Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 3
2 Das Unterrichtsfach „Schulmusik“ in der Krise 3
3 Exemplarischer Aufbau eines Musikprofils und eigene Erfahrungen im
t äglichen Tun 4
4 Klassenmusizieren als Modell für modernen Musikunterricht. 6
5 Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten - das Konzept 8
6 Bläserklassenmusizieren als soziale und musische Bildungschance 8
7 Exkurs - Rahmenbedingungen an einer Modellschule. 10
8 Literaturverzeichnis 12
Anhang - Musikcurriculum einer Modellschule 13
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1 Einführung
Klassenmusizieren hat viele Facetten und beinhaltet verschiedene Variationen. Ich möchte an dieser Stelle exemplarisch auf das Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten eingehen. Manche Lehrkräfte schätzen es wegen seiner überzeugenden musikalischen Erfolge, andere wegen seiner Motivationskraft. Ganz gleich, aus welchen Gründen man diesen Weg einschlägt: Klassenmusizieren eignet sich wie kein anderes Mittel, um Interesse und Freude an der Musik zu wecken und dauerhaft zu erhalten. Die Ergebnisse der ent-wicklungs- und lernpsychologischen Forschung stützen die alltägliche Erfahrung von Musikpädagogen in ihrem Unterricht: Kinder und Jugendliche haben ein natürliches Musizierbedürfnis. Ein Musikunterricht, der angemessen mit diesem menschlichen Grundbedürfnis umgeht, eröffnet den Schülern die Möglichkeit zur eigenen musikalischen Betätigung. Durch die musikalische Interaktion in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen werden zugleich vielfältige musikalisch-ästhetische Erfahrungsprozesse in Gang gebracht: Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten ist eine Unterrichtsform, die diesen Erkenntnissen Rechnung trägt:
S Sie eröffnet Kindern und Jugendlichen Erfahrungsmöglichkeiten auf den unterschiedlichsten Handlungs-, Wahrnehmungs- und Erlebnis-ebenen. S Sie bietet einen musikpädagogischen Rahmen zur Förderung der Ganzheitlichkeit, der Persönlichkeitsentfaltung und der Ausdrucksfähigkeit. S Klassenmusizieren ist eine Form des Musiklernens, in der Wie-Wissen und Was-Wissen gleichermaßen effektiv vermittelt werden können.
2 Das Unterrichtsfach „Schulmusik“ in der Krise
Dass das Schulfach „Musik“ in einer Krise steckt, wird seit Jahren beklagt - unter anderem von den Musikpädagogen selbst.
Die Ursachen der Krise werden zuweilen der eigenen Zunft angelastet, etwa der Gestalt, dass das Fehlen eines allgemein verbindlichen Konzepts für den Musikunterricht die Stellung des Faches schwächt. Andere beklagen mangelnde Unterstützung durch Politik und Gesellschaft. Das letzte Wort ist hierbei noch nicht gesprochen. Unabhängig davon, ob die Krise „hausgemacht“ ist oder nicht: Das
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Schulfach „Musik“ ist in der Öffentlichkeit schlecht angesehen, und die Kultuspolitik hat rasch reagiert: Flächendeckende und Schularten übergreifende Einsparungen bei Mittelzuweisungen, jahrgangsweise Kürzungen in der Stundentafel, verbunden mit Erhöhungen der Unterrichtsverpflichtung, sprechen eine deutliche Sprache. Der schulische Musikunterricht steht unter immer stärker werdendem Legitimationsdruck. Diesem Druck ist nicht mit „Gegendruck“ beizukommen. Durch Noten lässt sich im Nebenfach „Musik“ nun einmal bei Schülern und Eltern nicht viel Eindruck machen, und öffentlicher Protest der Standesorganisationen gegen kultusministeriale Entscheidungen hat bisher auch nicht den erhofften Erfolg gebracht. Das Fach muss sich Anerkennung neu verdienen - denn geschenkt erhält es sie nicht. Es wird an seinen Erfolgen gemessen werden. Deshalb ist es notwendig, überzeugende Unterrichtsangebote zu entwickeln, die sich an der zentralen Aufgabe des Fachs orientieren, grundlegende Kulturtechniken zu vermitteln. Ein Musikunterricht, in dem nicht musiziert wird, in dem Musik nur im Sinne eines Bildungsgutes „museal“ vorgestellt wird, ohne dass den Schülern lebendige musikalische Erfahrungen vermittelt werden, kann dies nicht leisten. 1 Klassenmusizierunterricht hingegen ist in der Lage, Schülern in einzigartiger Weise diesen lebendigen Erfahrungsschatz zu erschließen und hat sich als gut geeigneter Weg zur Förderung der musikalischen Motivation wie auch der Freude am Musizieren erwiesen. 2 Er trägt damit bei zum persönlichen Erfolg des Musiklehrers wie auch zu Erfolg - und Legitimation - des gesamten Schulfaches „Musik“.
