für die Waffenproduktion verwendet werden 8 .
2.2. Die Zusammensetzung
Die Grundstoffe der Schießpulvermischung wurden schon im vorherigen Kapitel genannt. Es sind Salpeter, Schwefel und Holzkohle. Der Salpeter konnte in zwei Formen verwendet werden. Entweder als Kalisalpeter (KNO 3 ) oder als Natriumsalpeter (NaONO 3 ). Wobei an dieser Stelle wichtig zu sagen ist, dass der Natriumsalpeter eher ungeeignet für die
6 Ortenburg: Waffen der Landsknechte. S. 17. 7 Wobei man Suhl von den anderen beiden Städten absondern sollte. Denn Suhl galt zu jener Zeit als Hauptzentrum der Eisenwarenherstellung. Von Suhl aus wurden alle Seiten beliefert. 8 Ortenburg, Georg: Waffen der Landsknechte. S. 24 f. 3
Herstellung von Schießpulver war. Diese Art des Salpeters war hygroskopisch und zog dadurch leicht Feuchtigkeit an und zusätzlich entstanden viele Verbrennungsrückstände.
Der Salpeter wurde an jenen Stellen gesammelt, wo sich organische Stoffe zersetzten und in Ammoniak übergingen. Diese organischen Stoffe waren meist Urin, Jauche oder auch Kot von Tieren. Man konnte den Salpeter also zu großen Teilen aus Tierställen gewinnen und dann weiter verarbeiten. Der Salpeter bildete durch Einwirkung von Feuchtigkeit an der Oberfläche Salpeterkristalle, welche auch „Kehrsalpeter“ genannt wurden, weil man sie leicht von der jeweiligen Oberfläche abkehren konnte. Um mehr Salpeter zu gewinnen, legte man auch großflächige Plantagen zu Salpetergewinnung an. In der Donau-Tiefebene kam es zudem an verschiedenen Stellen zu Ausblühungen des Salpeters aufgrund der dort vorherrschenden Bodenverhältnisse. Gleicher Art war der sogenannte „chinesische Schnee“, welcher aus dem Nahen Osten nach Europa kam. Aufgrund dieser Tatsache, vermutet man auch weiterhin, dass das Schießpulver in China zuerst erfunden wurde und dann über den Nahen Osten nach Europa kam 9 .
Wichtig bei der Herstellung war, dass der Salpeter rein war und deshalb wurde er in Wasser gelöst und später gekocht. Dadurch bildeten sich wiederum Salpeterkristalle, welche man zu Herstellung des Pulvers benutzen konnte. Der Schwefel wurde entweder im Bergbau abgebaut, oder resultierte als Nebenprodukt beim Verhütten schwefelhaltiger Erze. Das Mischungsverhältnis des Schießpulvers war nicht eindeutig zu ermitteln, denn verschiedene Quellen gaben auch immer ein unterschiedliches Mischungsverhältnis an. Man nimmt an, dass ein optimales Verhältnis aus 73,9 % Salpeter, 14,6 % Kohlenstoff und 11,5 % Schwefel bestand. Zudem variierte das Verhältnis der Stoffe mit der jeweiligen Nutzung des Pulvers. Für die Verwendung in einem Geschütz nahm man 100 Teile Salpeter und je 25 Teile Kohlenstoff und Schwefel; eine Pistole hingegen wurde mit 100 Teilen Salpeter, 12 Teilen Schwefel und 15 Teilen Kohle beladen.
Anfänglich wurde das Schießpulver fein gemahlen, damit es zur besten Durchmischung und somit auch zur besten Verbrennung des Pulvers kommen konnte. Denn je besser das Gemisch verbrannte, desto größere Kraft konnte auf die Kugel einwirken, welche abgefeuert werden sollte. Doch es gab auch Nachteile beim Zermahlen bis hin zu staubfeinen mehlartigen Pulver. Beim Transport konnten sich die Bestandteile vermischen, da sie eine unterschiedliche Dichte aufwiesen. Weiterhin nahm das Schießpulver in diesem Zustand leicht Feuchtigkeit auf und wurde dadurch unbrauchbar, da es im Lauf kleben blieb. Die einzige Lösung war also, damit 9 Ortenburg: Waffen der Landsknechte. S. 49. 4
diese Probleme nicht auftreten konnten, dass man das Pulver körnig machte. Man fand heraus, dass sich dadurch nicht nur die Nachteile eliminieren ließen, sondern dass auch die Kugeln von dem körnigen Schießpulver mit einer stärkeren Kraft angetrieben wurden 10 . Im Feuerwerksbuch von Faksimile heißt es:
„[…] daß zwei Pfund Knollenpulver mehr tun, als drei Pfund gerädenes Pulver“ 11
Doch vorerst wandte man die Körnung nur bei dem Pulver das für Geschütze benutzt wurde, an. Erst um 1600 setzte man das körnige Gemisch auch bei den Handfeuerwaffen 12 ein. Neben den Treibgasen, die bei der Verbrennung entstanden, wurde durch das Abfeuern eines Geschützes auch ein sogenannter Pulverschleim hinterlassen, welcher sich nach einiger Zeit zu einer festen Pulverkruste zusammenziehen konnte. Generell ist zu sagen, dass die Menge der hinterlassenen Rückstände mit der Unreinheit des Pulvers und dem Anteil von Natriumsalpeter stiegt. Je reiner das Pulver, desto weniger Rückstände konnte man erwarten.
2.3. Verwendung des Schießpulvers
Bei der Nutzung des Pulvers in Feuerwaffen muss man zwischen zwei Arten dieser Waffen unterscheiden. Zum Einen sind es die Handfeuerwaffen, welche von einem Mann allein getragen und auch bedient werden konnten. Die andere Kategorie sind die Geschütze, welche viel größer sind und nur mit Hilfe von mehreren Personen transportiert und abgeschossen werden konnten. Bei den Geschützen bestand sogar die Möglichkeit, dass sie allein von Menschenhand gar nicht bewegt werden konnten, beziehungsweise dass der Transport nur mit mehreren Dutzend Personen oder mit Hilfe von Pferden vonstattengehen konnte.
10
Ortenburg: Waffen der Landsknechte. S. 50f.
11
Ortenburg: Waffen der Landsknechte. S. 51.
12
Damals nannte man sie Musketen.
5
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Robert Schneider, 2009, Die Entwicklung der Kriegstechnik unter ökologischen Aspekten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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