3 Exemplarischer Aufbau eines Musikprofils und eigene Erfahrungen im
täglichen Tun
Wir arbeiten zwischenzeitlich im fünften Jahr mit einem Musikprofil, welches sich insbesondere durch den Schwerpunkt der Bläserklassen auszeichnet, was heißt, dass unsere Schülerinnen und Schüler, die sich freiwillig für diese Bläserklasse entscheiden können, drei statt regulär zwei Stunden Musikunterricht in der Woche bekommen. Hinzu kommt ein wöchentlicher Instrumentalunterricht in der örtlichen Musikschule. Die Bläserklassen sind ab Jahrgansstufe 7 als Big Bands konzipiert. Des Weiteren haben wir Perkussionsklassen, an denen die „Nichtbläser“ teilnehmen.
1 Vgl. Bührig, D.: Was hat Musik mit grundlegenden Kulturtechniken zu tun? In: Musik &
Bildung 30/1998, S. 54 f.
2 Vgl. Beck, W./Fröhlich W.D.: Musik machen - Musik verstehen, Mainz 1992, S. 119 f.
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Ein weiterer Schwerpunkt in unserer Arbeit ist die Arbeit mit Stimme und Gesang. Es gibt in der Eingangsstufe Jahrgangsstufenchöre, einen Chor für die Jahrgänge 7 bis 10 und ein Schulorchester für die Klassenstufen 8 bis 10.
Ohne es empirisch belegen zu können, stellte ich bereits in der ersten Bläserklasse, deren Klassenlehrer ich war, fest, dass ähnliche Auswirkungen wie in der Bastianstudie 3 , vor allem im Sozialverhalten der einzelnen Kinder als auch im Klassenklima zu verzeichnen waren, verglichen mit den zurück-liegenden Jahrgängen und den Parallelklassen.
Gespräche mit den Grundschullehrkräften der Schulen, aus denen die Schülerinnen und Schüler stammten, sowie die ersten Leistungsergebnisse entkräfteten die Vermutung, dass es sich um „die besseren Schüler“ des Jahrgangs handelte, ganz entgegen gesetzt war eher das Gegenteil der Fall. Umso interessanter war es, die von Bastian beschriebenen Effekte feststellen zu können, wie das Klassenorchester gerade den schwierigen Schülern Halt und Annerkennung brachte. Ich fühlte mich an eine für mich wichtige Aussage von Hartmut von Hentig erinnert, der in seinem Buch „die Schule neu denken“ davon spricht, welche Möglichkeiten gerade Jungs zum Auffallen haben: Attraktivität durch Schönheit und Sportlichkeit, Intellekt und Klugheit, oder eben, wenn beides nicht vorhanden ist, die negative Variante, also Destruktivität, Vandalismus, Gewalt usw. 4 Das Musizieren sehe ich in diesem Kontext als wichtige Säule an, die Schülerinnen und Schülern, vor allem, wenn die beiden erstgenannten Möglichkeiten der Bestätigung fehlen, Halt und Zuversicht geben können. Erst wenn diese Sicherheit vorhanden ist, wird es möglich, den Blick für andere Dinge und Lebens- oder auch Lerninhalte zu öffnen. Ein für mich entscheidender Punkt für Schulentwicklung, die mit und aus dem Innersten der Schule, ihrem Leben und Erleben und aus den Schülerinnen und Schülern heraus entwickelt und vorangebracht werden soll. Ich stelle in unserer Elternschaft fest, dass es eine gewachsene Sensibilität für dieses Thema gibt. Eltern erfahren durch die Medien von den positiven
3 Vgl. Bastian, H.-G.: Musik(erziehung) und ihre Wirkung, eine Langzeitstudie an Berliner
Grundschulen, 3. Auflage, Mainz 2002
4 Vgl. Hentig, Hartmut v.: Die Schule neu denken, München 1993, S. 122 ff.
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Arbeit zitieren:
Dietmar Leichtle, 2009, Klassenmusizieren als Modell für modernen Musikunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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